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Jüdische Zeitung · 1915-05-14 · 19 (14.5.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
19 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG MH NfiTIML -JUDI5CHE5 ORGAN WM Mit Bfeiläge^PER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ■ ■■nFI ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden ■ tätlich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurück gestellt — Abonnemenstspreise: Für Oester- H reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ™ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. ■ Wien, Freitag, den 14. Mai 1915. IX. Jahrgang. Jüdisches Archiv. In den nächsten Tagen erscheint» Jüdisches Archiv“ Heft I der Mitteilungen des Jüdischen Kriegsarchivs. Aus denr Inhalt: Die Juden in Galizien und der Bukowina unter der russischer Invasion. (Authentische Originalberichte und dokumentarische Belege). Leiden der Juden in Russisch-Polen. (Original-Korrespondenzen).—Die Anteilnahme der österr.- ungarischen Juden am Kriege. (Patriotische Aktionen und Kundgebungen, hervorragende Einzelleistungen). — Juden als Soldaten und Offiziere. (Listen der Ausgezeichneten, Anerkenungsschreiben, Episoden usw.). — Verschiedenes. . .- Preis: 60 Heller (50 Pfennig), mit Porto 80 Heller (60 Pfennig). . . . .. Vorausbestellungen durch den Verlag R. LÖWIT, Wien, I. Rotenturmstraße 22 oder durch das JÜDISCHE KRIEGSARCHIV, Wien, II. Zirkusgasse 33. Demaskiertes Rssimilantentum. Von Dr. Abraham Kornhäuser. Für uns Nationaljuden, die wir gegen die Lügengeister der Assimilation und ihre glattzüngigen falschen Apostel durch viele Jahrzehnte ohne Unterlaß einen schweren, hartnäckigen und unerbittlichen Kampf führen und wohl auch in Zukunft zu führen haben werden, ist eine Episode von hohem Interesse, die sich m der Wiener Kahalstube während der jüngsten Tage zugetragen hat und in weitea jüdischen Kreisen Gegenstand der Unterhaltung und der Diskussion bildet. Auch der unbeteiligte Zuschauer wird von den Vorgängen, die eines Ausmaßes von Komik nicht entbehren, eine Weile gefesselt; der Nationaljude hingegen kann unmöglich achtlos daran vorübergehen. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde ist im Begriffe, einen Oberrabbiner zu bestellen, steht somit vor der Wahl eines neuen geistigen Oberhauptes und Führers und das Vorstandspräsidium präsentierte zwei Kandidaten, die nach seiner Auffassung für diesen Posten die geeignetsten und berufensten wären und hat demgemäß die Wahl mit allem Nachdruck empfohlen. Von den beiden vorgeschlagenen Herren des Kultuspräsidiums ist der eine ehemaliger Gemeinderat der Stadt Wien, Mitarbeiter der liberalen Presse, der andere k. k. Landesschulrat für Niederösterreich, ehemaliger Reichsratskandidat der „deutsch-liberalen“ Partei in der Leopoldstadt — beide somit hervorragende Repräsentanten des „jüdischen Deutschtums“ in Wien. Hingegen wirken die von ihnen zur geistigen Leitung des Wiener Judentums eindringlich empfohlenen Kandidaten seit Jahren in neologen, fortschrittlichen Gemeinden der Hauptstadt Ungarns, sind prominente Wortführer der innerhalb dieser Gemeinden seit je vorherrschenden Geistesrichtung der Magyarisierung. Kein Zweig der jüdischen Volksgemeinschaft hat sich in dem Maße des jüdischen Gemeingefühls entäußert und der echten Teilnahme mit idem jüdischen Volksleid, als gerade das ungarische Judentum, dessen Hauptsorge eS bildet, die reinste Auslese des MagyarentumS in sich zu kultivieren und nach Außen darzustellen. Eine jüdische Solidarität anzurufen, wird in diesen Kreisen ebenso peinlich empfunden, wie z. B. irgendeine, auch nur die geringste Interessenahme für O esterreich. Und aus diesem seltsamen Gedankenkreis heraus ist das auffällige Verhalten gegenüber den bemitleidenswertesten Opfern und Märtyrern des österreichischen Patriotismus, den galizischen Kriegsflüchtlingen, zu verstehen und zu erklären. Es ist darum förmlich eine herzerfreuende Offenbarung der inneren Unwahrheit des Assimilationsschwindels, wenn Repräsentanten der sogenannten „jüdischen Deutschen“ einen Wortführer des magyarischen Judentums zum Oberrabbiner der „deutschen Stadt Wien“ unbedenklich als berufen und geeignet erachten. Gestern hat er die Herrlichkeit des ungarischen Globus mit flammender Begeisterung gefeiert, die alleinseligmachende magyarische Assimilation gepriesen, er* vermag heute trotzdem mit dem Aufwand derselben Wortfülle und desselben Pathos der „Hoheit des deutschen Geistes“ und dem vornehmlich deutschen Beruf des Judentums das Hohe Lied singen. Mit der wunderbaren Fertigkeit und Fixigkeit eines Zauberkünstlers verwandelt sich der Ungar in den ,',Schwa')* , der Magyar ln den Germanen, „wenn es nötig ist und nützt“. Ist das anders als — nationale Prostitution? Wenn die Feinde uns die Schmähung ins Gesicht schleudern, daß der Jude, ob er sich als „Deutscher“ gebärdet, als Pole „mosaischer Konfession“ oder als Czeche verkleidet — er hat überhaupt keine nationale Gesinnung, er wählt nur das Gewand, das zufällig in seinem Kreise Mode ist — haben unsere Assimilanten diesen Schimpf, diese Brandmarkung nicht wohl verdient? Nationales Empfinden ist heute in den Kreisen aller Völker das heiligste Eigentum des Herzens; hier ist ihnen jede Verfälschung und Unechtheit am widerwärtigsten und am abstoßendsten. Darum wird ein ehrlicher, jüdischnationaler Standpunkt gerade in nichtjüdischen Kreisen mit Achtung und Sympatie begrüßt. Gelegentlich der Wahlreform für den Landtag in der Bukowina haben alle Parteien jenes Landes in die Schaffung einer jüdischen Kurie gerne eingewilligt. Da kamen aus Wien die Proteste der Herren Hofrat Kuranda, Dr. Alfred Stern usw. und die Zentralregierung erzwang hierauf die Vereinigung der Deutschen mit den Juden zu einer einzigen gemeinsamen Kurie gegen den Willen beider Teile. Die Geschehnisse jener Tage kommen mir in Erinnerung bei den letzten Vorgängen in der Wiener Kahalstube. Das Deutschtum der Assimilanten ist nicht echter als ihr Judentum. Dabei entbehrte der Wahlvorschlag für das Wiener Oberrabbinat nicht der inneren Konsequenz. Für eine Assimilationsgemeinde mit einem Assimilantenkahal ist nur ein Oberrabbiner passend, der das Virtuosentum nationaler Variabilität und Verkleidungskunst schon darin zum Ausdruck bringt, daß er seinen ursprünglich deutschen Namen in einen ungarischen umgewandelt, um die Erinnerung an den deutschen Ursprung auszumerzen und nun es doch fertig bringt, eventuell deutscher Prediger und Prediger der „jüdischen Deutschen“ zu werden. So hat denn alles seine strenge Logik und es waltet kein blinder Zufall in den Geschehnissen. Das amepiftanisdie &eben smittelsdiiR. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihren Dampfer „Vulkan“ dem „Amerikanisch- Jüdischen Hilfskomitee“ und dem „Provisorischen Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten“ zur Verfügung gestellt, um Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung nach Palästina zu bringen. Der „Vulkan“ ist am 13. März ausgefahren. An Bord des Schiffes befanden sich mit der Vollmacht zur zweckentsprechenden Verteilung der Lebensmittel die Repräsentanten der beiden Komitees, die Herren Louis H. Levine und Dr. S. L e vin - Epstein. Die Regierung der Vereinigten Staaten, sowohl wie die kriegführenden Mächte haben diesem Schiffe sichere Fahrt Von den zur Ausrüstung dieses Schiffes gespendeten Summen seien folgende genannt: Nathan Straus 50.000 Dollar, das Provisorische Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten 25.000 Dollar, das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee 25.000 Dollar, Jacob H. Schiff 25.000 Dollar. Die Tatsache, daß eines der größten Kohlenschiffe, wie der „Vulkan“, von seiten der amerikanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde, ist dem persönlichen Eingreifen des Staatssekretärs Bryan zu verdanken. Da keine Schiffahrtsgesellschaft die unsichere Fahrt nach Palästina riskieren wollte, waren die Komitees gezwungen, allein 75.000 Dollar zu sammeln, um die Expeditionskosten und die Kosten der Versicherung zu decken. Diese Kosten mußten bewilligt werden, da kein einziges der momentan freien Regierungsschiffe für die umfangreiche Ladung Raum genug zur Verfügung hatte. Im letzten Augenblick hat nun das Marine-Minister ium in Washington dem Komitee mitgeteilt, daß es in Anbetracht der wichtigen menschenfreundlichen Aktion Order gegeben habe, ihren Dampfer „Vulkan“, der schon für eine andere Reise bestimmt war, wieder auszuladen, um so die unentgeltliche Beförderung der Waren nach Palästina zu ermöglichen. Die gesamte amerikanische Presse begrüßt diese humane Handlung der Regierung. Das hebFäisiiie Sdiuluerk in Palästina. Die diesjährigen Sammlungen für den Zionistischen Zentralfonds einschließlich hebräisches Schulwerk haben im 1. Quartal 1915 den Betrag von Mark 46.000.— ergeben. In allen hebräischen Schulen Palästinas (mit Ausnahme der Mädchenschule in Jaffa) wird der Betrieb regel- ■ recht durchgeführt.

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