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Jüdische Zeitung · 1915-04-30 · 17 (30.4.1915) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
17 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ment, das zur Vermittlung mit Europa berufen ist, ohne das wahre Interesse des osmanischen Staates; eine wirtschaftliche Emanzipation aus dem Auge zu verlieren. Finanzielle, handelspolitische und, auch kulturelle Gründe machen darum die Juden zu einem wesentlichen Faktor in dem engen Bündnis, das wir für die Zukunft schließen müssen, soll der Krieg nicht nur den militärischen Sieg gebracht 'haben.. Der Buszug aus Ungarn. Unter dieser Spitzmarke wiesen Wir in der jüngsten Nummer mit einigen Worten daraufhin, dab die Abschaffung der galizisch-jüdischen Flüchtlinge aus Ungarn einzigallein auf Betreiben gewisser jüdischer Kreise in Budapest zurückzuführen ist. Die armen Juden, die vor der russischen Invasion nach Ungarn geflohen sind, waren nicht auf Rosen gebettet. Die ungarischen Juden, die durch ihre offiziellen Führer und Zeitungen Jahre hindurch gegen die galizischen Juden systematisch verhetzt wurden, haben .sie; nicht wie Brüder empfangen. Sie galten als „Polische“ und wurden nichtsweniger als gerne gesehen, obwohl ihre Zahl im Lande eine ganz geringe warj. so gab es. z. B. in Budapest im ganzen 6000 Seelen., Einige von ihnen, die auch früher -mitj-'Budapester Kaufleuten in Geschäftsverbindung ■ gestanden sind, haben Geschäfte abgeschlossen,' worauf sie die Polizei mit empfindlichen- Strafen belegte. Hierauf enthielten sie ' sich jeder Betätigung. Was war die Folge? Die Polizei ging gegen sie als gegen beschäf.tigungslose Fremde, ebenfalls mit Strafen-vor, bis man der Behörde klarmachte, daß -die 'galizischen Juden österreichische Staatsbürger sind, die von der Wiener Regierung Unterhältsbeiträge beziehen.. Dies hinderte aber die.-Polizei nicht daran, am Vortage des Pessachfestes ■ das Polizeigefängnis mit armen Flüchtlingen zu füllen. Endlich ging einigen ungarischen Juden -das Licht auf. Man wird wohl annehmen, daß. sie sich ihrer bedrängten Brüder angenommen haben. Weh gefehlt! Sie gingen von 'dem. Standpunkte aus, - daß der Anblick der galizischen Juden den Antisemitismus in . Ungarn in die Halme schießen lasse und daher die Ernennung weiterer israelitischer Hofräte in Frage gezogen sei und so begaben sie sich' auf der Hintertreppe zur Regierung, bei der es ihnen gelang, die Abschaffung der Flüchtlinge nach Oesterreich durdizusetzen. Das ist das traurige Schicksal der nach Ungarn geflüchteten galizischen Juden. Und nun wollen uns die ungarisch-jüdischen Kreise weismachen, die österreichische Regierung hätte die galizischen Juden reklamiert. JÜDISCHE ZEITUNG batailion Nr. 23, Beamter der Kredit-Anstalt und Professurs-Kandidat, hat im 23. Lebensjahre in den Karpathen den Heldentod gefunden. Als Opfer einer kurzen, heftigen Krankheit verschied am 22. März im Garnisonslazarett zu Mainz — erst 25 Jahre alt — Siegfried Pick. Der Verblichene war ein hochherziger, begabter Mensch, seinen Freunden lein freuer edler Freund, dem jüd. Volke •— dem in" stiller, unermüdlicher Arbeit in der Prager Poalei Zion all sein Wirken galt ,— ein begeisterter Vorkämpfer. Noch zuletzt, ehe ihn das Vaterland rief, hat' er als Mitbegründer der Vcrpfle^ gungskomitees für die geflüchteten galizischen Juden unsägliches Elend lindem helfen. Der öeufsdie Botschafterin HewsMüher die Rahmig der türhisdieu Regierung gegenüber den palästinensischen Juden. ■' Graf ' Bernstorff, der deutsche Botschafter in Washington, hat in der amerikanischen Presse nachfolgende Erklärung veröffentlicht, die wir wörtlich wiedergeben, weil sie als offizielle deutsche Erklärung die im „,Hamburger Israelitischen Familienblatt“ vom 15. April enthal- , tenen von uns in dem vorstehenden Artikel bci handelten Behauptungen über die Stellungnahme der türkischen Regierung (gegen einen be- : stimmten Teil des palästinensischen Judentums i in deutlicher Form richtig stellt. „Es sind kürzlich zahlreiche alarmierende; Berichte betreffs der Lage der jüdischen Bevölkerung Palästinas hier eingetroffen. Verschiedentlich habe ich offizielle Nachrichten ver-; öffentlicht, die ich heute ergänzen kann. Die ‘ Regierung in Konstantinopel hat seit Ausbruch des Krieges an ihrer traditionell duldsamen Stellungnahme allen Religionen gegenüber streng ■festgehalten und man hat in Konstantinopel niemals antijüdische oder anti - : z io n is t i s c he G e f ü h 1 e g eh "gt. Die politische Unruhe, die eine Zeit lang die jü- ■ dische Bevölkerung Palästinas in Bestürzung versetzte, ist durch Uebereifer türkischer .Lokalbehörden verursacht worden. Aber glücklicherweise hatte er nirgends Ausschreitungen zur Folge, die nicht gänzlich wieder gut gemacht werden konnten. Die Ausweisung von einigen; Tausend Juden aus Palästina ist ebenso ohne die Genehmigung vo n Kons t än t in op e 1 von - lokalen Militärbehörden angeordnet worden. Die I türkische Regierung hat den Beamten abberufen, der hauptsächlich an der Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung Schuld trägt. Derdeutsche Botschafterin Konstantinopel hat in enger Zusammenarbeit mit dem Botschafter Mr. Morgenthau während dieser ganzen Zeit dieser Frage große Aufmerksamkeit gewidmet und hat die deutschen K-onsularbehörden in der Türkei angewiesen, regelmäßig über die lokalen Ereignisse zu berichten.“ Duzatti für Oie Juden Polens. Unter der Ueberschrift „Die religiösen Verfolgungen in Rußland“ veröffentlicht der „Corriere della Sera“ einen Klageruf aus der Feder Luzzatis. Zionisten in Felde. Feldwebel Salamon Helfgott des Inf.- Reg. Nr. 3 erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille II. Kl. Salamon Helfgott ist 1. Vorturner und Stütze des Jüd. Turnvereines Lundenburg. Er stand seit Kriegsbeginn im Felde, machte unzählige Gefechte auf dem südlichen Kriegsschauplatz mit, wurde schwer verwundet, erkrankte an Typhus und ist jetzt geheilt zu seinem Kader eingerückt. Fähnrich Erich Böhm, Mitglied der jüd.- akad. Ferialverbindung „Hessiana“ in Mährisch- Ostrau, wurde mit der bronzenen und silbernen Tapf erk eitsm edaille II. Klasse ausgezeichnet Wie wir bereits berichtet, War unser auf dem Felde der Ehre gefallene Gg. Ing. Heinrich Freund wiederholt zur Auszeichnung vorgeschlagen worden. Nunmehr wurde ihm für tapferes" Verhalten vor dem Feinde die allerhöchste Anerkennung zuteil. Die jüd.-akad. Verbindung „Robur“ teilt mit, daß ihr lieber Couleurbruder Fähnrich Walter Schreiber am 12. d. M. in den Karpathen den Heidenrod fürs Vaterland starb. Der Dahingeschiedene kämpfte zu Beginn des Krieges in Serbien und wurde für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaill e.üekoreirt. Der Präses der jüdischen Verbindung „Neure jehudä“ Heinz Koch, Kadett im Feldjäger - Luzzati ermahnt die russischen Polen, an deren Schicksal er den regsten Anteil nimmt, sich den Juden gegenüber nicht dasselbe zu schulden kommen zu lassen, was sie selbst von ihren Unterdrückern stets so bitter empfunden haben. Georg Brandes, der bekannte dänische Schriftsteller, so berichtet er weiter, habe über die Erzählungen von den entsetzlichen Pogromen, die in Russisch-Polen seit Beginn des1 Krieges begangen worden, die eingehendsten Erhebungen angestellt, aufs gewissenhafteste nachgeforscht und es habe sich1 herausgestellt, daß jene Berichte noch hinter der schrecklichen Wahrheit zurückblieben. Es ist ein Neutraler, der in einer dem Dreiverband unbedingt ergebenen Zeitung eine solche Anklage erhebt und ein Angehöriger eines neutralen Staates hat die Tatsachen festgestellt, die den Grund zu dieser Anklage ergeben. Was aber sagt Frankreich, was sagt'England, das sich stets als Schirmherr der Unterdrückten aufspielen möchte, zu den Zuständen, die selbst während des Krieges bei seinem östlichen Bundesgenossen herrschen? Durch ihr Schweigen machen sie sich zu Mitschuldigen jener Verbrecher und stellen sich außerhalb der zivilisierten Welt, deren Mitleid und Hilfe Luzzati anruft. Nr. 17 Jerusalem als türhisdies Hauptquartier. Woran beim Ausbruch des Weltkrieges kein Mensch gedacht hat, das ist Wirklichkeit geworden. Jerusalem ist zum .Hauptquartier des Türkenheeres geworden, das von Palästina aus Aegypten dem Türkischen Reiche wiedererobem soll. Von allen Seiten, so schreiben die „Basler Nachrichten“ nach einem Bericht von Pastor Schneller im „Bote aus Zion“, sind die türkischen Truppen in und ,vor Jerusalem eingetroffen. Die deutsche Bagdadbahn hat dem langgestreckten türkischen Reich mit einem Schlage das gegeben, was ihm so lange gefehlt hat: ein Rückgrat, einen Schienenstrang von einem. Ende bis zum andern, und damit eine rasche Verbindung.zwischen seinen weit auseinanderliegenden Gebieten, die sich vom Persischen Golf und Bab el Mandeb am Roten Meer bis zum Goldenen Horn erstrecken. Zum ersten Mal war es daher . möglich,' bei ieinem Mobilmachungsbefehl die Truppen aus fallen Teilen des Reiches verhältnismäßig schnell zusammenzubringen. Die Mannschaften aus dem Norden Kleinasiens werden wohl namentlich gegen Rußland, die mesopotamischen nach Persien marschiert Sein. So blieben die Truppen des südlichen Kleinasiens, Syriens und Palästinas für den Kriegszüg nach Aegypten übrig. Für diese ist Jerusalem zuni Hauptquartier gemacht worden. Die Beduinen der Wüste, von denen in den Zeitungen vielfach die Rede ist, sind' keine aüsgebildeten .Soldaten. Sie erkennen auch die Oberhoheit des Sultans nur in sehr bedingtem Maße oder gar nicht an? Sie kommen also für die .von Jerusalem aus geleiteten Truppenbewegungen vorläufig nicht in Betracht. Jedenfalls werden sie nicht in Jerusalem gesammelt, sondern könnten nur in der Wüste östlich des Sueskanals zu den staatlichen Truppen stoßen. Schon im September begannen sich die Truppen in Jerusalem zu sammeln. Große Zeltlager umgaben die Stadt. Da, wo einst die römischen Legionen und' die Kreuzfahrer die Stadt belagerten, wehte über zahllosen Zelten die Fahne des Halbmondes. Jerusalem bietet heute ein so kriegerisches Bild, wie wohl seit vielen Jahrhunderten nicht mehr. Auf dem alten Tcmpelplatz Israels finden kriegerische Volksver - Sammlungen statt. Auf den Stätten, zu denen sonst fromme Pilger von allen Teilen der Welt wallten, in der Nähe der Grabeskirche, auf dem Oelberg, über Gethsemane schallen türkische Kommandorufe und schallt der .Tritt türkischer Regimenter. Die Stadt wimmelt von Soldaten der verschiedensten Truppengattungen und Völkerschaften: Türken, Tscherkessen Kurden, Araber. Dazwischen bewegen sich die strammen, kraftvollen Gestalten der deutschen Offiziere, die nach dem Balkankriege der türkischen Regierung zur Reorganisation ihres Heeres überlassen worden sind. f Eine strenge Kontrolle müssen sich natürlich alle anderen Bewohner Jerusalems gefallen lassen. Jedermann muß beständig einen behördlichen Ausweis über seine Person mit sich tragen. Bei Ausländem wird ein solcher vom zuständigen Konsulat ausgestellt. Nach 8 Uhr abends darf sich kern Mensch mehr auf den .Straßen blicken lassen, widrigenfalls er mit .'Erschießung bedroht ist. Sämtliche größeren Gebäude der Stadt, die Angehörigen feindlicher Mächte gehören, abgesehen von dem gewaltigen Russenbau, sind zur Unterbringung von Truppen mit Beschlag belegt worden. Hiebei merkt man deutlich die geübte Hand der deutschen Offiziere. Früher wußte mjn ja von solchen Vorbereitungen bei türkischen Kriegen nichts. Diesmal wird alles gründlich zugerüstet, noch ehe es irgendwo einen Verwundeten gibt. Die vorhandenen Hospitäler Jerusalems, sämtlich im Besitze europäischer christlicher Gesellschaften, können allein schon. ' 2000 Verwundete aufnehmen; Aber es werden noch viel umfassendere Maßnahmen getroffen.. |. Jerusalem ist vom ägyptischen Kriegsschauplatz

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