Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 17 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 aus die nächstgelegene Stadt, wenn man von dem ganz unkultivierten und schmutzigen Hebron im Süden absieht. Zahlreiche Klöster -yverden für die Verwundeten bereit gehalten. Auch die prächtige Kaiserin-Auguste-Viktoria-Stiftung auf dem Oelberge hat sich aus freien Stücken erboten,, in ihren hohen luftigen Räumen ein Lazarett einzurichten. Das Syrische Waisenhaus hat sich auf eine Anfrage der Regierung hin gleichfalls bereit erklärt, seine entbehrlichen Räume dafür herzugeben. Der vorzügliche deutsche Arzt des Kaiserswerther Hospitals, Dr. Grussendorf, hält allgemeine Kurse ab, um möglichst viele Europäer und Juden, namentlich Deutsche, als Krankenpfleger auszubilden. Etwa ein Dutzend Angehörige des Syrischen Waisenhauses haben an diesen Kursen teilgenommen und sich für die Krankenpflege zur Verfügung gestellt. Aus Sen olthupierlen Gebieten in Holen. In Lodz, kehren, ‘unter der deutschen Verwaltung allmählich^'geordnete Verhältnisse ein. Die :• „Deutsche Lodzer/Zeitung“ vom 4. April berichtet t von einer Sitzung der jüdischen Gemeindeverwaltung, jäie sich schon wieder mit Einzelheiten zu beschäftigen . anfängt. U. a. wird in derselben : Nummerdie Tätigkeit der, vor zwei Monaten eröffneteri Volksküche erwähnt, die gegenwärtig 700 Mittagsmahlzeiten verabfolgt. In der Volksschule der Talmud-Tora, die von 700 Zöglingen besucht wird, sollen die praktischen Beschäftigungen in der Weberei, sowie in den elektrotechnischen Abteilungen nach den Osterfeiertagen aufgenommen werden. Vom Verein für das israelitische Volkshaus ist der Beschluß zur Eröffnung einer Volksbibliothek und Lesehalle im eigenen Lokale gefaßt worden. Schließlich wird über die Generalversammlung des jüdischen Lehrervereins berichtet, der mit gutem Erfolg eine Einkaufsgenossenschaft errichtet hat. Auch in Kutno wurde eine jüdische Volksküche gegründet, die unter Mitwirkung der deutschen Behörden eine große Aufgabe erfüllt. Sowohl hier, wie in Bendin ist die Armut sehr groß. Aus Beuthen schickte Herr Rabbiner Kopstein nach Bendin 11 Kisten Kinderkleider, die an die armen Familien durch den Frauen- ’ verein verteilt wurden. In Kutno, Pabianice, wie in allen Städtchen der Umgebung hat die . deutsche Kommandatur den jüdischen Kaufleuten erlaubt, an Sabbath wied’er ihre Geschäfte zu schließen. Für die Pessachtage wurden die Armen in den okkupierten Gebieten überall mit Geld und Viktualien reichlich1 unterstützt. Mit Einwilligung iier deutschen Behörde haben überall die Gemeinderabbiner den Mazzotverkauf mit einer Steuer belegt, die den Unbemittelten zugute kommt. Das Entgegenkommen der deutschen Militärbehörden wird überall rümend hervorgehoben. In Wlosczewo erfuhr der Ortskommandant, daß der Rabbiner seit vielen Monaten sein Gehalt nicht . Rmehr ausbezahlt bekam und .erbot Sich, das Geld gewaltsam einzutreiben. Der Rabbi selbst bat aber den Kommandanten davon .abzusehen, da die Gemeinde, sobald bessere Zeiten eintreten, ihren Verpflichtungen gewiß nachkommen werde. 1 ‘ In Kalisch kamen vorige Woche 9000 Mark ■ zur Verteilung unter die Armen als erster Bei- . . trag des Berliner Hilfskomitees. Die pussisdie „Agrarreform“ in Galizien. Dem „Golos Moskwy“. gufolge wurde der Beamte des Ministeriums des Innern, P u r i s c h - k e w:i t s c h, der Bruder des bekannten Duma- Abgeordneten, nach Galizien entsendet, um die dortigen Verhältnisse zu studieren und geeignete Vorschläge über die Errichtung dieser Provinz zu machen. Der Delegierte wandte seine besondere Aufmerksamkeit den Agrarverhält - n i s s e n zu und gab der Meinung Ausdruck, daß der Bauernbesitz vergrößert werden müsse. Dies könne nur auf Kosten des Großgrundbesitzes geschehen, der zu einem Drittel in den Händen der Juden sich befinde, und in der Tat beginne man, auf die Liquidierung' des jüdischen Großgrundbesitzes hinzuweisen. Es ist wohl wahr, dab die Frage der Konfiskation noch keine konkrete Form angenommen hat, wenn auch zugegeben wird, daß im Augenblick diese. Frage etwas zurückgetreten ist. In der ersten Zeit der Einführung der russischen Herrschaft in den österreichischen Provinzen, wo die Juden vielfach, ohne einen Verwalter bestellen zu können, ihre Güter verließen, wurde erwogen, den Mangel an Verwaltern?um Vorwand für eine Konfiskation zu nehmen. Gegenwärtig sind aber schon auf vielen Gütern Verwalter bestellt worden. Trotzdem ist der Gedanke an Konfiskation nicht ganz aufgegeben, und das Bureau des Generalgouvemeürs sammelt in den Bezirken Informationen überden jüdischen Grundbesitz außerhalb der Städte. Das Projekt der Konfiszierung des jüdischen Grundbesitzes stammt von der Militärbehörde, die dieses Projekt kraft des Kriegszustandes verwirklichen will. Purischkewitsch spricht sich gegen ein derartiges Projekt aus, da für eine solche Maßregel erst nach der Anerxion die Zeit kommen könnte, auch dann aber die Juden nicht von vornherein durch Güterkonfiskation zu Gegnern der russischen Herrschaft gemacht werden dürften. Wenn man aber auch den jüdischen Großgrundbesitz unter die Bauern aufteilen -würde, so blieben noch immer 70 Prozent rein polnischen Großgrundbesitzes, der die Verschmelzung Galiziens mit Rußland erschweren würde. Uoiilläliglteifsabenö zugunsten Oer galizisib. jüdischen hittelsdiuljugeni. Sonntag, den 2. Mai findet im Festsaale des Hotel Continental ein Wohltätigkeitsabend statt, dessen Reinerträgnis der Ausspeiseaktion für arme jüdische Mittelschüler aus Galizien gewidmet ist. Das Programm des unter dem Protektorate der Herren kaiserlicher Rat Karl Hirsch und Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Egon Zweig stehenden Abends enthält außer Ansprachen der Herren Oberrabbiner Dr. Thon, Professor Dr. M. Balaban und Dr. Stein auch Rezitationen, des Herrn Dr. M. Präger aus Werken jungjüdischer Dichter. Im musikalischen Teil haben ihre Mitwirkung zugesagt: Oberkantor Don Fuchs und Violinvirtuose Ernst Grünberger. — Karten zu K 2.—, 1.50 und 1.— erhältlich in der Buchhandlung R. Löwit, 1. Bezirk, Rotenturmstraße, und im Zionistischen Zentralbüro, .2. Bezirk, Zirkusgasse 33. 2. SAehelausueis 5675. Innerösterr:eich: Wien: Lese- und Redehalle 16.—, Br. Rabinowitsch 8.40, Zentralverein 3.60, Diverse 3.60, aus dem Felde 2.40, Klosterneuburg: Hugo Erber („Kadimah*“) 12.—, zus. 46.—, bereits ausgewiesen 153.40-; Gesamtsumme 199.40. Galizien: Krakau: Is. Broda 60.—, Vbg. „Judäa“, Lbg. 12.—, Dr. Syrop, Neu-Sandez 12.—, I. Keil, Lbg. 6.—, Frl. Orender (Büro) 12.—, Dr. Spann, Tarnow 12.80, Dr. M. Ringel, Lbg. 12.—, Vbg. „Emunah“, Lbg. per M. Arnold 8.40, J. Bodek, Lbg. 18.—, Vbg. „Judäa“, Lbg. per L. Enis 8.40, zus. K 161.60. Bereits ausgewiesen K 74.—, Gesamtsumme K 235.60. Bukowina: Dr. Weisseiberger 4.80, Mord. Brecher 9.60, Fr. Dr. Rosa Weindling-Singer 7.20, Zusammen K 21.60. i. Sduuhelausueis 5674. Innerösterreich: Wien: Wiener Zionistische Vereinigung 2. R. 12.—, I. Wiener Jüd. Turnverein (Ing. Deutsch) 14.40, Dr. Rosenthal 6.—, Neure Jehuda (Josef Pick) 4.80, Jugendbund 2.40; Atzgersdorf: Iz. Lager 34.80; Stockerau: Ver „Zion“ (E. Gross) 2.40, bereits ausgewiesen 850.40. Gesamtsumme K 927.20. Mähren-Schlesien : Ung. Brod: Ing. Klein 28.80, bereits ausgewiesen 1209.40, Gesamtsumme K 1238.20. Gesamteingang aus Westösterreich K 2207.80. VereinsaaAridrten. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein, IX. Lichtensteinstraße 20.) Sonntag, den 2. Mai 1915, findet in dessen Vereinslokalitäten ein Wetturnen mit anschließendem Fünf-Uhr-Tee statt. Beginn 3 Uhr. — Gäste herzlichst willkommen. — Einladungen werden nicht ausgeschickt. ■ »; RESTAURATION; ■ „znr pnmäoildien KSdie“ ■ ■ Ch. Weiß vorm. Korn ■ ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. ■ Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ itrn Privat * Restauration "ieo Jacques Benvenisti’s W Wien, II. Weintraubengasse Nr. 7 Türkische Speisenspezialitäten. Abonnement in und außer dem Hause. Cafe ADLER I., Schottenring Nr. 12. Telephon 14737 Familien-Cafe ersten Ranges. Spezialität Adler-Platte feiner Aufschnitt und andere kalte Speisen. — Biere vom Faß. Weine offen and in Bouleillen. — Neu adaptierte prachtvolle Souterrain-Lokalitäten mit Kegelbahn an Vereine and Gesellschaften zu vergeben. Couleurcafe der Bukovrinerischen Studenten-Verbindung Jordania“. — Sämtliche inu. ausländischen Zeitungen neuen auf. Sandor Ad'er. Cafe „Marienbrücke“ Ha i-: I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. : Cafe Jägerhof (Weiss) jj 2 IX., Porzellangasse 22. 2 j Vornehmes Familien-Cafe ■ 2 modernst eingerichtet 2 ■ gut ventilierte Spielsäle. ■ ■ Zentral-Lokal der Zion. 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