Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 3 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE ZEITUNG Nr. 3 Seite 2 Zur Linderung irgend einer Seite der allgemeinen Not hat sie bisher nichts beigetragen. Und doch sind wir der Ueberzeugung, daß mancher von den galizischen Flüchtlingen gern den Kaffeesud aus der Küdhe eines der Herren Redakteure der „Arbeiter-Zeitung“ nochmals für sich aufgießen würde; besonders dann, wenn der besagte Herr Redakteur Gelegenheit nehmen würde, was ihm ja freisteht zu tun, und was bei unseren Spendern fast täglich geschieht, daß noch ein Kilo Zucker zu dem Sud beigegeben wird. Aber diese Herren nehmen nur gerne das Maul voll und haben die Hände leer für andere. So hat die „Arbeiter-Zeitung“ auch', als wir das Armenambulatorium für die Flüchtlinge errichtet haben, eine zionistische Anstalt, in welche Tausende Kronen investiert wurden und die bis 200 Patienten täglich kostenlos behandelt, dazu ar.c"; den Kranken Milch und andere Kostaufbesserung verabreicht, nicht mehr als 7 Zeilen zur Registrierung verwendet, während die „N. F. Presse“ und die anderen bürgerlichen Zeitungen der guten Sache wegen mit spaltenlangen Artikeln „kostenlose Wohltätigkeit“ geübt haben. Allerdings, um eine kleine Nebenaktion, die nur einen unserer freiwilligen Mitarbeiter beschäftigt, zu benorgeln, genügt dem Proletarierblatt kaum der Raum von 44 Zeilen! Die Sache wäre zu gering, um darüber zu reden; wir tun es nur, um unseren Lesern Zu zeigen, wie die „Arbeiter-Zeitung“ ihre Gemeinheit zu keiner Zeit vergessen kann. P. Ein reidisdeufssdies Bfiaff über Oie Wiener Flürfiflingsfürsorge. Das „Frankfurter Israelitische Familienblatt“ schreibt über die jüdischen Flüchtlinge in Wien: „Wer kümmert sich um diese von Haus und Herd verjagte, berufs- und mittellose Menschenmasse? Die Regierung und die zionistische Organisation, auch einige humanitäre jüdische Vereine, — nicht aber die Israelitische. KultuSgemeinde. Wohl hatte der zionistische Vertreter im Kultusvorstand diesbezügliche Anträge gestellt, sie -wurden aber abgelehnt, „da der Regieryjjg jije^,Versorgung, obliege?; auch' -ein .Bern üben bei' den reicheren Steuerträgern -' wurde abgelehnt. Die zionistische Organisation dagegen hat Hervorragendes geleistet. Ihre Rechtsschutzstell'? hat bereits Tausenden zu ihrem Rechte verholfen und hunderttausende Kronen jüdischen Geldes gerettet. Der Kinderhort, die Interventionsstelle, das Unterstützungsbüro, das Krankenambulatorium sind mustergiltige Einrichtungen, die die Lage der unglücklichen Heimatlosen nach’ Möglichkeit erleichtern. Das gleichgiltige Verhalten der offiziellen jüdischen Persönlichkeiten hat natürlich zur Folge, daß die reichen Juden für die jüdische Hilfsaktion sehr wenig tun. Die Reichen bedürfen ja meistens eines „offiziellen Anstoßes“, der Mittelstand aber tut stets von selbst, was seine Pflicht ist; — so auch hier. Am meisten zur Kritik fordern die reichen galizischen Juden, die sich in Wien aufhalten, .heraus. Die Herrschaften benehmen sich, als wenn sie Zum Vergnügen hier weilten und kümmern sich gar nicht um ihre Landsleute. Verwundern muß auch die Untätigkeit der „Oesterr. Israel. Union“, einer Organisation, die dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens entspricht Gerade, weil es sich darum handelt, die Flüchtlinge nicht als Almosenempfänger behandeln zu lassen, sondern ihr gutes Recht als österreichische Staatsbürger mit Würde zu schützen, hätte die Union größere Aufgaben als je. ln Wien wird doch alles getan, um zu verhindern, daß die Leute wirtschaftlich Fuß fassen. So verweigert ihnen die Stadt Arbeits- und Hausierscheine.“ Zionisten Im EelJe. Herr Leopold Reich, Kadett d. Res. im L.I.R. Nr. 31, Mitglied der jüd.-akad. Verb- „Emunah“ in Bielitz, wurde zum Fähnrich befördert und mitd er großen silbernen T^pferkeitSmedaille ausgezeichnet. Herr Dr. Karl Wagner, A. H. der. jüd.- akad. Verbindung „Emunah“ in Bielitz wurde zum Oberarzt befördert Unser Gg. Einj.-Freiw. Fritz H ei n aus Neutitschein erhielt für tapferes. Verhalten vor dem Feinde die silberne Täpfeikeitsmedaille II. Klasse und wurde zum Kadett-Aspiranten befördert Leutnant cand. rphil. Isaac 8 a rb o;g, A. H. der Lese- und Redehalle jüdischer ffochächüler in Wien und A. H. der „Techija“ in Brody erhielt' in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde das signum laudis. Der Zionismus hat. .wieder einen schweren Verlust erlitten. Einer der besten ungarischen Zionisten in Vägiyhely hat auf dem nördlichen Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. Prof. Bo kor war einer der ersten Anhänger unserer Idee in Ungarn, fürd eren Verbreitung im Kreise der der Assimilation ergebenen ungarischen Judenheit er die größte Opfer brachte. Er war einer der Begründer idcr Budapester „Makkabäer“ und Redakteur des ersten zionistischen Organs in Ungarn. Kadett Heinrich Wittmann, Brünn, A.H. der Verbindungen „Veritas“ und „Barissia“, erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille und wurde zum Leutnant befördert. Kadett-Aspirant jur. Richard Mah’rischl, Tumwart des jüdischen Turnvereines in Nikolsburg, ist auf dem nördlichen Kriegsschauplätze gefallen. •i' Dem gefallenen Gg. Leutnant Robert Zweig aus Proßnitz wird in einem' Schreiben an unsere Redaktion folgender Nachruf gewidmet: Leutnant Robert Zweig war schon von der Mittelschule her ein begeisterter Anhänger unserer Idee; als solcher hat er an dem zionistischen Leben unserer Stadt stets innigen Anteil genommen. Bei den letzten Kultuswahlen wurde er als Kandidat unserer Partei in die Kultusstube entsandt. Sein früher Tod hinderte ihn daran, unserer Partei jene Dienste Zu erweisen, welche wir von seinem energischen und doch stets konzilianten Wesen zu erwarten hofften. Er war ein ganzer Mann, der den Kampf gegen den russischen Zarismus, wie eine Herzensangelegenheit betrachtete, überall in den vordersten Reihen stand und wiederholt Beweise seiner Unerschrockenheit und Umsicht geliefert hat. Das signum 1 a n d i s, das ihm nach seinem Tode verliehen wurde, ehrt ihn und alle die ihm nahe standen, doch kann es uns den herben Verlust nicht ersetzen, den sein Heimgang für unsere Idee und deren Verbreitung hier, in Proßnitz bedeutet. Daß unsere ganze Partei den schweren Verlust mit ihr betrauert, möge der gebeugten Witwe und den schwer geprüften Familien Trost und Linderung ihres großen Schmerzes bieten. Sein Andenken wird bei uns gesegnet fortleben! Erbaulidies aus Rufelanö. In Russisch-Polen . und, .Südrußland. . ..haben,, ‘*wie hier bekannt wird, blutige Pogrome statt- .gefunden. Die besonders betroffenen Städte sind: in Polen Grodsinsk, Novo-Alexandria, Cholm1, Radom; im Süden Kamenetz und Podolsk. In Radom wurden, nachdem die Truppen der Verbündeten die Stadt verlassen hatten, einige Juden gehängt, wie auch in Kielce, wo außerdem' die russischen Soldaten jüdisdie Häuser gründlich geplündert haben. Einen größeren Umfang nahmen die Pogrome in den Städten des Warschauer Gouvernements an. In Lowicz und Sochaczew wurde eine größere Anzahl Juden getötet und ihre Habe vernichtet In Skiemiewice wurden, als der russische Generalstab eingezogen war, sämtliche Juden unter militärischer Eskorte •über die Stadtgrenze gewaltsam hinausgeführt und auf freiem Felde in Frost und Kälte einige Tage und Nächte behalten. In das dortige Einwohnerkomitee, das zur Feststellung der Not des; Zartums Polen und Einrichtung einer Hilfsaktion begründet war, ist ursprünglich Herr Bergson — ein angesehener jüdischer Einwohner Warschaus — hineingewählt worden. Die Regierung hat bestimmt, daß Herr Bergson das allgemeine staatliche Komitee verlassen müsse. Für die Juden solle ein besonderes Komitee gebildet werden, in dem Herr Bergson neben drei anderen Juden wirken solle. Die russisdieii JuSen in Palästina. Ueber die russischen Juden in Palästina wird aus Konstantinopel gemeldet: Von den 'hunderttausend Juden Palästinas 'waren die Mehrzahl russische Untertanen geblieben, da unter der Herrschaft der Kapitulationen die russischen Konsuln sich weigerten, diese Juden aus dem russischen Staatsverband zu entlassen. Sie mußten also in der Türkei russische Staatsangehörige bleiben. Die türkische Regierung, der die Gesinnungen dieser jüdischen Einwohner für die Türkei wohl bekannt waren, bewies der durch den Ausbruch des Krieges imit Rußland in eine schwierige Situation geratenen Bevölkerung ihr Wohlwollen, indem sie ihr eine Massen-Naturalisation ermöglichte, bei der von der gesetzlich vorgeschriebenen Bedingung eines vorhergehenden fünfjährigen Aufenthaltes in der Türkei abgesehen wurde. Sofort ließen sich' mehrere Tausend Juden "naturalisieren. Wenn sich zahlreiche Juden in Palästina noch nicht naturalisieren ■ ließen, so liegt dies an -der; *relativ höhen Naturalisierungsgebühr (40 Francs per Kopf). Während aber von dr'Regierung auchdie noch nicht Naturalisierten nirgends behelligt wurden, bereiteten leider die lokalen Behörden dadurch ertieblkhe Schwierigkeiten, daß sie für die Naturalisation eine Zu kurze Frist festsetzen. Nach Verlauf dieser Frist erließ der Korpskommandant Djemal Pascha, der Kommandeur der in Palästina stehenden Truppen, den Befehl, die russischen Untertanen aus den Hafenstädten auszuweisen. Das Aktions-Komitee-der zionistischen Organisation hatte von Anfang an bei allen seinen im Interesse der jüdischen Bevölkerung unternommenen Schritten in Konstantinopel das bereitwilligste Entgegenkommen gefunden. Bei der Nachricht von der in Palästina ergangenen Ausweisungsordre intervenierte es sofort mit Erfolg bei den Zuständigen Stellen in Konstantinopel. Die türkische Zentralregierung hob die ihren eigenen Tendenzen widersprechende Verfügung des Korpskommandanten durch eine Gegenordre auf. Noch vor Eintreffen dieses Befehles aus Konstantinopel war aber durch den Keimakam von Jaffa der Ausweisungsbefehl gegen 600 Juden Zur Ausführung gebracht worden, die aut einem, gerade aus Jaffa auslaufenden neutralen Schiff nach Aegypten abfahren mußten. Um diese Ausweisung Zu verhindern, kam die Ordre aus Konstantinopel zu spät, aber sie bekundete doch den lokalen Behörden in entschiedener Weise, daß die Konstantinopeler Zentralreg ierung die ausländischen Juden Palästinas wohlwollend behandelt haben will. ZionistisAe Hilfsgdöer für Palästina aus Rmerilia. Das Provisorische Executive-Comite für allgemeine Zionistische Angelegenheiten, dessen Vorsitzender Herr Louis D. Brandeis ist, hat kürzlich1 weitere 35.000 Dollar in Ergänzung zu den ca. 66.000 Dollar, welche bereits nach1 Palästina gesandt wurden, abgeliefert. Das Provisorische Executive-Comite ist jetzt wiederum in der Lage, weitere 25.000 Dollar für Palästina Zu geben. Eine uorbilöliAe Firma. . I. ■ ... Kais. kön.' Iandespriv. Milly-Kerzen-, Se.fen- und Glyzerin - Fabrik F.A.SARG’s Sohn & Co. Wien, am 22. Dezember 1914. Fräulein O. H. Wien, IX. Im Besitze Ihres Offertes vom1 21. ds. wollen Sie uns gef. mitteilen, welcher Konfession Sie angehören. Achtungsvoll' usw. II. Wien, am 23. Dezember 1914. Firma F. A. Sargs Sohn & Co. Wien. In Erwiderung Ihres Geehrten vom' 22. ds. teile ich Ihnen höflichst mit, daß ich mosaischer Konfession und jüdischer Nationalität bin, doch hoffe ich, daß jdiese Momente kein Hindernis zur Erlangung der angestrebten Stelle in Ihrem gesch. Hause, einer kais. kön. Iandespriv. Fabrik, bilden in einer Zeit, wo jüdische Männer gleich anderen ihr Leben, ihr Gut und Blut dem Vaterlande weihen, wo jüdische Jünglinge sich frei- ,, willig dazu drängen, den Feind aus dem' Vaterlande zu vertreiben |helfen und wo ein ganzes Volk eben dieser Vaterlandsliebe wegen von der heimatlichen Scholle geflüchtet, seines heimatlichen Herdes beraubt ist und freudig sein nacktes Leben zum’ Opfer bringt, um nicht Untertanen des Feindes zu werden! Hochachtungsvoll O. H. III. Kais. kön. Iandespriv. Milly-Kerzen-, Seifen- und Glyzerin - Fabrik F.A.SARG’s Sohn & Co. Wien, am 24. Dezember 1914. Fräulein O. H. Wien, IX. Im Besitze Ihres Schreibens /vom 23. ds danken wir Ihnen jfür Ihre Mitteilungen .und teilen Ihnen höflichst “mit, daß wir derzeit von dem Engagement eines Fräuleins abgesehen haben. Achtungsvoll1 usw.