Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 30 Infolge der zügellosen antisemitischen Agitation kam es in Odobeschi vorige Woche zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Der Straßenmob plünderte eine Anzahl jüdischer Läden und Wohnungen. Die Polizei schritt ein und verhaftete einzelne Exzedenten. ln der rumänischen Kammer brachte der Leiter der judenfeindlichen „Kulturliga“, Professor Cuza, diesen Vorfall zur Sprache und interpellierte den Minister des Innern, welche Maßregeln er zu ergreifen gedenke, „um die schädliche Tätigkeit der Juden zu unterdrücken und die judenfreundlichen Polizeibeamten zu bestrafen!“ Der Minister erwiderte, er werde eine Untersuchung einleiten und der Kammer über das Ergebnis berichten.“ Diese Nachrichten sprechen deutlich genug von der Befähigung der Rumänen als Vorhut der Kultur. Und das zu einer Zeit, in der ein liberales Ministerium am Ruder sitzt und unaufhörlich Debatten über Kulturaufgaben im Parlament abgeführt werden. Zum 9. HM. Die bevorstehende Wiederkehr dieses nationalen Trauertages soll uns eine willkommene Gelegenheit bieten, des Jüdischen Nationalfonds zu gedenken. . Der Umstand, daß der Jerusalemer Magistrat beabsichtigtxi^Lc^r^jigangc;^ir Klagemauer abzusperren, hat die yütmigjjdes^Jüdischen Nationalfonds veranlaßt, den Erwerb der heiligen Stätten''Palästinas in fhthn Äufgabenkreis einzubeziehen. Der 9. Ab, der dem Gedenken an die Zerstörung unseres größten Heiligtums, des Jerusalemer Tempels geweiht ist, erscheint daher besonders geeignet, alle Juden und insbesondere die strenggläubigen Kreise des Judentums, an diesen edlen Zweck zu erinnern und sie zur tatkräftigen Unterstützung desselben heranzuziehen. Die schöne jüdische Sitte, anläßlich des an diesem Tage üblichen Grabbesuches Spenden für wohltätige Zwcke zu leisten, kann wohl in keinem edleren Sinne befolgt werden, als daß jeder Jude des Jüdischen Nationalfonds gedenkt und sein Scherflein zum Erwerb der heiligen Stätten in Erez Israel beiträgt. Hus Sen jüflisdien Heben. Ein Zwisdhenfafl in Haifa. Vor einiger Zeit ereignete sich in Haifa bei der Landung einer Gruppe jüdischer Einwanderer ein Zwischenfall. Die Hafenbehörde bereitete diesen Einwanderern Schwierigkeiten, indem sie sich auf eine aus Konstantinopel eingetroffene Verfügung berief. Erst auf Verwendung des russischen Konsuls wurde ihnen die Landung gestattet. Wie sich nunmehr herausstellt, ist der ganze Zwischenfall auf ein Mißverständnis der hiesigen Behörde zurückzuführen. Die fragliche Verfügung aus Konstantinopel bezog sich in Wirklichkeit auf eine Gruppe jüdischer Auswanderer aus Saloniki, die als gricliische Staatsangehörige verabsäumt hatten, ihre Pässe beim türkischen Konsul vidieren zu lassen. * Von der Eisenbahnlinie Jaffa—Jerusalem. Die Einnahmen der Bahnlinie Jaffa—Jerusalem beliefen sich nach vor kurzem veröffentlichten Geschäftsbericht im Jahre 1913 auf rund 13,000.000 Frs. *Die Gesellschaft verteilte auf Stammaktien im Nominalwerte von 500 Frs. 4,0625 Francs pro Aktie, auf Obligationen im Nominalwerte von 500 Frs. 33,9584 Frcs. Außerdem sollen stille Reserven von beträchtlichen Summen angesammelt worden sein; wie hoch sich diese belaufen, ist in dem Bericht nicht angegeben. * Verbot jüdischer Einwanderung nach dem Rheinland. Nach einer ministeriellen Anordnung soll auf - Grund von Erhebungen, die über die Einwanderung galizischer und russischer Juden angestellt worden sind, in den Städten des rheinischen) Industriebezirks zukünftig die Niederlassung von jüdischen Alttrödlern und Händlern nidit mehr gestattet werden. “Bereits anwesende Juden sollen ausgewiesen werden. * Herzls ,Judenstaat“ in polnischer und jüdischer Uebersetzung. j Anläßlich des zehnten Todestages von Theodor Herzl, erscheint in Stanislau (Galizien) eine von David Erdtracht besorgte polnische und. jiddische Uebersetzung von Herzls „Judenstaat“. Als Einleitung sind dem Buche interessante Vorreden von Gräfin Marie Johanna WielopoTska, Baronin Bertha von Suttner (im April d. Js. geschrieben), Grafen J. Tolstoi (ehemaligen russischen Unterrichtsminister), Leon Bourgeois, Max Nordau, Israel Zangwill, Achad-Haay, Dr. Alfred Nossig und Dr. Leon Reich beigegeben. * Neue Industrieunternehtangcn in Palästina. Mr. A. Blum aus Newyork, der in Amerika Inhaber einer Fabrik zur Erzeugung künstli- .. eher Gebisse besaß, hat sich in .Jaffa niedergelassen und geht nun daran, hier einen-ähnlichen;., Betrieb einzurichten. Herr. Blum, hofft,;, in diesem Unternehmen Hunderte von jüdischen. Arr beitern beschäftigen zu können. Zwei andere amerikanische Juden, die Herren Levinsön und Pollak, beabsichtigen in Jerusalem eine große Kleiderfabrik nach amerikanischem . Muster zu gründen. Eine Herzffeier in Konstantinapel. Der jüdisch-nationale Turnverein Makkabi in Konstantinopel veranstaltete am 14. Juli anläßlich des 10. Todestages Theodor Herzls eine Gedächtnisfeier. Der Saal war dichtgefüllt und das aus sephardischen und aschkenasischen Juden bestehende Publikum folgte mit größter Aufemrksamkeit den Rednern. Herr Dr. Neufach eröffnete die Zahl der Ansprachen mit einer hebräischen Rede. Hierauf sprach Herr Lichtheim in deutsdier Sprache über Theodor Herzls Persönlichkeit und sein Werk, der Redakteur des „Judio“, Herr Einedave, sprach spaniolisdlr, nach flim hielt Herr Gorodichze in französischer Sprache eine Rede über „Herzl und die Arbeit in Palästina“. Im Anschluß an die Feier wurde eine Sammlung zugunsten des Herzl-Waldes eingeleitet, die ein recht stattliches Resulat ergab. Ein neuer Hafen in1 Palästina. Die jüdische Kolonie Chederah zwisthen Jaifa und Haifa Wird bald eine Hafenanlage besitzen, die dem dortigen Handel zugute kommen wird Baron Edmund Rothschild aus Paris läßt die Anlage auf seine Kosten herrichten, und er wi.d auch1 der Feier der Grundsteinlegung beiwohnen. * Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten. Am 28. Juni d. J. wurde in Rochester, N.-Y., die 17. Konvention (Jahresversammlung) der Federation of American Zionists im Beisein vor. 250 Delegierten aus allen Teilen der Union und zahlreichen Gästen eröffnet. Den Verhandlungen wohnte auch Herr Dr. Schmarja Levin aus Berlin, Mitglied der zionistischen Zentralleitung, bei, der eine von stürmischen Beifallskundgebungen begleitete Ansprache an die Konvention hielt' Aus dem Jahresberichte, der den Delegierten vorlag, geht u. a. hervor, daß im abgelaufenen Jahre annähernd 38.000 D. (über 150.000 Mk.) für den Jüdischen Nationalfonds in den Vereinigten Staaten aufgebracht worden sind, ferner etwa 10.000 D. für die weiteren Fonds der zionistischen Organisation, , Dem Jahresbericht der amerikanischen Zionistenföderation ist ferner zu entnehmen, daß die Föderation in nächster Zeit eine zionistische Tageszeitung, in jiddischer Sprache und eine Wochenschrift in englischer Sprache herauszugeben gedenkt. Charakteristisch für das gute Einvernehmen zwischen den verschiedenen Bekenntnissen in Amerika ist die Tatsache, daß zur Begrüßung der zionistischen Jahresversammlung die Glocken sämtlicher 'christlicher Kirchen, auch der großen katholischen St. Peter-Kathedrale, geläutet wur- 1 den. Von einzelnen Kirchtürmen ertönten Glokkenspiele nach der Melodie der zionistischen Hymnen „Hatikwah“ und „Dort wo die Zeder“. Ein jüdisches Museum in Petersburg. Vor zwei Jahren begab sich auf Kosten des Baron Ginsburg eine Studienexpedition unter Kontrolle der jüdisch-ethnographischen Gesellschaft in Rußland in die Wolhynier und Podolier Gouvernements, um dort nach interessanten jüdischen Musealgegenständen zu forschen. Die Expedition, welche unter Führung des bekannten jüdischen Schriftstellers Anski stand, ist nun mit reicher wissenschaftlicher Beute heim'gekelirt. Das Ergebnis besteht in ungefähr 800 verschie- ( denen interessanten Antiquitäten, 600 Buchtiteln, 50 Exemplaren alter "gedruckter Bücher, 600 . Dokumenten aus alten Pinkassim, nahezu 1000 ’ Photographien, mehr" als ' 1500 jüdischen Volksliedern, Legenden un'd Geschichten sowie musikalische Aufzeichnungen von nahezu 500 verschiedenen jüdischen Melodien. Ueberdies befindet sich in der Sammlung eine venetianische Bibel, zahlreiche Dokumente aus alten Archiven, hauptsächlich von polnischen Magnaten. Sehr interessant ist eine eigene Kollektion von sogenannten Kantschiks, das sind die Züchtigungsmittel, deren sich die jüdischen Lehrer in den alten Cheradim bedient haben. Wie erwähnt, stammt diese Sammlung bloß aus Wolhynien und Podolien. Die jüdisch-ethnographische Gesellschaft beabsichtigt eine ähnliche Sammlerexpedition nach Littauen, in die polnischen Gouvernements, in das Kiewer Gebiet usw. auszusenden und dann all die gesammelten Objekte in einem jüdischen' Museum zu vereinigen, welches wohl das wertvollste und reichhaltigste in der Welt sein wird. - . . Der Vertrieb der hebräischen Bücher. In der „Revue hebräique“ gibt A. Raskin einige Daten über den Vertrieb hebräischer Bücher. Aus diesen geht hervor, daß die Zahl der Exemplare, welche von Bibel, Gebetbüchern, Schulchan Aruch usw. verkauft werden, in den letzten Jahren geradezu rapid gesunken sind, namentlich seit dem Jahre der Revolution (1905). Von manchem Midraschim, von denen früher 10.000 Exemplare per Jahr verkauft wurden, werden nur mehr 500 abgesetzt, usw. Dagegen steigt der Konsum der hebräischen Spracbbücher, namentlich jener für Kinder, ganz enorm (Sefer hajeladim 25.000, Hadibur haibrit 10.000, usw.). In diesen Ziffern spiegelt sich eine interessante Entwicklung wieder. Während nach den Verkaufszahlen der religiösen Bücher die Frömmigkeit in Rußland rapid abnimmt, geht damit, anders wie seinerzeit, im Westen, nicht die durchgehende Assimilation Hand iic Hand, sondern eine HebTaisierung und Nationalisierung der Jugend. Das russische Judentum hört auf, religös zu sein und wird national. Dauerhafter als rißöer KAUTSCHUKABSATZ Ealma-Kautsdirh-Gesellsdiaft m. 6. H. WIEN i. Elegant und hygienisch