Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 30 Die bösesten Folgen aber (wird diese Aufnahmsbesdhränkung für die jüdische studierende Jugend haben. Wir wollen Ischweigen von solchen, die aus Kronländem kommen, jn denen es eine Landesuniversität mit medizinischer Fakultät gibt, um* in Wien ihre Kenntnisse und ihren fachwissenschaftlidhen Gesichtskreis zu erweitern oder auch hier die in einer kleinen Universitätsstadt nicht vorhandenen Enverbsmöglichkeiten auszunützen — und erfahrungsgemäß bilden gerade die jüdischen Hörer ein starkes Kontingent unter dieser Art von Medizinstudenten. In hohem Mali wird ja auch die zionistische Arbeit durch diese Bestimmung geschädigt werden, denn die große Zahl der galizischen Studenten, die iq regster Weise für die Partei tätig waren, wird dadurch stark herabgemindert werden. Diese Maßregel verschließt den Hochscliülem, vor allem den russischen Juden, die letzte größere Universität, die ihnen bisher noch offen . stand. Das deutsche Volk, das das Zeitalter der Humanität heraufgeführt zu haben Sich rühmt, hat seine Hochschulen diesem „lästigen Element“ längst gesperrt, in Frankreich macht sich eine heftige Propaganda gegen die jüdischen Hörer schon seit Jahren immer kräftiger geltend, die Schweiz ist ganz durchsättigt von russischen Studenten und nun verrammelt auch Wien seine 'Tore diesen unseligen, bildungshungrigeri Menschen, die kein (anderes Verschulden an ' ihrem ’ Unglück trifft, als das (einer der ältesten1 Kultuniatiön -der Erde angeboren. Gerade diese Maßregel beleuchtet wieder cihmai mit schmerzhaft greller Deutlichkeit, wie sehr der Beschluß des letzten Kongresses die Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem nicht leichtsinniger Sensationslust entsprang, wie bösartige Nörgler uns vorwerfen, sondern daß dieses Projekt der dringendsten Nötigung entsprang und eine unausweichliche Forderung der jüdischen Gegenwart schon war. Die vorbereitenden Arbeiten für die Schaffung der medizinischen Fakultät sind denn auch, dank der bewundernswerten Energie unserer Leitung, in ein Stadium getreten, das die Verwirklichung dieses äußerst wertvollen und schönen Planes in nächster Nähe erscheinen läßt. Der Kontrast gibt gewiß zu denken: auf der einen Seite ein konsolidiertes, wirtschaftlich sicheres Staatswesen, dem sein Geld für militärische Zwecke nutzbringender angelegt erscheint; auf der anderen ein versprengtes, ökonomisch ungesundes, seiner nächsten Zukunft ungewisses Volk, das als eine seiner ersten Aufgaben die Gründung einer Universität ansieht. IN KINDERMEHL volIsIändtgeSäuglinqsnahpun^ Probedosen und lehrreiche Broschüre über die Kinderpflege gratis durch die Firma Henri Nestle, Wien, L Biberstr. 1 flssimilaforisdie Kriegskunst. Herr J. H. Schiff, New-York, der bekanntlich für das Technikum in Haiffa vor fünf Jahren einen Betrag von 100.000 Dollars gespendet hat, schickt dem American Hebrew eine Zuschrift, in der er sagt, daß nicht Dr. Levin', sondern Dr. Paul Nathan ihn dafür interessiert hatte. Er hatte gehofft, „daß an diesem Werke alle Richtungen im Judentum gemeinsam werden arbeiten können. Unglücklicherweise sei die Harmonie im Kuratorium gestört worden durch Differenzen, welche infolge der Hartnäckigkeit beider Parteien sehr scharf geworden sind; Tatsache sei aber, daß eine kleine Minorität, geführt von Dr. Levin, durch ihre übereilte Demission und unangemessene Agitation, es trotz der Anstrengungen der amerikanischen Kuratoren, welche ihre Beschlüsse einstimmig gefaßt hätten, zu einem „Zusammenbruch“ des Projektes, für das schon eineinhalb Millionen Kronen ausgegeben sind, brachte. All dies zeige klar, das eine verhältnismäßig kleine Gruppe von jüdischen Nationalisten, die fortwährend an die Mitwirkung der „internationalen“ Judenheit für Palästina appellierte, nicht zögern können wird, - damit aufzuhören, die tadelnswertesten Mittel anzuwenden, wenn sie ihre eigenen Pläne zu verwirklichen willens sei. Die internationale, speziell die amerikanische Judenheit würde es sich aber sehr gut' überlegen müssen, ob es bei diesem Stand der Dinge ratsam sei, ihr Interesse an Palästinadingen zu steigern. Außerdem meldet der Yewish Ghronicle, daß di? amerikanischen Kuratoren demissioniert h" .en. Die Absicht des Briefes von Herrn Schiff ir' klar: Dr. Levin ist eben in Amerika, um für das1 hebräische Schulwerk zu wirken. Die A ’milantenhäupter Amerikas, welche die große ag’ atorische Kraft Levins für Amerika schon kc *en gelernt haben, wollen ihm wahrscheinlich S vierigkeiten in den Weg legen. Anders ist dt erste Passus des Briefes von Schiff nicht Z-. verstehen, denn wen auf der Welt intere: ..ert es zu erfahren, wer ihn vor iünf Jahren für das Technikum’ gewonnen hat? Die .Absicht wird umso deutlicher,-als in ••diesem -von . so wohlwöllender Objektivität triefenden Brief Dr. Levin ein zweites Mal genannt wird, als Führer der nationalen Störefriede. So sehr Levin in diesem Kampfe führend aufgetreten ist, so ist doch die Bewegung von ihm nicht entflammt worden, sondern sie ist .ganz spontan unter der palästinensischen Bevölkerung entstanden. Und im Kuratorium saßen außer Levin niemand geringerer als Achad Haam, das Haupt und der erste Führer der Kulturzionisten, als dessen Schüler sich' Levin bezeichnet und Dr Tschlenow', der Vizepräsident der zionistische! Leitung, also gewiß eine sehr offizielle führende Persönlichkeit. Diese absichtliche Heraushebung Dr. Levins kann daher keiner anderen Absicht entsprungen sein, als ihmin seiner Propaganda in Amerika zu schaden. Herr Schiff wird sich w'undern, welchen Erfolg seine Publikation haben wird. Die Spenden für das palästinensische Scfhuhverk aus Amerika wrerden sich zweifellos vervielfachen. Ebenso gentlemanlike ist das Wort vom Zusammenbruch des Technikums. Alle Welt wreiß, w'as vorgegangen ist. Nach Austritt der drei Zionisten aus dem Kuratorium wurde durch den Beschluß der amerikanischen Kuratoren, der für den zionistischen Standpunkt günstig war. der Friede hergestellt und drei neue zionistische Mitglieder ins Kuratorium entsendet. Es gilt nun, die Mittel für den Betrieb des fertig gebauten Technikums vollkommen, zu sichern. Wenn die amerikanischen Kuratoren in diesem Moment demissionieren und durch Worte wie „Zusammenbruch“, die von ihnen mitbegründete Anstalt diskreditieren, dann kann es tatsächlich zu Schwierigkeiten kommen. Aber dann wird die furchtbare Verantwortung dafür jene treffen, welche daran durch ihre Handlungsweise schuld tragen. Und der Brief des Herrn Schiff, in dem dieser . Mitbegründer und Kurator des Technikums von einem Zusammenbruch spricht, ist bereits ein solcher Akt der Diskreditierung, der. von jedem Standpunkt aus aufs schärfste, verurteilt worden muß. Selbst der nichtzionistische „Yewish Chronicle“ findet sehr kräftige Worte für diesen Brief und verlangt dringend Aufklärung über die sonderbare Art des Herrn Schiff, der so tut, als ob die schon vor Wochen erfolgte Einigung im Kuratorium nicht existierte. „Das Institut inuß unzweifelhaft eröffnet werden“, ruft dieses angesehene und größte jüdische Blatt aus. „Das Institut muß eröffnet werden“, so ruft auch die palästinensische Judenheit und wir Zionisten, auf deren Propaganda hin die Mittel aufgebracht worden. Ein uns nahestehender Russe, Wissotzky, hat das Stiftungskapital gegeben und die großen Mittel aus Amerika hat größtenteils Dr. Levin aufgebracht. Und abgesehen davon, ist .es klar, daß ohne die gedankliche Propaganda des Zionismus und seine realen Schöpfungen in Palästina niemals auch nur das. Projekt des Technikums entstanden wäre. Wenn vielleicht — was nach dem Briefe des Herrn Schiff wahrscheinlich ist — die Herren um Dr. Nathan aus RaChe für ihre Niederlage in der Sprachenfrage die Eröffnung des Technikums dadurch vereiteln wollen, daß sie die Geldsammlungen für den Betrieb nicht mit der nötigen Energie betreiben sollten oder, dadurch, daß künstlich eine Krise arrangiert w'ird, die durch Demission der amerikanischen Kuratoren — dann werden diese Geldmagnaten und Kowetjuden dasselbe Schauspiel erleben wie beim: Sprathenkampf: Daß das jüdische Volk ihre Gnade nicht braucht. E i n Aufruf der zionistischen Leitung hat genügt, um ihr neben den großen regelmäßigen Einkünften und, bei. wa .hsenden Naticnalfondseingängen, zirk atOD.OOO Kronen für das1 Schulwerk zu verschaffen, eine Summe, die noch fortwährend anwächst. Wenn es notwendig werden würde, dann würden die Zionisten einfach auch das Technikum über- Znehmen. Aushungern, um es kirre zu machen, läßt sich das jüdische Volk nicht. Darum' keine Sorge wegen des Technikums! Aber die Affären, die es damit schon gegeben hat, sollen uns eine Lehre sein, daß wir nie wieder mit Nichtzionisten oder Antizionisten eine) palästinensische: Sache unternehmen. Die Gg. Oppenheimer und Friedemann,, welche am jüng-* sten Leipziger Delegiertentage hoch den Standpunkt vertreten haben, wir brauchten die Mit* Hilfe der Assimilanten, mögen aus dem Briefe Schiff neuerdings entnehmen, daß diese nur za erreichen ist, wenn wir unsere nationalen Forderungen aufgeben. Etwas Lehrreicheres, afs die Haltung Schiffs, kann es in dieser Hinsicht gar nicht geben. Erst hilft er, den Frieden hersteilen, wie er aber sieht, daß es mit den „Konzessionen“ ,an die Nationalisten nicht getan ist,. daß diese so. stark und mächtig sind, ein eigenes Schulwerk zu gründen und erhalten zu können, wie er den Triumphzug eines unserer Führer in seiner Haupt- und Residenzstadt sieht, da fühlt er, daß er die entfesselten Geister des jüdischen Nationalismus nicht mehr bannen kann und will das Werk zerschlagen; an dem er selbst mitgebaut hat. Mag er es versuchen! Unser Volk schläft nicht mehr und liegt nicht mehr vor den „reichen Wohltätern“ auf den Knien. Der Zionismus hat ihm gelehrt, sich selbst zu helfen. Wenn ein reicher jüdischer Geldmagnat mithilft, so kann das ihm nur Ehre bringen. Wenn er aber glaubt, dab er damit dem Volk eine Gnade erwies, wenn .er meint, er braucheseinen Geldschrank nur zu schließen und könne dama dem Volke seine Bedingungen diktieren, dann hat er eine falsche Rechnung gemacht! Neu! GRAF Gulasch-Saft zur mühelosen Bereitung von delikatem Gulasch, Paprika* schnitzet, Gulasch - Kartolleln 1 Tafel o 20 ii liir ] hg fleisch oder 2 hg Kartoffel. W.1KW.XXW.XWMXW.W.W.W.XW. Soeben cpsdilcncnl Soeben ersdiienen! Das beben Theodor Herzls von Adolf Friedmann 141 Seiten, 1 Bildnis, 2 Faksimiles, Mk. 2.— gebunden, Porto 20 Pi. Erste Biographie unseres großen Führers. Ein Buch, das mit Liebe und Sachkenntnis geschrieben ist. Keine Polemik. — Reiches Material, unveröjfentliche Briefe und Dokumente, literarisch ansprechende Form. Zu beziehen durch jede Buchhandlung, sowie direkt vom Verlag Berlin W 15, Sächs. Str. 8.