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Jüdische Zeitung · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 29 dadurch gesichert, daß wir mit verschiedenen Firmen Lieferungsverträge zu sehr günstigen Bedingungen abgeschlossen haben, so daß sich eine. komplette Ausrüstung, die allen Anforderungen hinsichtlich Zweckmäßigkeit und Qualität vollkommen genügt, auf 30 bis 40 Kronen stellt Die Wanderungen selbst erfolgen allsonntäglich nach einem von der Führerschaft festi gesetzten und zu Beginn eines jeden Monates an die Wanderer zur Ausgabe gelangenden Fahrtenplanes, und zwar sowohl als Ganztags-, wie als Halbtags Wanderungen; aufeinanderfolgende Ferialtage werden zu mehrtägigen'Wanderungen ausgenützt. Der Fahrtenzettel wird derart zusammengestellt, dab zwei oder mehrere Züge an einem gemeinschaftlichen Rastplatze Zusammentreffen, was Gelegenheit zur Veranstaltung von Kriegsspielen und leichtathletischen Uebungen bietet. Während der Rast wird im Freien abgekocht, bei mehrtägigen Wanderungen wird in Zelten oder Heuschobern übernachtet. Der Besuch von Gasthäusern während der Wanderungen ist, abgesehen von zwingenden Umständen, streng verpönt. Ebenso besteht für Führer wie für Wanderer und auch für Gäste strenges Alkohol-i und Nikotinverbot Der Pflege des Liedes wird große Aufmerksamkeit zugewendet, insbesondere das hebräische Lied gepflegt, als Begleitinstrument dient die Zupfgeige. Sowohl Wanderer als auch Führer sind gegen Unfall, letztere auch gegen Haftpflicht versichert. Die Wanderer sind sowohl den Führern als auch dem Schwarmkommandanten gegenüber zu striktem Gehorsam sowie zur unbedingten Einhaltung der Wandergebote verpflichtet. (So wird z. B. das sinnlose Blumenpflücken oder die Verunreinigung der Lagerplätze durch Papierabfälle und Speisereste nicht geduldet.) Jeder Wanderer ist gehalten, an allen Wanderungen seines Zuges teilzunehmen. Unentsdiuldigtes Ausbleiben von mehreren Wanderungen wird ebenso wie jedes grobe Vergehen gegen die Disziplin mit dem Ausschlüsse des betreffenden Wanderes bestraft. Die gesamten Wanderschriften betreffend Rechte und Pflichten der Führer sowie der Wanderer, die Disziplinarordnung, die Wandergebote, die technischen Wanderdetails sind übrigens in einem ausführlichen Führerreglement fixiert. Die Kosten der Wanderungen werden von den Wanderern selbst bestritten. Vor Beginn der Wanderung hat jeder Teilnehmer dem Führer die vorher bekanntgegebenen Fahrtkosten einzuliändigen. Die erzielten Ersparnisse — es muß von den Wanderern, um für unvorgesehene Ereignisse gerüstet zu sein, ein den wirklichen - Fahrpreis um ein weniges übersteigender Betrag eingefordert werden — fließen in die Kamerad- J schaftskassä. Diese von den Wanderern unter Aufsicht des Führers verwaltet, dient dazu, den minder bemittelten Wanderern bei größeren und mit höheren Kosten verbundenen Wanderungen . Unterstützung zu gewähren. Ueber die Anzahl der Wanderungen wird ebenso wie üoer die Beteiligung an denselben und die Resultate der ärztlichen Untersuchung eine genaue Statistik geführt. Insbesondere der . letztere Teil derselben bietet eine Handhabe, um die Eltern auf eventuelle Störungen in der körperlichen Entwicklung der Wanderer aufmerksam zu machen. Aber auch außerhalb der Wanderungen trachten wir einen erziehlichen Einfluß auf die Wanderer geltend zu machen, und zwar sowohl im Sinne der Körperpflege als auch insbesondere im Sinne der Förderung einer nationalen Erziehung. Den Wanderern ist Gelegenheit geböten, je einen Nachmittag per Woche entweder mit leichtathletischen Uebungen zu verbringen oder auch an einem Sdnvimmkurse teilzunehmen. Weiters werden die Wanderer dazu ange-' halten, an den Kursen für Hebräisch und für jüdische Geschidite teilzunehmen. Den Führer seinen Wanderern näherzubringen, beabsichtigen die Kontrollversammlungen, welche für jeden Zug gewöhnlich einmal im Monate stattfinden. Sie bieten Gelegenheit zur Belehrung der Wanderer über verschiedene Fragen, zu deren Erörterung sich bei den Wanderungen selbst keine Gelegenheit findet und bil- ' den ein Mittel zur Evidenzhaltung der Wanderer. Den nötigen Kontakt zwischen Eltern und Führerschaft sollen die Elternabende herstellen. ln ihrem Rahmen finden auf Grund von Referaten medizinischer und w'andertechnischer Natur Diskussionen statt, an welche sich eine zwanglose Ausspradie zwischen Eltern und Führern knüpft, Besdnverden und Anregung an der ersteren werden vorgebracht und besprochen etc. Dem gleichen Zwecke wie die Elternabende dient auch die Sprechstunde des Obmannes der Führerschaft, für welche wöchentlich eine Abendstunde fixiert ist. Wir können heute mit voller (Beruhigung behaupten, daß wir auf dem besten Wege sind, die vorgesteckten Ziele auch tatsächlich zu er-, reichen. Die Wanderungen üben auf die Hebung der Gesundheit und die körperliche Frische unserer Wanderer eine sichtlich günstige Wirkung aus. Aber audi was die nationale Er-* ziehung und Charakterbildung unserer Wanderer anlangt, haben unsere Bestrebungen die Schönsten Früchte gezeitigt, derart, daß die ganze Lebensweise der Jungen und Mädchen, ,wie wir oft aus dem Munde der Eltern hören durften, in Schule und Haus in ganz auffallendem Maße durch die Zugehörigkeit zum Wanderbunde beeinflußt wird. Und was vielleicht das Wertvollste ist, die , Kinder sind mit Liebe und Begeisterung bei der Sache. Jedem, der einmal einen unserer Züge draußen auf der Wanderschaft oder beim Spiele getroffen hat, wird diese Begegnung ein Erlebnis bedeuten, das ihn mit Rührung, mit Freude und Zuversicht für alle Zukunft erfüllen muß. Frisch und fröhlich ziehen sie daher mit flinken Gliedern, mit roten Wangen, die Augen leuchtend vor Lebenslust, von weitem schon kenntlich an dem blau-weißen Fähnchen, das jeder Zug mit sich führt, eine Einrichtung, die. sich die Wanderer 'aus eigener Initiative' geschaffen haben. - - Aus voller Kehle Schmettern' sie ihre jüdischen- und hebräischen Lieder Tn .die Welt hinaus. Sie singensie - doppelt laut und doppelt gern, wenn sie m den Vorübergehenden Juden vermuten, um bei ihren StämniesgenöSsen ja keinen Zweifel an ihrer, nationalen Zugehörigkeit aufkommen zu Tassen. Fragt man dann einen der Jungen oder Mädchen, ob sie etwa dem deutschen Wandervogel angehören, dann lautet die stolze Antwort: „Nein, wir sind Blau-Weiße vom Jüdischen Wanderbund!“ Ihr Bekenntnis zu ihrem Volke ist ihnen Selbstverständlichkeit, das, wozu wir erst nach langen, schweren Kämpfen, nach Irren und Zweifeln gelangen, ist ihnen die natürliche Grundlage ihres Fühlens und Denkens. Das ist wohl das höchste (Ziel, das eine nationale Erziehung sich setzen kann, und das Ziel zu erreichen, sind wir lauf dem besten Wege. 1 Gulasch-Saft zur mühelosen Bereitung von delikatem. Gulasch, Paprika* schnitzet, Gulasch - Kartoffeln 1 Tafel ä 20 Chamberlain unfl Herzt. Die „Times“, die größte und vornehmste englische Tageszeitung bringt anläßlich des Todes von Joe Chamberlain u. a. auch' eine Reminiszenz des Verkehres dieses großen Staatsmannes mit Theodor Herzl. Nach Darstellung; des Sachverhaltes heißt es »darin, daß Herzl unzweifelhaft der größte Jude der neueren Zeit war. Chamberlain sagte von \ihtn: „D r. Herzl hatte alle Qualitäten eines großen Staatsmannes, die einzig durch den fortwährenden schweren Kummer wegen der Leiden seines Volkes bestimmt wurden.“ In einem Von den „Times“ zitierten Briefe vom 11. November 1905 sagte Chamberlain u. a. folgendes: „Als ich Herzl zum erstenmale sah, machte er auf midi nicht nur durch seinen Starken Enthusiasmus großen Eindruck, sondern auch durch die nüchterne Abschätzung der Schwierigkeiten, die er auf seinem Wege fand und dei Mittel, sie Zu überwinden. 'Seine Idee war es, an das Nationalgefühl der Juden zu appellieren ß und in einem freien Lande eine große jüdis'chejS Niederlassung unter britischer Flagge zu gründen,[W , . . . leine Zuflucht für die Juden vor TyranneiH und Verfolgung, die ihnen auch freien Spiel-™ raum - für ihre Entwicklung geben würde. Die Konzeption von Dr. Herzl erschien mir als erstmalige 'Möglichkeit, eine Frage zu lösen, deren Existenz 'in ihrer heutigen Form' eine Schände und leine Gefahr für die europäische Zivilisation ist.“ 1— Entgegen andereii Nachrichten stand Chämberlain auch' den Plänen Zangwills freundlich gegenüber, 'doch hatte er, ,dä er nicht mehi Minister Iwar, keine Möglichkeit, ihm zu helfen. Sein Warmes IntereSse für die Juden hat er sich bis an sein Lebensende bewahrt. hebräische Kindergärten. Von Dr. Emil' St ein. Bereits seit längerer Zeit ist in den an der Fortentwicklung des Judentums interessierten Kreisen die Erkenntnis entstanden, daß die jür dische Erziehung der heranwachsenden Jugend alles zu wünschen übrig lasse. Für den Westen Eeuilleton. Jüdisches in der Leipziger Ausstellung In einem interessanten Aufsatze im Budapester „Egyenlöseg“ plaudert Rabbiner Doktor Edelstein über die jüdischen Beziehungen der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig. Er schreibt u. a. Wir Juden sind auf der Ausstellung nicht besonders reidi vertreten. Und dies hat seine Geschidite. Die Leitung der Ausstellung hat dem Leipziger Rabbiner Dr. Porges, der als hervorragender Bibliograph bekannt ist, rechtzeitig den Auftrag erteilt, eine hebräische Abteilung zu organisieren. Die Direktion räumte jedodi der hebräischen Sprache als einer Unterabteilung der syrischen Abteilung, bloß einen äußerst geringen Raum ein, war jedodi bereit, den Juden auf eigene Kosten die Schaffung einer eigenen Abteilung in der Halle der Kultur zu gestatten. Zwanzigtausend Mark wären hiezu notwendig gewesen, es sind indessen bloß fünfzehnhundert Stark aufgebracht worden. Die deutschen Juden haben in dieser Sache keine Opferfreudigkeit an den Tag gelegt. Es mag sein, daß hiebei auch Intriguen mitgespielt haben, sind doch auch die größten Berliner Zeitungsverlagsanstaifen, deren Inhaber Juden sind, wie Mosse und Ullstein, aut der Ausstellung nicht vertreten. So kam es, daii die aus dem In- und Auslande eingelangten hebräischen Manuskripte und Drucke aus Raummangel im Keller umlierliegen. Da der für die Einrichtung einer eigenen Abteilung notwendige Betrag nidit aufgebracht wurde, muß die hebräische Unterabteilung mit zwei Glaskasten fürlieb nehmen. Die materiellen Opfer einiger hat es jedodi möglidi gemadit, daß in einigen Tagen noch drei Vitrinen und ein Wamdkasten zur Verfügung stehen werden, so daß die wertvollsten und namhaftesten Drucke, Seltenheiten, die vom Gesichtspunkte der Aenderung und Gestaltung der hebräischen Schrift und Lettern interessanten Manuskripte und Bücher in der Ausstellung untergebrac'nt werden können. Der eine Glaskasten enthält einige arabische und samaritanisclie Manuskripte. Neben der samaritanisdien Thora, Chroniken und Kalendern erblicken wir ein auf Pergament geschriebenes wundervolles Festgebetbuch (Machsor) . mit auf der rechten Seite des Textes laufendem Buc1isdimucke. Daneben tragen zwei gedruckte Pessacli-Haggadot das feine und künstlerische Wesen der anfänglichen ßuchdruckerei zur Schau. Die eine Haggada ist ein Prager Druck, ln der Nähe ist ein talmudischer Traktat untergebracht, der einen überaus großen Wert darstellt. Der andere Glaskasten enthält durchweg Bücher. Audi hier spielen handgeschriebene und gedruckte Maclisorium die Hauptrolle. . Ein mit Quadratschrift geschriebener und mit Malereien geschmückter Machsor legt davon Zeugnis ab, daß die Juden der Kunst durchaus nicht abhold waren, ja sie zierten sogar ihre Gebetbücher damit. Zwei jemenitische Din-Büdier fallen auf, eines von ihnen ist mit orientalischen hebräischen Lettern geschrieben und behandelt in arabischer Sprache die Festgebräuche. Eine Pergament- Haggada weist halbseitengroße Initialien auf. In der Nähe ist eine 17 Zentimeter breite Thorarolle zu sehen, die Höbe des Textes erreicht kaum 7 Zentimeter. Sehr interessant ist eine mit Sanskritlettern gedruckte Haggada, die unsere Brüder in Indien gebrauchen, ferner ein mit hebräischen Lettern geschriebenes persisches Buch und eine Estherrolle mit Ez Chajjim. In dem vierten Fach der Vitrine ist eine Seltenheit der Seltenheiten, die erste Ausgabe des Talmuds auf dunkelgrauem, grünlichem Papier, das man nur in den seltensten’ Fällen benützt hat, zu sehen. In der Nähe eine in bunten Farben gedruckte Haggada — die rote und grüne Farbe wechselt ab mit der Erklärung Aberbanels und ein altes Haftarabuch. Die Bücher sind mit Geschmack und Verständnis ausgewählt und man war bestrebt, besonders durch Zurschaustellung der Illustrationen das Interesse des Publikums auf die hebräische Ausstellung zu lenken. Von den noch auszustellenden Werken sind das einzige vorhandene Exemplar der ersteh Ausgabe des Prager Machsors, das beute 1000 Mark wert ist, ferner die Brescianer Ausgabe der Bibel, in der die Wurzeln der Vokabeln mit fetten Lettern, die Suffixe und Endungen hingegen nur mit den Umrissen der Lettern angedeutet sind, hervorzuheben, Ferner kommen alte venezianische, türkische (hauptsächlich Saloniker), Amsterda-

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