Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438483-2438511--4280-2444115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-r*; .v Hy JÜDISCHE ZEllUNG »MC NRTIDNRL -JÜDI5CHE5 DRGRN »Mf Irrrrm Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ nillI ein der “f Weungssp. Moritz B Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Kanneliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. B erggarch anl. 105.- 503.10 er Hol 24.25 is. Bnei 24.25 . Hugo Wilhelm 97.- Share- 26.05 171.55 10.- Sterr. 10.- ch. W, Spitzer sch. W. 28.50 K 48.50 K 20ten J. N.-F IO 2.40: 5u 12.-; 97.36;sen an- , bezw B 50.- 160.36 Silberer 2582.0' 624.0 566.2t 427.2! 4199.52 3959.41 240.0: 2340. 36975.0: Nr. 29. Hhtuelle jfflOIsAe Engen. Die aktuellste aller jüdischen Fragen ist wohl die Taufseuche, die als Endergebnis der Assimilation in der Judenheit weite Kreise um sich zieht. Den schärfsten und aufrichtigsten Kampf gegen die Taufe führte und führt immer noch die . zionistische Partei, die namentlich durch Anfachung des jüdischen Selbstbewußtseirts die Juden lehrte, den Ueberläufern Verachtung entgegenzubringen und sie zu bekämpfen. Auf unser Einschreiten ist es zurückzuführen, daß heutzutage in Wien Woche für Woche die Liste der Täuflinge veröffentlicht wird. Wir waren es, die vor vier Jahren bei den Gemeinderatswahlen, bei der sogenannten Anti-Meschumodim-Kampagne, die Wahl von getauften Wahlwerbern hintangehalten haben. In dieser Frage, die mit der Erziehung der jüdischen Massen eng zusammenhängt, haben wir viel gewirkt, wiewohl sich so manche, sich oft gutjüdisch nennende, ja selbst orthodoxe Kreise zu unserer Auffassung noch immer nicht aufschwingen können. Die Wirkung des radikalen und entschiedenen Auftretens der Zionisten gegen die Ueherläufer läßt sich jedoch nicht verkennen. 'So entstand dieser Tage in Breslau ein Verein namens „Jüdischer Treubund“, der gegen das Renegatentum nach seinen Satzungen u. a. folgende Maßnahmen anwenden soll: 1. Bekanntgabe der Namen der Ausgetretenen durch den Vorstand der Synagogengemeinde. 2. Bekämpfung aller Personen, die vom jüdischen Glauben abgefallen sind oder die Taufe unmündiger Kinder begünstigen, bei Bewerbung um Ehrenämter in Gemeinde, Stadt und Staat. An der Spitze des Treubundes stehen die führenden Männer der Breslauer Judenschaft. Er kann, wenn er seinen Grundsätzen unentwegt treu bleibt, Großes wirken. Dies wird er aber nur tun können, wenn ihm nationalgesinnte Männer vorstehen werden, denn von Deutschen mosaischen Glaubens ist ein Kampf gegen die Ueberläufer nicht zu gewärtigen. Eine weitere überaus wichtige Frage ist die der jüdischen Jugenderziehung. Mil Schrecken nehmen unsere assimilatorisch gesinn ten Mitbürger wahr, daß es den bösen Zionif sten gelungen ist, die Herzen der heranwachsen'- den Jugend zu erobern. Bei uns in Oesterreich hat man sich schon so ziemlich überall mit dem Gedanken abgefunden, daß die Jugenderziehung, wenn sie wirklich jüdisch sein soll, nur national sein kann. Infolgedessen erfreuen sich unsere Turnvereine und Wandergruppen allgemeiner Beliebtheit. In Deutschland Scheint scheint den Assimilanten diese Erkenntnis immer noch nicht aufgedämmert zu sein. Wiewohl sie aus dem Deutschen Wandervogel hinausgeworfen wurden, will ein Teil von ihnen den Kampf gegen den Wanderbund „Blau-Weiß“ weiterführen und im Deutschen Wandervogel verbleiben, um . dort „weiter zu kämpfen“. Diese Würdelosigkeit wird jetzt durch einen Aufruf an die „deutsche Jugend jüdischen Glaubens“ gekrönt. Es soll ein Jugendbund gegründet werden: ein Kindergarten des Berliner Anti- Wien, Freitag, den 17. Juli 1914 VIII. Jahrgang zionistischen Komitees. In diesem Aufruf, der gespickt ist von den ältesten patriotischen Phrasen, heißt es u. a.: „Du liebe Sprache unserer Eltern, du hohe Sprache Goethes und Nietzsches, du tiefer und hoher deutscher Geist! Du mehrtest die Bildung unseres Herzens und Geistes und versprachst uns Juden einst in holder Stunde uns zu lieben, wie alle deine Kinder. Dieser Stunde gedenke ich! Und wenn du dich auch wankelmütig heut von mir abwendest, ich werde dir weiter dienen, bis du mich liebst um meiner guten Eigenschaften willen, die du heut nicht siehst!“ Zugleich erläßtdas vorbereitende Komitee eine Erklärung über Anlaß und Ziel des Aufrufes. Hier heißt es: „1. Die Anregung zu dem Aufrufe ging von einigen Vorstandsmitgliedern der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereines jüdischer Staatsbürger mosaischen Glaubens aus. 2. Die Bewegung, die der Aufruf entfachen soll, hat zum Ziel die jüdische Jugend, die gegenwärtig bereits im Kindesalter von zionistischer Agitation aufgesucht und einseitig beeinflußt wird, über die Gefahren und Entstellungen der radikal-zionistischen Propaganda aufzuklären und sie zur Treue gegen, die angestammte Religion’ und gegen das deutsche Vaterlana zu erziehen.“ Ja, es gilt der Kampf um die Jugend! Uns kann er nicht bange sein. Wir wissen, daß die Zukunft des Judentums und mit ihr die Jugend uns gehört! L. B. Der jiiöisdie Wantobunö „Blau- Weift“. Von Dr. Emst Skutetzky. Es gehört zu den seltenen Ausnahmen, daß die Entstehung einer Bewegung von der jüdii sehen Oeffentlichkeit mit so ungeteilter Sympathie und mit solch aufrichtiger Befriedigung begrüßt worden ist, wie das Auftauchen der jüdischen Wanderidee. Von Deutschland ihren Ausgang nehmend, hat sie bald auch in unserer Monarchie lebhafte Verbreitung gefunden. Der österreichische Bund „Blau-Weiß“ für jüdisches Jugendwandem umfaßt heute nach' kaum halbjährigem Bestände bereits eine stattliche Reihe sich stetig entwikkelnder Ortsgruppen, deren Zahl fast täglich zunimmt, in Ungarn, wo übrigens auch ein jüdisches Pfadfinderkorps „Kadimah“ besteht, hat Preßburg mit der Gründung eines „Blau-Weiß“- Bundes den Anfang gemacht, unsere Reichslande sind im Begriffe, diesem Beispiele zu folgen und auch in Serbien und Bulgarien hat die Wanderbewegung bereits Wurzei gefaßt. Die jüdische Wanderbewegung bildet aber auch in der umfassenden Vielseitigkeit ihrer Bestrebungen nicht nur eines der vorzüglichsten Mittel, die körperliche Entwicklung und Ausbildung unserer Jugend in vollendeter Weise zu fördern, sondern sie schafft auch die Mögliche keit, derselben gerade in jenen Jahren, die durch eine besondere Empfänglichkeit und Aufnahmsfähigkeit des kindlichen Gemütes gekennzeichnet sind, spielend und unbewußt eine tiefwur-i zelnde nationale Erziehung angedeihen zu lassen. Der jüdische Wanderbund „Blau-Weiß“ setzt sich zusammen aus dem Eltern verbände und den Wanderern. Der Elterhverband stellt das eigentliche Substrat des Vereines dar. Er ist, wie schon sein Name sagt, in erster Linie gedacht als eine Vereinigung der Eltern jener Kinder, welche an den Wanderungen teilnehmen. Es kann ihm aber auch jeder Jude und jede Jüdin angehören, die das 18. Lebensjahr überschritten haben. Anderseits wird auch die Aufnahme von Wanderern natürlich nicht von der Erwerbung der Mitgliedschaft seitens der Eltern abhängig gemacht, wenn man auch den Beitritt der Eltern als dringend wünschenswert anstreben muß. Die Leitung des Vereines liegt in der Hand des aus der Mitte des Elternverbandes gewählten Ausschusses. Die Veranstaltung und Organisation der Wanderungen, ihre Führung, die Disziplinargewalt über die Wanderer, die Leitung der Kurse etc, mit einem Worte die gesamte Tätigkeit auf dem eigentlichen Arbeitsgebiete des Vereines ist jedoch der Führerschaft übertragen. Die besondere Verantwortlichkeit, welche dem einzelnen Führer obliegt, und insbesondere der Umstand, daß er durch die persönliche Einflußnahme auf die Wanderer dazu berufen ist, das große Erziehungswerk, welches unsere Bewegung darstellt, in erster Linie zu fördern, machen die peinlichste Sorgfalt bei der Auswahl dieser Führer, und zwar sowohl hinsichtlich ihrer körperlichen Eignung, als auch in Bezug aut ihre Charaktereigenschaften und ihre nationale Gesinnung zur unbedingten Pflicht. Den Führer muß natürlich eine geeignete Ausbildung in den Stand setzen, allen an ihn gestellten Anforderungen, und diese sind nicht gering, zu entsprechen. Diese Ausbildung der Führer erfolgt nebst der praktischen Schulung auf den Wanderungen selbst und in besonderen Führerzügen, durch Kurse in erster Hilfeleistung, Kartenlesen, Orientierung im Terrain, optischem Signalisieren, ferner in den Grundzügen der Botanik, Mineralogie und Astronomie. Den Abschluß der Ausbildung bildet die Führerprüfung, welche ein unbedingtes Erfordernis der Ernennung bildet. . Was nun die Wanderer selbst anlangt, so sind sie selbstverständlich, was ja auch schon durch die Bestimmung des Vereinsgesetzes und durch die Disziplinarordnung der Schulen ausgeschlossen erscheint, nicht Mitglieder des Vereines, sie sind — sit venia verbo — lediglich Objekte der Vereinstätigkeit. Ihre Aufnahme erfolgt unter Beibringung einer schriftlichen Zustimmungserklärung der Eltern auf Grund einer ärztlichen Untersuchung. Diese bezweckt vor allem die Ausscheidung solcher Kinder, welche mit organischen Fehlern behaftet erscheinen und weiters die Feststellung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Von der Entrichtung der einmaligen Aufnahmsgebühr per K 1,— abgesehen werden die Wanderer zu finanziellen Leistungen für den Verein selbst nicht herangezogen. Sie werden mit Rücksicht auf das Alter und die körperliche Leistungsfähigkeit, die übrigens durch Kontrolluntersuchungen ständig überprüft wird, in Züge von je 16 Wanderern eingeteilt. Jeder Zug hat seinen ständigen Führer, damit der unbedingt erforderliche persönliche Kontakt zwischen Wanderern und Führer her-> gestellt und aufrecht erhalten werde. Knaben und Mädchen, welch letztere nur von Damen geführt werden, werden streng geschieden. Jeder Zug zerfällt in Unterabteilungen, Schwärme und Rotten, zu deren Führung die tüchtigsten Wanderer herangezogen werden, welche Einrichtung auch den Nachwuchs der Führerschaft aus der Mitte der Wanderer sichern soll. Er wird von der Leitung aus Vereinsmitteln mit den notwendigen gemeinsamen Ausrüstungsgegenständen versehen, als da sind: Zelte, Kochapparate, Kochkessel, Wassereimer, Laternen, Karten etei, Für die persönliche Ausrüstung hat jeder Wanderer selbst aufzukommen. Unbedingt vorgeschrieben sind Rucksack, Feldflasche, Trinkbecher, Hut, feste Schuhe und Wetterkragen. Beabsichtigt und zum Teile auch durchgeführt ’ ist die Bekleidung mit gleichen Anzügen von grauer Farbe, die in der Form von Touristenanzügen gehalten, zwar nicht den Eindruck einer Uiniformierung erwecken, aber doch die Zugehörigkeit der Wanderer zum Bunde auf den ersten Blick kenntlich machen sollen. Die Einheitlichkeit, Wohlfeilheit und entsprechende Qualität der Ausrüstungsgegenstände ist ff y- ■> 3äfr X % r J-C-C -f 1. " - -i