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Jüdische Zeitung · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 28 Kranke «löge sich nach' wie vor an den Arzt wenden, zu dessen ärztlicher Kunst er das meiste (Vertrauen hat Nur auf die jüdischen Agenten, welche gerade in Wien ihr schändliches Gewerbe der Ausbeutung von zugereisten jüdischen Kranken betreiben, wollen wir ein besonderes Augenmerk richten und wollen in einem nächsten Artikel untersuchen, ob bei ihren Geschäftsbeziehungen konfessionelle Rücksichten lobwalten. Das jüdische Publikum aber möge bedenken, daß ihren konnationalen Medizinern systematisch nicht nur die Lebensmöglichkeit, sondern auch die Ausbildungsmöglichkeit unterbunden wird. Die jüdischen Aerzte haben sich zu allen Zeiten ihren bedeutenden Ruf zu wahren gewußt, nunmehr wird es den Juden nicht nur unmöglich gemacht, an den Universitäten zu studieren, sondern auch, wenn ihnen schon das Studium möglich war, sich weiter auszubildeni. Hier gibt es nur eine Möglichkeit der Selbsthilfe und die liegt in’ Palästina. Dort sollen Bildungsstätten für jüdische Aerzte erstehen. Dort soll die ärztliche Wissenschaft, die ohne Sdiadenj keine nationale oder konfessionelle Beschränkung erträgt, im echt jüdischem Sinne gepflegt werden. Die Pläne sind der Oeffentlichkeit noch nicht unterbreitet. Wenn dies geschehen wird, dann werden die Wiener Juden wissen, wie sie auf die spezifische Kulturschande der Spitals- und Aerztenot zu antworten haben. fierzlfeier Der Wiener Zionisten. Am 2. d. M. fand im Beethoven-Saale die diesjährige Herzlfeier der Wiener Zionisten statt. Der blau-weiß dekorierte Saal mit Marmorsteins Herzlporträt bildete einen überaus würdigen Rahmen für die Feier. Sie wurde eröffnet durch einen Choral („Israels Zuversicht“) des Jüdischen Gesangsvereines Hakinnor, den der unermüdliche Prof. Artur Wolf leitete. Dann erschien die bekannte Gestalt unseres Adolf Stand auf dem Podium, der in einer «inständigen meisterhaften die Persönlichkeit Theodor Herzls wfir^ digte. Er betrachtete sein Auftreten' und Wirken von allen Seiten. Es freute uns alle, Adolf Stand nach' langer Zeit wieder einmal in Wien sprechen zu hören. Den Schluß der Feier bildete die vom Hakinnor musterhaft vorgetragene Hatikwah. Es War eine würdigd Feier, die auf die Anwesenden tiefen Eindruck imachte. * Wien. (Sektion Landstraße-Schüttel desi "Zionistischen Zentral Vereines.) Am 12. d. M. (Sonntag) findet im Anschlüsse an den gemeinsamen Grabbesuche um halb 12 Uhr vorm, im Tempel, III., Untere Viaduktgasse 13 eine Trauerandacht für unseren verewigten Führer statt. Zionisten auf der Landstraße (erscheint Vollzählig!. , * Mähr. Ostrau. Ueber Anregung des1 Jüd. Volksvereines „Zion“ hat die Kultusgemeinde- Vorstehung die Abhaltung eines Trauergottesk dienstes für Theodor Herzl angeordnet. Der Gottesdienst findet am Montag, den 13. d. M. um 7 Uhr abends im hiesigen großen Tempel statt. Die Gedenkrede 'hält Herr Rabbiner Dr. "J. Spira. * Krems a. D. Der Verein „Zion“ veranstaltete Freitag, den 3 d. M. im' hiesigen Tempel eine Herzl-Gedenlcfeier. Gg. Herr Rabbiner Dr. Mehrer hielt die Gedächtnisrede, die starken/ Eindruck machte. Für den Herzhvald wurde gesammelt. mm ono no iiug Wien, II. Taborstr. 17 [Hirschenhaus] Telephon 39247. Singerbücher. Neuester Band: Maupassant K 3.80. Antiquariat. Provinzversand. Der Kampf Der Iglauer Zionisten. In der Versammlung |des antizionistischerj Iglauer Kultusausschusses, (über Welche die Leser der „Jüdischen .Zeitung“ jüngst informiert wurden, sprach der Kultusvorsteherstellvertreter Herr Dr. Eduard Kraus, der die Zionisten so heftig angriff, auch von T h e o do r H e r z 1. Er machte vor dem Andenken unseres verewigten Führers die obligate tiefe Verbeugung, die sich die klügeren Antizionisten allmählich' angewöhnt haben, um ihrer Hochachtung vor dem Meister Ausdruck zu geben, der So ganz anders gewesen sei, als die jetzigen Zionisten. Wir kennen alle den Wert solcher Versicherungen gerade ausl den Kreisen, die bei Herzls Lebzeiten seine erbittertsten und skrupellosesten Gegner gewesen sind. Gleichwohl gab es noch' einige, allerdings wenige Zionisten in Iglau, die meinten, daß in der Rede des Dr. Kraus Wenigstens der Abschnitt, der sich mit dem großen Toten befaßte, ernst zu nehmen sei. Diese Leichtgläubigen erwarteten, daß gerade jetzt der Kultusausschuß die Gelegenheit ergreifen werde und anläßlich der zehnten Wiederkehr von Herzls Todestag, der in aller Welt würdig gegangen wird, zumindesten einer würdigen Trauerkundgebung im' Tempel der Gemeinde, der ja!audh so viele Zionisten angehören, kein Hindernis (bereiten werde. Der Jüdische Volksverein „Theodor Herz 1“ für Iglau und Umgebung reichte also beim Kultusausschusse, wie schon die. Jahre vorher, eine Eingabe lein, in welcher der KuItuSausschuß ersucht wurde, (anläßlich des zehnten Todestages Herzls einen 'Trauergottesdienst im1 Tempel zu veranstalten |und den Herrn Rabbiner zu veranlassen, die Gedenkrede zu halten. Unter anderen Gründen, mit denen dieses Ersuchen motiviert wurde, fand auch die erwähnte Reverenz des Kultus Vorstehers ihren Platz!. Die Antwort des Kultusaussdiusses lautete: „Löbliche Vereinsleitung des Jüdischen Volksl( Vereines i„Theodor Herzl“ für Iglau und Umgebung. In der am heutigen .Tage tabgehältenen Kultusausschuß-Sitzung wurde in Erledigung Ihres werten Ansuchens vom 25. Juni 1. J. um Veranstaltung eines feierlidhen Trauergottesdienstes am 20. Tamus, d. i. am 15. Juli 1. J. im Tempel anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Todestages Dr. Theodor Herzls der Beschluß gefaßt, dieses Ansuchen mit Hinfweis auf frühere diesbezügliche Beschlüsse wieder jabzulehnen. Der gefertigte (Vorstand beehrt sich, der löblichen Vereinsleitung diesen Sitzungsbeschluß des Kultusaussdiusses hiemit zu übermitteln, Iglau, am 30. Juni 1914. Der Vorstand: Sim. Feldmajin.“ Der Jüd. Volksverein „Theodor Herzl“ für Iglau und Umgebung hat diese Zuschrift des Kultusausschusses, die ihm am 4. Juli zugestellt wurde, ohne Debatte zur Kenntnis genommen. Die Antwort wird (die große öffentliche Herzl- Gedenkfeier bilden, die der Verein im laufenden Monate veranstaltet. Wir meinen, daß das heutige Andenken Theodor Herzls nicht verunglimpft ist, wenn der Iglauer Kultusausschuß ihm keine Gedenkfeier bewilligt. Es ist sogar denkbar, daß Herzls Name noch leben wird, wenn niemand mehr wissen Wird, daß Herr Feldmann, Dr. Kraus, und ihresgleichen die Macher des Iglauer Kultusausschpsses waren. Das ist wirklich denkbar. Der Znsammensdiliib Oer sdilesisdien RultusgemeinSen. (Eigener Bericht.) Sonntag, den 5. d. M. fand die konstituierende Versammlung des Verbandes der schlesischen Kultusgemeinden in Troppau statt, beil welcher sämtliche schlesischen Gemeinden und zwar Bielitz, Freistadt, Freiwaldau, Friedek, Mistek, Hotzenplotz, Jägemdorf, .Oderberg, Skotschau, Teschen, Troppau und Wagstadt und außerdem der schlesische 'Rabbinerverband durch1 Delegierte Vertreten waren. Herr Dr. S. Friedmann aus Troppau war als Virilist der Versammlung Zugezogen. Zionistische Delegierte Wurden von den Kultusgemeinden Jägerndorf (Dr. Singer) und Wagstadt (Markus) entsendet. Bei Punkt 3 des Statutes, in welcher festgesetzt ist, daß als Delegierte in den Verband nur diejenigen gewählt werden können, welche auch das passive Wahlrecht in der Kultusgemeinde haben, stellte Gg. Dr. r Friedmänn den Antrag, daß alle Kultusmitglieder das1 passivei Wahlrecht in den.Verband haben sollen; leider hätte dieser unserem Kultusgemeindeprogramme entnommene Antrag gar keine Unterstützung gefunden, ja sogar Zionisten sprachen und stimmten dagegen. Dies (Soll uns eine Warnung sein und die Parteileitung Sollte sich die Mühe, nehmen, unsere zionistischen KültusVorstände auf1 dem Lande unser Kultusprogramm geläufig zu machen, damit unsere Gesinnungsgenossen auf dem Laude nicht für antidemokratische Institutionen und Handlungen sich einsetzen. Natürlich gingen die Herren über diesen Antrag des Dr. Friedmann mit ieinem Lächeln hinweg und Herr Dr. Sonnenschein 'ließ sich' zu der Bemerkung herbei, daß ,es nicht gehe, das allgemeine Wahlrecht einzuführen, solange so große Kultussteuem gezahlt werden. Die Herren können sich' von ihren „liberalen“ Ansichten nicht los'rnärihen, nichts destoweniger hatte ich' den Eindruck, daß die beste Hoffnung vorhanden ist, daß das Prinzip des Interesses für jüdische Sachen und nicht das des Geldes für die Wahlen in jüdische Vertretungskörper bei dem Verbände über kurz oder läng maßgebend werden wird. Besonders hervorzuheben ist auch der Punkt des Statutes, wonach der Verband auch die Aufgabe hat, die Lehrpläne für den Religionsunterricht festzustellen, um die Qualifikation der. Religionslehrer zu bestimmen. Hier ist ein Ge-' biet, wo unsere Gesinnungsgenossen für unsere Gegenwartsarbeit im Galuth (jüdische Geschichte und Hebräisch) Sieb mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht einsetzen müssen. Ebenso müssen sie ihr Augenmerk darauf richten, daß unsere Religicmslehrer .ihrem Fache ganz gewachsen sind und auch moralisch' die Qualifikationen eines Lehrers haben. Es wird Sorge des Verbandes sein -müssen, eine Religionslehrerschule zu errichten, die nur Zöglinge entläßt, die das Judentum voll in sich aufgenom’- men haben.; Außerdem gehört in den Wirkungskreis' des Verbandes die Errichtung, Verwaltung und Erhaltung von solchen Institutionen, welche zur gemeinschaftlichen Benützung der dem Verbände angehörigen Kultusgemeinden dienen. Auch hier harrt unserer Gesinnungsgenossen im Verbände eine Arbeit, zum Beispiel: In Schlesien gibt es Orte, wo die Kindergärten: entweder in deutädrnationalen oder klerikalen Sinne geleitet werden. So zum Beispiel kenden alle jüdischen Familien in Jägerndorf ihre Kinder in den Klosterkindergarten, was zur Hebung des Judentums! jedenfalls nichts beitragen dürfte. Auf Grundi dieses Punktes des Statutes, wäre es möglich, daß der Verband jüdische oder hebräis'che Kindergärten .errichtet. Wichtig ist, daß der Verband auch1 das Amt eines Schiedsgerichtes zwischen Kultusgemeihden und zwischen einzelnen Volksgenossen und Kultusgemeinde lübemimlnt. Herr Dr. Steiner, Rabbiner in Bielitz, Delegie> 1er des Rabbinerverbandes versuchte vergebens verschiedene Anträge durchzusetzen, die den Einfluß der Rabbiner im Verbände erhöhen sollten. Im Sinne unseres Programmes und unserer langjährigen Bestrebungen begrüßen wir freudigst die Organisation der Kultusgemeinden und hoffen, daß die Juden anderer Kronländer dem Beispiele Schlesiens folgen werden. Uns ist es ein Zeichen dafür, daß in der österreichischen Judenheit das Verlangen;nach Schaffung eines Organes, welches alle jüdischen Interessen im Staate und der Regierung gegenüber vertreten kann und Soll, sehr lebhaft ist. Dr. Adolf Grünfeld. Generalversammlung des INE. Am' 9. Juni d. J. fand in Berlin die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds statt. Den Vorsitz führte Justizrat Dr. Bodenheimer, Köln. Der Generalversammlung wurde ein schriftlicher Bericht des Hauptbureaus unterbreitet, sowie die Bilanz des' Jüdischen Nationalfonds und der Rechnungsabschluß für das Jahr 1913. Die Bilanz wurde von der Generalversammlung nach eingehender Aussprache genehmigt. Herr Dr. Franz Oppenheimer erstattete einen kurzen Bericht über den Stand der Siedlungs-Genossenschaft in Merchawjah. Er müsse mit allem Nachdruck betonen, daß die bisherige in Merchawjäh geleistete Arbeit nichts anderes als Pionierarbeit gewesen Sei. Erst jetzt werden die Bauten und die Wasserleitung vollendet und damit die Vorbedingungen für einen normalen Gesundheitszustand Dauerhafter als {jeder KAUTSCHUK-ABSATZ Pafma-Kautsduift-ßesellstfialt m. b. H. WIEN i.!■■■■ Elegant und hygienisch!■■■■

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