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Jüdische Zeitung · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Herzl-Klub, Wien, II. Leopoldsgasse 31. Dienstag, den 14. lull (ZO. Tamus) 1914 um 8 Uhr abends HerzlsGMfeier anläßlich des zehnten Todestages im „Hotel Guih", II. Slefaniestraijc 14 Referenten: Dr. Otto Abeies u. Dr. Egon Zweig. Rezitationen von Simon Advokat, luden erscheint zahlreich! Es;gilt den größten luden, den das Galuth heruorgebracht hat, zu ehren! nats können alle Gemeindeangehörigen ohne Rücksicht auf ihre. Parteistellung nur einer Meinung Sein; die gegenwärtigen Zustände seien eine Schande für die Wiener Judengemeinde. Auch der Präsident Dr. Stern ist hievon vollständig überzeugt, dieser ist aber e i n w i 1lenloses Werkzeug in der Hand des Ob er r ab bin ersf Güdemann, der jede Untersuchung in seinem' eigenen Interesse verhindere. Redner habe schön wiederholt vom Oberrabbiner Güdemann ein Einschreiten gegen Mayersohn verlangt, doch ohne Erfolg; habe ihm doch Güdemann selbst erklärt: „M ayer- Sohn ist mein Kompagnon; das Geld, daS er mir abführt, ist zwar schmutzig, aber ich1 rmiß eS haben.“ So oft man eine Reform in der Kultusgemeinde verlange, werde immer das hohe Alter des Präsidenten und des Oberrabbiners vorgeschützt und die Ausrede gebraucht, gegen den Willen dieser zwei Herren lasse sich' nichts machen. Bei Greisen sei aber Sonst Güte und Milde die vorwiegende Eigenschaft. Diese beiden Vorzüge seien aber bei Dr. Stern und Dr. Güdemann nicht zu finden. Habe ihm' dodi Gödemanngesagt: Er (Güdemann) besitze-nur einen- Frem.nd. in Wien, und das sei er selbst, alle anderen Gemeindemitglieder können ihn . . . (folgt die bekannte Einladung aus „Götz von BerliChingen.) Die Mitteilungen des Redners über dieses wenig prieSterliche Gebahren des Wiener Oberrabbiners wurden von der Versammlung mit Entrüstungsrufen begleitet. Dr. S. R. Landau, der hierauf daS Wort erhielt, erklärte einleitend, er werde sich mit der Affäre Mayersohn nicht beschäftigen. (Anmerkung der Redaktion: Dr. Landau ist ein bewundernswerter Held. In seiner „National- Zeitung“ erklärte er alle gegen Mayersohn erhobenen Beschuldigungen als Verleumdungen. Dies ist natürlich (sehr einfach'. Als er aber für seine Behauptungen in öffentlicher Versammlung persönlich eintreten Sollte — wie eS seine Theodor Herzl. (Zionistische Broschürenbibliothek, M. 1.) — Im Verlage deS Zionistischen Zentralbureaus, Berlin W.' 15, erSch'eint Soeben Heft 1 der „Zionistischen BroSchüren-Biblioth'ek“. Dieses Unternehmen, das in mancher Hinsicht bemerkenswert ist, bezweckt, (zionistische und national-jüdiSche Literatur in guter Ausstattung zürn billigsten Preise (10 Heller pro Heft) den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. In der Zionistischen „B.rosdhüren-Biblipthel^ „soltsp JRrobteme 'derzionistischen "Gedärtkertweltiund^'des: jüdischen Lebens der Gegenwart behandelt,' Erscheinungen und Einrichtungendes -'modernen Judentums in ihren Wichtigen Formen dargestellt werden“. Das erste Heft aus der Feder von Dr. Osias Thon, Krakau, ist Theodor Herzl gewidmet, dessen Zehnjähriger Todestag jetzt, in der ganzen zionistischen Welt feierlich1 begangen wird. Auf Zweieinhalb Bogen gibt die hübsch ausgestattete Broschüre ein gutes Bild des Menschen, des Schriftstellers, des Zionistenführers, eine lebendige und getreue Darstellung seiner Absichten und seiner Tat. — Die Zionistische Broschüren-Bibliothek, als deren zweite Publikation demnächst eine Veröffentlichung über „PflanzungsgeselfSdhäften in Palästina“ (Achusah) von Dr. Arthur Ruppin erscheinen wird, gehört in den Bücherschrank jedes Juden, der an den Zeitströmungen deS modernen Judentums Interesse nimmt. OOO Pflicht war — ist er ausgekniffen, obwohl alle Beschuldigungen in der Versammlung wiederholt wurden. Dessen schämte er sich nachträglich und lügt nunmehr in der „National-Zeitung“ seinen Lesern vor, er sei verhindert worden, über Mayersöhn zu sprechen!) Wohl müsse er aber die zionistischen Kultusvorsteher anklagen. Diese hätten mit dem Präsidenten Dr. Stern einen Pakt geschlossen, weshalb sie jede Opposition ausschalten (Zwischenrufe: Das glauben Sie doch selber nicht. Allgemeine Heiterkeit!). Es herrsche auch anderwo Korruption, so im Rothschildsprtal. Dort komme niemand unter, der nicht zuerst in die Privatordinationdes Professors Zuckerk andl gehe und ihm zwanzig Kronen Zahle. Hiefür seien die Zionisten verantwortlich.- Er habe Herrn Oberingenieur Stricker ersucht, sich -wegen der Aufnahme eines Kranken : ins Spital zu verwenden, ‘ der Kranke sei jedoch nicht aufgenommen worden. Kultusvorsteher Obering. Robert Stricker, von stürmischem Beifall begrüßt, lieferte zunächst einen Beitrag zur Charakterisierung der noblen Kampfesweise des Dr. Landau. Dieser habe ihn einmal ersucht, sich wegen Aufnahme eines Kranken ins Rothschildspital zu verwenden. Als! der Betreffende wegen Platzmangel nicht aufgenommen werden konnte, habe sich Dr. Landau in seiner „National-Zeitung“ über die Einflußlosigkeit Strickers lustig gemacht. (Stürmische Pfuirufe.) Redner habe schön vor einem Jahre in der „Jüdischen Zeitung“ eine gebührende Antwort gegeben, der Inhalt dieser Antwort sei aber heute von Landau verschwiegen worden. Auch mit den übrigen Entstellungen und Verdrehungen Landaus rechnete der Redner unter tosendem Beifall der Versammlung gründlich ab. Er ging dann auf die jüngsten Ereignisse in der Kultusgemeinde über und machte für die korrupte Wirtschaft im Wiener Rabbinat den Kultuspräsidenten Dr. Stern verantwortlich. Dieser sei überhaupt jeder Arbeit im' Wege. Es habe sich schon wiederholt gezeigt, daß sich in Abwesenheit Dr. Sterns in der Kultusgemeinde sehr gut arbeiten lasse, die meisten Mitglieder des KuItusvorstarvdes seien von der Unhaltbarkeit der. Zustände überzeugt, niemand wage aber ein offenes Wort. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, deren Wortlaut wir bereits mitgeteilt haben. Es wurde darin den z i o n i s t i - sehen Kultusvorstehern Dank und Vertrauen ausgesprochen, die von Dr. Stern geförderte Korruptionswirtschaft im Wiener Rabbinat entschiedenst verurteilt und eine einwandfreie Untersuchung der Zustände im Wiener Rabbinat verlangt. Kulforsdnnfle. Von Dr. Emil Stein. Eine Spezialität des „christlichen“ Wien ist bekanntlich seine Spitalnot, von der erst jüngst wieder die staunende Mitwelt durch einen besonders krassen "Fall, ((„Der Kranke auf dem Bügelbrett“) Kenntnis erhielt. Das „goldene Wiener Herz“ der Gemeinderäte ist aber durch keine Zwischenfälle nicht weiter, beunruhigt, unsere Stadtväter haben viel Wichtigeres zu tim, z. B. kleine jüdische Existenzen zu vernichten, oder wenn das Ischon nicht möglich' ist, nach! Kräften zu schikanieren. Sie glauben sich dieser christlichen und sozialen Aufgabe umso ungeisijörter widmen zu können, als ja 'die Glaubensgenossen der Verfolgten Selbst ihnen den größten Teil der Krankenfürsorge abnahmen. Ein großer Prozentsatz der jüdischen Spitalspatienten wird ja in den jüdischen Spitälern behandelt, obwohl natürlich für die Juden keinerlei Verpflichtung in dieser Richtung besteht, die Allgemeinheit hingegen für alle Kranken unterschiedslos zu sorgen hätte. Abgesehen von dieser Verminderung der Gemeindesorgen durch spezifisch jüdische Anstalten, gibt es fast kein Wiener Spital dessen derzeitiger Verpflegsstand nicht durch jüdische Zuwendungen sehr größer . Kapitalien ermöglicht worden w'äre, selbst bei dem rein katholisch konfessionellen Spitale der Barmherzigen Brüder. (Es ist wohl Niemandem bekannt, daß dem Rothschildspitale der isr. KuN tuSgemeinde von christlicher Seite Spenden zugekommen wären, wie vice versa den Barmherherzigen Brüdern.) Staat, Land und Gemeinde, welche sich in edlem Wetteifer die Verpflichtung für die Versorgung ihrer Kranken zuschieben, lassen sich diese sehr ausgiebige Unterstützung seitens der jüdischen Wohltäter allzugerne gefallen. Es scheint jedoch, daß es zur arischen Selbstschätzung gehört, daß die rechte Hand, die die Aerztestellen in den betreffenden Spitälern Zu vergeben hat, nie weiß, wag die linke Hand tut, wenn sie jüdisches Geld nimmt. Die Fälle sind nur allzubekannt, daß in Wiener Spitälern, die sich Stiftungen für hunderte von Spitalsbetten von Juden machen lassen, kein jüdischer Arzt die Möglichkeit für Seine weitere Ausbildung bekommt. In andern Spitälern wieder, wird die Zahl der jüdischen Aerzte immer mehr restringiert und von der betreffenden Direktion geduldet, daß sich die arischen Aerzte in beschämender Weise von den jüdischen absondern, wie es die Oeffentlichkeit erst vor kurzem durch Interpellation des Abgeordneten Breiter über die Zustände im Franz Joseph-Spital erfahren hat. Besonders krasse Verhältnisse liegen im Kronprinz Rudolf-Kinderspital vor, das fast ausschließlich vom jüdischen Geld erbaut Ist, in dem aber prinzipiell kein Jude angestellt wird. Hierüber erteilt der jüngst erschienene Bericht für das Jahr 1913 genaue Daten, die wir auszugsweise wiedergeben. Von 24 vollständigen Freibettstifiungen h'nd 16 ausschließlich der Familie Mautner zu danken, eine dem Freiherrn von Königswarter, je eine führen den Namen Wmternitz, Eugen Dub, Ignatz und Rosalie Winter und Gustav Redlich. Hiezu kommt noch die Stiftung des Erzherzogin Elisabeth Isolier-Pavillon durch Karl Ferdinand Mautner aus dem Jahre 1891. Nur drei von diesen 24 Bettstiftungen tragen arische Namen. Hiezu kommen noch eine Messestiftung von Karl Ferdinand Mautner im i Betrag von Nominale 12.000 fl. österr. Rente, eine Rentestiftung von 6000 fl. österr. Rente für chronische Kranke, eine Widmung von 20.000 fl. für den Spezialheilmittelfond und die Jahresrente per 1000 fl. die seitens der Erben gegen eine vinkulierte 4prozentige österr. Kronenrente im Nominalwert von K 54.000 abgelöst worden ist. Endlich die Kaiser Jubiläums Schenkung der Familie Mautner vom Jahre 98 betreffend vier Baustellen im Werte von 5000 bis 10.000 ff. Die Familie Mautner figuriert dann noch unter allen übrigen Spendern am weitaus häufigsten mit Ziemlich großen Zuwendungen und Jahresbeiträgen. Aber auch unter den sonstigen ordentlichen und unterstützenden Mitgliedern dieser Anstalt findet sich eine reiche Anzahl jüdischer Wohltäter wie Gomperz, Guttmann, HaaS, Kufner, Eisler, Torsch, Salo Kohn und andere. Es ist selbstverständlich, daß die KostaufbeSserung zu den christlichen Feiertagen ausschließlich von der Familie Mautner bestritten wird. Ist also bei diesem Spiel jüdisches Kapital, abgesehen von seinen geringen arischen Zuwendungen, fast ausschließlich beteiligt, so lehrt ein Blick in die Liste des Personafstandes die christliche Exklusivität des Aerzte- und Beamtenpersonals. Aerger als in diesem Beispiel kann die Selbsterniedrigung der getauften jüdischen Emporkömmlinge wohl nicht mehr getrieben werden. Wir sind weit entfernt davon, unseren jüdischen Wohltätern die Beteiligung an Werken der Charität, jdie armen Kranken ohne Unter; schied der Konfession zugute kommen, zu verübeln. Das sprichwörtliche jüdische Herz wird sich nach wie vor im Gegensatz zum goldenen Wiener Herzen nicht von politischen Bedenken leiten lassen. Und wenn auch die Professoren der Wiener medizinischen Kliniken fast ausnahmslos der antisemitischen Richtung angehören und nur in Seltensten Fällen jüdische Aerzte unter sich dienen lassen, wir werden ihnen trotzdem nicht Vorhalten, daß sie bei der Annahme von zahlenden Patienten keine konfessionellen - und nationalen Skrupel walten lassen! Der jüdische

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