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Jüdische Zeitung · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 schäftlich authielt, mein ganzes Vermögen aus der Hotelkasse, wo es auTbewahrt war, vom Geschäftsführer des Hotels gestohlen worden und ich selbst war über Nacht ein armer Mann geworden. Monate vergingen, ohne daß Herz), mit dem ich unterdessen öfters zusammenkam, davon erfuhr. Als es ihm aber doch zu Ohren kam, erhielt ich eines Tages einen ExpreßDrief von ihm, mit der Einladung, ihn zuversichtlich ulm1 4 Uhr nachmittags in einer dringenden Sache in der Redaktion der N. Fr. Presse, zu besuchen. Ich ging hin und fand ihn ganz verstört aussehend. Er sprach zu mir verlegen: „Herr T., Sie haben mir von Ihrem Unglück nichts mitgeteilt, was machen Sie und Ihre Familie, vielleicht kann ich Ihnen dienen?“ Ich bedankte mich und sagte, daß ich wohl mein Vermögen, nicht aber Kopf, Mut und das allseits genossene Vertrauen verloren habe, worauf er sofort erwiderte, daß es ihm ferne läge, mir materiell dienen zu wollen, wohl aber hoffe er, „der er sich nicht zu den Dümmsten rechne“, mir mit Rat beistehen zu können. Ich berichtete ihn darauf über den Stand meiner Angelegenheit , und teilte ihm mit, daß ich gegen den Hotelier in Neapel einen Prozeß auf Schadenersatzleistung angestrengt hatte, der aber bei den italienischen Gerichtsverhältnisse, besonders gegenüber einem Ausländer, sehr schleppend geführt werde. Herzl gab mir nun seine Visitkarte an den damaligen Minister des Aeußern, auf die er schrieb: „Exzellenz, ich bitte Sie sehr, die Angelegenheit dieses Herrn — als wäre sie meine eigene — anzuhören und ihm zu seinem Rechte zu verhelfen.“ Mit dieser Karte — sagte er mir — gehen Sie zum Minister, schreiben Sie sich aber früher auf und memorieren Sie, was Sie ihm zu sagen haben — es macht nichts, ich mache es bei ähnlichen Anlässen auch so — geben Sie ihm, wenn er sich nicht freundlich zeigen sollte, fein anzuhören, daß, wenn das Ministerium Ihnen nicht zu Hilfe komme, sich die N. F. Presse mit diesem Falle beschäftigen wird, was für einen Minister des Aeqßeren nicht sehr tangenehm ist. — Und tatsächlich verdanke ich es dem Erfolg dieser Empfehlung, daß ich nach einiger Zeit, wohl im Ausgleichswege, wieder zu einem ansehnlichen Teil meines Vermögens kam. Bis dahin mußte ich Herzl jeweils über den Stand der Sache Bericht erstatten. Ein zweites Mal hatte ich Gelegenheit, Herzl als Reisegefährten kennen zu lernen. Es war nach dem fünften Kongreß, der im Dezember in Basel stattfand, als ich, von einer geschäftlichen Reise nach Tunis heimkehrend, über Italien nach Wien fuhr. Bei jeder größeren Station blickte ich aus dem Fenster, indem ich mich nach einem vom Kongreß Zurückkehrenden umsah, um von ihm etwas zu erfahren. In Venedig — man denke sich meine Ueberraschung — erblickte ich Herzl, der eben den Schlafwagen, in dem auch ich saß bestieg. Als er mich erblickte, verzichtete er auf seinen Platz erster Klasse und setzte sich zu mir in das Kupee zweiter Klasse, wo wir von >/-'3 Uhr nachmittags bis den anderen Tag morgens gegen 9 Uhr beisammen, nach Wien fuhren. Ich bekam nun aus erster Quelle und in sehr ausführlicher Weise alles über den Kongreß zu hören. Wir besprachen dies und jenes. Ich teilte ihm mit, daß ich in Sfax (Tunis) einen zionistischen Verein ins Leben gerufen habe, worüber er sich sehr freute. Er beklagte sich über die Indolenz der Wiener Judenschaft gegenüber dem Zionismus, ich tröstete ihn mit dem bekannten Spruch: daß Rom den Papst und dennoch .die wenigsten gläubigen Katholiken habe. Am dritten Baseler Kongreß stellte ich Herzl dem bekannten jüdischen Volksdichter und Begründer der jüdischen Bühne, Abraham Goldfaden vor. Herzl, obwohl sehr überbürdet und abgespannt, ließ sich von Goldfaden eingehend seine Erlebnisse erzählen und seine mißliche Lage ging ihm sehr zu Herzen. Gleich bei der darauffolgenden Sitzung des Großen A. C. setzte er durch, daß diesem, der enttäuscht und Zurückgezogen, in Kummer und Not mit seiner Frau in Paris lebte, ein ansehnlicher Betrag bewilligt wurde und sorgte auch dafür, daß ins Unterhaltungsprogramm des Kongresses ein Goldfadenabend' aufgenommen wurde, um dem Dichter Gelegenheit zu geben, seine Dichtungen vorzulesen. Allein Herzls Güte und Mitleid machten auch bei Nichtfreunden und Gegnern unserer Bewegung nicht Halt. Jemandem zu schaden, wenn er kein Freund oder sogar ein Gegner des Zionismus war, dessen eventuelle unschöne und unlautere Handlungsweise weithin auszuposaunen, um ihn so unmöglich zu machen — dies zu tun hütete er sich wohl und hielt auch uns davon ab. Dem Gegner ebnete er in seiner Abwehr selbst den Rückzug. Fiel man in Ungnade bei ihm, so sprach er von den Betreffenden einfach nicht mehr. „Lasset den Gegner nur Unrecht haben!“ pflegte er zu sagen. Denn rein wie seine Seele war auch sein Tun und Lassen und die Mahnung unserer Weisen: „Mansoll stets eine reine Sprache führen, lieber sich etwas breitspurig auszudrücken, als in einem Worte, aber unschön!“ beachtete Herzl voll und ganz. Für die Schonung, die Herzl auch Gegnern gegenüber übte, könnte ich viele Beispiele anführen, will aber dem Meister nachahmen und schweigen, mit Rücksicht auf lebende Personen, die ich nennen müßte. Bei der Makkabäerfeier, die im Winter 1903 in den Sofiensälen stattfand, zu der Herzl erschien, fanden wir ihn bereits sehr schlecht aussehend, er war krank. Wir' brachten es nicht über uns, ins blasse Gesicht unseres Führers sehen zu müssen und zogen uns zurück, um ihm selbst die Mühe des Grüßens zu ersparen. Er merkte es und suchte uns auf. Herzl saß in einer Loge und mußte es sich gefallen lassen, gegen Entgelt von 20 Hellern für eine deutsche und 40 Hellern für eine jüdische Unterschrift Ansichtskarten zu Gunsten des jüdischen N.-F. zu unterschreiben, bei welchem Anlasse er mir mitteilte, daß er bereits manchen hebräischen Satz fehlerlos schreiben könne und daß bei seiner Anwesenheit in Rußland diesbezügliche Wetten zu Gunsten des Jüdischen Nationalfonds abgeschlossen wurden, die er gewann. Es kam dann Charkow. Herzls Gesundheitszustand wurde immer ernster und immer seltener sahen wir ihn. Auf dem Kommers zu Ehren Dr. Bernhards ließ er, obwohl er eben von seiner Romreise zurückgekehrt war und sich ganz schwach fühlte, es sich doch nicht nehmen, den damals abtretenden verdienstvollen D.-K.- Obmann selbst zu feiern. Im April 1904 sah und hörte ich ihn zum letzten Male bei der sogenannten „Friedenskonferenz“ in Wien. Wer konnte auch damals ahnen, daß die Sonne, die uns ihrer ganzen Pracht einmal in unserem langen Goluth aufleuchtete, bald für immer wieder untergehen werde! Und doch . . . Es war eine schrecklich qualvolle, wie unser Goluth so lange Nacht, die Nacht des 20. Thamus 5664, als Norbert Rappaport, Dr. David Rothblum, Max Markus und ich an der Bahre dieses großen Mannes Ehrenwache hielten, um am kommenden Tage für immer von ihm Abschied zu nehmen und am offenen Grabe, mit den Tausenden und Abertausenden von Gesinnungsgenossen, die herbeigeeilt waren, seinem Freunde David Wolfsohn den Schwur nachzusprechen: „Im eschkaChech Jeruschalajim“. Wien, Thamus 5674. E. Torczyner. BÜdKFfdiail. Katalog der Salo Cchn’schfen Schenkungen: Zwei Bücher aus der Sammlung S. H. Halberstamm. Von Dr. B. Wachstein. Wien 1914. (Gillhofer u. J?anschhofer.) Der bekannte jüdische Gelehrte S. H. Halberstamm hat mit großer Vorliebe seine Privatbibliothek durch Erwerbung alter und seltener hebräischer Frühdrucke und Inkunabeln zu bereichern gesucht. Nach seinem Tode erwarb diese wertvolle Sammlung Salo Kohn für die Wiener Kultusgemeindebibliothek. Im vorliegenden Kataloge versucht der namhafte jüdische Bibliograph Dr. B. Wachstein in kurzen Strichen die in der genannten Sammlung enthaltenen Druckwerke zu charakterisieren, wie auch die biographischen, genealogischen, typographischen und buchgeschichtlichen Einzelheiten zu verarbeiten. Der Herausgeber hat den einzelnen Verzeichnissen wertvolle wissenschaftliche Notizen beigefügt. In der Sammlung, die eine große Anzahl wertvoller alter hebräischer Drucke enthält, finden wir sehr viele rare Bibelausgaben und Gebetbücher, die durch ihren Buchschmuck auch einen künstlerischen Wert repräsentieren. So z. B. Nr. 70, wo wir «ine Seite eines alten Pentateuchs aus den Jahren 1490—1495 mit stilvollen Rändern und schönem Druck photographiert sehen. Nicht minder enteressant ist Nr. 276. Eine italienische Ausgabe des Midrasch Chameisch Megilloth aus dein Jahre 1519; das Titelblatt ist von einem Holzschnitt umrahmt, dessen Einfassung von Florio Vavassore herrührt, ein Beweis, daß die jüdische Bücheromamentik in Italien von der Renaissancekunst beeinflußt war. Interessant sind auch die Zensurnotizen der einzelnen Werke. So findet man unter Nr. 76 eine Pentateuchausgabe zu Fürth 1713, die mit der Nachschrift des als Zensor bestellten Burgvogtes Philipp Ernst Christfels versehen ist. zension das wertvolle Material, das man in den Es ist leider unmöglich, in einer kurzen Re- Notizen vorfindet, genau zu besprechen. Wir müssen aber Dr. Wachstein für den für wissenschaftliche Studien ungemein wichtigen Katalog nur Dank zollen. Wien. M. M. Gelber. 133! IJSJ SCSHSXSXSKSt aus der Fabrik L. T. Piovati Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Qual 19. Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. mm jakdb im Neubau des -W3 HOTEL NEW-YORK -wr Wien, II., Kleine Sperlgasse bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt Elegante un i geräumige Lokalitäten. Hochzelts¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. Parteischule. Am 6. Juli d. J., i-S Uhr findet im Rahmen der Parteischule der Vortrag des Gg. Georg Weiner über „Türkisches Recht“ statt. Wien- (Herzl-Klub, II., Leopoldsgasse Nr. 31, Tür 61. Sonntag, den 5. d. M. Ausflug. Treffpunkt Stadtbahnstation Schottenring, präzise 2 Uhr nachmittags. Mittwoch, den 8. d. M., 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Arnold Friedmann über „Das jüdische Kolonisationsproblem in Palästina“. Gäste bei allen Veranstaltungen herzlichst willkommen! Die Mitglieder werden aufgefordert, die Sammlungen für den Herzlwald energisch zu betreiben. Wien- Die jüdisch-akademische Verbindung „Robur“ hat am 26. Juni das Sommersemester 1914 geschlossen. Ferialleiter: JUC. Richard Klüger (x, x, xx Fx). Zuschriften sind zu richten an Richard Klüger, Wien, II., Czemingasse 21. Wien. Verein zionist. Hochschüler „Theodor Herzl“ teilt allen A. H„ A. H„ Bb„ Bb. und Gg., Ggmit, daß sein A. H. Rudolf Menzl Samstag, den 4. Juli, halb 5 Uhr zum Doktor der gesamten Heilkunde, sein A. H. Rudolfine W a 11 u c h am Montag, den 6. Juli, 11 Uhr zum Doktor der Philosophie promoviert werden. Wien. (Jüd.-akad. Landsmannschaft „Jordania“.) Unser Ferialleiter Ing. Singer ist jeden Samstag von 7—8 Uhr auf der Bude, 9. Bez., Porzellangasse 36, zu finden. Wien. (Jüd. Handlungsgehilfenverband, Ortsgruppe Wien, II., Taborstraße 11b.) Samstag, den 4. Juli, 8 Uhr abends, im Verbandslokal: Gedenkversammlung anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages weiland Dr. Theodor Herzls. Referent Koll. Sam. Strauß. 1. Herzl, der Schöpfer des neuen Judentums und seine soziale Bedeutung für unsere Klasse. 2. Vorlesung aus seinen Werken. Teschen. (Jüd.-akad. Ferialklub.) Der Jüd.- akad. Ferialklub Teschen erlaubt sich* sämtlichen A. H., A. H., i. a. B„ i. a. B., a. B„ a. B, sowie Freunden und Gesinnungsgenossen gezie mend anzuzeigen, daß ihr i. a. B. Advokaturi kandidat Heinrich Starnberger am 6. Juli I. J. dreiviertel 1 Uhr nachmittags, im großen Fest - saaled er k. k. Universität in Wien zum Doktor der Rechte promoviert wird.

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