Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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iSr 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 der Ereignisse, und zum Bestreben nachhaltig Abhilfe zu schaffen. Aus der kleinen Versammlung jüdischer Notabein in Basel wurde das vom Volke beschickte jüdische Parlament, das immer geeigneter wird, die richtige Auslese unter denen zu treffen, denen es das Schicksal und die Führung der Organisation anvertraut. In den Kinderjahren wurde der Kongreß von Herzls starker Hand geführt und betreut. Nunmehr ist der Kongreßgedanke herangereift, er weiß seinen Weg selbst zu finden. Der Kongreß hat sich' frei gemacht von Vormundschaft und schon der nächste dürfte zeigen, 'wie er seinen Willen durchzusetzen und von oligarchisChen Machtgelüsten zu befreien versteht. Auch die „W e 1t“, ' das Sprachrohr der Organisation, ist nach Herzls Willen „dem jüdischen Volk eine Wehr und Waffe geworden und zwar eine reine Waffe, gegen seine Feinde ohne Unterschied der Konfession.“ Sie hat es endlich dazu gebracht, „eine redliche und ernste Selbstkritik zu üben, mögen auch einige darüber wehklagen, daß es „in dieser Zeit“ geschieht.'" Was Theodor Herzl von den Reichen und Mächtigen im Judentume nicht bekommen konnte, das hat nach seinem Plane die Volksorganisation vom Volke selbst erhalten: die Möglichkeit, Palästina für das Judentum zu erwerben. Da Theodor Herzl „von dem Gesindel, \velcheS über das Geld verfügt, nicht einmal angehört worden ist,“ da wandte er sich an das Volk, indem1 er nach Schapiras Gedanken den Nationalfonds schuf, der aus den Hellern der Armen zusammengesetzt, das wichtigste Kolonisationsinstrument in Palästina wurde. Aus kleinen Anfängen heraus, hat sich der Nationalfonds zu einem Millionen-Unternehmen entwickelt, das von Jahr zu Jahr wächst, und dank seiner immer mehr steigenden Popularität für seine Arbeiten in Palästina vom jüdischen Volke jede Summe verlangen darf. Im Nationalfonds hat sich Herzls Vertrauen in die Jugend ganz besonders bewährt, denn gerade aus ihr sind die Tausende freiwilliger Mitarbeiter dem' Nationalfond entstanden, die in aller Welt die Mittler zwischen der Palästinaarbeit und dem Volke darstellen. Diester Schatz würde den Zionisten teuer, nicht darum, weil er wohlgehütet in Bank-Kellern lag, sondern weil er lebendige Arbeit im Lande jüdischen Lebens schuf und immer wieder neue Bindeglieder zwischen Volk und Land webte. Mit den Finanzinstituten Sind wir noch nicht so weit. Sie haben sich dem Volke noch immer nicht durchsetzen können, trotzdem sie zumindest in Palästina auf ersprießliche Resultate ihrer Tätigkeit zurückblicken können. Der nächste Kongreß wird auch diese Herzliche Schöpfung für das Volk, dem Volke wiedergeben. Dann werden sie zu neuem Leben erblühen und groß und stark werden, wie Theodor Herzls übrige Schöpfungen. Denn die Idee, die die Organisation stark igemacht hat, und die alle Institute befruchtet, die mit dem Volke in Fühlung stehen, werden auch aus den Bank-Instituten Volks-Unternehmungen machen, die von pulsierendem Volksleben befruchtet werden. „Die Idee wird dem Volke die Kraft geben, die vorhandenen Institute {auszubauen; nuridie Idee (kann eS. Die Leute, die glauben, ein Volk mit Geld erlösen zu können, müssen scheitern.“ Zehn Jahre nach Herzls Todestag sind Heirzls Schöpfungen, die in den wirklichen Besitzstand des jüdischen Volkes übergegangen sind, zu mächtigen Faktoren in dessen Leben geworden. Die nächste Zeit wird restlos Theodor Herzls Willen zum jüdischen Volke und sein Vertrauen, das er in dessen Stärke und in dessen Willen gesetzt hat, erfüllen und dann werden die von ihm geschaffenen Institutionen ihre volle Tätigkeit' entfalten, zum Segen für die gedeihliche Fortentwicklung des Judentums und werden wirksam unsere hingebende Arbeit in Palästina und für das jüdische Volk fördern. fiüiiii oiio Igo ine Wien, II. Taborstr. 17 [Hirschenhaus] Telephon 39247. Singerbücher. Neuester Band: Maupassant _ . K 3.80. ...... Antiquariat. Prowinzversand. Das Dellen theoior Herzls. Von Dr. Adolf Friedemann. Der Jüdische Verlag hat in letzter Zeit eine sehr anerkennenswerte Rührigkeit in Bezug auf Herausgabe zionistischer Schriften bekundet. In dankenswerter Weise läßt er auch zu der diesmaligen Herzl-Gedenkfeier ein kleines Büchlein von Dr. Adolf Friedemann (Berlin) über „Das Leben Theodor Herzls“ erscheinen. Dr. Friedemann war einer der frühesten Bewunderer und Mitarbeiter Herzls, und er versucht, das Bild wiederzugeben, das er von ihm sich bewahrte. Man könnte der Ansicht sein, daß eine erstmalige Schilderung des Lebens Theodor Herzls von zionistischer Seite eine tiefschürfende Arbeit sein müßte, welche das Wesen seines Denkens und seiner Auffassung, die Art seines Wirkens, die Schicksale seiner Ideen etc. charakterisieren würde. Hiezu ist Material genug vorhanden, namentlich in den vielen Herzlgedenknummern der zionistischen Presse. Diese Arbeit hat Friedemann nicht geliefert und sie bleibt als dringende notwendige Aufgabe der zionistischen Publizisten noch zu leisten. Was Friedemann gibt, soll deshalb nicht unterschätzt werden. Es ist ein, wie er selbst sagt, mit warmer Liebe entworfenes Bild von Herzl, seiner Ideen, seiner Tätigkeit. Der Ueberblick über sein Wirken ist besonders willkommen, da es an einer solchen Darstellung bisher gemangelt hat und es die größte Mühe kostete, aus Protokollen, Zeitschriften etc. sich diese Uebersicht selbst zu schaffen. Friedemann hat aber mehr geben können, als eine aus solchen Quellen geschöpfte Uebersicht, da ihm die unveröffentlichten Protokolle von Aktionskomiteesitzungen zur Verfügung standen und er in mühevoller Weise sich viele Briefe Herzls — ein Teil davon ist im Anfang abgednickt — zu verschaffen wußte. Außerdem zählt der Verfasser die Persönlichkeiten, die Herzl nahe gestanden sind, zu Freunden, so daß er manche intime Aufschlüsse von ihnen erhalten konnte. Der Stil seines Büchleins ist warm und frisch, die Lektüre dahei sehr angenehm. Für den Zionisten wird Friedemanns verdienstliche Arbeit ein sehr brauchbare: Behelf werden. Ob es aber geeignet erscheint in größerer Oeffentlichkeit für Herzls Ideen zi wirken, ist fraglich. Dazu ist die Darstellung doch zu leichtflüssig, die Gedanken Herzls sind zu wenig prägnant widergegeben. Ja, nicht einmal der politische Grundgedanke Herzls: die Erkenntnis, dab die Judenfrage eine Machtfrag e unu keine Rechtsfrage sei, leuchtet aus der Darstellung klar hervor, weil sie eben zu feu.lletonistisch ist. Den Vorzügen der Friedemarnschen Diktion: Eleganz, Leichtigkeit, Schwung, stehen die Schattenseiten einer zu wenig konkisen Herausarbeitung und scharten Charakterisierung der gedanklichen Elemente entgegen. Dies zeigt sich auch dort, wo Friedemann Herzl gegen seine gelegentlichen Widersacher verteitigt. Wenn er sich auch mit Erfolg bemüht, die Dinge so darzustellen, wie sie Herzl selbst ansah und dadurch beiträgt, die Persönlichkeit seines Helden dem Leser näherzubringen, so dringt er nicht auf den sachlichen Kern des Gegensatzes vor. So z. B. wenn er von der Kritik Achad Haams über „Altneuland“ spricht und sagt, Herzl habe zeigen wollen, daß die von ihm geschilderten Zustände nach 20 Jahren erreicht werden könnten. „Darum wollte er die Zweifler gewinnen und darum durfte nicht Unbekanntes 2um Aufbau dieser Kultur verwendet werden.“ Der springende Punkt war aber gerade dieser, daß Herzl einen Zukunftsstaat zeichnete, der überall in der Welt und von jedem Volk der Welt verwirklicht werden könnte, so daß den national-kulturellen Zionisten, die Palästina und Hebräisch als die Grundelemente einer jüdischen Renaissance ansehen, Her.:ls Zukunftsstaat dieser Elemente bar sahen und deshalb ablehnen mußten. Hier handelte es sich nicht um größeres oder geringeres „V6 olhlwollen“ in der Kritik, wie Friedemann schreibt, sondern um die Betonung der von den jationalkulturellen Zionisten als Grundlage ihrer heiligsten Ueberzeugung empfundenen Wert-:. Friedemann sieht die ganzen Schwierigkeiten, welche Herzi von dieser Seite gemacht wurden, i als unbegründetes Mißtrauen in seine P« rson an, während es den östlichen Zionisten gi.lt, innerhalb der mehr auf die staatlich-politische Seite gerichtete Anschauung Herzls die für eine Renaissance des jüdischen Volkes unentbehrlichen Grundlagen zu sichern. Die ganze Entwicklung des Zionismus nach Herzl ist nach dieser Darstellung einfach unverständlich. Hier dürften die persönlichen Anschauungen Friedemanns zu sehi seine Darstellung beeinflußt haben. Für den Zionisten, der diese Entwicklung kennt und versteht, ist das Buch Friedemanns trotzdem eine willkommene Gabe. Das Bild dei Persönlichkeit Herzls ist treu widergegeben, man sieht sie bei der Lektüre förmlich vor sich. Die Darstellung seines Wirkens ist eine sehr übersichtliche und man wird wieder einmal mit Staunen gewahr, welche Ueberfülle von Arbeit Herzl in wenigen Jahren geleistet hat und wie wir von dem Kapitale zehren, das er geschaffen. Friedemanns Buch macht uns auch eine erst 10 Jahre zurückliegende und doch schon stark aus dem Gedächtnis geschwundene Epoche wieder vollkommen gegenwärtig, so daß durch diese erneute Berührung mit Herzls Schaffen eine belebende und anfeuernde Wirkung ausgeht. Alles in allem kann man wohl sagen: Friedemanns Gabe zum Herzl-Gedenktag ist ein aus einem warmen Gefühl heraus geleisteter Liebesdienst für den großen Toten. ad. bin. JÜDISCHER VOLKSVEREIN FÜR DIE * LEOPOLDSTADT. Montag, 6. Juli, 8 Uhr abends VorstandssSitzung anschließend flussduftsitzung der Rausicrer-SeMian. Mieters. Wien. Die Sektion Alsergrund des Zionist. Zentralvereines veranstaltet anläßlich des 10. Todestages Dr. Theordor Herzls am Mittwoch, den 8. Juli 1914 einen Trauergottesdienst im Tempel VIII., Neudeggergasse 12, präzise '-iS Uhr abends, am Donnerstag, den 9. Juli 1914 eine Herzl-Gedenkfeier im Floriansaal, IX. Bezirk, Porzellangasse 16. Für die Sektion Alsergrund Börserat Adolf Brecher, Obmann. Für den zionistischen Zentralverein: Dr. Alfred Loewy. * Brünn. Die jüdisch-akademische Rede- und Lesehalle (im Kartell der Hallen Oesterreichs), hielt ihre Herzl-Gedenkfeier am 25. Juni in ihrem Vereinslokale unter zahlreichem Zuspruch der hiesigen Studentenschaft ab. In fast einstündiger Rede sprach cand. mech. Chaim Orünseit über „Herzls Leben und Wirken“. Hieran schloß sich eine Vorlesung aus Herzls Schriften durch stud. arch. Edgar Perl. Zum Schlüsse ergriff stud. ing. Artur Grün das Wort zu seinem Vortrage: „Theodor Herzl und wir“, in welchem er die Wandlung im Zionismus seit Herzls Zeit besprach. Nachdem eine Sammlung für den Herzl-Wald eingeleitet wurde, schloß die überaus erhebende Feier durch das Absingen der „Hatikwah“. * Wien. Herzlfeier der Wiener zionistischen Jugend. Am Samstag fand die von der Wiener Zionistischen Vereinigung gemeinsam mit den Wiener zionistischen Jugendgruppen veranstaltete Herzl-Feier statt. Herr JUC. Heinrich Glanz hielt die Festrede, welche tiefen Eindruck machte. Hierauf folgten die Rezitationen des Herrn med. Otto Schick, die stürmischen Beifall fanden. * Jägeradorf. Am 28. v. M. würfle ein Trauergottesdienst im Tempel abgehalten. Gg. Herr Rabbiner Dr. R u d o 1 f e r gab in einer sehr schönen, inhaltsreichen Gedächtnisrede ein Bild von der großen Bedeutung Theodor Herzls für das Judentum und dem Zionismus. Die kantoralen Funktionen versah Gg. Herr Oberkantor B e h r. Der Gottesdienst endete mit der Absingung der Hatikwah. Jetzt wird mit der Sammlung der Oelbaumspenden begonnen werden. * Trefbitsch. Am 7. Juli findet die Herzlfeier unseres Vereines statt, bei der Herr Dr. Wilh. Stein die Gedenkrede halten wird. *