Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 26 Nordamerika 2615,96, Südafrika 1499,31, Galizien 1476,81, Ungarn 1287,22, Canada 1103,38, Palästina 1082,45, Deutschland 758.80, Oesterreich 739,05, Neu Seeland 430,44, China 185,84, Griechenland 170,25, Argentinien 108,29. Verschiedene Eingänge M 50.21. Oer öeuHdie Sdwlverein uni Sie Hibolsburger Süden. Trotzdem den Nikolsburger Juden von den Zionisten des öfteren vor Augen geführt wurde, daß die deutschen Vereine jüdische Mitglieder nur des Geldes halber aufnehmen, daß sie aber nichts von ihnen wissen wollen, soferne es sich um eine Veranstaltung handelt, bei der auch Juden ersdieinen sollen, ist es unseren „Liberalen“, von denen bis heute mehr als zwanzig Mitglieder des deutschen Sdhulvereines waren,' erst jetzt klar geworden, daß die Deutschen „deutsche Juden“ nicht anerkennen wollen. Und dies kam so: Die Ortsgruppe des deutschen Schulvereines Nikolsburg veranstaltete zu Ehren der SaglgesellsChaft im Schubertbund ein Fest, zu dem alle Mitglieder mit Ausnahme der jüdischen geladen wurden. Auf diese Gemeinheit waren die „Liberalen“ nicht gefaßt und standen sprachlos da. Der Zinismus der deutschradikalen Macher erreichte aber ihren Höhepunkt, als sie sich sogar erfrechten, die jüdischen Hausbesitzer aufzufordern, zu Ehren der Gäste ihre Häuser zu beflaggen. Vier ehrloSe Kerle haben nun, trotzdem' Tags vorher alle jüdischen Hausbesitzer durch ein zu diesem Zwecke gebildetes Komitee von diesem unqualifizierbaren Vorgehen der Ortsgrtippenleitung verständigt und ersucht wurden, geschlossen vorzugdien und das Fest zu ignorieren, ihre Menschenwürde verleugnet und ihre Häuser beflaggt Diese Leisetreter sind nun allerdings unbelehrbar. Sämtliche übrigen jüdischen Mitglieder des deutschen Schülvereines haben jedoch dem deutschen Schulverein ihren Austritt bereits zur Kenntnis gebradit Hoffentlich folgen auch' alle anderen jüdischen Mitglieder dieses antisemitischen Vereines aus dem Reiche dem Beispiele der Nikolsburger Juden!: Jüdisches Rreistupiien in Brünn. Am 21. d. M. fand in Brünn unter massenhafter Beteiligung — ungefähr 700 Turner und Turnerinnen und über 3000 Zuschauer waren auf der schönen bergumkränzten Schreibwaldwiese erschienen — das zweite Schauturnen des westösterreichischen Kreises der Jüdischen Turnerschaft statt. Turnvereine aus allen Gauen Westösterreichs, ja sogar aus Budapest entsandten ihre Vertreter, damit sie vor dem ebenfalls von weit und breit herbeigeeilten Publikum von ihrem turnerischen Können Zeugnis ablegen. Nach dem Aufmarsch bei den Klängen der Hatikwah wurde die schmucke, mit hebräischer Aufschrift versehene Fahne des Jüdischen Turnvereines Brünn eingeweiht. Die Festrede hielt Kreisobmann Robert Kien, nach ihm sprach Frau Schallin ger, die die von ihr und von der Familie Baß gespendeten Bänder an der Fahne befestigte. Alsdann folgten die turnerischen Vorführungen, die allesamt begeisterten Beifall auslösten: Freiübungen, Stabübungen, Geräteübungen, ferner Sondervorführungen, von denen namentlich die bei den Tönen des palästinensischen Volksliedes „Scham baarez“ ausgeführten kombinierten Freiübungen (Wien-Favoriten) und der Keulenreigen (Brünn) gefielen. Die turnerischen Leistungen der Budapester Turner riefen besondere Bewunderung hervor. Unendlich niedlich war das Turnen der Favoritener und Brünner Kinder anzusehen. Kürturnen beschloß das schöne jüdische Volksfest, das auch vom Wetter außerordentlich begünstigt war. Abends fand bei gesangsfroher Laune ein Festkommers statt, bei der die Herren Dr. K. Sonnenfeld, Julius Schüller, Dr. A. Schönhof und R. Kien Ansprachen hielten. Am 22. Juni fand der Ausflug in die mährische Schweiz (Blansko, Sloup und Macocha) statt. Um die Vorbereitung des Schauturnens haben s'ich außer den 'Brünner Herren insbesondere Robert Kien und Ing. Emil Deutsch verdient gemacht. Oie beträildie DniversttätsMMioM in Jerusalem. Zu all dem, was bisher in Palästina geschaffen ist und noch geschaffen wird,' ist nun eine neue Unternehmung getreten, die bestimmt ist, den Männern,, die,. unter großen materiellen und vielleicht noch'größeren ideellen Opfern in Palästina eine neue hebräische Kultur schaffen, das geistige Rüstzeug zu bieten, das sie zu ihrer kulturellen Arbeit braudien. Dieses geistige Arsenal soll in einer großen allgemein-wissenschaftlichen und zugleich' hebräisdi-jüdischen Bibliothek bestehen, die später einmal, wenn in Jerusalem die hebräiSdie Universität ins Leben getreten sein wird, die Universitätsbibliothek sein soll. Diese große Bibliothek in Jerusalem, deren Gründung jetzt beschlossen worden ist, ist denn auch in Anbetracht ihrer hohen Bedeutung sofort in Angriff genommen worden. Sie wird in Berlin unter der Leitung eines bekannten Fachmannes1 zusammengestellt. Der große Enthusiastnus unserer Jugend und der Zauberklang der Namen Jerusalem und Zion lassen hoffen, daß sich diese Bibliothek aus freiwilligen Spenden zusammensetzen wird. Schon der Anfang dieser Arbeit für die Bibliothek in Jerusalem haben bewiesen, daß diese Hoffnung berechtigt ist, und der Zweifler wird überrascht sein, zu hören, daß in der Tat nicht nur viele Bücher, sondern schon ganze 'Privatbibliotheken gespendet wurden, und daß große Zuwendungen für die Zukunft in Aussicht stehen, da jüdische Gelehrte, die jetzt ihre Bibliothek für ihre wissenschaftlichen Arbeiten noch brauchen* sie testamentarisch der- Universitäts-Bibliothek in Jerusalem zuzuwenden gedenken. Daß eine solche Bibliothek alleä umfassen muß, was je von Juden und für Juden geschrieben und gedruckt wurde, ist selbstverständlich. Es wird später kein-hebräischer Druck fehlen, dürfen, aber auch kein Druck in einer anderen Sprache, der Juden und Judentum', Bibel und Talmud betrifft. Was das jüdische Volk und einzelne Juden gedacht und getan, gedichtet und empfunden haben, wird in dieser (einzigartigen Bibliothek an der heiligsten Stelle der Welt gesammelt und zum Gebrauch geordnet werden. Aber die hebräische Bibliothek wird auch eine gut organisierte, allgemein wissenschaftliche Bibliothek sein müssen. Jedes Volk mit seiner Wissenschaft und seiner Dichtung soll darin vertreten sein. Nach dieser Richtung 'sind ‘Maß und Vorbild die großen Bibliotheken in Berlin und Paris, in London und Washington. Darum sind auch gleich unter den ersten Bänden für die Jerusalemer Universitäts-Bibliothek ebenso Zionisten wie NiChtzionisten, ebenso Juden wie Nichtjuden vertreten. Denn wer in Jerusalem! wirkliche, echte Kultur verbreiten will, muß die ganze Fülle derartigen Wissens in der Universitäts-Bibliothek aufzuspeichern helfen. Sie wird den Lehrern an den Gymnasien und den Realschulen, den Lehrer- und Leh'rerinnen-Seminaren an den Kunstgewerbes’chulen und Erziehungsanstalten aller Art, aber auch jedem1 Privatgelehrten das lang entbehrte geistige Material zu geben haben, nachdem sich alle geistigen Arbeiter in Palästina lange schon sehnen. Nach allen modernen Grundsätzen werden Fachleute in Berlin die Bibliothek ordnen und katalogisieren und zum Gebrauch fertig machen, Während in Jerusalem der Bau auf fachmännischer Grundlage vorbereitet und ausgeführt wird. Jedes Buch erhält für alle 'Zeiten ein Exlibris* mit dem Namen des Spenders:und verewigt ihn an den heiligen Stätten von Jerusalem1. Außerdem wird im Hauptkatalog bei jedem Werk der Name des Spenders vermerkt werden. Das Verständnis für die Aufgaben der Bibliothek in Jerusalem soll alle jüdischen Schriftsteller, Verleger und Drucker veranlassen, der Bibliothek von jedem Druckwert ein Ehrenpflicht- Exemplar zu übersenden. Jeder junge Doktor wird es als hohe Auszeichnung betrachten dürfen, daß die Jerusalemer Universitäts-Bibliothek seine Dissertation aufbewahren‘jvird. Keine Druckschrift und keine Ausgabe ist so nebensächlich', daß (sie für (den Wissenschaftler (oder den Forscher nicht einmal das willkommene Material erblicken kann. Schon jetzt ist es notwendig, Bücher zu spenden, denn, wenn es erreicht werden Soll, daß in längstens zwei Jahren die Bibliothek ihre segensreiche Tätigkeit beginnt, so ist es allerhöchste Zeit, daß die Arbeit in energischer Weise in Angriff genommen und fortgeführt wird, und daß schon jetzt alle Freunde der Gründung einer 'hebräischen Universitäts-Bibliothek Bücher und Drucksachen aller Art, jüdische und allgemeine, an die Sammelstelle einschicken. Akte Sendungen sind zu richten an die Hauptsammelstelle zu Händen des Kgl. Bibliothekars, Herrn Dr. Heinrich Loewe, Berlin, NW. 52, Flemingstraße 12. i Aus Dein lüöisdien heben. Bertha Von Suttner gestorben. Letzten Sonntag ist in Wien Bertha von Suttner geslorben. Wir, die wir jetzt den zehnten Todestag Theodor Herzls betrauern, können den Verlust, den dieser Todesfall für die Friedensbewegung bedeutet, ganz und voll ermesS'en. Glich doch diese edle Frau in vieler Beziehung unserem1 verblichenen Führer. Beide kämpften mit edlem Mute für die Menschlichkeit gegen die Barbarei, beide hätten mit der Indolenz, der Beschränktheit der MenSChen zu kämpfen. So ist elS denn kein Wunder, daß Bertha von Suttner auch' unseren Freih'eifekampf lebhaft begrüßte und unserem Theodor Herzl in Seinem Kampfe zur Seite stand. Bertha von Suttner trat wiederholt in der „Welt“ für den Zionismus ein, dies gerade zu einer Zeit, in1 welcher Herzl von allen Seiten angefeindet wurde und die Unterstützung von hervorragender nichtjüdis'cher Srite am1 notwendigsten brauchte. Wir haben als Juden und MenSchen allen Anlaß den Hingang dieser wackeren Frau zu betrauern. * Einwanderung in Palästina. In den letzten Monaten hat die jü'dis'ch'e Einwanderi'” ' nach Palästina eine . starke Zunahme erfahren. Fast jedes Schiff brächte große Gruppen von Emigranten, die die unhaltbare Lage in ihren bisherigen Wohnländern zur Auswanderung getrieben hatte. Außer Rußland und Galizien sind neuerdings' die früher ottomaniSch'en. jetzt unter griechischer Oberhoheit stehenden Balkangebiete, Herde der Emigration. Es Sind bereits eine erhebliche Zahl von Emigranten aus diesen Gegenden in Palästina eingetroffen, die als ehemalige Ottomanen ein besonders Wertvolles Kolonisationselement bilden. Infolge dieser Steigerung der Einwanderung, die ein erfreuliches Zeichen für die Zunahme des ■ überall einsetzenden Interesses für das Land Israel darstellt, sind alle Maßregeln getroffen, um1 den Strom' der Zuwanderung in geregelte Bahnen zu führen. Es liegt jedoCh' im' Interesse eines gesunden Fortschritts des jüdischen Kolonisationswerkes, daß die Einwanderung ohne jede Ueberstürzung vor sich fleht. Die Rücksicht auf die Landesverhältnisse Palästinas gestattet ein stetiges, aber vorläufig nur langsames Tempo der Zuwanderung. Es gibt zahlreiche Leute, für die Palästina als Einwanderungsland in Betracht kommt, aber auch sehr viele, die wegen ungenügender Mittel oder mangelnder BeriifskenntnisSe in Palästina jetzt absolut keine Existenz finden können. Es ist daher dringend zu empfehlen, nicht aufs Geratewohl' unter Umgehung der zuständigen Informationsstellen in Palästina und den Emigrationsländern zu handeln. Ueber die Möglichkeit der Ansiedlung in Palästina erteilt das Palästina-Amt in Jaffa (Adresse: Dr. A. Ruppi -, Jaffa) bereitwilligst Auskunft. .* ' ' '. Von den zionistischen Schuren in Palästina. DaS Jerusälemer Lehrerseminar, Knabenschule und Mädchenschule, Sowie die städtische Mädchenschule in Jaffa sind von den zuständi- Schen türkischen Behörden legalisiert worden. Die Jerusalemer Mädchenschule leidet an dem Mangel eines ausreichenden Schulgebäudes. Dauerhafter als Oefter KAUTSCHUK-ABSATZ Palma-Kaufsdiuh-Gesellsdiaft m. b. H. WIEN i. hygienisch