Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438483-2438508--4245-2444077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr;26.. stet . Deshalb' Müsse die Konferenz;auch' söldhfe •Dinge besprechen, die geeignet erscheinen, diesem Uebel abzuhelfen .Palästina habe durch die Jahrhunderte stets belebend auf die Diaspora gewirkt, werde dieses hoffentlich auch jetzt tun. Dann ergriff Di. Salamon das Wort und sprach (über die Un i ve rsi t ä t in J e r uSa- 1 e toi. Das Projekt zur Gründung einer Solchen Sei. Vbn höchster Wichtigkeit für .alle Juden. Er-schildert die Situation des heutigen Judentums. Er sei zwar kein politischer (Zionist, überhaupt hidht -taehr Zionist,' als jeder gläubige Jude, aber "er müsse sagen, daß der Zionismus der Rie.na.issanee des jüdischen Geistes entstamme .und der mächtigste Faki&h da^zü war, das jiüdische Nation.a 1bewußts'ein wieder zu erwecken. Dann geht er auf das Projekt ein und Sagt, die Geldschaffung -werde keine- Schwierigkeiten machen. Was den Geist der Universität betrifft, so erinnert er an-die einstigen palästinensischen Lehrhäuser und gibt darüber einen historischen Ueberblick, Er spricht von den Imponderabilien, die Jerusalem, . die heilige Stadt, bei jedem Juden äuslösten. Die Universität müsse exklusiv jüdisch sein. Schwierig sfei nur den Verschiedenen Auffassungen des Judentums gerecht zu werden. Es. müsse eine Formel gefunden werden, welche das Westen deS Judentums ausspridht. . DieSe Formel sei aber auf die theologische Fakultät zu begrenzen, fauf der Religion nach dem streng orthodoxen Prinzip gelehrt werdenmüSse. Die orthodoxen Gemeinden werden künftighin gewiß nur Rabbiner der Jerusalemer Fakultät anstellen. " Auch Philosophie, Geschichte und Archäologie toiüsse vom jüdischen Standpunkt aus gelehrt werden, . Die , Unterrichtssprache müsse Hebräisch' sein. „Die Universität kann kein besseres Argument. zu ihren Gunsten finden, als ihren Wert als Bewahrerin der hebräischen Sprache.“ Die Schüler der Universität werden Sich vor allem' aus dem1 Orient. rekrutieren, nicht von Europa. Sie sollen auch Ackerbau lernen, so daß die Universität der Landwirtschaft Palästinas Nutzen bringen könne. Hierauf sprach Rabbiner Dr. Hochm'ann über „Palästina und die jüdische Rena i s s an ce“. Er erinnert an den Protest der Rabbiner gegen den Zionismus und sagt: „W i r können aberunsere persönlichen Vorurteile nicht entscheiden lassen über unsere Haltung gegenüber dieser großen Bewegung. Es ist nötig, daß unsere religiösen Lehrer ihre Auftore rksamkeit auf das jüdische Palästina richten, zu dem1 Zwecke, das Bewußtsein von der Einheit unSeres Volkes der Kontinuität seiner Geschichte und den Pflichten gegenüber seiner Zukunft zu stärken.“ Die Rabbinerkonferenz könne sich nicht darauf beschränken, kleine administrative Fragen zu lösen. Darüber hinaus müsse der Blick gerichtet werden, auf die Gestaltung der jüdischen Geschichte. „Viele von uns fühlen, daß jedes jüdische Problemzwerghaft klein erscheint in Vergleich mit der Wichtigkeit und den großen Folgen der modernen Bewegung für Palästina.“ Der Referent schildert dann in großzügiger Weise, wie Palästina stetsim Mittelpunkt des jüdischen Geistes gestandenist und das rein geistige Interesse der Juden dabei. Er wendet sich' dann gegen die Bedenken der Orthodoxen, welchen die. jungen Juden in Palästina zu irreligiös sind. Selbst der Schuldian Aruch1 habe sogar am- Samstag zu schreiben erlaubt, wenn dies zum Zwecke der Uebertragung von palästinensischen Boden an Juden nötig wäre. Der Redner wendet sich nach Betrachtung der Chaluka dem Zionismus zu und sagt, schon Dr; Herzl habe ihn die „Rückkehr zum1 Judentum“ genannt. Viele Juden sind durch ihn dem Volke wiedergewonnen worden. Das Interesse am' Judentum habe er mächtig gesteigert. Indes die. Westjuden für politische': Emanzipation kämpften, wirken die Ostjuden nach „Selbstemanzipätion“. Auch die: religiösen,. Bestrebungenrichten sich auf ein hebräisches, geistiges Zentrum, das die Diaspora befruchten soll. Aber wenn die religiösen Kreise sich um dessen Schaffung nicht kümmern werden, so werden die heutigen nichtreligiösen JiSchub es aufbauen. Und dieser Jis’chub gilt heute als der Repräsentant des Judentums. Die Augen aller Welt sind auf ihn gerichtet. Laßt uns an das Wort erinnern, daß der Jude, der in Palästina lebt und hebräisch spricht, seine Unsterblichkeit sichert. „Und Ihr, Herze von Erz Israel“ — sagt Ezechiel 36,8, — werdet Eure Zweige hervortreiben und deren Früchte meinem Volke Israel gewähren.“ Diese Prophezeiung tritt heute ein. Symbolisch' dafür ist die Repatriierung der jemenitischen Juden. Die Synagoge müsse trachten, einen Anteil an der Entwicklung zu bekommen. „Sie soll das jüdische Liebeswerk, welches, im Land unserer Väterdas Wunder einer Wiedererhebung zustande bringt, unterstützen, treu ihrer Mission!“ „Gott selbst gibt hier ein Zeichen für die Völker. Er versammelt die Vertriebenen Israels und sammelt die Zerstreuten Judas von allen Ecken der Welt,“ wie Jesaiah 11, 12, Sagt. — In der kurzen Debatte die folgte, gaben alle Rednc ausnahmslos ihrer Bewunderung für die jüdische Renaissance in Palästina Ausdruck und sie dankten den Referenten für das hohe Niveau, auf das sie die Konferenz durch ihre Referate gebracht hatten. Wenn wir von der Versammlung der Rabbiner Englands, deren Oberhaupt, Chiefrabbi Dr. Hertz, London, selbst ein eifriger Zionist ist, und den von einem hohen Geiste getragenen Debatten lesen, so haben wir ein sehr bitteres Gesicht. Welch kleinliche Gestalten s'ind doch die Rabbiner, die bei uns die höchsten Würden bekleiden, wie eng ist ihr Horizont und wie tief steht das Niveau unserer Kulturdebatten! J• c. ParfeinadiPidifen. Ableben der Baronin Suttner. Anläßlich des Hinscheidens der Frau Baronin Bertha von Suttner, die unsere Bewegung stets großes Verständnis und warme Sympathie entgegengebrachte, hat das Zionistische D.-K. für Innösterreich an die Familie der Verblichenen ein Kondolenzschreiben gerichtet. * Herzl-Gedenkfekr in Wien. Anläßlich des zehnten Todestages Theodor Herzls wird am 2. Juli im Beethovensaale unter Mitwirkung des Jüd. Gesangvereines „Hakinnor“ | eine großzügige Gedenkfeier veranstaltet. Die Gedenkrede hält Herr 'Adolf S t a n’d, Mitglied des Großen A.-C. Der Reinertrag fließt zur Gänze dem Herzlwalde zu. Am 12. Juli findet der Gang zum Grabe Herzls und am 13. Juli der Trauergottesdienst im Stadttempel '(Seitenstettengasse) statt. * Herzlfeier der Sektion Ottakring-Hernals. Die Sektion Ottakring-Hernals veranstaltete Mittwoch, den 17. d. in den Räumen des Turnvereines „Massadah“ eine überaus gelungene Herzlgedenkfeier. Herr Dr. Otto Abeies sprach über Theodor Herzl, schilderte eindringlich und begeisternd die Größe und den Heroismus unseres größten Führers und bewies, daß die Grundideen des Judenstaates trotz, mancher Modifikation auch heute noch für uns maßgebend sind. Herr Dr. Mayer Präger las dann sehr wirkungsvoll Dr. Hugo Zuckermanns „Prolog zur Herzlfeier“, die „Menorah“ und den „Alauschel“. Auf alle Anwesenden machte die Veranstaltung einen tiefen Eindruck. Für den Herzlwald wurde gesammelt. * Sektion Alsergrund des Zionistischen Zsntralvereines. Am 17. d. M. fand unter dem Vorsitze des Gg. Börsenrat Brecher eine sehr gut besuchte Versammlung des Herrn Staatsbahnrat Ing. Emil Fried über die „Entwicklung und Zukunft der Kultu; .emeinden“ statt. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden, ergriff Ing. Fried das Wort, ging in seiner treffenden Rede von den Verhältnissen im alten Palästina aus und kam nach Schilderung des Entwicklungsganges der jüdischen Gemeinden auf die jetzigen unhaltbaren Zustände in den Xultusgemeinden zu sprechen. Er führte aus, daß zufolge der assimilatorischen unjüdischen Erziehungsmethode unsere Jugend . dem Judentum ganz entfremdet wurde. Da erschien der Zionismus als Retter in der Not und führte die Jugend durch sein Ideat zum Judentum zurück. Erst der Zionismus hat der Kultusgemeinde die Hoffnung auf eine Zukunft zurückgegeben. Mit dem Ausspruche: „Die Kultusgemeinden werden zionistisch sein oder überhaupt nicht sein“ schloß der Redner seine begeistert aufgenommene Rede. * Sitzung des G. A. des Z. K. für Nieder-Oester. reich. Am1 19. d. M. fand eine Sitzung des G. A. statt, die sich neben den laufenden Angelegenheiten wie Schulwerksaktion, Ausbau der „Jüdischen Zeitung“ besonders Kultur- und Erziehungsfragen beschäftigte. Die Führung der Geschäfte wurde für die Sommermonate Herrn Dr. Emil Stein übertragen. # Die Sektion Landstraße-Scbüttel des Zionistischen Zentralvereines veranstaltet im Einvernehmen mit dem Tempelverein (Untere Viaduktgasse 13) eine Herzlgedenkfeier am Jahrestag. * Zionistische Propaganda in den österreichischen Bädern. Zahlreiche Gesinnungsgenossen besuchen während der „Badesaison die österreichischen Bäder: Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Johannisbad, Teplitz, Baden, Luhatschowitz, Vöslau. Eine systematische zionistische Propaganda in diesen Bädern müßte von großem Erfolge begleitet sein. Das Zionistische Zentralbureau bittet Gesinnungsgenossen, die sich für c.iese Propaganda zur Verfügung stellen wollen, ihre Adresse und die Zeit ihres Aufenthaltes im Bade dem Zionistischen Zentralbureau bekannt zu geben. * Vertrauensmänner-Konferenz der mähr.-Schles. Zionisten. Am 21. Juni 1914 fand in Brünn unter Anwesenheit von Vertrauensmännern aus fast allen Orten des Distriktes eine Konferenz statt. Als Gäste waren anwesend der Vorsitzende des westösterr. Zentralkomitees Gg. Dr. Kart Pollak, Wien, die Mitglieder des Zentralkomitees Gg. Gg. Dr. Fritz Eckstein (Wien), Dr. Albert Schönhof (Brünn), ferner Bürgermeister Herr D n. Gustav Zweig Proßnitz und der Obmann des JHV. Herr Karl Blume, Wien. Der Obmann des Distriktes Herr G. F i n z i eröffnete die Konferenz mit einer kurzen Ansprache, in welcher er der Aufgaben gedachte, die die zionistischen Organisationen jetzt insbesondere beschäftigen, empfahl besonders die Sammlung für Zentralfonds, Schekel und hebr. Schulwerk, dann erteilte er das Wort dem Parteisekretär Herrn Dr. Wilhelm Stein zu seinem Referat über „Zionistische Presse“. In fast einstündiger Rede setzte Herr Dr. Stein die Wichtigkeit der zionistischen Parteipresse insbesondere auseinander, besprach den Uebelstand des Mangels eines offiziellen Parteiorganes für Westösterreich. — Der Beifall, der seinen Ausführungen folgte, bewies, daß die Konferenz den Gedanken Dr. Steins zu folgen verstana und' daß die Konferenz einmütig der Ansicht war, daß in der Pressefrage etwas geschehen müsse. Gg. Finzi berichtete, daß das ZK. in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt habe, die „Jüdische Zeitung“ in Wien, unter Mitwirkung der Zionisten, speziell aus den Distrikten Innerösterreich und Mähren-Schlesien zunr offiz. Parteiorgan auszugestalten und daß bereits der letzte DT. das DK. zu diesbezüglichen Unterhandlungen ermächtigt habe. Nach längerer Debatte, an der sich die Herren Dr. Zweig, Dr. Pollak, Neumann, Huber, Blume, Spitzer beteiligten, wurde folgende Resolution gefaßt: 1. Die Vertrauensmänner-Konferenz der mähr.-schles. Zionisten vom 21. Juni 1914 beschließt die Schaffung eines Preisfonds in der- Höhe von K 5000.—, mit \velchem sich der Distrikt an der Jüdischen Zeitung zu beteiligen habe, die zum off, Parteiorgan auszugestalten ist. 2. Der Preßfond ist Eigentum cfesl Distriktes, wird vom jeweiligen DK. verwaltet. Ueher denselben muß das DK. jedem DT. Rechenschaft legen. 3. Mit der Sammlung wird das DK. betraut. Das DK. wird ermächtigt, die Höhe des von den einzelnen Vereinen und Ortsgruppen aufzubringenden Beitrages festzusetzen. 4. Die Art und Weise der Aufbringung der Beiträge bleibt den einzelnen Vereinen und Ortsgruppen überlassen. * Korrespondenz des Jüdischen Natiorralfonds. Hauptbureau, Köln, Hansahaus. Die für den Jüdischen Nationalfonds in der Zeit vom 6. bis 13. Juni d. J. eingegangenen, Spenden betragen M. 24.653,24. Hievon entfallen auf England M. 7409,63, auf Rußland 5735,60,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.