Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 25 Schicksal der jüdischen Gemeinschaft, mit der nationalen Zukunft des Judentums in Palästina. Die moralische Kraft zur hingebungsvollen Betätigung dieses Willens schöpfen die deutschen Zionisten gerade aus der wahren Erkenntnis der deutschen Kultur, Goethes, Fichtes und Kellers. Für eine solche moralisch echte Bewegung gibt es keine Minima'- und Maximalprogramme. Diese Bejahung des eigenen nationalen Seins ist nicht Radikalismus zu nennen, sondern nur volle Ehrlichkeit und Wahrheit des Einzelnen in seiner Stellung zu seiner Gemeinschaft. Und der Zionismus hat heute schon eine innerlich starke, einheitliche Gemeinschaft. Die ganze zionistische Arbeit mull auf ein starkes Nationalgefühl aufbauen. Der Zionismus bedeutet in diesem Sinne zuerst eine innere Umkehr, die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Deshalb kümmert er sich nicht um die Popularität bei jenen, die sich mit der Gegenwart bescheiden. Er ist eine auf die Persönlichkeit gestellte Bewegung, die ihre Anhänger mit einer neuen Freudigkeit und einem tiefen Ernst erfüllt. Er ist aufgebaut aut die Kraft des Willens. Solche Bewegungen sind zu groß, als daß man sie etwa nadi dem gesellschaftlichen Ton ihrer Aeußerungen abschätzen könnte. Und der Zionismus hat seine Anhänger feiner und vornehmer, weil er sie ehrlicher und hingebungsvoller gemacht hat. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Privatdozent Dr. Franz■ Oppenheimer- Berlin: Ich erkenne die ehrliche Leidensdiaft an, die aus solchen Anschauungen entspricht, wie sie Herr Bluraenield vorgetragen hat. Man muß aber das Problem auch nüchtern betrachten. Der Redner habe nichts gegen einen solchen Radikalismus einzuwenden, nur dürfe e r nicht der Zionismus sein wollen. Politik ist die Kunst des Möglichen. Und der politische Zionismus müßte auch ■ jenen Zionisten, die aus anderen Anschauungen heraus zum Zionismus kommen, die Möglichkeit der Betätigung geben. Die zionistische Organisation sei eine Partei und keine Sekte, sie dürfe ihre Anhänger nicht auf Gesinnungen verpflichten. Deshalb rät der Redner die sogenannte Posener Resolution ab, die jeden einzelnen Zionisten verpflichtet, die Uebersiedlung nach Palästina in sein Lebensprogramm initaufzunehmen. Der Nationalismus, der dies tut, sei zumeist kein Wide, sondern nur ein Wunsch. Es gibt keine Begründung des Zionismus auf Grund eines Rassengefühls. Der Redner betont, daß die deutsche Kultur, 'das Deutschtum, für ihn ein Heiligtum sei, das sich mit dem zionistischen Programm, wie der Redner cs auffaßt, unbedingt vereinigen läßt. (Lebhafter Beifall.) Dr. Isaak Straus- Berlin: Der Redner und seine Freunde begründen den Zionismus so wie Blumenfeld. Wir Juden unterscheiden uns unleugbar von den Deutschen. Im weiteren Verlaufe der Debatte sprachen noch Dr. Pelz- Königsberg, Jusfizrat Dr. B odenheimer - Köln, Rech tsanwalt Hirsch- Berlin und ferner Hermann Struck (mit Unruhe, Zischen und Protestruten empfangen). R.-A. Greifen hagen - Ber i 1 sp i .ht über das Verhältnis der zionistischen O.-gani ation zur jüdischen Turr.crsChaft, daß in dem Sinne anders werden müßte, als man die jungen Leute nicht bloß als Schekelzahler betrachten müsse. Dr. H a n t k e - Berlin hält das Schlußwort, betont, daß die gesamte zionistische Jugend im nationalen Geiste tätig sei und damit die Praxis über alle theoretischen Differenzen hinaus entschieden habe. Gegenüber allen Angriffen von außen sei die zionistische Organisation einheitlich und stark und das Verständnis für die Wichtigkeit der Organisation ist allseits durchgedrungen. Ein von den Herren Dr. Hirsch und Landau eingebrachter Antrag schließt die Diskussion. Er lautet: Der De'.cjicrtentag spricht seine volle Uebereinstimmung mit der Politik des Geschäftsführenden Ausschusses aus. Der Delegiertentag billigt insbesondere das Verhalten der Organisation gegenüber dem Zentralverein deutsche; Staatsbürger jüdischen Glaubens, sowie das energische Auftreten in dem Kampf für die hebräische SpraChe in Palästina. Der Delegiertentag fordert den Geschäftsführenden Ausschuß auf, mehr als bisher das Schwergewicht auf die Jugendarbeit zu legen. Dieser Antrag wird in jedem einzelnen Punkt besonders abgestimmt und in allen Punkten angenommen, ohne daß eine Stimme sich dagegen erhebt. Ueber einen von den Herren Dr. Friedemann, Dr. Oppenheimer und Dr. Mühsam gestellten Antrag, die 'offizielle Presse und' die Beamten der Organisation anzuweisen, den Zionismus nicht mit einer einseitigen Richtung innerhalb des deutschen ^Zionismus zu identifizieren, geht 'der Delegic rtcatag mit 64 gegen 22 Stimmen zur Tageso! cJn |i5g -über. In der Abendsitzung erstattete Herr Leo Motzkin, der soeben von einer (mehrwöchigen Inspektionsreise nach Palästina zurückgekehrt ist, ein vorzügliches Referat über „Das neue Palästina“. Montag vormittag erstattete Dr. Z 1 o c i s t i- Berlin sein Referat über die Achusahbewegn::g, ein zuerst von Amerika aus mit großem Erfolg unternommener Versuch der Ansiedlung kleiner und mittlerer Bauern in Palästina auf genossenschaftlicher Grundlage. Nach eingehender Debatte über die Palästinapropaganda beschloß der De’egiertentag die tatkräftige Förderung der Aschusahbewegung. Einen großartigen Ausdruck fand die Palästinastimmung der Tagung in der Sammlung für die Palästina-Land-EntwiCklungs- GesellsChaft. Ueber 700 Aktien (14.000 Mark) wurden gezeichnet. Der deutsche Kaiser und der König von Sachsen sprachen telegraphisch ihren Dank für den dargebrachten Huldigungsgruß aus. Nach der Finanzdebatte fanden Montag nachmittag c'h Wah’en statt, in der der bisherige Vorsitzende, Rechtsanwalt .Dr. Arthur H a n t k e wiedergewählt wurde. Der bekannte amerikanische Philanthrop und Förderer der zionistischen Pa'ästinabestrebungen, Nathan Straus, hatte dem Delegiertentag pin sehr beifällig aufgenommenes Begrüßungstelegramin geschickt. Das Uaifliiolner Prinzip-aufgehoben Nach Schluß der Redaktion erfahren wir aus der „Dcutschnationaien Korrespondenz“: Auf dem vor einigen Tagen in Marburg abgehaltenen Burschenschaftertag der österreichischen Burschenschaften wurde seitens der anwesenden Delegierten der verschiedensten Burschenschaften auch die Satisfaktionsfähigkeit der Juden verhandelt und bei diesem Punkte mit Stimmenmehrheit der Beschluß gefaßt, das sogenannte Waidhofner Prinzip fallen zu lasken. Die Satisfaktionsverweijerung seitens der österreichischen Burschenschaften gegenüber den Juden, die Unter dem Namen Waidhofner Prinzip bekannt ist, wurde auf Antrag der Innsbrucker Burschenschaft „Germania“ im Jahre 1896 als Grundsatz der österreichischen Burschenschaften aufgestellt, und außer den Prager Burschenschaften schlossen sich nur wenige Wiener Burschenschaften diesem Prinzip nicht an. Auf einem kurze Zeit hierauf abgehaltenen Verbandstag der akademischen Vereine und Verbindungen in Waidhofen wurde der Antrag auf Verweigerung der Satisfaktion gegenüber den Juden auch von diesem angenommen und unter dem Namen Waidhofner Prinzip bekannt Unter den Burschenschaften hat, über diesen Punkt nie eine volle Einigkeit bestanden und auf dem Marburger BursChenschaftertag wurde diese Frage neuerlich erörtert. Der Großteil der Burschenschaften ließ das sogenannte „Waidhofner Prinzip“ fallen. Wir werden auf diesen mit Rücksicht auf die Quelle authentisch erscheinenden Beschluß, der das elirenabschneiderisdie und feige Prinzip aufhebt und der einzig allein auf den Kampf und wahrhaften Widerstand der jüdiSdhnationalen Studentenschaft zurückzuführen ist, in unserer nächsten Nummer zurückkommen. ä Neu! ■GRAF Gulasch-Saft H zur mühelosen Bereitung von H delikatem Gulasch, Paprika« H schnitze!, Gulasch - Kartolieln E1 Tafel 9 20 ti Ir 1 kg fleisch oder 2 kg-Karloilel. Sitzung ins groben BMIonshomitces Der zioniftihhen Organisation. (Berlin, am 8. Juni 1914.) In der Generaldebatte, die am Montag Vormittag fortgesetzt wurde,*) kamen noch: Bodenheimer, Jacobson, Fischer, Motzkin und Dr. Tschlenovv zu Worte. Auf Antrag des Engeren Aktions-Komitees wurde folgender Beschluß gefaßt: Das Große Aktionskomitee schließt sich dem Antrag des Engeren -Aktionskomitees über die Heranziehung von Vertrauensmännern in verschiedenen Ländern für politische Arbeit an und überträgt ihm das Recht zu ihrer En nennung. Das Aktionskomitee erwartet mil Bestimmtheit, daß sämtliche Mitglieder de: Aktionskomitees, die vom Engeren Aktions komitee zu dieser Arbeit herangezogen wer j *) Siehe die jüngste Nummer unseres Blattes. den, das Engere Aktionskomitee tatkräftige, unterstützen Werden. Es folgte alsdann eine eingehende ‘AusSpracfl. über wichtige palästinensische Arbeiten. Sodann wurde folgender Antrag Klee-Pol Jischesky einstimmig angenommen: Das Große Aktionskomitee nimmt mit Bi - friedigung davon Kenntnis, daß der Kultu - fonds „Kedem“ nach Erledigung' der erforderlichen organisatorischen Vorarbeiten nunmenr seine Arbeit aufgenommen hat und ersucht die Landes- und Sonderverbände, dieser Institution ihre dauernde tatkräftigste Unterstützung zuzinvenden. ln der Nachmittagssitzung wurde zunächst beschlossen, die Jahreskonferenz 1914 auf der' 30. August und die folgenden Tage nach Berlin einzuberufen. Es folgte alsdann eine AusspiaChe über das hebräische Schulwerk und es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Das Aktionskomitee hatmit Befriedigung von der Entwicklung des Schulnetzes in Pa'ästina Kenntnis genommen und fordert die Organisation auf, durch energische Werbung von Jahresbeiträgen den Etat zu sichern. Hierauf erstattete Dr. Hantke einen ausführlichen Bericht über die letzten organisatorischen Maßnahmen des E. A7-C. in einer Reihe von Landesverbänden. Im Namen des Aktionskomitees dankte sodann Justizrat Dr. Bodenheimer dem E. A.-K. für die (ersprießliche Tätigkeit in den letzten Monaten und Dr. Tschlenpw für die umsichtige Leitung dieser Tagung, deren Beratungen sich durch Ruhe und Sachlichkeit ausgezeichnet hätten. Dr. Tschlenow hielt sodann die SChlußanspraChe. Er führte aus, daß die Zionistische Organisation durch den Beschluß der Kapitalwerbung für die Palestine Land ^Development Company wiederum eine neue Verpflichtung auf sich genommen habe. Durch' Verbreitung der Zionistischen Idee, durch eine immer mehr gesteigerte Opferwilligkeit aller Zionisten müsse es aber gelingen, alle die großen Aufgaben zu verwirklichen, die die. Organisation jetzt auf sich genommen hat. Noblesse obüge. Parieinachriditen. Zicnisti sehe Arbeit in Innerösterretch. Herzl-Gedenkfeier. Anläßlich des zehnten Todestages Theodor Herzls wird am 2. Juli im Beethovensaale unter Mitwirkung des Jüd. Gesangvereines „Hakinnor“ eine großzügige Gedenkfeier Veranstaltet. Der'Reinertrag fließt zur Gänze dem He.zlwalde zu. Das Programm wird rechtzeitig veröffentlicht werden. Am 12. Juli findet der Gang zum Grabe Herzls und am 13. Juli der Trauergottesdienst im Stailttempel (Seitenstettengassj) statt. * Parteisteuer. Das Distriktskomitee für Inner-Oesterreich' macht sämtliche Korporationen, die bisher ihrer Verpflichtung, für dieses Jahr die Parteisteuer zu erlegen, noch nicht nachgekommen sind, darauf aufmerksam, daß die 1. Rate, die pro Mitglied .1 K 40 h beträgt, spätestens bis zum 22. d. M. im Büro des D.-K. einzuia'h len ist. Organisationen, die diese Verpflichtung bis zum angegebenen Termin nicht erfüllt haben, verlieren ihr Anrecht auf die Beschickung des Distriktstages. Die zweite Rate ist bis Ende Oktober au.'zubringen, da der ordentliche Distriktstag heuer bereits Anfang November stattfindet. Wir brauchen wohl nicht nochmals in Erinnerung zu bringen, daß das D.-K. mit Rücksicht auf die heuer geleistete Arbeit und den soeben erfolgten Ausbau des Sekretariats der Parteisteuer zu weiterer Tätigkeit dringend bedarf. * Zentralfond.Jbeitrf.ge aus Wes tost erreich für 1914. XVIII. Ausweis. Distrikt InnerösterreiCh: Wien: Ing. Feiner 10.—; ■ bereits- -, ausgewiesen 4321.36; zusammen ■ K 4331.36. Für fdas hebräische Schulwerk: Distrikt InnerösterreiCh: Wien: jüd. - akad. Verb. Ivria (III. Rate) 50.—; Theodor He:zl, Selbstbesteuerung 20.—; Adolf Brecher 100.—; Lese u. Redelialle jüd. Hochschüler 50.—; Herzl- Klub 43.80; Dr. Max Berliner 20.—; 'Ing. 1 Blum1 5.—; Ernst Lerner 2.—; Mailand: gesammelt durch Herrn Julius Dresner und Sä muel Carsen und detailliert ausgewiesen in „Corriere Israelitico“ (Triest) 66.65; zusammen 357.45 bereits ausgewiesen 10.916,83; zusammen 11.274,28. Richtigstellung: Spende akad. Verein jüd. Frauen 125.—; Dr. M. Grossner 30.—; M. Glaser 5.—; zweimal ausgew., daher Summe nicht 11.274,28, sondern K 11.114,28. Distrikt Mähren-Schlesien: JV ähr.-Ostrau: Slg. n. d. Vortrag des Herrn Dr. Thon aus Krakau 105.52; bereits ausgewiesen 6116.19; zusairimen K 6221.71.