Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 passend angebracht. Der Redner hätte für dieselbe einen anderen Ort und eine andere Gelegenheit suchen müssen. Vor allem aber muß Leuten vom Schlage eines Sporer, welcher die Ruhe des Toten gestört und die Weihe des Ortes verletzt hat, das Handwerk gelegt werden. Die Verteidiger des Rabbiner Mayersohn haben in der letzten Zeit Versammlungen gestört, alte Leute verprügelt und mit Totschlag bedroht. Es wäre wohl Aufgabe des Kultus Vorstandes, zu verhindern, daß sie auch den Heiligen Ort zum Schauplatz ihrer Ausschreitungen machen. Der Kultus Vorstand muß den bekannten Urheber des geschilderten Skandals zur Rechenschaft ziehen. Tut er dies nicht, so verletzt er seine oberste Pflicht. Hochachtungsvoll (Folgt die Unterschrift.) N ESTLE’s sl».fcWfc11T.lKEl KINDERMEHL. VolIsfänd^geSäuglingsnahpungj Probedosen und lehrreiche Broschüre über die Kinderpflege gratis durch die Firma Henri Nestle, Wien, 1. Biberstr. 1 Delegiertentag der öeutlihen Zio; nisten. Im Leipziger Krystall-Palast wurde am 14. Juni der XIV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eröffnet. An der Tagung nahmen in der Vertretung von 80 Ortsgruppen 1120 Delegierte, ferner 30 Mitglieder des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland teil und das Zionistische Aktions-Komitee durch seinen zweiten Vorsitzenden Dr. T s c h 1 e n o w. Auf den Tribünen des blau-weiß dekorierten Saales folgen Hunderte von Zuhörern aus Leipzig, aber auch aus allen Gegenden des Deutschen Reiches den Verhandlungen. Die Tagung wurde vom Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Rechtsanwalt' Dr. H a n t k e - Berlin, eröffnet. Er erstattete sodann den Tätigkeilsbericht des Zentralkomitees, dem wir folgendes entnehmen: ' Die Kämpfe der deutschen Zionisten zeigten, daß in jeder jüdisch-politischen Aktion mit der Meinung der Zionisten gerechnet werden muß und daß die Zeiten vorüber sind, in denen einige kleine 'assimilatorische Kreise in Beratungen, die jeder Oeffentlichkeit sorgsam entzogen waren, .widerspruchslos regieren konnten. Das beweist Wohl am besten der Verlauf des größten Kampfes, den unsere Organisation bisher überhaupt geführt hat, des Kampfes um die hebräische Unterrichtssprache in Palästina. Der Zionismus hat diesem konzentrierten Angriff widerstanden, ihn siegreich zurückgeschlagen und wertvolle Konzessionen errungen. Es gelang, die deutsche Oeffentlich-, keit und die ■ führenden Kreise über die Ur- .;,Höre, ' Tewje, dir sind sieben gute Jahre bestimmt,, sieben Jahre voll Reichtum, Glück und Segen. Wenn du willst, können die sieben guten Jahre noch heute beginnen, und bevor noch die Sonne untergeht, wirst du ganz Turbin mit. deinem Gelde. kaufen können, aber nach diesen sieben-Jahren wirst du wieder ein armer Mann. Die gute gesegnete Zeit kann aber — wenn du -willst — auch zu Ende deines Lebens kommen und du kannst als der reichste Mann aus dem Leben scheiden.“ Der Fremdg war. der Prophet Elias, der sich als Jäger . verkleidet hatte. Der Lastträger aber meinte, daßereinen einfachen Zauberer vor sich habe, und so antwortete er: . , . (,Me.iij lieber Herr, mich laßt in f^uße*-denn ichi-bfn gintiarm-er Tjejjfgl,;Jch Jtabe-.flicht^einmaJ Üeid-<Tfi)f.!dip .Sabbateinkäufe und icfi tw^rde Eure Mühe undr Eure guten Ratschläge nicbb,bezub(en können.“. . ' Der Fremde aber ließ nicht von ihm. Er •Wiederholte seine Worte ein paarmal, bis sich Tewje mit' dem Gedanken befreundete. „Wißt Ihr was?“ erwiderte er. „Wenn Ihr es •wirklich' ernst mit mir meint, so muß ich Euch sagen, daß-ich mich in allem mit meinem Weibe Serel berate. Ich. kann Euch, bevor ich mit meinem. Weibe gesprochen, keine. rjehtige Antwort, .geben.“ f . K\ Dafhuf erwiderte der Fremde, daß es sehr vernünftig sei, sich bei der Frau immer Rat zu! holen. Er solle doch gleich zu ihr gehen und ihr den Fall erzählen. Tewje blickte-sich nach allen Seiten um, und da es nichts zu tun für ihn gab, sagte er sich, •daß er den. Weg nach Hause riskieren könnte. ■So machte er sich gleich auf den Weg. '■!lt Der Träger Wohnte in einer Lehmhütte in der Vorstadt, wo das freie Feld begann. Als Sachen dieses Kampfes und über die berechtigten Wünscne der palästinensischen Juden autzuklären, die allmähliche Hebräisierung des Technikums in Haifa vorzubereiten und ein nationales hebräisches und von assimilatorischen Einflüssen unabhängiges Scnulwerk in Palästina zu schaffen. Den Kampf um das Technikum beantwortete die zionistische Organisation mit der Scnaffung eines autonomen hebräischen Schulsystems in- Palästina. Den äntizionistischen Annoncen folgte eine Versammlungsaktion, bei der in wenigen Tagen in 87 Städten Deutschlands in größter Oeffentlichkeit die zionistische Idee dargelegt una Tausenden deutscher Juden nähergebracht wurde. Der ständige Fortschritt der zionistischen Idee läßt sich auch zahlenmäßig beweisen. Die Zahl der organisierten Zionisten in Deutschland in der letzten Kongreßperiode von 7830 auf 9867, innerhalb der Oesamtorganisation mit 1 3 0.000 organisierten Zionisten, also ein beachtenswerter Faktor. Die „Jüdische Rundschau“, das deutsche Organ des Zionismus, dringt in alle Kreise der Organisation. Auch die „Welt“, das Zentra1* *- organ des Zionismus, hat ihren 'Wirkungskreis in Deutschland vergrößert. Willkommene Bundesgenossen sind die neuen zionistischen Wochenschriften, die „Hamburger Jüdischen NacnWchten“ und „Das Jüdische Echo“ in München. Das „Frankfurter Israelitische Familieub'att“ dient mit altem Eifer der zionistischen Siche. So verfügt die zionistische Presse berei s über fünf Organe. Die Sammlungen lür den Jüdischen Nationalfonds überschritten im Jahre 1513 zum ersten Male die Summe von 100.000 Mark. (Der Nafionalfonds hat im letzten Jahre insgesamt ein Sammelergebnis von über 800.000 Mark.) Insgesamt wurden zur Zeit in Deutscnlarü jährlich etwa 240.000 Mark für zionistische Zwecke aufgebracht, abgesehen natürlich von den Kosten der lokalen Vereine Die Zionistische Organisation ist jetzt in 450 Orten Deutschlands vertreten. Die Forderung des Tages für diesen Delegiertentag ist die Frage der Erziehung und Ausbildung der nächsten (Organisation. Gerade der Kampf um die hebräische Schule in Palästina nat vielen die Augen geöffnet für die hone Bedeutung, che das Erziehungsproblem und die Durchdringung des Volkes mit nationalem Wissen für die zionistische Idee hat. In weiser Beschränkung hat die Rechtsordnung der Jugend unter 18 Jahren die Anteilnahme an politischen Bestrebungen untersagt. Auch die zionistische Organisation lehnt es ab, junge Leute unter 18 Jahren parteimäßig 'organisieren zu wollen. Trotzdem ist die Erziehung auch dieser Jugend Aufgabe der Zionisten. Das beweist ein kurzer Blick lauf den heutigen Stand des jüdischen Erziehungswesens. Es kann nicht Aufgabe des Deiegiertentages sein, eine Systematik der’ Erziehungsfrage zu entwerfen. Es mub sich darauf. beschränken, aut das Problem hingewiesen, einige Möglichkeiten gezeigt und seine Erörterung in der Zukunft vorbereitet zu haben. Die Frage der Erziehung der Jugend über IS Jahre ist in den letzten zwei Jahren mit größerer Aufmerksamkeit behandelt worden. An diesen Vorarbeiten kann man anknüpfen. Sie bestehen i.t der Gründung zionistischer Jugend vereine, in der Förde- Serel ihren Main durch die offene Tür erblickte, lief sie ihm freudig entgegen, doch er rief ihr zu: „Ich bringe dir kein Geld', Serel, denn Gott hat mir Heute keinen Dienst beschert, dafür aber hat .mich ein merkwürdiger Mann aufgesucht.“ Er wiederholte ihr die Worte des Fremden und erbat sich einen Rat von ihr. Doch Serel rief, ohne erst lange zu überlegen: „Sag dem Herrn, daß die sieben guten-Jahre noch heute beginnen sollen.“ „Aber nach sieben Jahren werden wir wieder arm sein und nach der guten Zeit wird es uns sehr schwer fallen, wieder im Elend zu leben,“ wendete Tewje ein. „Mach dir keine Gedanken, sondern nimm, \yas,,:man ..dir .gibt und dank dem lieben Gott dafür“, erwiderte Serel. „Sieh, man hat heute die Kinder, Glieder geschickt, weil wir das Lphpgeld,: riiclij . bezahlen konnten.“ — Tewje eilte (gleich auf den Markt und erklärte dem Fremden, daß die sieben guten Jahre gleich jetzt beginnen sollten. „Ueberleg es dir gut“, sagte der Jäger. „Jetzt bist du ein kräftiger Mann und kannst verdienen, aber dann wirst du die Strapazen nicht mehr so gut ertragen können.“ Tewje aber sagte: - „Mein Weib will es so haben.. Erstens sagt sie, sollen wir dem lieben Gott lür alles Gute, das er uns heute .beschert, danken und uns für später keine Sorgen machen,- und dann will der Lehrer nicht mehr die Kinder unterrichten, weil wir ihn nicht bezahlen können.“ , „Wenn es so ist, dann .geh’ er nur nach' hause“, erwiderte der Fremde. . „Bevor du die Stube betrittst, bist du ein reicher Mann.“ Tewje wollte noch etwas tragen, aber der Jäger war plötzlich verschwunden. Der Träger ging also nach Hause. Vor seiner Hütte spiclrung des Herzl-Bundes, der Studenten- Organisationen und der Jüdischen T urnerschaft. Diese Organisationen gi.t es auszubauen, so daß allmählich ein lückenloses Netz zionistischer und jüdisch-nationaler Jugendorganisationen entsteht, als wichtigste und unerläßliche Ergänzung der im wesentlichen auf die Bedürfnisse der Aelteren eingeiichteten Ortsgruppen. Ich möchte die Frage der Jugenderziehung nicht abschließen, ohne eine Angelegenheit zu berühren, die auf jeder jüdischen Tagung besprochen werden sollte: Es ist der Beschluß des „W ander vogels“ in der Judentrage. Wir Zionisten haben von vornherein unsere Aufgabe in der Gründung eigener Jugendorganisationen gesehen und nach Einfluß im „Wandervogel“ nie gestrebt. Wir erheben öffentlich Protest gegen die unerhörten Beschimpfungen, denen das Judentum in des Presse des „Wandervogels“ ausgesetzt war und sprechen unsere Empörung über die Verr suche aus, den jüdischen Nationalgedanken zur Begründung des ärgsten Radau-Antisemitismus heranzuziehen. Neben den Fragen der Erziehung der nächsten Generation gibt es natürlich auch für diese Tagung ein Gebiet der Beratung: Palästina. Palästina ist dem zionistischen Empfinden von Jahr zu Jahr nähergerückt. Es fordert die persönliche Mitwirkung jedes Zionisten am Aufbau der neuen jüdischen Siedlung. Hierauf begrüßt Herr Dr. M. W. Tschlen o w, zweiter Vorsitzender des engeren Aktionskomitees, den Delegiertentag und konstatiert, die kraftvolle Unterstützung, die die deutsche Zionistische Organisation der Gesetzbewegung besonders in der letzten Zeit im Kampf um die hebräische Sprache gewährt hat. Hierauf begrüßt der Vorsitzende der Zioni-> stischen Ortsgruppe Leipzig, Herr Rudolf Schick, die Tagung. Ins Präsidium werden als Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke- Bcrlin und als zweiter Vorsitzender Herr Justizrat Dr. Bodenheimer - Köln gewählt; ferner die Herren Arnold W i e n e r - Kattowitz, Rudolf Schick- Leipzig, Rechtsanwalt Dr. Ascher- Dessau und als Beisitzer Dr. S i c h e 1 - Chemnitz, Rechtsanwalt Dr. Kollenscher - Posen, Gustav S c h w a b e -Varel und Leopold Landau- Hamburg. Hierauf wurde die Debatte eröffnet, an der sich die Gesinnungsgenossen Dr. Klee- Berlin, Wiener- Kattowitz, Dr. Friedemann - Berlin und Dr. Heymann - Berlin beteiligten. In der Nachmittagssitzung eröffnete Kurt Blumenfeld, Redakteur der „Weh“, die Debatte. Er betrachtet die Assimilaion als eine Tatsache, die zur Auflösung des Judentums drängt. Der Zionismus sei das notwendige Gegengewicht gegen diese Untergangtendenz. Mit der Konstatierung der Unvollkommenheit des westlichen Judentums sei nichts getan. Es brauche dagegen den Zionismus, der eine Tendenz zur Erneuerung des Judentums sei. Nur aus dieser starken Tendenz heraus werde die Möglichkeit geschaffen, auch für Palästina Menschen und Mittel zu bekommen. Der Zionismus ist aber nicht nur eine politische, er ist vor allem eine menschliche Bewegung der Juden, die den Glauben an eine jüdische Zukunft und den Willen Haben, diese Zukun.'t mitzuschaffen. Darum verknüpfen sie ihr eigenes ten di: Kinder im Sand, doch als er näher trat, erkannte er, daß es kein Sand, sondern pures Gold war. Für den Träger begannen nun die sieben glücklichen Jahre. Die Zeit jagd dahin und die sieben guten Jahre waren gar schnell vorüber. Eines Tages kam nun der Jäger zu Tewje und erklärte ihm, daß sein ganzes Geld am Vorabend verseil .vinwerde. Doch Tewje stand auf dem Markte wie vor sieben Jahren, hatte sein Trägergewand an und wartete auf Arbeit. Und Tewje erwiderte: „Sagt das meinem Weibe, denn sie hat das Geld während der ganzen Zeit verwaltet.“ Die beiden gingen nun in die Vorstadt, denn Tewje wohnte imni,er noch ip ejer, alteij,,VLihrinhiitte auf dem freien Felde.' ' Sepel i staiid';vör der Tür1 und war ärmlich gekleidet;" nur ' ihr Gesicht strählte. Der Jäger sagte' ihr nuü, daß die sieben guten Jahre vorüber seien, aber Serel erwiderte, daß die gute Zeit bei ihnen noch gar aiic.hr begonnen habe. Das Geld hätte sie nie als ihr Eigentum betrachtet, „denn nur das, was ein Mensch durch seine Arbeit verdient, ist _ sein Eigentum. Ein Reichtum aber, der einenV mühelos in den Schoß fällt, ist nur dazu bestimmt, die Not der Armen zu lindern.“ So nabe sie es die ganze Zeit gehalten, und wenn Gott' jetzt. für sein Geld einen besseren Verwalter wüßte, dann sei sie gern bereit, es zurückzugebeh. Als der Prophet Elias diese Worte hörte, verschwand er und legte den Fall dem höchsten Richter vor. Gott aber wuß.je keinen besseren Verwalter für das Geld als Tewje und sein Weib, und so durften sie den Schatz weiter bewachen und sie waren glücklich bis an ihr Lebensende.