Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 24 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 24 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Wir brauchen wohl nicht nochmals' in Erinnerung zu bringen, daß das D. K. mit Rücksicht auf die 'heuer geleistete Arbeit und den soeben erfolgten Ausbau des Sekretariats der Parteisteuer zu weiterer Tätigkeit dringend bedarf. * * * Oeffentlidhe Verkaufsstelle des Bezalel in Prag. Der Verein Bezalel bringt unseren Gesinnungsgenossen zur Kenntnis, das der Prager Kunstgewerbeverein Bezalel eine öffentliche Verkaufsstelle in Prag, Josefstädtergasse 16, errichtet hat. Die Freunde des Bezalel in den Ländern der österreichischen Monarchie (mit Ausnahme von Galizien und der Bukowina) werden gebeten, sich mit ihren Aufträgen von nun an direkt an das neue Geschäft in Prag zu wenden. * * * Zentralfondisbaiträge aus Westösterreidi für 1914. XVII. Ausweis. Distrikt Innerösterreich: Wien: Dr. Josef Weleminski 30.—; bereits ausgewiesen 4291.36; zusammen K 4321.36. Distrikt Mähren-Schlesien: Kremsier: Slg. Ludwig Löwenthal 117.50; bereits ausgewiesen 4621.32; zusammen 4738.83. Für!das hebräische Schuiiwerk: Distrikt Innerösterreich: Wien: Akad. Verein Jüd. Frauen (II. Rate) 125.—; Dr. Paul Weisengrün 50.—; Dr. A. Großner 30.—; Jüd. Exportakademiker 44.—; Vereinigung „Bar- KoChba“ 35.—; Dr. E. Sefter 12.—; Ing. Fedor Ackermann 10.—; I. H. Waltuch (II. Rate) 5.—; Al. Glaser 5.—; Anna Kreiner 1.—; zusammen 317.--; bereits ausgewiesen 10.599.S3; zusammen K 10.916.83. Distrikt Mähren-Schlesien: Proßnitz: Slg. Leo Beer 83.40; bereits ausgewiesen 6032.79; zusammen K 6116.19. Aufgebracht wurden bisher in Innerösterreich K 15.238.19; Böhmen 14.753.27; Mähren-Schlesien K 10.855.02; Gesamtsumme K 40.846.48. Zionisten erhalten 10o/o Rabatt. A. GRIMM TAitOR Feine Herrengarderoben Sportbehleidung, Militäru. Beamtenuniformen I. Weihburgg. 11 Teleph. 1491/VIII Bequeme Teilzahlung. Die Hssimilanten - 1T0. Tendenz in Wien. Aber, mein Gott, die Zeiten ändern sich, und so wurde Herr Jakob Krauß Sekretär des Kultuspräsidenten Stern, Mitredakteur der Blochschen Wochenschrift und zuguterletzt Territorialist, hauptsächlich aber — und das als Hauptbeschäftigung — Antizionist. So konnte er Inic/ht umhin, anläßlich des letzten Zionistenkongresses in (einem ungarischen Assimilantenblatte den Zionismus und seine Anhänger in der unflätigsten Weise zu beschimpfen und zu verleumden. Der Redakteur dieses! Blattes verzapft nun den Territorialismus in Ungarn und so kam auch sein Freund, Herr Jakob Krauß, bei der besagten Versammlung zu einer Rolle, die ihm aber nicht gut angeschlagen hat. Also mit dem Territorialismus ists nichts. In Wien großer Mißerfolg, in Budapest Hinauswurf. Besser, Sie bleiben beim Antizionismus, Herr Krauß! ßohö uni 6eftauc.*) O, Freunde, kennt Ihr die entweihten, Teils spindeldürren, teils rundbeleibten, Doch stets gebildeten, immer satten, Die nie geschmähten, doch stets Gesdfmadten Freisinnig - monistisch - sozialen Frauen, Die ringsum verbreiteten Fortschritt und Grauen?! Habt Ihr sie geseh’n teutonisch streiten, Statt Speisen, Artikel schmackhaft bereiten — — Gewürzt mit Thesen, statistischen Daten, Zitaten von Forschern und Inpotentaten, Von geistigem Maggi dickflüssig und schwer, Die Bildungsbraten ä la Colbert?! Sie haben kein Volk und keinerlei Glauben: Doch will man ihnen die „Rechte“ rauben, Dann bilden sie schwetzend das hohe Konklave Und nennen es sinnig und klangvoll „Qekawe“ Und stimmen an ein freisinnig Geheul, Beraten und sind den Herrn ein Gräul. . . . Das klappert und plätschert wie Mühlenräder, Es zittert der Feind und die Reiherfeder — Sie halten die Fahnen, sie wettern und kritteln, Sie frozzeln einander und antisemitein, Sie bringen Notizen, sie bringen das Licht, Bis siegreich die Sonn’ durch die Wolken briCht — Jawohl, sie bricht! Beda. häupter diesen Unterschied und baten die preußische Regierung um die Genehmigung ihres Beschlusses. Um dies zu erreichen, behaupteten sie, die in Duisburg ansässigen Galizianer gehörten der von den rechtgläubigen Juden als ketzerisch angesehenen Sekte der „Chassidäer“ an. Dies geschah zu der Zeit, als in Kiew die Verhandlung gegen Mendel Beilis schwebte! — Das Vorgehen der Duisburger jüdischen Gemeinde rief die Proteste aller Jüdischgesinnten hervor, was aber diese Herren nicht hinderte, mit ihren Eingaben bis an das Preußische Ministerium des Innern zu gehen. Zum Glück hat das Ministerium mehr Sinn für Gerechtigkeit als eine jüdisch-liberale Gemeinde-Clique und hat vor einigen Tagen den Antrag der Duisburger Gemeinde abgewiesen. In seinem Erlab weist es auf das preußische Gesetz hin, welches allen in einer Gemeinde wohnenden Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit alle Rechte und Pflichten der Gemeindemitglieder einräumt. Es erklärt, daß kein Anlaß vorhanden sei, Gemeindemitglieder, die durch viele Jahre hindurch ihren Pflichten gegen die Gemeinde nachgekommen seien, um die Ausübung ihrer Rechte zu bringen. Hoffentlich werden sich die liberalen Juden in Deutschland, die so viel von Solidarität reden, aber auf ihre ausländischen Brüder als auf minderwertige Menschen herabsehen, diese Lektion zu Herzen nehmen. Das erfreuliche Ergebnis ist mit ein Verdienst des hauptsächlich von Zionisten gegründeten Reichsvereins Deutscher Juden, der dafür gesorgt hat, daß die jüdische Oeffentlichkeit über die währen Beweggründe jenes Beschlusses aufgeklärt wird und daß auch die Regierung auf die Gefahren eines solchen Vorgehens hingewiesen wird. * * * Das Eisenstädter Ghetto — abgebrannt! Ein böses Schicksal verfolgt die alten Judengassen. Vor einem Jahre fegte ein großer Brand das Preßburger Ghetto hinweg und nun meldet eine Depesche, daß die alte aisenstädter Judengasse einer Feuersbrunst zum Opfer fiel. Eisenstadt (ungarisch: Kismarton) war noch bis vor kurzen eine jüdische politische Gemeind® nach dem Muster der jüdischen Gemeinde in Mähren, doch verzichteten die Eisenstädter Juden vor einigen Jahren auf ihre Autonomie. Eisenstadt ist eine der ältesten jüdischen Siedlun- Iungen in Ungarn, die unter dem Schutze der Esterhazys zur hohen Blüte gelangte. Nach dem Jahre 1848 machten sich sehr viele Eisenstädter Juden in Wien ansässig, wo es noch heute einen jüdischen „Verein der Eisenstädter“ gibt. * * * Eine jüdische Emigrationskonferenz in Hamburg. Am 16. Mai fand in Petersburg eine Beratung von Vertretern verschiedener jüdischer Emigrationsgesellschaften statt. Es wurde ein Entwurf zur Verbesserung der Lage der jüdischen Auswanderer nach Amerika ausgearbeitet. Dieser Entwurf soll der Emigrationskonferenz vorgelegt werden, die unter Beteiligung der großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften und der Vertreter der jüdischen Emigrationsgesellschaften am 5. Juni d. J. in Hamburg tagen wird. Die Anregung zu dieser Konferenz ist von der Petersburger „Gesellschaft zur Regelung der jüdischen Emigration“ ausgegangen. Die deutschen Schiffahrtsgesellschaften haben sich bereit erklärt, in den Kontrollstationen an der deutschrussischen Grenze sowie auf ihren Dampfern verschiedene Reformen zugunsten der jüdischen Auswanderer einzutü,,ren. An der Hamburger Konferenz werden u. a. folgende russisch-jüdische Gesellschaften teilnehmen: die jüdische Emigrationsgesellschaft von Kiew, die Minsker Emigrationsgesellschaft, das Warschauer Informationsbureau und die Kiewer und Lodzer Filialen der Emigrationsgesellschaft in St. Petersburg. * * * Von der Tachkemonischule in Jaffa. Durch die hochherzige Zuwendung eines russischen Palästinafreundes, der der hebräischen Mittelschule Tachkemoni in Jaffa den Betrag von 55.000 Frcs. gespendet hat, ferner dank der Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds, der für die Anstalt Boden im Werte von 45.000 Frcs. erwirbt und ihn dem Tachmoni-Komitee für 49 Jahre in Erbpacht gibt ,ist es ermöglicht worden, schon in allernächster Zeit die Errichtung eines neuen Schulgebäudes in Angriff zu nehmen. Mitte Juni findet in Hamburg eine Vollsitzung des Zentralkomitees dei zionistischen Föderation Misrachi statt, unter deren Verwaltung die Anstalt steht. In dieser Sitzung wird voraussichtlich die Umwandlung der Die ITO scheint jetzt einige Zeit auf der Tagesordnung bleiben zu wollen. Sie bemüht sich krampfhaft, von sich reden zu lassen und die Welt stets mit etwas zu verblüffen. All dies vermag ihr jedoch nicht über ihr Scheindasein hinwegzuhelfen. Was ihre Zukunft in ganz: besonders düsterem Lichte erscheinen läßt, ist die Tatsache, daß sie ihr eigentliches Programm längst aufgegeben und auf die n a t i o n a 1 e Grundlage, die ihr die Existenzberechtigung verleihen würde, verzichtet hat. Die allermeisten Mitgliedes der ITO — und hiebei kommt hauptsächlich Ungarn in Betracht — sind waschechte A s s i m i 1 a n t e n, die sich der ITO angeschlossen haben, weil sie Antizionisten sind. Vergebens wird man daher nachzuweisen suchen, daß die Grundlagen deS Zionismus und des Territorialismus — Schaffung einer Heim’- stätte, wo die Juden die Mehrheit bilden — gemeinsam Sind, zu einer Vereinigung wird es nicht kommen können, da — abgesehen von einigen Führern in England, Rußland und der Schweiz — die Itoisten Feinde des nationalen Gedankens sind. Dies bekam der Wiener Itoist Jakob Krauß am eigenen Leibe zu fühlen. Er erschien in Vertretung der Wiener (?) Territorialisten bei der jüngst abgehaltepen Generalversammlung der „Magyar ITO“ und ergriff das Wort, um die Versammlung zu begrüßen. Hiebei kam er auf den jüdischen Nationalismus zu sprechen, er wurde aber prompt vom Vorsitzenden unterbrochen, der unter großem Beifall erklärte: „Wir sind Magyaren und wollen Magyaren bleiben!“ Umsonst versuchte Herr Krauß seinen Worten eine andere Deutung zu geben, es half jhm nichts: der Vorsitzende entzog ihm, den Begrüßungsredner, das Wort.. Herr Krauß war einst Zionist, er redigierte sogar ,ein jüdisches Volksblatt mit zionistischer Rnzeigen als Rnzeidien. Aus der hebräischen Tageszeitung „Hacheruth“ in Jerusalem und der in Jaffa erscheinenden hebräischen Arbeiterzeitung „Hapoel Hazair“: „Hütergesuch! Die Kolonie Sarona bei Jaffa (Anlage deutscher .Bauern) sucht einen geeigneten Juden, der die Bewachung der Kolonie mit ihren Baumpflanzungen und Feldern übernehmen würde. Geeignete Bewerber werden gebeten, sich sofort an den Leiter der Kolonie, Herrn Johannes Wennagel, zu wenden.“ Rus lern jüöisdiea Reben. Die preußische Regierung schützt die ausländischen. Juden. Im Herbst des vorigen Jahres ging durch die meisten jüdischen Blätter die Nachricht von einem merkwürdigen unjüdischen Verhalten einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Die liberale Repräsentanz der jüdischen Gemeinden in Duisburg (Rheinprovinz) beschloß, um ihre unumschränkte Herrschaft in der Gemeinde aufrecht erhalten zu können, den in Duisburg lebenden ausländischen Juden — meistens Galizier — das aktive und passive Wahlrecht für die Gemeindevertretung zu nehmen. Während nach dem preußischen Gesetz alle Angehörigen der Gemeinde, ob In- oder Ausländer, gleiches Recht haben, machten die liberalen jüdischen Gemeinde- *) R. und G. sind die onomatopoetischer! Abkürzungen für die „Reichsorganisation der Hausfrauen Oesterreichs“ und „Großeinkaufsgenossenschaft“, welche getauften und baldgetauften Damen im Rahmen der deutsch-freisinnigen Partei (gegründet haben.