Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 24 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 [ Herzl-Gedenkfeier I ■ " - .- - ■■ " ■«—■■■ nissen vollständig gewachsen und vertrauen so zuversichtlich auf die unerschöpfliche Quelle der Volksmöglichkeiten, daß wir, vom Kampfe einigermaßen befreit, unverzüglich an die Verwirklichung anderer Aufgaben herantreten. I. Kolonisatorische Arbeiten. 1. Ergänzung des Kapitals der P alestine Land Development Company. Das Große Aktions-Komitee hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das Kapital der PLDC zu ergänzen und uns beauftragt, den geebneten Zeitpunkt für den Beginn der Subskription zu bestimmen. Wir hielten es zunächst für notwendig, eine befriedigende Bilanz der Gesellschaft .abzuwarten. Wie Sie wohl wissen, hat die PLDC in der letzten Zeit die Möglichkeit bekommen, ihr Defizit bedeutend zu verkleinern. Die letzte Bilanz per 31. Dezember 1913 ist kurz vor der Sitzung in unsere Hände gelangt; sie wird erst von uns und den Auditors in London geprüft werden . Nach den Angaben, die wir jetzt zur Verfügung haben, betrug das Defizit per 30. September 1912 2755 L., der Gewinn der Gesellschaft betrug in der Zeit vom 1. Oktober 1912 bis 30. Juni 1913 870.—, in der Zeit vom 1. Juli 1913 bis 31. Dezembey 1913 1435.—, so daß sich das Defizit innerhalb von fünfzehn Monaten um 2305.— verringert hat und am 31. Dezember 450.— betrug, ln der letzten Zeit hat die PLDC eine größere Anleihe zum Ankauf von Boden erhalten. Aus diesem und weiteren Geschäften wird die Gesellschaft vermutlich schon in den nächsten Jahren imstande sein, eine bescheidene Dividende auszusChütten. Es war für uns andererseits notwendig, uns zu überzeugen, inwiefern die Kapitalwerbung für die PLDC jetzt auf Erfolg rechnen könnte. Es mußte dabei berücksichtigt werden, daß die Gesellschaft unter einem ungünstigen Stern geboren wurde. Schon von Anfang an ist sie auf große Gegnerschaft gestoßen. Einige Gegner haben dann ihre Ansichten geändert; andere aber sind bei ihrer Gegnerschaft und aktiven Bekämpfung unverändert geblieben und haben es für ihre Pflicht gehalten, bei jeder Gelegenheit ihr Mißtrauen gegen die PLDC zu äußern. Wir hielten daher einen Sondierungsversuch für notwendig, den wir in Moskau machten, wo man gerade in der letzten Zeit auch für Zentralfonds und Schulwerk gegen Mk. 25.000 aufgebracht hat. Es wurden bis jetzt 1640.— Pfund Sterling gezeichnet und die erste Anzahlung bereits geleistet. Man wird allein in dieser Staidt bis 2000 Pfund Sterling, vielleicht noch mehr aufbringen. Wenn wir berücksichtigen, daß Moskau seinerzeit bei intensiver Arbeit und bei der damaligen beispiellosen Begeisterung für den JCT nur zirka 5000 Pfund Sterling gezeichnet hat, werden wir das jetzige Ergebnis als ein günstiges Symptom betrachten können. Wir sind daher der Ansient, daß der Augentung“ befinde. Ich war davon verblüfft, ersuchte Herrn Bambus um eine neuerliche Richtigstellung, die ich nicht selbst vornehmen wollte, weil ich der Meinung war, daß es sich nur um oberflächliche Divergenzen handle. Ich sollte ja mit Ihnen am 29. April in Prag zur Beratung einiger Kongreßfragen Zusammentreffen. Das Stelldichein wurde am letzten Tag als „noch verfrüht“ abgesagt. Jedenfalls hatte ich' keinen Grund anzunehmen, daß Sie sich lossagen wollten, da Ihre Einwendungen mir picht als prinzipielle vorkamen. Sie hatten gewünscht, daß eS „Kongreß der Chowewe Zion“ statt „Zionisten-Kongreß“ heiße, worin ich keinen größeren Unterschied zu sehen vermochte als zwischen bonnet blanc und blanc bonnet. Ferner war Ihnen der folgende Passus meiner „vorläufigen Anzeige“ nicht recht: So erhalten die gemeinsamen Bedürfnisse ein Organ. (Nämlich durch den Kongreß.) Es wird ein Zufluchtsort für die Wünsche und Beschwerden unserer Brüder geschaffen. Die Judensache muß dem Belieben vereinzelter Personen — wie gutwillig diese auch sein — entrückt sein. Es muß ein Forum entstehen, vor dem jeder für das, was er in der Judenfrage tut und läßt, zur Rechenschaft gezogen werden kann. Dem wird sich kein redlicher Mann wldersetzen.“ Ich bitte, (mich nicht mißzuverstehen. Ich zitiere das nicht in tückischer Absicht für die Bedürfnisse meiner heutigen Polemik, sondern! um darzulegen, Nvie geringfügig unsere Differenz blick für den Beginn der Subskription günstig ist. Wir werden Ihnen einen detaillierten Arbeitsplan unterbreiten. Wir hoffen zuversichtlich im Laufe eines Jahres eine Million Francs aufbringen zu können. 2. Bodenkäufe. Wie wir in unserem Berichte bereits mitteilten, haben die Pessachbesuche diesmal eine ganze Reihe ernster Reflektanten tür Bodenkäufe nach Palästina gebracht. Einige Käufe sind bereits von ihnen abgeschlossen. Für andere sind Aufträge erteilt worden. Die Entwicklung des Achus a- Gedanke n s schreitet vorwärts, hauptsächlich in Amerika und Rußland, in letzter Zeit auch in sehr erfreulicher Weise in England; sie beginnt auch in Deutschland. Das Palästina-Amt beabsichtigt, Spezialbevollmächtigte zur Organisierung von Pflanzungsgesellschaften und zum Verkauf von Bodenparzellen nach Europa und Amerika zu entsenden. Leider nehmen mit dem Anwachsen unseres Bodenbesitzes auch die Schwierigkeiten der Arbeiterfrage zu. Worin diese Schwierigkeiten bestehen, brauchen wir hier wohl nicht zu erörtern. In letzter Zeit haben sie zu einem schweren Konflikt, nämlich zu monatelangem Streik in Sedjera geführt. Die Beziehungen spitzen sich immer mehr zu und in verschiedenen Kreisen im Lande herrscht jetzt die Ueoerzeugung, daß unbedingt etwas geschehen muß, um diese Komplikationen zu mildern. Wir stehen nicht auf dem Standpunkte des Ausschlusses jeder nichtjüdisdhen Arbeit. Wenn unsere Organisation in ihren Besitzungen ausschließlich jüdische Arbeiter verwendet, wenn ebenso die Arbeiterschaft aui einer solchen extremen Forderung besteht, so ist dies nur als Folge des bestehenden Zustandes, der uns vollkommen unhaltbar erscheint zu betrachten, daß nämlich in manchen großen Kolonien kaum 10 Prozent der Arbeiter Juden sind. Da der Bodenkauf sich immer mehr entwickelt und zwar hauptsächlich durch Privatinitiative, so ist es klar, daß der jetzige anormale Zustand sich zu befestigen droht. Unsere Aufgabe ist es, die Lösung der Arbeiterfrage durch unser Eingreifen zu beschleunigen. Es sind in den letzten Jahren manche Versuche gemacht worden, die vielleicht eine Lösung dieses wichtigsten Problems anbahnen. Wir denken dabei einerseits an die Immigration der Yemeniten, die wie es scheint, in naher -Zukunft sich wieder erneuern wird, und die Einwanderung von SO bis 100 Arbeitern aus Saloniki. Andererseits wird die Vergrößerung der Möglichkeiten zum Uebergange vom Arbeiter zum Häusler und Kleinkolonisten, die Schaffung von Arbeitersiedlungen bei den neuen größeren Erwerbungen die Schwierigkeiten der Arbeiterfrage vermindern. Von Arbeitgebern und Arbeitern wird jetzt unter Beteiligung unseres Pawar, wie ich annehmen durfte, daß Sie mit solchen Selbstverständlichkeiten, die eigentlich nur für die Fassungskraft einfacher Leute gedacht und gesagt waren, einverstanden wären. Zu dem konnte ich mindestens bis zu der von Ihrer Seite vorgeschlagenen Zusammenkunft in Prag annehmen, daß wir d'accord seien. "Wenn ich seither und bis zur Veröffentlichung Ihrer Absage vielleicht einem halben Dutzend Personen, denen ich zufällig Schrieb, die gedruckte Voranzeige mitschickte, so kann, glaube ich, von einer „trotzdem“, also mala fide geschehenen Versendung der Vorankündigung, |worunter man eine massenhafte Expedition verstehen könnte, nicht gut die Rede Sein. In einzelnen dieser Briefe habe ich geradezu auf die aufgetauchte geringfügige Differenz hingewiesen. Ich fasse den ganzen Zwischenfall so auf, daß Sie Rücksichten zu nehmen haben, die für mich nicht existieren. Ich bin der Erste, der Ihre Entschlüsse respektiert, als die eines Mannes von bekannter Selbstlosigkeit und bewährtem "Eifer für die Judensache. Wir wollen einander ja nicht heruntermachen, auch wenn wir im Einzelnen verschiedener Ansicht sind. (Bis hier diktiert. Nun eigene Schrift.) Der Kongreß findet statt. Das ist jetzt die Hauptsache und dabei bleibt es. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener Dr. Theodor Herzl. N ESTLE’5 kindermehl, volfsfänd^eSäu^ingsna^^ng^j Probedosen und lehrreiche Broschüre über die Kinderpflege gratis durch die Firma Henri Nestle, Wien, I. Biberstr. 1 lästina-Amtes eine Enquete unternommen, die den Stand der Arbeiterfrage und die Möglichkeiten ihrer Lösung eruieren will; ihre Ergebnisse sind in naher Zukunft zu erwarten. In unserem Berichte vom 3. Mai machten wir Ihnen von unseren Befürchtungen wegen eines möglicherweise eintretenden allzu großen Andranges von unbemittelten Elementen Mitteilung. Wie wir erfahren, dauern die Anfragen an den entsprechenden Stellen zwar noch an, wie uns zum Beispiel letztens vom Informationsbureau der JCA in Rußland bestätigt wurde; doch treten die Folgen in Palästina nur in ganz kleinem Umfange zu Tage. Dies beweist, daß man in der Organisation eine genaue Kenntnis der palästinensischen Verhältnisse erworben hat; man handelt nicht mehr ins Blaue hinein und richtet die Wünsche nach den Möglichkeiten. Die Menge der Anfragen andererseits hat uns aber die Notwendigkeit von gut funktionierenden Informationsbur e a u x noch stärker als früher bewiesen. Wir haben es daher als notwendig erachtet, die in Wien und in Triest seit einigen Jahren eingerichteten Informationsbureaux in entsprechender Weise zu reorganisieren und in direkte Verbindung mit dem Zentralbureau, zu bringen. Selbstverständlich ist es aber unsere Aufgabe, mit dieser großen Strömung nach Palästina, die an und für sich erfreulich ist, zu rechnen und die Möglichkeiten der Einwanderung zu erweitern. Dies ist aber nur denkbar, wenn uns von anderer Seite entsprechende Kredite zur Verfügung gestellt würden. Einige Schritte sind in dieser Richtung unternommen worden. Sodann berichtet Dr. Tschlenow über die Reorganisation des „Bezalel“. II. Kulturelle Tätigkeit. a) Das hebräische Schul werk. Das innere Leben unserer Schulen verläuft in normalen Bahnen. Es fehlen zwar noch einige Lehrer im Seminar und es fehlt auch ein passendes Gebäude für die Realschule in Haifa, Diese Mängel werden sich aber in naher Zukunft beseitigen lassen. Die Zahl der Schüler an unseren sämtlichen Lehranstalten hat sich erfreulicherweise stark vermehrt, was ausschließlich den inneren Beziehungen der Bevölkerung zu dem neuen Werke zuzuschreiben ist. Wir erhielten am 5. Mai eine Mitteilung von Herrn Yellin, nach welcher es gelungen ist. unsere Schulen als ottomanische Institutionen zu legalisieren. Laut den letzten Anordnungen bedarf die Legalisierung nur der Genehmigung der lokalen Behörden, die auch ohne weiteres erteilt wurde. Ueber unsere Verhandlungen mit dem Ödessaer Komite betreffs Vermeidung von Konkurrenz bei speziellen Schulsammlungen in Rußland und Schaffung einer gemeinsamen Schulbehörde in Palästina sind Sie genügend unterrichtet. b) Die finanzielle Lage. Wie Sie aus unseren Publikationen ersehen konnten, haben wir bis jetzt für das Schulwerk zirka Mk. 210.000.—. Das Reinergebnis bis zum Schlüsse unseres Finanzjahres (30. Juni! wird uns die Möglichkeit geben, sämtliche Kosten der Einrichtung und das Budget unserer Schulen für dieses Jahr sowie einen Teil der Ausgaben für das nächste Jahr zu decken. Wir werden in der nächsten Zeit dafür sorgen müssen eine beständige und so zu sagen mechanisch wirkende finanzielle Sicherung des Schuletats zu schaffen. Wir denken in erster Linie dabei an beständige Jahresbeiträge. Daß die Finanztrage uns keine Schwierigkeiten macaen wird, dürfen wir daraus schließen, daß zum Beispiel der Bezalel durchschnittlich 40.000 bis 50.000 Francs jährlich und in guten Jahren auch bis 80.000 Frcs. aufbringt. Es dürfte unserer Organisation ein leichtes sein, jährlich das dreifache dieses Betrages zu beschaffen. Herr Dr. Tschlenow berichtet über die Einzelheiten der Vorarbeiten für die Universität in Jerusalem, insbesondere über die Fortschritte