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Jüdische Zeitung · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 24 ilifPWHSnale Geistigkeit im Interesse der ganzen Kulturmenschheit erhalten und fortgebildet wissen wollen, und die zugleich die geknechteten osteuropäischen Juden von dem Gefühl der Heimatlosigkeit befreien und eine neue Stammeinheit schaffen wollen, in der sie aus der tiefen Nacht sozialen und nationalen Elends zur Freiheit und Menschenwürde emporzudringen vermögen.“ So sehr wir von der Wahrheit unserer Sache überzeugt sind, ist es uns doch sehr willkommen, wenn auf objektiver Seite ein so hohes Verständnis für diese Wahrheit sich zeigt. Denn wir finden darin einen Widerhall der Wirkung, £ die der Zionismus auf die Nichtjuden ausübt. ■Diese ist genau so, wie wir sie stets vorausgesagt haben und an immer neuen Beispielen nachweisen können. Selten aber hat sich ein Nichtjude eine solche Mühe genommen, unserem Werke nachzugehen und es vollständig zu erfassen, wie Dr. Ludwig Quessel. Wir sind ihm zu hohem Dank verpflichtet und wünschen nur, daü die hiesigen getauften Juden der Sozialdemokratie aus seinem Artikel wenigstens so viel lernen möchten, daß sie vor einer eminent ethischen Bewegung, wie es der Zionismus ist, zumindest achtungsvoll zu schweigen haben! Ans der Himer Rulfasgemeinfle. In der letzten Sitzung des Kultusvorstandes wurde iendlidi der vom’ derzeitigen Finanzreferenten Herrn Dr. Leopold Kohn schon vor vielen Jahren ausgearbeitete Entwurf, betreffend eine Regelung des Taxwesens für Scheidungen und Chalizas zum Beschluß erhoben. Von zionistischer Seite war die Erledigung dieser Angelegenheit gerade in letzter Zeit mit Rücksicht aut die wiederholt besprochenen skandalösen Vorfälle im' Wiener Rabbinat negiert worden und nur diesem' Umstand ist es zu verdanken, daß sdie mit Rücksicht auf die Geschäftsinteressen Alayersohns vom Präsidenten Doktor S tern seit Jahren zurückgestellte Angelegenheit endlich zur Sprache kam. Bisnun herrschten in der Wiener Gemeinde auf dem Gebiete des Scheidungswesens ganz unglaubliche Mißstände. Die Gemeinde hat sich' nämlich um diese Angelegenheit überhaupt nicht gekümmert und hat es dem Rabbiner Mayersohn überlassen, für die Scheidungen Taxen nach seinem Belieben einzuheben. Mayersohn h.at natürlich die sich ihm darbietende Gelegenheit, das Wiener Rabbinat zu einem einträglichen Scheidungsgeschäft auszugestalten, reichlich ausgenützt, und je besser er honoriert wurde, desto rascher waren die betreffenden Eheleute aus'einandergejagt. Durch den Beschluß der letzten Kultusvorstandsitzung sind endlich feste Taxen für Scheidungen und Chalizas festgesetzt worden, deren Höhe von der Kultussteuer der Partei abhängt. Ueberdies werden die Taxen nicht mehr an den die Scheidung vollziehenden Rabbiner bezahlt, sondern sind bei der Gemeindekassa zu erlegen. Dieser Teil des Beschlusses ist vollkommen befriedigen(d; weniger befriedigend ist aber der Beschluß über die Verwendung der bezahlten Taxen. In diesem Punkt ist der Referent auf halbem Wege stehen geblieben. Die bezahlten Taxen werden nämlich auch in Zukunft unter die verschiedenen bei den Scheidungen beschäftigten Personen verteilt und somit deren Einkommen von der Zahl der Scheidungen abhängig gemacht. Entweder sind die geistlichen Funktionäre der Wiener Kultusgemeinde mit ihren fixen Bezügen für ihre gesamte Tätigkeit vollständig entlohnt, dann müssen die Scheidungstaxen der Gemeinde verbleiben; oder es wird deren Entlohnung als ungenügend angesehen, dann haben sie Anspruch auf höhere fixe Bezüge. Daß aber die Gemeinde ganz einfach alle Einkünfte aus den Scheidungstaxen von vornherein verzichtet, ohne auch nur annähernd zu wissen, wieviel diese Taxen betragen, ist ein ganz unmöglicher Vorgang, der wiederum nur jaus der zarten Rücksichtnahme auf Rabbiner Mayersohn und dessen Hintermänner zu erklären ist. Die Angelegenheit Mayersöhn hat sich überhaupt infolge des ganz unerhörten Vorgehens des Kultuspräsidenten Dr. Stern zu einer Macht- und Prestigefrage des Letzteren herausgebildet. Da Dr. Stern bekanntlich wiederholt mit seiner Demission für den Fall gedroht hat, daß gegen seinen Schützling Mayersohn eine ordentliche Disziplinaruntersuchung eingeleitet wird, handelt es sich dem Vertreterkollegium nicht mehr um Feststellung des wahren Sachverhalts, sondern es kämpft ganz einfach für seinen Vorsitzenden Dr. Stern. Dies erhellt am besten aus dem letzten Beschluß des Vertreterkollegiums. Das Vertreterkollegium hat nämlich einen Antrag des kais. Rats Kauders, den Rabbiner Mayersohn mit einem gegen ihn geführten Zeugen vor dem Vertreterkollegium zu konfrontieren, abgelehnt und ausgesprochen, daß an dem früher gefaßten Beschlüsse, keine Disziplinaruntersuchung einzuleiten, festzuhalten sei. Noch vor wenigen Monaten hat Dr. S t e|rn erklärt, mpn könne gegen Mayersohn, über den er sich selbst höchst abfällig geäußert hatte, nicht Vorgehen, weil Oberrabbiner Güdemann leidend sei: Heute darf man wieder mit Rücksicht auf den leidenden Zustand Dr. Sterns nichts unternehmen. Und so wird die Korruption im Wiener Kultus- und Wiener Gemeindeleben bleiben, soweit dies von Dr. Stern und seinem Anhang abhängig sein wird. Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit aber noch nicht gesprochen, und wir werden den Triumph1 der Lüge zu verkünden wissen. Neu! GRAF Gulasch-Saft zur mühelosen Bereitung von delikatem Gulasch, Paprika* schnitzet, Gulasch Kartollein 1 Tafel o 20 fi für 1 hg Fleisch oder l hg Korloüel. Sitzung des groben HMionssKomitees Oer zionistischen Organisation. (Von unserem Berichterstatter.) Am 7. und 8. Juni fand in Berlin die Sitzung des Großen Aktionskomitees statt, bei der folgende Herren anwesend waren: Professor Warburg, Dr. E. W. Tschlenow, Dr. Hantke, Dr. Jacobson, Dr. Levin, Justizrat Dr. M. J. Bodenlieimer, Jean Fischer, Dr. Friedemann, Dr. H. G. Heymann, A. Idelsöhn, Dr. Klee, Leo Motzkin, A. Podlischewsky, Dr. Reich, J. A. Rosoft, Julius Simon, Professor Weizmann. Ferner die Herren: S. Kaplansky und W. Jabotinski. Als Gäste wohnten der Sitzung bei die Herren: M. Feldstein, J. L. Goldberg, Leon Levite, Professor Schatz. Professor Warburg eröffnete die Sitzung um 10 Uhr mit einer kurzen Ansprache. Daraut erstattetet Dr. Tschlenow den Bericht des EAC. Wir entnehmen dem sehr eingehenden Bericht folgendes: Unsere letzte Zusammenkunft hat gleich nach der Verständigung mit dem Kuratorium des Technikums1, die dem1 Kampfe wegen der Unterrichtssprache im Technikum ein Ende gemacht hatte, stattgefunden. Dieser Kampf hat nun unserer Organisation den Anstoß und die Möglidhkeit gegeben, eine große und seit langem empfundene Lücke im zionistischen Arbeitsgebiet auszufüllen. Unseren Arbeiten auf politischem, kolonisatorischem und organisatorischem Gebiete hat sich die kulturel le Arbeit angegliedert. Unser Arbeitsprogramm ist reicher geworden; und nach dem alten Spruche; „marbeh nechassim, märbeh daagali“ sind wir jetzt auch an Sorgen reicher. Von mancher Seite, von Nah und Ferne, wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß diese neuen Bürden über unsere Kräfte gingen und die Organisation von der Ausführung anderer Aufgaben ablenken würden. Wir bestreiten diese beiden Behauptungen entschieden und erwarten, daß der Verlauf der jetzigen Tagung diejenigen unter Ihnen, die vielleicht ähnliche Befürchtungen hegen, beruhigen wird. Wir betrachten uns den neuen Bedürf- Feuilleton. An Dr. H. Hildesheimer, Berlin.*) Wien, 9. Mai 1897. Sehr geehrter Herr! Von Ihrer bekannten Loyalität erwarte ich die Aufnahme dieses Briefes in die nächste Nummer der „Jüdischen Presse“. Zunächst bescheinige ich Ihnen hiermit, daß Sie sich vom Münchener Zionisten-Kongreß zuiückzielien. Ich bedaure diesen Uhren Entschluß, der mich1 überraschte, lebhaft, denn es wird nicht leicht sein, für das Referat, welches' Sie übernommen hatten — „Die Aufgaben der jüdischen Wohltätigkeit in Palästina“ — ‘sofort einen Ersatzmann zu finden, der in dieser Frage sö bewandert ist wie Sie. Der Kongreß findet natürlich auch statt, wenn wir keinen Referenten über „die Aufgaben der jüdischen Wohltätigkeit in Palästina“ ausfindig machen könnten. Dieser Kongreß ist überhaupt nicht Imehr rückgängig zu machen; der Gedanke einer solchen Versammlung gehört *) Aus dem im Aufträge desf Zionistischen Aktionskomitees demnächst im Jüdischen Verlag erscheinenden Buche „Das Leben Theodor Herzls“ von Adolf Friedemann. Das Werk ist unter Benutzung reichhaltiger Materialien verfaßt und verdient als die erste Biographie unseres großen Führers die Aufmerksamkeit eines jeden Zionisten.' gleidi anderen publizierten Gedanken nicht einmal mehr dem, der ihn zuerst ausspradi. Viele Juden haben den Kongreß akzeptiert, damit ist die Frage erledigt. Die vorbereitende Kommission, die auch nach Ihrem Rücktritte vom Referat über „die Aufgaben etc.“ fortbesteht, und zwar hier in Wien u. A. den Präsidenten des' Verbandes der österreichischen Zionistenvereine Dr. M. T. Sclinirer, Professor Dr. Kellner, Hof- und Geriditsadvokaten Dr. O. Kokesch zu Mitgliedern hat und im Aufträge unserer Kölner, Pariser, Londoner Freunde, Jm Einverständnis mit den Landeskomitees von Galizien, Rumänien und Bulgarien wirkt — die vorbereitende Kommission hat nur noch für die Ordnung der Kongreß-Geschäfte Sorge Zu tragen. Wir hegen die feste Zuversicht, daß der Kongreß einen würdigen Verlauf nehmen (wird, daß wir die Sache, die ja auch Ihnen am Herzen liegt, um ein gutes Stück vorwärts bringen werden, und namentlich, daß es gelingen wird, manche nebelhafte und törichte Vorstellung von den Bestrebungen der Zionisten zu berichtigen. Man wird in weiteren Kreisen erkennen, daß (man unserer Bewegung unrecht tut, wenn man ihr nichts als Schwärmerei und Gewaltsamkeit — Sie gestatten, daß ich mich nicht der kräftigeren Worte unserer Gegner bediene — nadisagt. Ich glaube, Sie selbst werden sidi recht von Herzen freuen, ■wenn der Kongreß solche Resultate Zeitigt. So 'fasse ich' wenigstens die Schlußworte Ihrer Rücktrittserklärung auf, wo Sie freundlich zugeben, daß es eine „zweifellos in bester Absicht geplante Veranstaltung“ sei, wenn Sie sich auch nur von einer anderen Form der Veranstaltung versprechen, daß sie „wirklich Segen bringen kann“. Hierüber gehen unsere Meinungen wie eS scheint, auseinander. Zu dem1 Bedauern, welches ich' über Ihren Rücktritt empfinde, hveil dem Kongresse eine sehr geschätzte Kraft entzogen wird, gesellt sich' noch ein anderes Bedauern. Ich' fühle einen schweren Vorwurf aus den Worten Ihrer Erklärung heraus: „Da Herr Dr. Herzl trotzdem mit der Versendung seiner Vorankündigung fortfährt, sieht sich' der Herausgeber dieses Blattes zu der Erklärung gezwungen, daß er selbstverständlich nie die Absicht gehabt hat, an einem' „Zionisten“-Kongreß teilzunehmen, sondern seine Anwesenheit und seine Mitwirkung einzig und allein für den Fall in Aussicht gestellt hat, daß die geplante Versammlung .einer Besprechung der mannigfachen Aufgaben des palästinensischen Hilfswerkes insbesondere der Kolonisation ge-, widmet sein würde.“ Was heißt das „trotzdem“? Herr Bambus', bisher Mitglied der den Kongreß vorbereitenden Kommission, hatte, (ohne midi vorher zu benachrichtigen, eine unsere ganze Arbeit abschwächende Erklärung veröffentlicht, wonach es Scheinen konnte, ,als ob „die ganze Angelegenheit sich noch durchaus im Stadium der Vorberei-

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