Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr* 23 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Viehzucht und Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien Palästinas. Viele jüdische Kolonisten Palästinas sind schon lange zu der Ueberzeugung gekommen, dab die Viehzucht der Lebensnerv der Landwirtschaft ist. Man sah die unglaublich hohen Preise, die für Molkereierzeugnisse in Palästina bezahlt werden (Milch kostet bis 40 Centimes pro Liter, Käse bis 1,50 Francs pro Kilogramm und ist einige Monate im Jahr überhaupt nicht zu haben); man verstand auch die Bedeutung der Milch für die Volksernährung, und doch machte man bis vor kurzem fast gar keine Versuche, die Viehzucht im Lande einzuführen. Dazu kam noch, daß tierärztliche Hilfe in ganz Palästina vollständig fehlte. Erst seit vier Jahren gibt es einen Tierarzt im Lande, der eine europäische Fachausbildung genossen hat. Diese traurige Lage hat sich erst in den letzten zwei Jahren, 1912 und 1913, gebessert, ln den jüdischen .Kolonien Judäas wurden vier Molkereien gegründet, eine vom Jüdischen Nationalfonds in Benschemen bei Lydda, eine auf Privatrechnung des Herrn J. L. Goldberg aus Wilna in Artuf, eine mit Hilfe einer Anleihe der zionistischen Bank (Anglo-Palestine. Company) in Ekron, und die vierte endlich ist ebenfalls unter Mithilfe der A. P. C. in Ein-Ganim im Entstehen begriffen. Die Einrichtung dieser Molkereien ist dadurch ermöglicht worden, daß der einzige, oben erwähnte Tierarzt sich in der Kolonie Pethach Tikwah ansässig gemacht hat; ferner dadurch, daß es mit ^vieler Mühe gelungen ist, die Kolonisten davon zu überzeugen, daß bei Futterbau und Stallfütterung die Viehseuchen außerordentlich an Heftigkeit und Gefährlichkeit verlieren. Von mehr als 200 Stück Vieh in Rischon sind nur vier, von den großen Herden in Pethach’ Tikwah nur acht Stück durch die Pest weggerafft worden. Es ist klar, daß bei Hinzuziehung noch einiger Tierärzte und bei sachgemäßer Stallhältung des Viehes mit genügendem Futterbau die Seuchen nur geringen Schaden verursachen dürften. Die Nachfrage nach Milch und ihren Produkten wird in Palästina immer größer. Die jüdische Bevölkerung von Jaffa allein kann mindestens 3000 Liter Milch täglich konsumieren. Von Ekron, Ben Schemen, Ein-Ganim werden heute zirka 800 Liter auf den Markt gebracht. Für die fehlenden 2200 Liter könnten noch viele kleinere Molkereien eingerichtet werden; eine Molkerei in Nachlath-Jehuda bei Rischon würde der industriellen Kolonie Rischon Milch verschaffen; eine Molkerei in Be’erjakob würde ihre Produkte nach Rechoboth verkaufen. Der Hauptmärkt für Milch und ihre Produkte wird aber immer Jerusalem sein. Die 60.000 Juden in Jerusalem könnten täglich zirka 15.000 Liter Milch verbrauchen, während heute Jerusalem noch nicht 1000 Liter pro Tag verbraucht, weil der Preis für den größten Teil der Bevölkerung unerschwinglich ist: im Hochsom'mer kostet ein Liter meist stark verwässerter Milch zirka 60 bis 80 Centimes. Es ist daher notwendig, eine große Molkerei in der Kolonie Artuf zu gründen, eine zweite in Kafr-Urie, eine dritte in Hulda. Ferner könnte die Molkerei in Ekron noch stark vergrößert werden. Am' allernötigsten aber wäre es, sofort eine Molkerei in Moza, ganz in der Nähe von Jerusalem, zu gründen. Diese Kolonie liegt sehr darnieder, und es gibt kein anderes Mittel, sie wieder in die Höhe zu bringen. Doch' auch andere Kolonien in der Umgebung von Jerusalem werden nicht lebensfähig sein, wenn sie sich nur mit Pflanzungen beschäftigen: nur Molkereien, verbunden mit Geflügelzucht und Gemüsebau sind in der Umgebung dieser Großstadt existenzfähig. Durch Bereitstellung eines Kapitals von 100.000 Francs wäre es möglich, unter Mithilfe der zionistischen Anglo-Palestine Company in vielen jüdischen Kolonien Viehzucht zu treiben beziehungsweise Molkereien einzurichten. Milchwirtschaft und Viehzucht wird die jüdische Kolonisation rentabel machen und eine Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse der Juden Palästinas mit sich bringen. * Eine neue Boykottzeitung in Krakau. Seit 15. Mai erscheint in Krakau eine neue polnische illustrierte Tageszeitung, deren einziger Zweck darin besteht, den wirtschaftlichen Boykott gegen die Juden nach russisch-polnischem Muster zu propagieren, die. Bildung eines christlichen Kaufmannsstandes in den Städten zu fördern, überhaupt den Handel und die Industrie Galiziens zu „nationalisieren“ d. h. die jüdische Bevölkerung aus allen bisher innegehabten wirtschaftlichen Positionen zu verdrängen. Die neue Zeitung will nur von christlichen Firmen Inserate annehmen; trotzdem sprechen ihre Agenten in den jüdischen Trafiken (Zeitungsverkaufsstellen) vor und suchen diese für eine wirksame Verbreitung der neuen Boykottzeitung zu gewinnen. Die wildesten Boykottagitatoren in Russisch-Polen und in der Provinz Posen werden an der neuen Zeitung mitarbeiten. * * Zur Frage des Schächtverbots in Rußland. In der russischen Reichsduma ist bekanntlich ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der auf ein Verbot der jüdisch-rituellen Schlachtmethode abzielt. Da nun ein solches Verbot auch in das Leben von Millionen moslimischer Bewohner des russischen Reiches eingreifen würde, hat sich der Scheich-ul-Islam nach Rücksprache mit dem türkischen Großrabbiner Haim Nahum an die türkische Regierung mit der Bitte gewandt, in dieser Angelegenheit durch die Petersburger Botschaft freundschaftliche Vorstellungen bei dem1 Petersburger Kabinett zu erheben. Man hofft hier, daß die Duma-Kommission für Volksgesundheit, die dem Plenum ein Gutachten über die Vorlage erstatten soll, schon mit Rücksicht auf die mohammedanische Bevölkerung die Ablehnung des Entwurfs beantragen wird. Botschafter Morgenthau über Palästina. Mr. Henry Morgenthau, der Botschafter der Vereinigten Staaten in Konstantinopel (der entgegen den Meldungen einiger New-Yorker Zeitungen nicht nach Amerika abberufen wird), ist von seiner Reise nach Palästina zurückgekehrt. Er hat von seinem dortigen Aufenthalt die besten Eindrücke mitgenommen. Die Fragen, die ihm von einem jüdischen Journalisten in Konstantinopel gestellt worden sind, beantwortet er folgendermaßen : „Ich war sehr erfreut beim Anblick von Tel-Awiw, Pethach-Tikwah usw. Man muß nach Palästina gehen, um einen richtigen Eindruck von den Fähigkeiten des jüdischen Volkes zu bekommen. Man muß das wundervoll kultivierte Land sehen, d e prangenden Gartenansiedlungen, die gut angelegten Weinberge, die schmucken Straßen und die sorgfältig erhaltenen Landstraßen. Hunderte von Juden arbeiten daran, das Land fruchtbar zu machen und haben die Befriedigung, zu sehen, daß ihre Arbeit von Erfolg gekrönt ist. Man wird von Bewunderung erfüllt beim Anblick der in der Landwirtschaft tätigen jungen russisch-jüdischen Mädchen, die den Kopf hoch tragen und stolz auf ihre Freiheit sind. Diese Umwandlung verdanken sie allein den Einwirkungen der Freiheit und Selbstbestimmung, die dort herrscht. Die hebräische Sprache wird überall gesprochen, wie es ja auch der ruhmreichen Sprache unserer Vorfahren, die wir so lange vernachlässigt haben, zukommt. Und mit welcher Anmut und Leichtigkeit wird sie gesprochen!“ Was die Frage der Einwanderung betrifft, verstehe er nicht, warum die vielen jüdischen Familien, die Saloniki verlassen, sich nicht in Palästina ansiedeln sollen. Zionismus in Griechenland. Die Zionisten in Korfu haben den für dl: Erbauung eines Jemenitenhauses in Palästina erforderlichen Betrag aufgebracht. Auch die Zionisten in Volo haben ein Wohnhaus für jemenitische Juden in Palästina gestiftet. Diese Leistungen sind besonders beachtenswert, weil die jüdische Bevölkerung in Griechenland wenig zahlreich und wenig bemittelt ist. Dienstag, den 9. Juni d. J. präcise halb neun Uhr abends im Saale des Hotel „Post“, I. Fleischmarkt große Versammlung der Wiener jüdisch-nationalen Studentenschaft. Tagesordnung: 1. Studentische Arbeit anläßlich der 10. Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls. Referent: Dr. Emil Stein. 2. Ferialarbeit der jiid.-nat Studentenschaft. Referent: Dr. Arthur Reik. Studenten! Erscheinet in Massen! Das Zionistische Disfpihtshomitee iüp Innepösleneidi. Personalnathridifen. Med. Dr. Josef Kohn, Kurarzt in Meran, hat die Sommerpraxis als; Kurarzt in Bad-; g a s t e i n eröffnet. Die Vermählungsfeier unseres Gg. Ingenieur Jakob Krumholz (Wien), A. H. Kadimae, mit Frl. Bertha Braunstein (Jassy) findet Sonntag, den 7. Juni, um 3 Uhr nachm., in Czernowitz statt. Telegrammadresse: Schwarzer Adler, Czernowitz. Dr. Wilhelm. Stein, Wien-Teplitz, hat sich mit Fräulein Grete Pick, Teplitz-Schönau, verlobt. BuiüOil Dl DH HDD Wien, II. Taborstr. 17 [Hirschenhausj Telephon 39247. Lehrbücher für die Aufnahmsprüfung. Maturafragen aus allen Gebieten. Antiquariat. Provinzversand. tSXSHSJtSJCSJ BSES2CSJEE1C2833 aus der Fabrik L. T. Piovati Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 19. Versand nach dem ln- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. DFURJUII MOB mm im Neubau des -RK HOTEL NEW-YORK UM Wien, II., Kleine Sperlgassei bietet den P. T Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt Elegante und geräumige Lokalitäten. Hochzeits¬ und Festbankette werden bestens arrangiert. UerdnsiiadirHUen. Wien. Der Tempelverein „Beth Hachneseth“ im dritten Bezirk hat kürzlich seinen Obmann Herrn Dr. Josef Auerbach zum Ehrenmitglied ernannt. Am 2. Juni fand nun in den Räumen dieses Vereines eine Festversammlung statt, bei welcher zunächst der Vizeobmann Herr Max Markus in einer fulminanten Ansprache die Verdienste des Gefeierten, insbesonders um die Sicherung eines würdigen Gotteshauses im Bezirke, hervorhob und das künstlerisch jausgestattete Ehrendiplom überreichte. Seinen Glückwünschen Schloßen sich an die Herren Rabbiner Dr. Armin Abeies, ferner Dr. Egon Zweig für die Bezirkskommission III/XI, Leopold Weiß für den Bethausverein XI, Josef Popper für den Humanitätsverein; „Fides“, N. Jellinek für die jüdische Jugend und Isidor Gewitsch für die Nationalfondskommission West- Oesterreich. Dieser Redner rühmte Herrn Dr. Auerbach nach, daß im Bethaus seines Vereines als in dem ersten Wiens Spenden für den N.-F. gestattet, ja eifrig gefördert worden seien. Als Anerkennung hiefür überreichte er ein Diplom über die Eintragung Dr. J. Auerbach in das Goldene Buch des N.-F. In seiner Dankrede betonte der Gefeierte, er habe sein Leben immer nach den Hauptgrundsätzen des Judentums: Thora, Awaudoh und Gemilus chassodim eingerichtet. Und für den Jüdischen Nationalfonds habe er sich begeistert gefühlt, seitdem er am letzten Zionistenkongreß gesehen habe, wie der N.-F., diese Schöpfung der zionistischen Bewegung, Awaudoh, d. h. leben- und segenbringende Arbeit auf den Gebieten des Ackerbaues, Handwerke?, Handels, der Wissenschaft' und Kunst immer weitere Schichten des jüdischen Volkes zuführe. Es ist erfreulich, aus diesem freimütigen Bekenntnis die aufklärende Wirkung des Wiener Kongresses zu entnehmen. Wien. (Herzl-KIub.) Sonntag, den 7. d. M. Ausflug. Treffpunkt präzise 2 Uhr nachmittags Liebenbergdenkmal. — Mittwoch, den 10. d. M„ präzise 8 Uhr abends Vortrag des Gg. Dr. Emil Stein. Thema: Der politische Zionismus in Palästina. Gäste bei allen Veranstaltungen herzlichst willkommen! Vereinslokal: II., Leopoldsgasse 31, Tür 61. Wien. (Jüdischer Gesangsverein „Hakinor“.) Der Gesangsverein veranstaltet am 7. Juni einen geselligen Ausflug nach Kierling, wo u. a. mehrere Chöre zu Gehör gebracht werden. Abfahrt Sonntag nachmittags präzise 2 Uhr Station Brigittabrücke (Halle). Gäste herzlich willkommen! Wien. (Jüdisch-akadem. Philosophenverein.) Freitag, den 22. Mai fand im Vereinslokal, 9. Bz., Hörigasse 11, die XI. ordentliche Plenarversammlung statt. Die Wahl des Ausschusses ergab folgendes Resultat: Dr. Frankfurter, Präses; Nachman Seidmann, Schriftführer, Hedwig Weiler, Kassierin und Bibliothekarin. Wien. (Hebr. Konversationsklub „Haibhri“.) Wir machen die Mitglieder aufmerksam, daß die nächste Zusammenkunft im Lokale der „Mensa Acad. Jud.“, 9. Bez., Liechtensteinstraße Nr. 23, II. Stock, Samstag, den 6. Juni, halb 8 Uhr abends, stattfindet. Wien. (Jüd. Handlungsgehilfenverband, Ortsgruppe Wien, 11.) Samstag, den 6. Juni, 3 Uhr