Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 23 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 mährischen Mittelschulen weit über den Rahmen dessen hinausgehe, was an der hiesigen Realschule verlangt werde. Für die Kultusgemeinde sei es ein Gebot dringender Pflicht, dafür zu sorgen, daß die heranwachsende Generation soviel an jüdischem Geiste in sich aufnehme, um dereinst die Gemeinde als reife Männer in gut jüdischem Sinne würdig zu vertreten. In ähnlichem Sinne äußerte sich der letzte Referent Gg. Dr. Gustav Zweig, der dem in der Resolution der „Freien Schule“ gelegenen Vorschlag auf Reduktion des Hebräisch-Unterrichtes vom Standpunkte einer ihren Aufgaben gewachsenen Kultusvertretung für indiskutabel erklärte. — In der darauffolgenden Diskussion ergriff als Erster der Ortsgruppenobmann der Freien Schule Herr Doktor Brüll das Wort, um zur Kenntnis zu bringen, dab alle vorausgegangenen Ausführungen seine Parteigenossen nicht bestimmen könnten, eine Gesinnungsänderung in irgend einem Punkte eintreten zu lassen. Hierauf versuchte es Professor P o 11 a k aus Brünn, den die Sozialdemokraten als Sukkurs herbeigeholt hatten, Zionismus und Zionisten in Grund unf Boden zu reden. In weitläufiger Weise schleppte der Redner das Rüstzeug einer wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Argumentation herbei, um' das Nidhtvorhandensein einer jüdischen Nation zu beweisen. Leider war es bei der vorgerückten Stunde und der sichtlichen Uebermüdung der Versammlungsteilnehmer nicht mehr möglich, Professor Pollak erschöpfend entgegenzutreten. Man hätte nicht unterlassen, ihn zu erinnern, daß ein Führer der deutschösterreichischen Sozialdemokraten, der allerdings Arier ist, der Abgeordnete Pernerstorfer, wiederholt erklärt hat, daß es ihm nicht beifalle, die Existenz einer jüdischen Nation zu leugnen und daß es keine Macht gebe, die imstande wäre, gegenüber dem Bekenntnis von Hunderttausenden von Juden zum jüdischen Volke etwas auszurichten. Nacfi kurzem Resüme des Vorsitzenden wurde die Versammlung geschlossen. Wiewohl wir ziffernmäßig in der Minderheit waren — es gab, wie schon erwähnt, auch eine größere Anzahl von Nichtjuden in der Versammlung — konnten wir den Eindruck mit nach Hause nehmen, daß die allgemeine Stimmung sich uns. zuneigte. Cbie neue Uoräii3ticf)e Stocf|fcf>ofoIabe ou3 Suliuä SDIeinlä ©djofolabefabrif. 3« (jaBen in aßen Quinten ber Qirma ] ■ Suliuä SWeint. JM Die Memoiren des Ministers Kaizl. Das kürzlich veröffentlichte Tagebuch des böhmischen Ministers K a i z 1 hat großes und unliebsames Aufsehen hervorgerufen. Ganz Besonders jene Stellen, welche sich auf das von Kaizl geübte System der Beamtenernennungen beziehen, sind der Gegenstand heftiger Erörterungen in der deutschen Presse. Kaizl hatte es sich zur Hauptaufgabe gemacht, alle verfügbaren Beamtenstellen mit Volksgenossen zu besetzen. Die Böhmen wurden bei Vakanzen, Avancements und Versetzungen allen anderen Bewerbern vorgezogen. Maßgebender als die besten Qualifikationen war die Zugehörigkeit zur Nationalität des Ministers. Nun herrschte in der deutschen Presse helle Entrüstung. Man beklagte nicht nur die Vergewaltigung der deutgehen Beamten durch den böhmischen Chauvinisten Kaizl, sondern protestierte auch gegen die Verletzung der Staatsinteressen. Wohin führt es denn, wenn nicht die fleißigsten und talentiertesten Beamten bevorzugt werden! Muß der Beamtenkörper nicht geschwächt und verdorben werden, wenn nationale Unduldsamkeit dem strebsamen Arbeiter im Staatsdienste den Weg nach oben verrammelt und nur politische Günstlinge durchgelassen werden? So jammern jetzt die Führer der Deutschen. Die Herren haben gewiß recht. Dennoch nimmt sich gerade in ihrem Munde diese Klage recht sonderbar aus. Sie wettern gegen bornierte Unduldsamkeit und gerade s i e haben, wo sie nur konnten, diese bornierte Unduldsamkeit zum Prinzip erhoben. Die in den letzten Jahren so konsequent geübte Ausschließung der Juden aus dem österreichischen Staatsdienste und Zurücksetzung bereits angestellter Juden ist ein Werk „deutschfreisinniger“ Minister. Wo der „Deutschfreisinnige“ zur Macht kommt, hat für den jüdischen Staatsbeamten das letzte Stündlein geschlagen. Was haben allein die beiden deutschfreisinnigen Minister Ders c h a 11 a und Hochenburger, der gewesene Eisenbähnminister und der noch amtierende Justizminister in dieser Beziehung geleistet! Ihre klerikalen Vorgänger waren gewiß keine Judenfreunde, aber so rücksichtslos wie diese beiden „Freiheitlichen“ sind sie nicht vorgegangen. Die Aufnahme von Juden haben sie sistiert, und seit ihre Hände das Ru,der führten, ist kein jüdischer Beamter mehr zu einer leitenden Stelle gelangt. Dabei ist die Qualität der jüdischen Staatsbediensteten über jeden Zweifel erhaben. Vor den Leistungen dieser gewissenhaften, intelligenten und fleißigen Arbeiter mußte auch der Radauantisemitismus Halt machen. Hauptrufer im Wehgeschrei um die Missetat Kaizls ist dje „Neue Freie Presse“. Alle Helden des „Deutschen Nationalverbandes“ — diese reaktionären Antisemiten werden von Herrn Benedikt immer taxfrei zu „Deutschfreiheitlichen“ . ernannt — dürfen ihres Zornes Schale in den Spalten dieses Organes entleeren. Wenn es gilt, die deutschnationale Sache zu schützen, ist Herrn Benedikt kein Quantum Papier und Druckerschwärze zu groß. Aber für einen Protest gegen die Vergewaltigung der jüdischen Beamten ist in dieser von Juden geschriebenen und von Juden erhaltenen „Neuen Freien“ auch nicht das kleinste Plätzchen. MiiraMten. Das stenographische Protokoll des XI. Zionirtenkongresses ist soeben erschienen. Der XI. Kongreß hat sich bekanntlich gleichermaßen durch seine Größe, wie durch die Bedeutung der auf ihm behandelten Fragen einen besonderen Rang in der Reihe der zionistischen Kongresse erworben. Die Lektüre des Protokolles des XI. Kongresses wird zweifellos ebenso propagandistisch wie aufklärend und vertiefend wirken. Wir sehen noch einmal die alten Gegensätze in der zionistischen Organisation aufeinanderprallen. Wir sehen den Kampf noch einmal mit Emst und Leidenschaft durchgefochten, und wir sehen, wie vor dem Gedanken der Einheit der Bewegung alle diese Gegensätze in sich zusammenfallen. Das ausgezeichnete Palästina-Referat Dr. Ruppins fesselt uns aufs neue, und die Verhandlung über die Universitätsfrage gibt uns wiederum Anlaß, diesem hochbedeutsamen und wichtigen Problem nachzusinnen. Die zahlenmäßigen Berichte und Angaben geben uns von neuem ein Bild der Größe und des Wachstums der Zionistischen Organisation — kurzum, wir haben in diesem Buche eingeschlossen das getreueste und wirkungsvollste Abbild der zionistischen Bewegung. Das Protokoll ist in zwei Ausgaben erschienen, einer gewöhnlichen auf holzhaltigem Papier, die broschiert zum Preise von Mk. 1,50, und einer guten, auf holzfreiem Papier, die nur gebunden zum Preise von Mk. 3.— abgegeben wird. Das Porto beträgt in Deutschland und Oesterreich-Ungarn 20 Pfennige, im Auslande 50 Pfg. Bestellungen sind an den Jüdischn Verlag, G. m.b. H., Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten. Schekelpropaganda. Wir fordern alle unsere Freunde auf, die" Organasation der Schekelpropaganda energisch durchzuführen. Die Kraft und Größe unserer Organisation muß gerade jetzt, nach den schweren Kämpfen, die wir siegreich bestanden haben, im Wachsen unserer Schekelzahlen, im Zusammenschluß aller Freunde der zionistischen Arbeit und der Zionistischen Organisation, ihren Ausdruck finden. Zentralfondsbeiträge aus Westösterreich für 1914. XVI. Ausweis. Distrikt Innerösterreich: Wien: Ing. Lau 10.—; Ernst Freschi 30.—; bereits ausgewiesen 4251.36; zusammen K 4291.36. Für das hebräische Schulwerk: Distrikt Innerösterreich: Wien: Z. G. V. Jordania 133.85; Vereinigung Neure Jehuda (l.Rate) 75.—; Judäa 21.91; M. Böhm 10.—; Ob.-Ing. Stricker 10.—; Zephirah 11.—; Purgstall: S. Fried 16.—; akad. Verein jüd. Frauen (IL Rate) 125.—; Dr. A. Grassner 30.—; M. Glaser 5.—; zusammen 442.76; bereits ausgew. 40.157,07; zusammen K 10.599,83. Distrikt Böhmen: Prag: Slg. Prof. Freud 45.—; Reichenberg: Eduard u. Hermann Schulz 40.—; Tepiitz: N. N. 115.—; Kleine Spenden 26.—; zusammen 226.—; bereits ausgewiesen 7587.53; zusammen K 7813.53. Distrikt Mähren-Schlesien: Brünn: Slg. Julius Schüller 2.80; Ing. S. Beer 10.—; Troppau: Zion. Verein Jeschurun 300.—; Iglau: Dr. H. Pollak, B. Kohn, Ing. F. Glas, Marktkomm. Samstag, Frl. Lauer, Dr. Meißl, Ing. Sander, J. Wachtl, W. u. Gr. Pollak, Dr. Lamm, Geschw. Grünfeld, E. Singer, E. Hitschmann, E. Schulz, Geschw. Offer 1 i6.—-; zusammen 428.S0; bereits ausgewiesen 5603.99; zusammen K 6032.79. Aufgebracht wurden bisher in Innerösterösterreich K 14.891,19; Böhmen K 14.753,27; Mähren-Schlesien K 10.762.47; Gesamtsumme K 40.406,93. altbewährtes vol Iständige Säuglingsnahrung: KINDERMEHL, Probedosen und lehrreiche Broschüre über die Kinderpflege gratis durch die Firma Henri Nestle, Wien, I. Biberstr. 1 Eine RwzhGeöenlintiininer 9er .Meli4 Am 20. Thamus kehrt der 10. Todestag unseres unvergeßlichen Führers Theodor Herz! wieder^ Unser Zentralorgan die „Weit“,, als die erste - Schöpfung. Herzls, will diesen .Tag nicht vorübergehen lassen, ohne den Tribut ihrer dankbaren Verehrung unserem verstorbenen Führer zu zollen. Durch eine besondere Herzl-Gedenknummer, die am 3. Juli d. J. erscheinen wird, soll von berufener Seite die Bedeutung Theodor Herzls für unsere Bewegung gewürdigt werden. Beiträge der hervorragendsten Mitarbeiter und eine reiche illustrative Ausstattung werden der Herzl- Nummer ein vornehmes Gepräge und bleibenden Wert verleihen. Jeder Zionist wird es als Ehrenpflicht ansehen, die Herzl-Gedenknummer zu besitzen, und auch wir richten die dringende Bitte an unsiere Gesinnungsgenossen, pich die Ver-* breitung der Herzl - Gedenknummer angelegen sein zu lassen. _ Die rechtzeitige Bestellung einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren möchten wir besonders den Vereinen dringend empfehlen. Der Preis der Herzl-Gedenknummer beträgt in Deutschland in all. übr. u. Oesterr.-Ung. Ländern in einfacher Ausführung 0,60 M. 0.70 M auf holzfreiem Papier, gebd. 1,— „ 1,20 „ Den zionistischen Gruppen, Vertrauensmännern una Kolporteuren berechnen wir die Nummer in einfacher Ausführung bei Abnahme von in Deutschland in allen übrigen u. Oesterr.-Ung. Ländern 10 Exemplaren mit 2,50 M. 6,50 M. 25 n 13,50 „ 15,50 50 n n 25,- „ 28 — 100 n n 45,— „ 50.— Die Nummer wird nur gegen Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme geliefert. — Bestellungen richte man an den Verlag „Die Welt“, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8.