Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 20 Paui Wie äsengrün über das „Ghettojudentum“ sprach. An das mit großem Beifall aufgenomnjene Referat schloß sich eine lebhafte Debatte, an der die Herren Fachlehrer Weiß, Dr. Blum und ..der Referent teilnahmen. Zum Schlüsse brachte' .die jüdisch-akademische Verbindung Ivria einige jüdische Lieder zum Vortrag. Die Sektion Landstraße-Sdiüttel, die erst vor zwei Monaten, ins Leben gerufen wurde, entwickelt sich befriedigend und hat für den Zentraiverein bereits zahlreiche Mitglieder gewonnen. . Der .zionistische _ Schekel. Das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation hat wiederum mit. der Propaganda für den Schekel begonnen.. Im Leben der zioni- . stischen Bewegung bedeutet die Sdiekelpropaganda .ein .immer .wiederkehrendes ' Moment' der '.Zusammenfassung aller Zionistischen Kräfte. , das ,sapch, für- Außenstehende von nicht geringem Interesse. ist' Theodor. Herzl hat die Zionistische Organisation auf der demokratisdien Einrichtung des Schekels aüfgebaut, der. in gleicher'Weise die Mittel zur Erhaltung der Zionistischen Organisation herbeizuschatten hat, wie auch die Form ‘ darstellen soll, in der der Einzelne sein Bekenntnis zum zionistischen Gedanken ablegt. In der Zahl der bei der zionistischen Zentrale einlaufenden Schekel gibt sich am deutlichsten kund; in welchem Grade die zionistische Bewegung immer weitere Schichten des jüdischen Volkes ergreift. I Im letzten Jahr, als der XL Zionisterikongreß in Wien stattfand, wurden an das -.Aktions-Komitee . der '.Zionistischen Organisation 129.080; Mark Sdiekel abgeführt, eine Zahl; die iriüHeif.iiiemäis erreicht worden war. UaiLällbeidaß die^ Kämpfe,. jMdeutuur durch zukämpfen ei-np _ des_; zkniistisdien Pr^gSnmis. cieSSgefühft haben. Darum legt die~^Scm£II§3rcf t*0%amsationauch jetzt --wieder den--H aiJptvvertCjäÄf eine energische Propaganda für »den .SdiekeTruncLstellt. Sire besten Kräfte in den Dienst.. dieser Propaganda. Jeder einzelne Zionist wird aufgeföraert, bei der Propaganda für den Schekel aktiv' mitzütun. Das Zionistische Aktionskomitee hat die begründete Hoffnung ausgesprochen, daß die Zahl der-entrichteten Schekel und damit die Zahl der organisierten Zionisten weiter wachsen wird. Jedenfalls bedeuten 13CK00Ö fest organisierte Anhänger eine Macht, mit der alle Richtungen- .des Judentums zu, .rechnen haben.. Sdhekelblocks können im Zionistischen Zehtralburo (Wien,; II., Karmeliterplätz 1) behoben werden. Auf schriftliches oder telephonisches Verlangen (Nr. 22.075) werden Schekelblocks zugesendet. .... * Zentralfondsfceiträge aus Westosterreich für 1914. XV. Ausweis. - Innerösterreldi: Wieii: Dr. Arnold Brod 25.—; bereits ausgewiesen 4226.36; zusammen K 4251.36. Mähren-Schlesien: G ö d i n g: Slg. Karl Goldsdiimidt.4.5D; Jamn.itz: Slg. Dr. H. Wertheimer'70.—Pt* rau: Dr. Heinrich- Baumjgarten 10.—; Proßnitz: (1 P. L. D. C.- Aktie) 23.86;" zusammen 108:36; bereits! ausgewäesen 4621.32; zusammen 4729.68. - Böhmen: Prag: Zion. Distriktsbüro, Dr. M. ' Lengsfelder 13.54; bereits ausgewiesen 6926.20-; .zusammen 6939.74. . Fürdas'Jiebräische Schulwerk: Iimerösteneich:. Wien: Durch Herrn Dr. J. . Ehrlich, ‘Leopold Lourie anläßlich der Vermählung seiner Tächter 5ÖÖ0,—.; N. Kiiöpfelma- ■dier.6.—; "Jüd. "Turfiverein Fünfhaus .8.—; Ing.; Zweigenthal-’ Jlvria) 5:—; -zusammen 519.'--;; be-; reits .ausgewlesen. 9638.07; züsarnmen 10157.07. Mpireh^Sdiiesien: - P roß nitz: Sammlung" Leo »Beer 53.40; Jajmziitz: Sammlung -Dr. H. Wertheimer ,'50.—;. zusammen;103-40; bereits äusgewi.csen 55ÖÖ.59; zusammen 5603.991 ■.;; ■ ' .. T-Aufgebräch’t". würden 'bisher in : Ihneröstereich . 14.408S3;. ■‘Mähren-'Schlesien 10.333,67; Böhmen 14.527.27; ^Gesamtsumme K 39.269.37. Ein Religionslehrer, fler zu JilOisdi ist. In der letzten Nummer der „Jüdischen Zeitung“ ist unter obigem Titel über die Niclitwiederanstellung des jüdischen Religionslehrers an den I g 1 a u e r Volks- und Bürgerschulen von privater Seite berichtet worden. Die Iglauer Zionistische Organisation, der „Jüdische Volksverein für Iglau und Umgebung“ sieht sich bei dem großen Interesse, daß diese Angelegenheit überall gefunden hat, veranlaßt, folgendes zu berichten: Der verstorbene Rabbiner Iglaus1, Dr. J. J. Unger s. A., war in den letzten anderthalb Jahrzenhnten seiner Amtstätigkeit außer Stande, den Religionsunterricht an den Mittelschulen; selbst zu erteilen. Die israelitsiche Kultusgemeinde in Iglau half sich damit, daß sie einigen; israelitischen Volk- 'und BürgersChulIehfern, die’ natürlich für den Religionsunterricht keine Lehrberechtigung besaßen und auch nach ihrem Studiengang keine besitzen konnten; den Lehrauftrag erteilte. So wurde der Religionsunterricht an Mittel-, Bürger- und Volksschulen eine lange Reihe von Jahren hindurch von den dafür bestellten Herren Lehrern, zwar nach ihrem besten Wissen, iejdodi im Neberamte, Infolge (dessen mit sehr geringem Erfolge erteilt Die Sache erregte allmählich in Elternkreisen solches Aergernis, daß der „Jüdische Volksverein Theodor Herzl“ in einem wohlmotivierten Memorandum, das auf die Gefahren und Schäden ■ dieser unhaltbaren Zustände offen und rückhaltlo. hinwies, die israelitische Kultusgemeinde Iglau zur Bestellung eines fachlich ausgebildeten jüdischen" Religionslehrers sehr Energisch aufforderte. Dieses Verlangen wurde, da es gesetzlich nicht zu umgehen war, endlich erfüllt. Mittel- und Bürgerschulen erhielten " fachlich geprüfte Religionslehrer; während -man sidr antferrVoIRsschtffen“ in der früheren Weise behalf. -T>er- Igläuer^Kaitusäussdiuß, der aus lauter, älteren. Herren-bei* -steht und in einer nun Jahrzehnte jübbchen.-Weisec : seine Geschäfte führt, wehrt miF AtigsTTCidi^Eni;.- setzen jedes' frische, mbderire" ~ jüdisidre^lfeheir' ab. In der nationaljüdischen -undx-ziosristischeS^ Bewegung vermag er nicht die großen idealem Werte zu (erkennen, er sieht in ihr nur eine Ruhestörerin seiner versumpfenden, jeder freudigen jüdisdien Betätigung feindlichen Bequemlichkeit. In dieser Stadt war für wirklich jüdisch fülilende und denkende Religionslehrer natürlich nicht viel zu erreichen. . Wenn sie nicht möglichst rasch fortzukommen trachteten, s!o gab •ihnen der Kultusausschuß den Laufpaß. Der jetzige Kultusausschuß, dessen Leiter schon in der Pflege des Hebräischen eine zionistische Provokation sehen zu müssen glauben, hat eben seine eigene Auffassung von jüdischem Religionsunterricht. Sie ist nicht recht klar, diese Auffassung, nur eine Richtlinie ist deutlich' zu erkennen : A b k e h r nr o n a 11 e m Lebendigen. Begeisternden und strengste . Vermeidung all dessen, was etwa in der J ug e n'd den Gedanken der j ü'd i s c h’ e n Eigenart, des jüdischen Volksbewußtseins oder einer erstrebenswerten jüd.ischen Zukunft erwecken, könnte. So (mußten natürlich die von der Größe, .und Wichtigkeit des _ jüdis'chen Religionsunterrichtes begeisterten -Religionslehrer bald das Feld iräumefi: ' . Die Leute im Kultusausschußwollen solange Lehrer aufnehmen und entlassen, bis sie den Mann gefunden haben, der nicht nach- .seinem Wissen und Gewissen, sondern nach den Wünschen der Herren unterrichtet, die gegenwärtig : im Kultusausschusse das große Wort "führen. Da aber die pädagogische Befähigung und das jüdische Wissen, ganz abgesehen von jüdischem1- Fühlen, im Kultusausschusse wesentlich' anders geartet sind als bei einem tüchtigen, modernen Religionslehrer, der auch so etwas wie eine, eigene Lebensanschauung und eine ’eigine Ueberzeiigung besitzt, ‘ so ist unter den dermaligen Verhältnissen der andauernde Konflikt unvermeidlich. ’ . ” So ist es1 auch kein Wunder, daß die wenigen Scharfmacher, die iliren Einfluß im Kultus-; ausschuß äuszunützen verstehen, es durchsetzten, daß der Religionslehrer, der nach Bestellung desjetzigen Rabbiners .den Religionsunterricht, -an den Volks- und Bürgerschulen übernommen ‘hat, die Unzufriedenheit speziell des Herrn Kultusvorsfeherstellvertreters erregte, weil er der Jugend „das Gift des Zionismus“ ein-. impfe. Das Tatsächliche dieses auf die Aengstlichkeit und Uninformiertheit seiner Kollegen im Kultusausschusse kräftig wirkenden Ausspruches beruht darauf, daß der dermalige Religionslehrer die ihm anvertraute Jugend religiös zu . erziehen suchte, ihnen an den Festtagen die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit dieser kiar machte und dadurch einen , religiösen Zug in die jüdis’chen Familien brachte. Da der Religionslehrer auch auf das Hebräis'clie Wert legte und sogar das. Verbrechen beging, Leuten, die ihn darum angingen, in einem HebräischkurS zu unterrichten, leuchtete das Verderbliche seiner Tätigkeit selbst dem Schulkomitee des Kultusäusschusses ein, und ,obw9hiU,4ieses (Komjt^^gsJJ^m^mj.g^dfe _ Beamte ri^te^üf •setBCWcieiteree^äJSliT -beschlossen r hattejsjKtöBEmVt tejesggiteds^teuliaskßjnitee-Sit-; zimgy wwte-der-.^ijeCEj^-.Kul^vopleherstellvertre- - feeeinca-.e-i.msf i m nfig c.ri. "Beschluß des Kut- ~ tü^äh^ehu^esginfiedingt; werfangthr'g'e g’e n seiweüse.i%e r£h"ä4tre«--S tunde. g’cfaßten^B'e s-e-h-1 u ß.-r—v v;- ' - Iglau ist aber wieder vor dem „Gift des Zionismus“ bewahrt, — glaubt der Kultusausschuß. Eme Elternversammlung, die nicht etwa von zionistischer Seite einberufen wurde, und die ihren Protest und ihre Entrüstung in einer Resolution gegen den Kultusausschuß kundtat, sowie eine Angabe an den Kultusvorstand, in . welcher die Belassung des Religionslehrers verlangt wird, waren die nächsten' Folgen des' vom Herrn’ Kultusvorsteherstellvertreter durchgesetzten einstimmigen - Beschlusses des löblichen, so gut informierten Ausschusses.' Ueber die Weitere Ent- ■■ Wicklung dieses -ßdiulstreiks werden wir berichten. Hebräisch lehrt tüchtiger Hebräer und Pädagoge. Unterrricht in Bibel und Talmud sowie alter und neuer Literatur. Leichtfaßliche Methode, kürzeste Lehrzeit. I Gefällige Zuschriften an R. JOSEF, II. 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