Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 19 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 19 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nur eine Mutter weiß wie große Sorgen die Ernährung 'eines Säuglings auferlegt, wenn die: denkbar beste Nahrung: für das Kind die Muttermilch, fehlt oder unzureichend ist. - Wie oft ist die Mutter ratlos darüber,. wäS sie: dem' Kleinen geben soll. Experimente aber macht eine gewissenhafte .Mutter:.nicht, sondern'-sie greift zu. einem' vertrauenswürdigen, altbewährten Präparate wie es Nestles Kindermehl ist und wird.;sich der überraschenden Erfolge' freuen. Das lehrreiche Büchlein über die Pflege des Kindes und eine Probedose von Nestlemehl gratis erhältlich von der Firma Henri Nestle, Wien, ,1. Biberstraße 1. reichlich' die Möglichkeit haben, im Rahmen der Geschäftsordnung, auch abgesehen von: Steuerbemessungen, rege Tätigkeit zu ‘entfalten, ein Umstand, der schon aus dem. statutarisch1' fest- , gelegten imperativen Auftrag zur Berichter- -stattung an'den,-Kultusvorstand-/hervopgeftt. Eine, brennende Frage sei beispielsweise, die Frage der Herabsetzung des Steuerminimus auf 10 Kronen, welche schon in der Schätzungskommission günstig erledigt wurden In der Debatte haben sämtliche Redner den1 Referenten den Dank für ihre Anregungen ausge-i sprechen, tutd darauf -verwiesen, 'da-ß1 s eit' 13, Jahren an de re als:.'-S t e u er b em'e'ssungsfragen in det Bezirkskommission für den ., I. iBezir k überhaupt nicht,besprochen wurden, Ueber. Vorschlag des Vorsitzenden wurde beschlossen, die von unseren Gg.- gestellten Anträge in einer besonderen Sitzung zu beraten und: zunBeschftdLfassung zu bringen. Die Anträge, betreffend dier besörkswetse- Wahl und Herabsetzung des Steuermimtnums auf 10 K wurden in der BezirkskomtnisSion für Iden IX. Bezirk von den Gg. Fried und. Brecher, in der Bezirkskom'mission für den IV., V. und X. Bezirk vom' Gg. Knie und in der Bezirkskommission für den III. Bezirk von den Ggj Zweig und Markus begründet und mit großer Mehrheit zum' Beschlüsse "erhoben- Es steht zu erwarten, daß unsere Gg. auch in den anderen Bezirkskom’missioiien befruchtend wirken werden. ParfeinadiFitbfen. Brief aus der Bukowina. Wenn man beim Biertisch oder im Cafehäuse politisiert und auf die Juden in der Bukowina zu sprechen kommt, hört man von dem kolossalen Einfluß, den die Juden in der Bukowina hätten und von dem' strammen Nationalismus jedes Juden. Haben doch die Juden in Ccemowitz einen aus 24 Mitgliedern bestehenden Gemein-- deratsklub, einen Bürgermeister in Czernowitz,' der Nationaljude ist, einen festgefügten jüdischen Landtagsklub, usw. Kurz und. gut, überall bewußte Juden, die immer bereit sind, ihren Konnationalen hilfreich beizuspringen. Wahrlich ein ideales Land — von der Feme aus betrachtet. Denn an Ort und Stelle harrt die Enttäuschung all jener, die die wirtschaftliche, Soziale und nationale Stellung der Bukowinaer Juden vonder Nähe zu beobachten Gelegenheit hat. Ueber-, all Armut, schlechter Geschäftsgang, wirtschaftlicher Niedergang. Die Juden sind durch politische Ambitionen Einzelner entzweit. Die vielgepriesene „jüdische Einigkeit“ hat der Uneinigkeit Platz gemacht. Abgeordneter Dr. Straucher hat durch1 die vor zehn Jahren erfolgte Gründung der jüdischen Natiönälpartei die Bu-. köwinaer Juden zu einem Machtfaktör machen wollen, die im Jahre 1910 gegründete Volksrats-; partei machte aber das einheitliche Auftreten der Juden gegenüber den Behörden und den änderen. Nationen des »Landes ein Ende. Die hiedurch1'entstehende Spaltung der JudenSchäft in eine Straucher- und eine Kellner-Partei machte sie zum Spielball der behördlichen Willkür und der übrigen zahlreichen Nationen des Landes. ' Die demoralisierende Wirkung der politischen Verhetzung innerhalb der Judenschaft, beginnt bereits Früchte zu tragen, die jeden Aufrechten und Bewußten aneketn.—^Jeder wird sich fragen müssen, ob denn aus den vielgepriesenen Bukowinaer Nationaljuden Speichelecker geworden £ind? ‘? Ein kleines Beispiel von Selbsterniedrigung liefert so ein im Leibblatte des Agbeordneten , Wassilko „Bukowinaer Post“, erschienener Briefwechsel. Der jüdische Verein „Einigkeit“ richtete an Abg. v. Wassilko ein Schreiben, dem wir folgendes entnehmen: „Die besondere Aufmerksamkeit mit der Euer Hochwohlgeboren alle die Bukowinaer betreffenden bedeutungsvollen wirtschaftlichen Fragen verfolgen und unterstützen, nicht minder die aufopferungsvolle Bereitwilligkeit, die Euer Hbchwohlgeboren in Fragen der Unterstützung1 von Einzelexistenzen überhaupt und der Judenschaft der Bukowina gegenüber im besonderen bekunden, haben auch in den Herzen der Sadagoraer Bevölkerung mächtigen Widerhall gefunden. So verdankt es auch der1 Verein'Einigkeit“ in Sadagora, der sich die Unterstützung von Hilfsbedürftigen und Hilfesuchenden zum Hauptziele gesetzt hat, der Intervention von Euer Hochwohlgeboren, daß dieser Verein in die Möglichkeit versetzt wurde durch Zuwendung mehrerer größerer Spenden UrrterstüzungsbedürftL;en in so schwerer Zeit ■Hilfe-Izu leisten. " In gebührender Anerkennung dieser Tatsachen hat der Verein „Einigkeit“ in Sadagora bei der Samstag, den 28. März 1914 stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung einhellig und unter großer Begeisterung der Vereinsmitglteder den Beschluß gefaßt, . Etter Hoelrvwal^igebQrenT das Protektorat des Vereines-, „JEmigReitff' he Sadagora. auzufneten. .und riiwg. tmr die-JÄifagoraec Bevölkerung, viel verdienten Abg. Dr. Max Fbkschaner ztmr Ehrenmitglieder dieses Vereines zu emnen.“ Hierauf kam vom Abg. v. Wassilko folgende Antwort: „Aufrichtig gerührt von der mir vom verehrlichen Vereine „Einigkeit“ zugedachten so ehrenden Aufmerksamkeit, danke ich Euer HochwohTgeboren und allen Herren Unterzeichneten allerherzlichst für dieselbe. — Meine bescheidene Mitwirkung bei Förderung Jhrer den Armen gewidmeten Bestrebungen habe ich ■als- .sielbstverständliche Pflicht aufgefaßt und möchte nicht gerne durch Annahme der mir Ihrerseits so gütig angebotenen Ehrung diese meine Auffassung mißverständlichen Deutungen preisgeben, we 1 ch .1 e t z t er e mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse in Sadagora ge wiß mit dem Scheine .von Berechtigung kolportiert würden. Ich bitte daher unter nochmaligem besten Dank von der mir zugedachten Ehrung abzusehen, mich jedoch auch weiter als Ihren aufrichtigen Freund betrachten zu wollen.“ Das Winseln der Mitglieder des Vereines „Einigkeit“ vor Abg. Wassilko stellt sie würdig in die Reihe der Moschkojuden. Diesmal erhielten Sie eine gründliche Abfuhr von ihrem Herrn und Gebieter. Es ist ein Verdienst der Bukowinaer Landsmannschaft „Jordania“ Wien, der Ferialverbindungen „Tikwah“ Suczawa und „Barissia“ Radautz, Beda-Abende in der Bukowina veranstaltet zu haben. .Beda fand in der Bukowina eine Aufnahme, die voll seinen Verdiensten, im Kampfe gegen Assimilation und Charakterlosigkeit entspricht. Er wurde überall mit Herzlichkeit und Begeisterung,empfangen, li Czernowitz fand der Beda-Abend am 25. Ipril im Festsaale des jüdischen Nationalhauses statt. Der Saal war bis aufs letzte Plätzchen von einem distinguierten Publikum besetzt. Der Abend wurde mit einer Conference, gesprochen von Herren Fritz Degen, brachte dann eine Anzahl von Bedascher Satiren, mit' viel Verständnis zum Vortrage. Fräulein Malva. Fischer aus Lemberg, brachte einige Klavierpiecen, die beifällig aufgenommen wurden. In Fräulein Eugenie Neuberger fand man eine glänzende Interpretin Bedarcher Chansons. Im Ampezzotal, Heinedenkmal, der Lebenslauf, wurden von Frt. Neuberger in vollendeter Weise gesungen. Stürmischer Applaus, zwang sie zu einigen Zugaben. Und nun kam Beda. Mit kräftigen Hedad- und Chasak-Rufen begrüßt, brachte I»!Graf-sä{tyasch' zur mühelosen Bereitung von Delikatessen, Gulyascb, Paprikaschnitzel etc. etc. 1 Tafel ä 20 h genügt für 1 kg Fleisch. er als Erstes, das von ihm, dem Czernowitzer Sportklub „Makkabi“ gewidmete Marschlied zum Vortrage, welches einen Sturm von Begeisterung bei allen Anwesenden erweckte. Seine Satiren, die Nase des Ladislaus, Doktor Finks Brautfahrt, der Markomanne und andere, die er in seiner ihm eigenen Art, meisterhaft vortrug, entfesselten beim Publikum einen Jubel und Beifall, mit dem wohl noch nie ein Künstler vom Czernowitzer Publikum bedacht worden ist. Am Abend fand im Hotel „Schwarzer Adler“ ein Kommers zu Ehren Bedas statt. Der Czernowitzer jüdische Gesangverein war zu Ehren des Gastes sehr zahlreich vertreten und entzückte durch seine ..zum Vortrage gebrachten Lieder. In Sereth fand der Beda-Abend am 27. in Suczawa am 2S. und in Rad aut z am 29. April statt. Gleich wie in Czernowitz, war die Begeisterung, mit welcher Beda empfangen wurdfe-, in diesen Provinzstädten eine ungeteilte, ln Suczawa schloß sich dem Beda-Abend ein Tairzkränzcben an. hi Radtautz wurde Bedia vom Sportklub „Makkabi“ Czernowitz und „Hagwira“, Radautz, dem Zionvereine und zahlreicher Bürger, am Bahnhofe empfangen. Sein Marschlied „Makkabi“, vom Chordirigenten Rosenstock vertont, wurde von hundert strammen Jungens, ihm zu Ehren zum ersten Male gesungen. Dr. Bierer begrüßte Beda im Namen der Radautzer Zionisten. Am Abend fand ein Kommers der „Barissia“ zu führen Bedas statt, bei welchem Abg. Rudich und alte Honorationen der Stadt sich einfanidlen. J. U. C. Ziering (Barissia), Dr. Bierer, Ing. Schindler, J. U. C. Mehler (Hasmonea), Jasslowitz (Jordania), würdigten in begeisterten Worten die Verdienste Bedas. Nicht enden wollender Beifall, folgte nach den Ausführungen Bedas, der die nationale Struktur Oesterreichs und der Bukowina beleuchtend, zum1 Schlüsse kam, daß den Juden nur eine jüdisch-nationale Betätigung heilbringend sein kann. Beda wurde von der „Barissia“ zum Ehrenmitgliede ernannt. Die Tournee Bedas durch die Bukowina, die auf Einladung der „Jordania“, „Tikwah“, „Barissia“ erfolgte, hat einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen und werden seine Satiren und Reden gewiß zur nationalen Stärkung und Festigung der Bukowinaer Judenschaft beigetragen haben. m. s. Ein Religionslehrer, der zu jüdisch ist. Irgendwo im Lande steht eine alte Stadt. Die Bevölkerung lebte in Frieden und spielte Tarock, bei dem manchmal auch die alten Juden mit wirklich andersgläubigen Kapazitäten spielen und ihnen kiebitzen durften. Rosch-haschono und Jom kipur gingen sie in den Tempel, manchmal fand auch eine Kultusgemeindesitzung statt und nur die Geburten, Trauungen und Begräbnisse erinnerten sie daran, daß sie Juden sind. Sie waren auch wohltätig gegen arme durchreisende Juden, wenn ein böser Rat diese nicht vorher einsperren ließ, zeichneten Wahlaufrufe, hatten zwei Gemeinderäte und saßen in Wahlkommissionen. Kurz und gut, es ging ihnen gut und sie lebten in Frieden mit der andersgläubigen Bevölkerung. Eines schönen Tages sind jedoch die bösen Zionisten auf dem Plan erschienen und störten den Frieden. Sie erinnerten an Juden und Judentum, was umso peinlicher wirkte, als die alten Juden glaubten, daß die andersgläubige Bevölkerung bereits vergessen habe, daß es noch Israeliten gäbe. Die alten Juden erklärten daher den Zionisten den Krieg. Auf Schindmähren beritten.