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Jüdische Zeitung · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 19 mit Dreschflegeln bewaffnet, kämpften sie gegen Windmühlenflügel — lauter Don Quidhotts — und immer, wenn ihnen so ein Windmühlenflüge! einen Nasenstüber gab, glaubten sie, ein Zionist sei tot. Sie führten Krieg, machten Kontrakte, verteilten Maulkörbe und es half ihnen doch nichts. Der Zionisten wurden mehr und da sagte ein besonders weiser, alter Jude: „Es hilft nix mit die Zionisten, bei die Kinder fangen sie scho an und geben ihnen ka Ruh!" So kamen sie wiederum einmal auf einen Gedanken und fanden, daß der junge Religionslehrer — zu jüdisch wäre. Er lehrte jüdische Religion an Stelle der israelitischen und das war für eine israelitische Kultusgemeinde zu viel. Da kündigten sie ihm und beschlossen, den Posten nur für Religionslehrer' a u s z u s ch r e i b e n, die nicht zionistisch und zu jüdisch sind. Iglau in Mähren heißt die märchenhafte Stadt, in der sich dies während des vergangenen Pessachfestes zugetragen hat. Der jüdische Kultusvorstand dieser Stadt hat d->s Novum' eines vertragsmäßig „nichtzionistischen" Rabbiners geschaffen, nun ist ihm der Religionslehrer zu jüdisch. Die „fortschrittliche“ Gemeinderepräsentanz steht offenbar auf dem Standpunkte, der Religionslehrer stehe bei ihr Lohn und Brot und müsse daher (die Lehren des Kultusvorstandes und nicht jdie .des Judentums lehren. Fürwahr, dieser Fällävirft. ein grelles Licht auf — T .. .. ^7~-* ~~ dieser KultüsstübeÜ “‘triic^jes, “pWäTerehäfeyfidisches Leben hinemzüfragen. Ans Sem jüSildien heben. Die Wiederbewaldung Palästinas. Die Entwaldung in Palästina macht von Jahr zu Jahr Fortschritte, ohne daß bisher ernste Malregeln dagegen ergriffen werden. Die größten Feinde des Waldes sind die Hirten und Kohlenbrenner. Die schönsten Waldbestände werden niedergebrannt, um Weideland für die Herden zu gewinnen. Man wüstet dabei geradezu sündhaft mit dem Holze. Die Bäume werden in Brusthöhe abgehackt, damit sich die Holzfäller nicht zu bücken brauchen; kann man das Holz verwenden, so läßt man es liegen und fällt anderes. Angeforstet wurde bisher fast gar nicht; wo es geschah, hat das Weidevieh die Stämmchen längst wieder abgefressen. Dabei ist aber kein Boden für die Waldkultur so geeignet wie der Palästinas, da er viel Kalkgehalt hat. Was bei einer sachgemäßen Anforstung hier im Lande zu erreichen ist, beweisen die schönen Baumbestände in den deutschen und jüdischen Ansiedlungen. Der vom Jüdischen Nationalfonds ins Leben gerufenen Baumspende ist die Bepflanzung ausgedehnter Landstrecken mit Oel- und sonstigen Fructbäumen zu verdanken. Die Eingeborenen, die den Zukunftswert einer ordentlichen Waldwirtschaft nicht kennen, ziehen ihm den Genuß sofortiger Erträge, so gering sie auch sein mögen, vor. Sie entwurzeln hundertjährige Bäume, um sie auf dem Markte als Brennholz loszuschlagen und sich so das tägliche Brot zu verschaffen. Die Folgen der zunehmenden Entwaldung machen sich in großer Trockenheit bemerkbar. Die Landwirtschaft hat natürlich den Schaden davon. Geregelte Waldwirtschaft und Wiederaufforstung der abgeholzten Gegenden ist deshalb eine unbedingte Notwendigkeit. Zu diesem' Zweck genügt es nicht, daß einige Gesetze erlassen werden, die nachher niemand hält Es müßte vielmehr für eine wirkliche Waldaufsicht gesorgt werden. Auch müßte die Bevölkerung über die wirtschaftlichen Folgen der Waldverwüstung aufgeklärt werden. Zwei andere Maßnahmen wären zu treffen, um dem Uebel der Entwaldung Palästinas vorzubeugen: 1. Wäre durch ein strenges Gesetz das Fällen jedes Fruchtbaumes zu verbieten; 2. wäre an die schleunige Bildung einer Brennholz-Jmport-Gesellschaft zu schreiten. Diese Gesellschaft müßte durch Ermäßigung der leider sehr bedeutenden Transporttarife Unterstützung finden. Im Sandschak Jerusalem haben die Behörden bereits Versuche gemacht, die Wiederbewaldung Palästinas allmählich durchzuführen. Man hat dort eine Pflanzschule zum Zwecke der unentgeltlichen Verteilung von Pflanzen geschaffen, weitere ähnliche Anstalten müßten vom Staate gegründet und gefördert werden. Seitens des Gouverneurs in Jerusalem wurden zwar die Abholzungen bereits verboten, aber zur wirksamen Ausführung dieser Maßnahmen und zugleich zur Ueberwachung der Anpflanzungen müßten staat- Jaffa und Gaza gibt es Dünen, die tausende von Quadratmetern bedecken. Diese Dünen will man vor allen Dingen zunächst einmal bewalden. Die Bewaldung würde die Fieberatmosphäre dieser Gegenden beseitigen und dem Sandschak das nötige Brennholz liefern. Man will den jüdischen Kolonisten in Rischon le-Zion und anderen jüdischen Niederlassungen die ' Konzession zur Bewaldung der Dünen erteilen. Jaffaer Chronik. In den Monaten Februar und März wurde im' hiesigen Hafen der größte Teil der diesjährigen Orangenproduktion des Landes nach England und anderen europäischen Absatzgebieten, sowie nach Amerika und zum Teil sogar nach Australien verladen. Zu Beginn des Monats Februar waren die erzielten Preise in Liverpool, dem Hauptabsatzgebiet, sehr ungünstig; diese besserten sich aber gegen Ende des Monats und während des Monats;März, so daß ge-Jen den Schluß sogar recht gute Preise bezahlt wurden, was einen Sehr guten Einfluß auf den hiesigen Markt hatte. Die Exporteure kamen dadurch in die Lage, ihre bei Beginn der Saison eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Für die Orangenkistenfabrikation wmrden bedeutende Holzmemren eingeführt, so daß sehr große Vorräte vorhanden sind, von denen ein beträchtlicher Teil wohl erst in der nächsten Saison verarbeitet werden wird. . Die Mehlzufuhren aus europäischen und türkischen Häfen haben in Anbetracht der günstigen Aussichten für eine gute Getreideernte sehr abgenommen, Da die Spätregen rechtzeitig eingetrqffen sind, rechnet man auf eine sehr gute -Getreideernte und somit auf ein recht reges' Ex- ... ‘Jahpijif^sViecier ais^gL, bezeiclihet vfe’üe'v Üäs häuptsathlidfifur Jerusalem von: größter Bedeufüng; ist' Bemerkenswert war die große Anzahl jüdischer Touristen aus allen Erdteilen, die am verflossenen Passah- Feste die Straßen von Jerusalem füllten, So daß die Hotels alle Inkömmlinge nicht bergen konnten und viele von ihnen Privatquartiere aufsuchen (mußten. Jn letzter Zeit ist eine s'arke Abwanderung des arabisch-ländlichen Elements nach Nord- und Südamerika zu verzeichnen. Nachdem in früheren Jahren die christliche Bevölkerung, und zwrar hauptsächlich aus den Städten Bethlehem1 und dem benachbarten Bedschala, das Hauptkontingent stellte, folgen jetzt auch die mohammedanischen Landleute aus der Umgebung von Jerusalem. Die Ursache der starken Auswanderung der arabischen Bevölkerung findet ein gewisses Gegengewicht in der Zuwanderung des jüdischen Elements, doch vo’lzieht sich' diese meist nach der Stadt Jaff3 und den benachbarten jüdischen Kolonien. Vom' hebräischen Gymnasium in Jerusalem. Seit fünf Jahren besteht in Jerusalem ein von zionistischer Sei+e gegründetes Gymnasium mit ausschließlich hebräischer Unterrichtssprache. Die Anstalt umfaßt gegenwärtig vier Vorbereitungs- und sechs Gymnasialklassen. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen beläuft sich zurzejt auf etwa 150. Fast alle Schüler stammen aus Jerusalem. Ihre Eltern gehören den verschiedensten jüdischen Gemeinden an: es gibt unter ihnen Russen und Polen, Spaniolen, Bucharer, Grusiner, Jemeniten, Perser und Moghrebiner. Die Anstalt steht durchaus auf dem Niveau einer europäischen höheren Schule. Die Lehrgegenstände sind: Geschichte, Geographie, Arithmetik, Algebra und Geometrie, Naturgeschichte, Physik und Chemie; Bibel, Talmud, jüdische Geschichte, hebräische Sprachlehre und Literaturgeschichte; Logik und Psychologie; Französisch, Arabisch, Türkisch und Latein (Deutsch ist fakultativer Unterrichtsgegenstand); Zeichnen. Gesang, Turnen und Handarbeit (für die Schülerinnen). Die Zahl der Lehrkräfte beträgt 16. Die (meisten von ihnen haben ihre Studien an europäischen Universitäten beendet. Direktor des Gymnasiums ist Herr Dr. Salomon Schiller. Der Jahresetat der Anstalt beträgt gegenwärtig etwa 40.000 Franks. Jüdisches Kunstgewerbe in Palästina. Professor Boris Schatz, der Gründer und Leiter der jüdischen Kunstgewerbesdiule „Bezalel“ in_ Jerusalem, hat in einer Reihe amerikanischer Städte Ausstellungen der Erzeugnisse dieser Anstalt arrangiert Die letzte Ausstellung des „Bezalel" in Amerika wurde am 15. April in der Clinton Hall in Newyork geschlossen. „Bezalel“-Ausstellungen fanden ferner statt in Newyork in dem großen Madison Square Garden, in Baltimore, Ch'icago, SL Louis und Cincinnati. Andere Städte konnten nicht mehr beworden waren, und die Käufer die erworbenen Gegenstände der Ausstellung nicht länger überlassen wollten. Der finanzielle Erfolg der Ausstellung war ein sehr guter. In Newyork betrug die ßareinnahme, ohne die Summe, die für Eintrittsgelder eingenommen wurde, ungefähr 3000 Doll., in Baltimore 6000 Doll., in St. Louis 2500 Doll'., in Chicago 3000 Doll, und in Cincinnati 6000 Doll. Im’ ganzen ungefähr 30.000 Doll.'Der moralische Erfolg der Ausstellung war noch' viel bedeutender. Viele, die früher nicht mit den zionistischen Bestrebungen sympathisiert haben, bewundern jetzt die Unternehmungen des Zionismus in Palästina. Die „Bezalel“-Waren haben viele Kunstkenner lebhaft interessiert, und von -vielen Kunsthändlern sind Bestellungen einge- Jaufen. Professor Schatz hat es verstanden, eine rAnzähl amerikanischer Fabrikanten für Palästina ’zü interessieren, so daß sie es jetzt als Feld ■für' industrielle Unternehmungen betrachten.;. Die zionistische Föderation 'Amerikas hätte alle ^Vorbereitungen, die für. die Ausstellungen nötig waren, getroffen. In einer Anzahl von Städten, wie in Baltimore und Cincinnati, haben sich auch angesehene Nichtzionisten dem Komitee angeschlos'sen und ihm wertvolle Dienste geleistet. Die Kunstgewerbeschule und die Werkstätten „Bezalel“ in Jerusalem werden von dem Verein „Bezalel“, der seinen ,Sitz in Berlin hat, verwaltet. Die Adresse des Bureaus lautet: Charlottenburg, Bleibtreustraße 34/35. Die jüdische Geschichte an der Madrider : Universität. _Voriare- Woche -hat den- Profcssnr für semitische PhiloloqieyDrwrA. &sJaluLdft :sejne. bereits •aü^ekündm'ten Vortragszyklus begonnen. Es1 sind „disse . iMrfaate.d-.-wwbieygPwnzipiei der -jüdischen "Zivflisatiön. ,guf der,, Halbinsel von den ältesten1 Zeiten a'rigefahge'n' und die Ro'G. welche sie in den verschiedenen Epochen de Geschichte Spaniens gespielt haben. 2. Die [u len als Staatsmänner in dem arabischen und christlichen Spanien. 3. Hebräische Poesie an der spanischen Literatur. 5. Die Sephardim, ihre Bedeutung und Wichtigkeit in den verschiedenen Ländern der Welt; die snanioliSche Sprache und Literatur und 6. die allgemeine Lage der Juden von Marokko und ihre Tätigkeit im JnteresSe der Spanier. Zum Festmahle der Chevrah-Kadischä. Es w'ird uns geschrieben: Großes Befremden erregte es bei den Teilnehmern am sonntägigen Festmahl der Wiener Chevrah-Kadistha, daß das Orgelpräludium laut ausdrückli-hen Hinweises des Programmes von H. Prozessor Valk — also einem Nichtjuden — gespielt wurde. Bei dieser spezifisch jüdischen Feier hätte es sich wohl weit eher geziemt, einen Juden h'eranzuziehen, zumal die Wiener Ku'tusgemeinde an den Organisten Professor S. Storch vom Seitenstettentempel und M. Menzer vom Leopoldstädter Tempel über zwei bewährte Kräfte verfügt. Die Vorstandsmitglieder der Chevrah entschuldigten sich wohl damit, daß die Konzerthausgesellschaft auf der Engagierung ihres Organisten bestanden habe, doch ist es kaum1 anzunehmen, daß sich der ernstliche Wille der Veranstalter, den jüdischen Organisten eine unverdiente Kränkung zu ersparen, sich nicht hätte durchsetzen könne". Im Notfall standen ja noch' andere Sä'e zur Verfügung wie der große Musikveeinssaal, in welchem ja auch die letzte Makkabäerfeier unter gelungener Mitwirkung eben des Herrn Prof. Storch 'stattgefunden hat. Also nächstens ein wenig mehr Selbstbewußtsein! Die Triarier.“ liehe Waldhüter ernannt werden. In den Bezirken sucht werden, da zu viele Waren verkauft »» Eine Zeitschrift der jungen Juden. Wir jungen Juden erblicken in der jüdischen Renaissancebewegung eia Auflehnen jugendlichen Geistes gegen die Trägheit und Gleichgültigkeit einer senil gewordenen Masse. Einen heroischen Kampf gegen alle Mächte des augenblicklichen Gauiges der jüdischen Geschichte, einen Kampf, de‘r einer Entscheidung harrt und derer, die sie herbeiführen sollen.;,Res venit ad tria-rios“ rief Theodor Herzl der jüdischen Jugend zu. Heute Sind die jungen Juden entschlossen, die Triarier des neuen Judentums zu werden. Sie sind entschlossen, mit aller Kraft danach zu streben, ihrer Aufgabe würdig zu werden. Alles, was sie in irgend einer Weise dazu führen könnte, in Wahrheit die Kerntruppe ihres kämpfenden Volkes! zu werden, wollen sie' freudig aufnehmen. Sie wollen in allen Ländern der Erde eine geschlossene Einheit werden, der es einstens vergönnt sein könnte; bestimmend in das. Geschehen einzugreifen. Dieses neuen jüdischen Jugendg'eda'nk-’ens Träger will die Zßit-

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