Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 17 Diese jüdische Wanderbewegung', die einst weilen noch in den ersten Anfängen steckt will nun das junge Geschlecht zur Natur führet und hofft hiedurch die Schäden einer fälschet, Erziehung in einem gewissen Grade ausgleidiai zu können. Ihr Ziel ist die körperliche Ertüchtigung, vor allem1 aber die geistige und mors.- lische Gesundung unserer Jugend, die Erweckung einer natürlichen und idealistischen Lebensajuschauung. Zweifach sind die Quellen der Erziehung; einmal die Natur: ein Kind, das die Schönheit der Natur begreift, dem' sie persönliches Bedürfnis geworden ist, das daher auch im späteren Leben an freien Tagen hinauswahdem wird, ist für immer von einer dem Idealismus ganz abgewandren Lebensbetrachtung bewahrt In zweiter Linie wirken auf das Gemüt des Wanderers die strengen Sittengebote des Wanderns, welche Disziplin, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe, Kameradschaftlichkeit, Respekt und Bescheidenheit mit den körperlichen Tugenden des Muies, der Geistesgegenwart, der Enthaltsamkeit, Genügsamkeit und der Ausdauer verbinden wollen — alles Eigenschaften, die unserer jüdischen Jugend in einem höheren Maße nottun, als sie sie heute einmal besitzt ■ Eine durchgreifende Veredlung des jüdischen Gemütslebens, eine Befreiung von allem Ghettomäßigen, das uns noch anhaftet — das ist das letzte Ziel der jüdischen Wanderbewegung, die unangefochten von den rohen Auswüchsen, die der Antisemitismus in der deutschen Wanderbewegung gezeitigt hat, ihrer Wanderfteudigkeit im eigenen Kreise nachgeht Sie will ein Geschlecht mit einer neuen, freudigen und natürlichen Lebensauffassung heranbilden, welches das Leben nicht mehr ausschließlich unter den Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit und des Vorteils, sondern mit dem Maßstab des Schönen und Guten mißt wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Der Verband blickt auf eine Reihe vorzüglicher und fruchtbringender Vorträge zurück. Insbesondere die Vorträge der letzten zwei Monate zeichneten sich durch ihren hervorragenden Inhalt und überaus starken Besuch aus. Der Verband hat sich einen stetig wachsenden Kreis treuer Freunde erworben, welcher Umstand dem künftigen Vereinsjähre ein günstiges Prognostikon stellt. Die Vorarbeiten für den nächsten Vortragszyklus wurden bereits in Angriff genommen. Wien. (Hebr. Konversationsklub „Haibhri“.) Samstag, den 18. April fand im Cafe Adler eine Versammlung statt, in der die Gründung eines hebräischen Konversationsklubes einstimmig beschlossen und mit den nötigen Vorarbeiten ein Komitee betraut wurde. In dasselbe wurden gewählt: Frau Orender, Fräulein Kohn und die Herren Braunstein, Montilja, Pichler und Picker. Die nächste Zusammenkunft findet Samstag den 25. April um1 8 Uhr abends in der „Mensa Academica Judica“, IX., Liechtenstein- Straße 23, II. Stock, statt. Wir laden alle Herren und Damen ein, die hebräische VorkenntnisSfe besitzen, bei derselben zu erscheinen. Das Komitee. Wien. In der Rede- und Lesehalle jüdischer HodiSchüler (IX., Türkenstraße 9), findet Samstag, den 25. April, ein Vortrag des Herrn Dr. Plaschkes über „jüdische Zeit- und Streitfragen“ statt. Beginn 8 Uhr. Gäste willkommen. Wien. (Zionistischer Geselligkeitsklub „Jugend-Bund“.) Der Z. G. K. „Jugend-Bund“ hatte am 18. d. M. einen Klubabend im Strauß- Lannersaal des Wiener Konzerthauses. Derselbe war gut besucht und verlief sehr animiert. Wie Stets, So entzückte auch diesmal der geniale Künstler Herr Max Fuchs durch seine Vorträge das Publikum. Erst in später Nachtstunde endete der alle Anwesenden 'hochbefriedigende Abend. — Voranzeige! Gartenfest des Z. G. V. „Jugend-Bund“. Samstag, den 6. oder 13. Juni um halb 8 Uhr abends im Stadtpark und Kursalon der Stadt Wien. Erste Komiteesitzung SamStag, den 2. Mai im Konzerthaus (Holländersaal). Wien. (Erster Wiener zion. Frauenverein.) Donnerstag, den 30. April d. J., 5 Uhr nachmittags im Cafe City, 9. Bez., Porzellangass’e, Generalversammlung. Anschließend Vortrag des Fräulein Lublinsky, Schwester des verstorbenen Salomon Lublinsky über „Ethische Bedeutung des Zionismus.“ m llliu HUHU HEI Wien, II. Taborstr. 17 [Hirschenhaus] Telephon 39247. Schönpflugs Manöverbilder, 16 Bilder. Statt je K 6.—, jedes Blatt 40 h. Nur so lange der Vorrat reicht Antiquariat. Provinzversand. aus der Fabrik L. T. Piovati Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I., Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 19. - Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. K2J RUH JAKOB PINKAS im Neubau des HOTEL NEW-YORK “<E>“ Wien, U., Kleine Sperlgassei bietet den P. T. Gästen allen Komfort. — Küche und Keller sind als erstklassig bekannt Elegante und geräumige Lokalitäten. Hocbzeitsnnd Festbankette werden bestens arrangiert. Vereinsnadiridifen. Wien. (Zion. Verband ehern. Hodhschüler.) Mittwoch, den 29. April d. J. spricht Herr Dr. Leo Goldhammer über Perez volkstümliche Erzählungen. Ort: Cafe Puch er, I., Kohltnarkt 10. Beginn halb 9 Uhr. Gäste willkomtaen. Dieser Vortrag bildet den Schluß der Vortragsreihe des heurigen Vereinsjahres. Ab Mittwoch, den 6. Mai werden die allwöchentlichen Zusammenkünfte auf den Konstantinhßgel verlegt Der Beginn der Vorträge -im nächsten -Vereinsj ah re (vorätlSSich'tliSr'Okfobef)“ Wien. Der akad. Verein „Jüdische Kultur“ veranstaltet aus Anlaß des 50. Geburtstages seines Gründers Dr. Nathan Birnbaum in der Wiener Universität eine große Jubiläumsfeier, bei welcher Herr Dr. J. Wertheim die Festrede -halten und Herr Dr. Max Präger aus den Wer- •ketr^des' Jubilars lesen wird. Saal und Zeit ^wird'bScänntgegebtn: ' - -Wieq.-,(„Neure\ jehuda'L) Dienstag, den 28. April, 8 Uhr abends, spricht Herr Dr. Georg Weiner über „Theodor Herzl“. Gäste willkommen! Wien. (Akad. Verein „Jüdische Kultur“.) Montag, den 27. April wird der Schriftsteller Herr Jehuda Langenmaß aus seinen Dichtungen vorlesen. — Donnerstag, den 30. April Spricht Herr cand. iur. Wachmann über „Poale-Zionismus“. Beginn 7 Uhr abends im Vereinslokal, 9. Bezirk, Hörigasse 11. Gäste herzlichst willkommen! Wien. (Herzl-Klub.) Sonntag, den 26. d. M. Ausflug auf den Bisamberg. Treffpunkt: Brigittabrücke, 2 Uhr nachmittags. Führer Josef Stein. Gäste willkommen. Mittwoch, den 29. April, präzise 1/49 Uhr abends, im Vereinslokal II., Leopoldsgasse 31/61 Plenarversammlung. Zutritt haben nur Mitglieder! — Im Vortragszyklus „Ueber (hebräische Poesie“ des' Herzl- Klub im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim, II., Malzgasse 7, Ecke Leopoldsgasse III. Vortrag am Samstag, den 25. April 1914, präzise 1fiQ Uhr abends. Herr Dr. Wilhelm Stein spricht über Ch. N. Bialik. Am Vorlesetisdi die Herren Simon Advokat und Maximilian Weinberger. Regiebeitrag 50 Heller. Die bisherigen Vorträge waren immer ungemein stark besucht. Der heute angekündigte verspricht äußerst interessant zu werden und werden zu demselben alle Interessenten herzlichst einngeladen. Separate Einladungen werden nicht verschickt! - Die Z. G. V. „Jordania“ veranstaltet am 9. Mai im Heimatkino, IX., Porzellangasse 19, eine Kinovorstellung zu Gunsten des’ jüdischen Nationalfonds und des hebräischen SchuhverkeS. In Anbetracht des zionistischen Zweckes der Veranstaltung, ladet sie liiemit alle Gg. Gg. herzlichst'd uazu ein. Karten sind zu haben: Im Büro der Jüd. Zeitung, bei allen Mitgliedern der „Jordania“ und am Tage der Vorstellung an der Kassa des Kinos. - Aus dem Programm Wäre unter anderem zu erwähnen: Das Jüdische Sportfest auf der hohen Warte, Der lebende Leichnam von Tolstoi usw. usw. Proßnitz. Am 17. d. M. hielt der hierortige J. H. V. einen Vortrag-über ^„Nationalismus und Organisation“- ‘ab. " Dem KölTegen "Kart 'pfeif gelang es in bester Weise die Mitglieder als auch die übrigen Zuhörer, von der Zusammengehörigkeit des nationalen Momentes und der gewerkschaftlichen Frage zu überzeugen. Dem Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die bis gegen halb 11 Uhr währte. Lundenburg. Am 30. März wurde hier der Palästinafilm mit großem Erfolg aufgeführt. Das neue Leben im Lande der jüdischen Zukunft übte auf die zahlreich erschienenen Zuschauer — unter denen sich nicht nur Juden, sondern auch die deutsche und tschechische Intelligenz befand — tiefen Eindruck aus. Beide Vorstellungen waren vollständig ausverkauft. Budweis. Als Gast des Ferialvereines jüdischer Hochschüler Südböhmens „Hatikwah“ hielt am 18. d. M. bei uns der bekannte Dichter Max Brod einen Vortrag über den „Genius! der jüdischen Dichtung“. An den Vortrag, der in gehaltvoller Tiefe das Wesen der jüdischen Dichtung in biblischer und nachbiblischer Zeit beleuchtete und höchst gedankenreiche Beiträge zur Charakterisierung der jüdischen' Psyche lieferte, schloßen sich Rezitationen aus der Bibel im Urtext (cand. phil. Ernst Kollmann, Prag) und in deutscher Uebersetzung (Frl. Hedschi Kohn, Krumau) an, die formvollendet und tiefempfunden zum Vortrag gebracht wurden. Der Abend, dessen Programm in stilvoller Weiste zusammengestellt war, machte auf die Zuhörenden einen tiefen Eindruck, dem sich selbst die unserer Sache Fernstehenden nicht entziehen konnten, und wird gewiß in unserer Stadt das Interesse an jüdisch-kulturellen Fragen ganz bedeutend heben. Czernowilz. (Jüd.-nat.-akad. Verbindung Zephirah.) Die Chargemvählen für das laufende 34. Semester ergaben folgendes Resultat: JUC. Salo K r ä s s e 1, Präses; JUC. Wilhelm Stecher, Vizepräses; srtud. jur. lsak Widner, Schriftführer. PersonalnaifiFiAten. Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Leopold Meisel, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, hat sich mit Fräulein Trude Heller, Tochter des Herrn Dr. Salomon Heller, Advokaten in Wallachisch-Meseritsch (Mähren) verlobt. Büdierfdiau. Blau-weiß-Liederbuch. Herausgegeben von der Führerschaft des Jüdischen Wanderbunjdes „Blau-weiß“, Berlin. Preis in Leinen gebunden 80 Pf. Jüdischer Verlag. Berlin 1914. Die jüdische Wanderbewegung gibt mit dem vorliegenden Büchlein Kunde von ihrem Wirken und Wollen. Es beweißt, welch frischer Zug die noch' junge Wanderbewegung durchweht. Der Stoff ist in vier Abteilungen gruppiert. Die erste Abteilung, Freiheitslieder, enthält die Schönsten Lieder des sich auf sich! selbst besinnenden Judentums, ln der zweiten Abteilung sind die besten jüdischen Volkslieder enthalten. Die' schönsten deutschen Volkslieder sind als „Allgemeine Volksieder“ in der dritten Abteilung vereinigt. „Rastlieder“ heißt die vierte und letzte Abteilung'. Im' ganzen finden wir in dem Liederbuch mehr als hundert Lieder mit zugehörigen Noten. Die Zusammenstellung kann als eine gelungene bezeichnet werden. Es war das Bestreben der Herausgeber, nur Echtes und Tiefempfundenes zu bieten. Der üblichen Vereinspoesie mit ihrem billigen Pathos sind sie nach Möglichkeit aus dem Wege gegangen. Die Ausstattung ist praktisch und geschmackvoll. Dünnes, aber kräftiges Papier, klarer Druck, solider Einband, sinnige Titelzeichnungen. So ist denn zu hoffen, daß das' „Blauwciß-Liederbuch“ der Wanderbewegung -neue Freunde werben wird. . * * * ' Schalon Asch, Kleine Geschichten aus der Bibel. Aus dem1 Jiddischen von Dr. phil. Helene Sokolow. 124 Seiten. Quart. Preis in Halbleinen Mk. 4.—. Geschenkausgabe Mk. 5.—. Jüdischer Verlag G. m. b. H. Berlin 1914. Daß an Büchern für jüdische Kinder ein großer Mangel herrscht, ist eine Tatsache, über die sich wohl Eltern und Erzieher einig’ sind. Es hat denn auch an zahlreichen Versuchen nicht gjefehlt, diesem Mangel abzuhelfen. Man kann nicht behaupten, daß hierbei Bedeutendes gezeitigt worden wäre. Mit der Auflösung' des' alt jüdischen Milieus, mit der allgemeinen Entjudung, die So rapide Fortschritte 'macht,- läßt-esTjnmer schwerer, Bücher jäTma-