Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 17 herein »nussig, und wirft kaum mehr einen j Schatten auf die positive Behandlung. Wir sehen eben in der Kulturarbeit die Vorbereitung’, die •Stufe dem letzten Ziel entgegen, wir . sehen darin <die den einzelnen Juden und die ganze Gemeinschaft fördernde Kraft Hat der erwachende zionistische Gedanke glauben können, dab der Stolz auf ein kaum gekanntes Judentum stark genug zur Verwirklichung der Idee sein können wie sollte es eine Bewegung von Menschen nicht vermögen, die erfüllt sind von zu verstehender Liebe, aufgewachsen in einer jüdischen Atmosphäre. Und wir Juden von heute haben es so nötig unsere äußere verlorene Würde wieder zu gewinnen und den inneren Wert den wir aufgegeben haben, weil in uns nur die Eitelkeit war und der Ehrgeiz; zu scheinen nicht aber zu sein. So eristeht uns als wichtigste Aufgabe, als zentrale Forderung, urtser Volk zu den großen Pflichten und Idealen und zum Bewußtsein dieser Pflichten zu erziehen und zur Wahrheit und zur Ehrlichkeit und zur Tatenfreude. Und es ist nicht auf ein Anfüllen mit Tatsachen abgesehen, wir möchten nicht durch ein neues Wissen unsere Jugend erdrücken, denn „wir hassen“, las ich irgendwo bei Goethe; „was nur belehrt ohne die lebendige Tätigkeit und den Willen zur Zukunft zu steigern“. Und so wird die jüdische Erziehung, wie wir sie uns denken, in der Forderung gipfeln, unserer Jugend, die dereinst die Zukunft bauen soll, die Schätze des Judentums zu überliefern und den wirr durcheinander gehenden Strömungen ihrer jungen Seele die Richtung zu geben, die der wahre Ausdrude der werdenden Generation ist. Nur solche Menschen werden das Land der Freiheit das wir mit der Seele suchten, besitzen. farteloadiriditen. Aufruf.: Die. Zionistische 05gmiisatipiitTh£t..;5ichU.m:;, denn Kampf für. den G^St jmsefe/,l|pieuen^?-r Werkes in Palästina, bewährt. Jeder, einzelne - Zionist hat das Bewußtsein der hohen Verantwortung in sich aufgenommen, das die gesamte Zionistische Organisation für die nationale Zukunft unseres Volkstums trägt Die Zionistische Organisation ist das organisierte nationale Judentum. Sie ist der lebendig gewordene Wille des jüdischen Volkes, in den das Wollen der Unzähligen einströmt Wiederum rufen wir jetzt unsere Gesinnungsgenossen in aller Welt auf zur großen Musterung. Hundertdreißigtausend Schekelzahler haben zum Elften Zionistenkongreß ihre Delegierten entsendet. Aufs Neue ist eS Pflicht jedes Zionisten, das verpflichtende Bekenntnis zum1 zionistischen Ideal abzulegen. Die' Entrichtung des Schekels bedeutet das immer neue Gelöbnis, mit restloser Hingabe mitzuarbeiten an der Erfüllung unseres Zionistischen Programms. Der Zionismus verlangt von jedem einzelnen Juden, der sich mit uns in der zielbewußten Arbeit für unser Ideal der Erneuerung unseres Volkes in Palästina eins fühlt, vor allem dieses Bekenntnis der Solidarität: den Schekel. Zionisten! Unser Programm und unsere Stellung im jüdischen Volke haben uns schwere Verantwortung auferlegt. Eure Pflicht est es, zu beweisen, daß das jüdische Volk unser ist. Eure Arbeit kann und muß uns immer wieder das Recht erwerben, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen. Sorgt dafür, daß niemand, dem unsere Hoffnungen teuer sind und der unser Wirken achtet, außerhalb unserer Reihen bleibt. Fester als je muß sich die Zionistische Organisation zusammenschließen. Größer als je muß die Zahl unserer Mitarbeiter werden! Hingebungsvoller als je muß der Eifer sein, der unsere Arbeit trägt! Wir stehen im1 Kampfe für unser Programm. Wir müssen unsere Scharen zählen. Wir brauchen die Kraft der Zionistischen Organisation! Sammelt den Schekel! Das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation : Warburg. Tschlenow. Hantke. Jacobson. Levin. Sokolow. « ZentraHondsbeiträge aus Westösterreich für 1914. XII. Ausweis. Für das hebräische Schirfwerk: Distrikt Innerösterreich': Wien: Bar Giora 250.—; Akad. Verband Jüdischer Fauen (1. Rate) 25.—; Verb. Libanonia 30.—; Dr. M. Salz 5.—; zusammen 310.—; bereits ausgewiesen 8382.07; zusammen K 8592.07. Distrikt Mähren-Schlesien: P r o ß n i t z: Slg. Leo Beer 700.—; Lundenburg: Slg. phil. Stangl 200.—; Kostei: Julie Neumann 20.—; Znaim: Zionistische Mittelschüler 15.—; zusammen 935.—; bereits ausgewiesen 3980.99; zusammen K 4915.99. * Aufgebracht wurden bisher in Innerösterösterreidi K 11.973.43; Mähren-Schlesien. Kronen 9527.31; Böhmen K 13.029.70. Gesamtsumme K 34.530.44. Sektion Favoriten des Zionistischen Zentralvereines. In der Sektion „Favoriten“ des Zionistischen Zentralvereines sprach am 21. d. M. der Kultusvorsteher Dr. Jakob Ehrlich über: „Die Aufgaben und Tätigkeit der Wiener Jüdischen. Kültusgemeinde“. Der Vortragende gab eine historische Uebersicht über die Entstellung des augenblicklichen Zustandes unserer Kultusgemeinde, knüpfte daran eine sachliche, aber energische Kritik der Wiener Kultusgemeinde und schloß seine instruktiven Ausführungen mit dem Hinweis, daß die beiden zionistischen Kultusvorsteher, so sehr sie auch' in ihrer Tätigkeit behindert seien, durch die allgemeine Teilnahmslosigkeit, doch bis zum endgültigen Siege ihrer Sache im Eifer nicht erlahmen wollten. In der sich daran schließenden Diskussion .sprachen die Herren rKnie, -Schidrowitz, Straßberger, Dr. KrauS und. Dr. Wekengrün, diealleihrerUnzufriedenhffL-mit de: gegenwärtigen Leitung .der Kultusgememde’Ausdruck gaben.; .. — — ■ -- jf. Letzter Wochenausweis des Jüdischen Nationalfonds. Die in der Zeit vom 12. bis 19. April d. J. für den Jüdischen Nationalfonds eingegangenen Spenden betragen Mk. 9043.22. Hievon entfallen auf Rußland Mk. 3650.58, Deutschland Mk. 2013.05. Galizien Mk. 1311.14, Holland Mk. 703.43, Südafrika Mk. 557.75, Palästina Mk. 407.39, Argentinien Mk. 127.17, diverse Eingänge Mk. 272.71. Zionistisdie flärtyrer. Unter Anklage standen vor dem Kreisgeridhte in Wilna die Mitglieder des Großen Aktionskomitees, die Herren B. und J. L. Goldberg, sowie die Herren J. Walowitzki, J. Grünbaum', Drujanow und Boruchow. Auf der Anklagebank saßen nur zwei der Genannten, die übrigen hatten es vorgezogen, sich durch1 Rechtsanwälte vertreten zu lassen und den Ausgang des Prozesses in der Ferne abzuwarten. Mehrere Stunden füllte die Verlesung der Anklageschrift aus. Was sie den Angeklagten vorzuwerfen hat, ist weiter nichts, als ihre anläßlich einer Haussuchung beschlagnahmte Korrespondenz, aus der hervorgebt, daß sie mit dem zionistischen Aktionskomitee in Köln und später in Berlin in Verbindung Standen, russische Ortsgruppen bei Zionistenkongressen vertreten oder sich sonst durch Artikel und Geldsammlungen in der Bewegung betätigt haben. Alle Anträge der Verteidiger, die zionistischen Schriften, die über das Wesen der Bewegung Auskunft geben, sowie frühere Ministlerialerklärungen zugunsten des Zionismus den Anklageakten anzufügen, wurden vom Gericht ■ abgelehnt. Die Verhandlung und Vernehmung der Angeklagten war rasch abgewickelt, da sich Sämtliche Angeklagte zu den ihnen zur Last gelegten Handlungen ohne weiters bekannten, unter, der Versicherung, daß ihnen dabei jedes Schuld- J bewußtsein fehlte und heute noch fehlt. Der Staatsanwalt ging in einer langen durch keine Sachkenntnis getrübte Rede auf das Wesen und die Entwicklung des Zionismus ein. So harmlos und unpolitisch die Bewegung früher war, meinte der Ankläger, so politisch, ja direkt revolutionär wirke sie heute. Kolonialbank und Nationalfonds seien nur Deckmantel für politische Wühlarbeit. Beweis: Die zionistische Organisation habe zu Gunsten der Pogrom-Opfer Geld bewilligt.(?) Das sei nationale Verhetzung. Auch die „Selbstwehr“ der Juden sei von den Zionisten organisiert. Drei tüchtige Rechtsanwälte mühten sich in stundenlangen Reden ab, auf die ganze Lächerlichkeit und Unhaltbarkeit der Klage binzuweisen. Den Beschuldigten fiel es nicht ein, ihr Werk im' Geheimen zu verrichten. Es sei unerklärlich, daß man eine interne jüdische Organisation, zu der Stolypin seine Einwilligung gab, als einen Geheimbund darstelle, dessen Anhänger strafbar seien. Diese Vernunftsgründe reichten nicht einmal hin, um den Angeklagten Zubilligung „mildernder Umstände“ zu sichern. Nach kurzer Beratung wurde folgendes Schreckensurteil verkündet: B. Qoldberg erhielt drei Monate, J. L. Goldber zwei Monate, Drujanow und Grünbaum' je einen Monat und zehp Tage, Walowitzki einen Monat Gefängnis, gegen Boruchow, der flüchtig ist, wurde ein Steckbrief erlassen und soll seine Sache nach seiner Festnahme getrennt behandelt werden. Rkaöemlsdie Gleidihtif. Der „Jüdisch-akademische Technikerverband“ hatte am Ende des ersten Semesters bei dem löblichen Professorenkollegium der technischen Hochschule ein Gesuch eingereicht, ihm als Fachverein eine Anschlagstafel zu gewähren. Gewöhnt, monatelang auf Erledigungen zu warten, wurde er diesesmal durch Schnelligkeit überrascht. Dies erschien so gar nicht amtsmäßig, besonders so gar nicht österreichisch-amtsmäßig. Kurz und bündig, ohne jedwede Begründung, erschien nach vier Wochen folgender Bescheid: „Das Professorenkollegium der k. k. technischen ■ Hochschule in Wien hat sich nicht .veranlaßt gesehen,, dem Gesuch des . . . usw.~ s t a Lt z u g e b e n,“ " “Man' merke’: Ohne “Hinweis darauf, in welcher Sitzung der Bescheid gefaßt wurde, ohne Begründung, einfach kurz und bündig: „Nein“. Das Präsidium des Vereines und je ein Vertreter der einzelnen Fakultäten sprachen bei dem Rektor Prof. Dr. Sahulka vor, um nach der Begründung des überraschenden Bescheides zu fragen. „Das Professorenkollegium hat sich d i e sm a l von den Bestimmungen des numerus clausus leiten lassen!“ waren die einleitenden Worte des Rektors. Folgende drei Tatsachen mögen diese famose Rechtspraxis näher beleuchten: 1. Ist der berüchtigte — den Juden gegenüber — numerus clausus auf Fachvereine nicht anwendbar. — Siehe seine Bestimmungen; 2. bestehen an der Technik Vereine — selbstverständlich deutsche — die mehrere Anschlagstafeln besitzen; 3. befinden sich an dieser Hodisfchule Tafeln von längst nicht mehr existierenden Korporationen. Man sieht, wie jeder einzelne dieser Gegengründe den Bescheid des Professorenkollegiums lächerlich macht. Die Vertreter des Verbandes führten dieSe Gründe nicht nur seiner Magnifizenz gegeniiiber an, welche daraufhin keine Antwort wußte, sondern auch im Rekurs an das Unterrichtsministerium. Viel Zeit wird vergehen, bis von dort oben eine Antwort erfolgt. Unterdessen gährt es in der jüdischen Studentenschaft und erinnert diese an den nahle bevorstehenden Jahrestag des blutigen 19. Mai 1913. Hoffentlich' mit mehr Erfolg: Ans flem jfiöildien Geben. Die jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten bn Jahre 1912—13. Soeben ist der neue Jahresebricht des Generalkommissars für Einwanderungswesen erschienen. * Der Bericht . umfaßt den Zeitraum vom 1. Juli 1912 bis 1. Juli 1913. Die allgemeine Einwanderung nadh den Vereinigten Staaten betrug in dem Berichtsjahre 1,198.000 Personen, d. h. um1 etwa 340.000 Personen mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Unter den Aüswanderungsländern nimmt Rußland mit 291.000 Emigranten wieder den ersten Platz -ein. Unter diesen 291.000befanden sich 74.000 Juden, das sind 25,4 Prozent. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer aus allen Ländern