Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 17 poraiionen, zionistischer Jugendvereine und des jüdischen Studentenheims, des Rechtsschutzvereines der Hausierer sowie vieler humanitärer blichene angdtört {hatte. Nachdem' der Sarg in Vereine und der Unternehmungen, denen der Verdie Gruft gesenkt war, nahm Regierungsrat Dr. Steg er namens der Freunde von Brunner Abschied. Er schilderte in erster Reihe seinen felsenfesten Charakter, der ihn dazu bestimmte, die Aermsten zu verteidigen und in einer Zeit, wo so viele Juden nur nach oben blicken und Ehrungen und Auszeichnungen nachjagen, sich mutig an die Seite der unterdrückten Juden zu stellen. Nach ihm sprach der Präsident der westösterreichischen zionistischen Organisation, Dr. Karl P o 11 a k, für die zionistische Organisation und entbot dem Mann, \,,der bereits als gereifter Mann zu uns kam1 und der nicht nur seiner Abstammung, sondern auch dem inneren Sein nach ein Jude war, in ^schlichten, bewegten Worten den letzten Gruß der Zionistischen Partei. Im Namen der Studentenschaft sprach der Obmann des jüdischen Hochschulausschusses, J.U.C. Fritz Kreith, der auch die Verdienste des Verstorbenen um das .jüdische Studentenheim hervorhob. Zuletzt ergriff Herr F r du n d das Wort für die jüdischen Hausierer. * Trauerkundgebung der zionistischen Partei. In der am 21. April stattgefundenen gemeinsamen Sitzung des innerösterreichischen zionistischen Distriktskomitees und des Zionistischen Zentralvereines widmete der Vorsitzende Gg. Ludwig B a 16 dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er seine großen Verdienste um die jüdischnationale Sache hervorhob. Zum Zeichen der Trauer erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, die Kranzspendenablösungen im Sinne des Verblichenen dem Jüdischen Studentenheim zuzuwenden. Spenden nimmt das Bureau des Zionistischen Distriktskomitees (II., Kafmeliterplatz Nr. 1) entgegen. Die zionistische Vereinigung absolvierter Handelsakademiker „Neure Jehuda“ hat den Verstorbenen, der am Wiener Zionistenkongreß ihr Delegierter war, in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen lassen. Die Rede- und Lesehalle jüdischer Hochschüler in Wien gibt Nachricht von dem Hinscheiden ihres langjährigen Ehrenmitgliedes, des Herrn Lucian Brunner, welcher sich durch seine Feuilleton. Die Juden im modernen Spanien. Von Dr. A. S. Jahuda. Bekanntlich wurde an der Madrider Universität ein Lehrstuhl für Hebräisch errichtet und der Gelehrte A. S. Jahuda aus London dafür berufen. Dies wurde als eine der Maßnahmen der spanischen Regierung angesehen, die Juden durch weitesgehendstes Entgegenkommen zur Wiedereinwanderung in das Land zu bewegen, aus dem sie im Jahre 1492 vertrieben worden sind. Dr. Jahuda veröffentlicht soeben im „Yewish Chronide“ einen längeren Artikd über die Juden und das heutige Spanien, dem wir Folgendes entnehmen: Alle Nachrichten über den Entwurf von Einwanderungsvorschlägen etc sind unrichtig, zu mindest aber verfrüht Es gibt heute schon in Spanien eine „Judenfrage“ und zwar handelt es sich um1 die 20—25.000 Juden, welche in Marokko unter die spanische Herrschäft gekommen sind. Viele von ihnen stammen von aus Spanien vertriebenen Juden ab, sind also sogenannte Spaniolen, ihre Sprache steht .sogar dem' heutigen Spanisch näher, als jene der Balkanspaniolen. Die herrschenden spanischen Kreise möchten die besten Beziehungen mit den Juden in Marokko unterhalten und sie in ihren gewerblichen und kaufmännischen Unternehmungen fördern, wozu sie vor allem aus ihrem jetzigen hohen Verdienste um diese Korporation ein dauerndes Andenken bei derselben gesichert hat. Samstag, den 25. d. M., findet ein Trauerkonvent zu Ehren des Verstorbenen statt. Nie Oer Wiener Rnltuspräsiöent Oie Würde Oes Judentums wahrt Wir waren gezwungen, uns in der vorletzten Nummer unseres Blattes mit der Person des Rabbiners Mayersohn zu beschäftigen. Wir haben ihm ein pflichtwidriges und unwürdiges Benehmen nachgewiesen und haben insbesorir ders gegen den Präsidenten Dr. Stern den schweren Vorwurf erhoben, daß er Herrn Mayersohn schüizt, die Einleitung des Disziplinarverfahrens verhindert und so das Ansehen unserer Gemeinde aufs Schwerste gefährdet. Rabbiner Mayersohn schickt uns nun durch seinen Advokaten Dr. Karl Lifczis unter Berufung aut § 19 Pr. G. eine Berichtigung, die wir vollinhaltlich veröffentlichen, wiewohl sie den Anforderungen des Gesetzes nicht entspricht; auch an der nachlässigen Form der Berichtigung ändern wir nichts. Sie lautet wörtlich : „Es ist unwahr, daß vor weit mehr ais einem Jahre dem Präsidenten Beweise darüber vorgelegt worden sind, daß ich unter grober Verletzung der staatlichen Gesetze eine Trauung vollzogen habe. Wahr ist vielmehr, daß diese Trauung richtiger Convaldierung nach Anhörung des Rabbinats im Vertreter-Kollegium in dessen Mitte vier Juristen sitzen, überprüft und als vollkommen den gesetzlichen Vorschrifentsprechend befunden wurde. Es ist daher eine Unwahrheit, daß sich im Trauungsbuche der Kultusgemeinde ein Trauzeuge unterschrieben hat, der dem Trauungsakte gar nicht beiwohnte und daß der Ort der Trauung im Trauungsbuche falsch eingetragen wurde. Vielmehr wurde der Convalidierungsakt — um eine Trauung handelte es sich gar nicht — in Gegenwart von zwei j Zeugen im Rabbinate vorgenommen und habe i ich die Unterschrift aus.'.peinlicher Genauigkeit. | erst dann im Trauungsbuche in meiner Wohnung j beigefügt, als der Magistrat das Aufgebot schriftiich zur Kenntnis genommen hat. Unwahr ist ferner, daß aktenmäßig festgestellt wurde, als ob mir schmutzige Geschäfte zum Vorwurr gemacht werden können. Unwahr ist, daß in der Ehetrennungssache der Tochter eines Handwerkers, der geschiedeneEhemann für seine Zustimmung zur Ehetrennung der geschiedenen Zustand gehoben werden müßten. Der König von Spanien hat selbst das Präsidium der „Hebräisch-spanischen Gesellschaft“ übernommen. Die Bewegung zur Repatriierung der Sefardim geht vom Senator Prof. Pulido aus und findet bei den spanischen Juden große Unterstützung. Bisher hat die Bewegung wegen verschiedener Schwierigkeiten noch zu keinem Resultat geführt. Es leben aber heute sdion in Spanien Juden (in Madrid und Barcelona) welche hiezu im Jahre 1860 die Erlaubnis erhielten. In den kleineren Städten leben zahlreiche ausländische Juden, die Sich aber als solche nicht zu erkennen geben. Sie nennen sich nach ihrem Herkunftsland Deutsche, Schweizer etc. Auch die jüdischen Namen verraten sie nicht, da namentlich in Südspanien die hebräischen Vornamen, insbesonders bei den Klerikalen, sehr gebräuchlich’ sind. Von den Südspaniern gibt es fast keinen, der nicht einen Tropfen jüdisches Blut in den Adern hätte. Auch äußerlich unterscheiden sich die Juden nicht von ihnen. So kann auf diese der alte Vers angewendet werden: Der Maranne hat es gut, Er ist Christ und auch Jud. In Sevilla gab es in den Sechzigerjahren eine Zahl marokkanischer Juden. Jeden Sabbfath ver-i sammelten sie sich zum Gottesdienst. Sie waren sehr abergläubisch und fürchteten sich, nach Spanioi zu gehen, weil der Cherem, der gegen dieses Land mach der Austreibung gerichtet wurde, noch nicht zurückgenommen wurde. Sie kehrten auch nach Marokko zurück und hielten Frau Geld erpressen wollte und unwahr ist, daß ich die Vertretung dieser schamlosen Forderung, übernommen habe. Wahr ist vielmehr, daß der Ehegatte den Betrag von einigen tausend Kronen aut Grund einer provisorischen gerichtlichen Verfügung, vorläufig zur Sicherstellung erlegt hat und daß der Ehegatte infolge Wegfalles der Vertragsbedingungen die Freizahlung des Betrages verlangt hat, daß über die bei mir eindringlich erbetene Intervention des Vaters der geschiedenen Ehegattin, der Ehegatte sich bloß mit dem Rückersatze im Betrage von 500 K. begnügt hat. Unwahr ist es, daß ich hievon 200 K eingesteckt habe, wahr ist vielmehr, daß mir 200 K freiwillig zugewandt wurden . und daß durch Belege erwiesen wurde, daß mir 200 K an Barauslagen erwachsen sind. Es ist richtig, daß der Handwerker in meiner Wohnung Zimmermalerarbeiten geleistet hat. Wahr ist jedoch, daß für diese Arbeiten ein fast doppelt höherer Löhn, als vereinbart, verlangt wurde und daß es deswegen zu einem1 Prozesse kam. Mein Anwalt begründete anerkannte Gegepfor-i derungen mittels Klage geltend machte, daß es jedoch zu einem Ausgleiche kam und über erfolgtem Ausgleiche nach Zahlung von nur 150 K beide Klagen vor der Verhandlung zurückgezogen wurden. Unwahr ist es, daß ich gelegentlich einer Ehescheidung einer unbemittelten Frau derselben Teile ihrer Ersparnisse „abgeknöpft“ habe, wahr ist vielmehr, daß dieselbe aus Anlaß der Scheidung in den Besitz von mehreren tausend Kronen gelangt ist, daß diese Scheidung mir durch ein Jahr kolossale Arbeit verursachte und sohin die geschiedene Frau mir sportan unter lebhaften Dankesbezeugungen wie bei derartigen Fällen übliche Zuwendungen machte. Rabbiner Mayerssohn.“ Zu dieser Berichtigung haben., wir zu bemerken: Wir halten alle unsere- .Behauptungen vollkommenaufr-ech-t, Und sind in der Lage, deren.vol.lständige Richtigkeit im G e r i ch t'ss a a 1 nachzu weisen. Die von Herrn Mayersohn behauptete Unterscheidung zwischen Trauung und Konvaldierung kennt das Gesetz nicht. Diese Unterscheidung ist eine gröbliche Irreführung der Gesinnungsgenossen! Verkehret nur in jenen Lokalen, in denen die „Jüdische Zeitung“ aufliegt! ihre Stammesbrüder von der Einwanderung in das genannte Land ab. Höchstens 30 Familien sind noch in Sevilla. Sie haben einen Tempel und einen Rabbiner aus Jerusalem. Infolge der geschäftlichen Konkurrenz, die sie sich machen, gibt es viele Reibungen unter ihnen. Die wenigen Reichen Waben alle Gemeindelasten zu tragen. Diese Wohlhabenden schicken ihre Kinder aber in Schulen von Geistlichen, wo sie auch christlichen Religionsunterricht erhalten. Die Kinder der Armen erhalten natürlich eine höchst mangelhafte Bildung, viele von ihnen können nicht einmal das hebräische Alphabet Dr. jahuda regelte bei seiner Anwesenheit in Sevilla die Gemeindeangelegenheiten, ln rührender Weise erklärten sich auch die Aermsten bereit, für die von ihnen gegründete Kultusgemeinde Steuern zu entrichten. Es ist dies die erste in Spanien seit der Vertreibung, und ■zwar in einer Stadt, die einst eine berühmte Stätte jüdischer Gelehrsamkeit war. In Spanien gibt es allerdings noch keine Kultfreiheit. Nichtkatholische Körperschaften können nur als private Vereinigungen bestehen. Sollte die Regierung die jüdische Kultusgemeinde in Sevilla offiziell anerkennen, so würden auch die: europäischen Juden, die in Spanien wohnen, ihr beitreten. Die Juden von Sevilla werden von den christlichen Nachbarn sehr geschätzt und sie leben mit ihnen in vollster Harmonie. Ihr Fleiß und ihre Bescheidenheit haben ihnen in allen Klassen, besonders in den gebildeten, Freundschaft erworben. Sehr imponiert den Spaniern