Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 15 (10.4.1914)
- Date
- 1914-04-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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.Nn 15 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 gelischen Gemeinden noch immer weit zurück. Nach den gepflogenen Erhebungen kommen auf 5 Personen mit einem Einkommen von 2000 bis 3000 K* 3 Personen mit einem Einkommen von 3000 bis 4000 K. Bemißt man die Kultussteuer der Ersteren mit 10 K, die der letzteren mit 15 K, dann zeigt sich folgendes Ergebnis: 12.500 Zensiten zu 10 K zahlen 125.000 K, 7500 Zensiten zu 15 K zahlen rund 112.000 K, zusammen 237.000 K. Dagegen werden 5000 jetzt mit 20 K besteuerten Personen je 5 K nachgelassen, macht 25.000 K, die Veranlagungs- und Einhebungskosten werden veranschlag mit 25.000 K. Es sind also in Abzug zu bringen 50.000 K, wonach ein Reinertrag verbleibt von 187.000 K. Bedenkt man, wie viel berechtigte Unzufriedenheit, wie viel Unmut durch eine Ermäßigung der Steuer um1 5 K in 5000 Fällen aus der Welt geschafft wird und erwägt man, daß auch alle anderen Gemeinden mit den kleinen Steuerzahlern keine ungünstigen Erfahrungen gemacht, mit ihnen vielmehr ein konservierendes Element in die Gemeinde eingefügt haben, würdigt man ferner die Wahrnehmung, daß die kleinen Steuerzahler in ihren Steuerbeschwerden niemals mit dem Austritte aus der Religionsgemeinschaft drohen, während eine solche Drohung ein beliebtes Pressionsmittel gerade wohlhabender Kreise bildet, dann kommt man zu der Ueberzeugung, daß die Heranziehung der sogenannten kleinen Leute nur zur inneren Festigung der Gemeinde dienen wird flns dem jOdifdien Geben. Der Jerusalemer Gouverneur über die jüdische Kolonisation in Palästina. Die arabische Zeitung „Il-Ikdam“ in Kairo nimmt in letzter Zeit, im Gegensatz zu den führenden arabischen Zeitungen Aegyptens, eine feindselige Haltung gegen die Juden ein. In letzter Zeit bereiste der Direktor dieser Zeitung Palästina und hatte Unterredungen mit einigen Beamten, denen er in langen Tiraden die Gefährlichkeit des Zionismus und die Notwendigkeit von Ausnahmsgesetzen gegen die Juden auseinandersetzte. Er fand aber in den maßgebenden Kreisen des Landes durchaus kein Verständnis für Seine edlen Bemühungen. So antwortete ihm' der Gouverneur von Jerusalem1, Magid Bey, folgendermaßen: „Sie wissen wohl, daß die Augen der Juden aller Länder auf Palästina gerichtet sind, wo im Altertum ihre Vorfahren lebten. Es gibt jetzt zwei Strömungen innerhalb der Judenheit: Die eine will, daß die verfolgten jüdischen Massen nach1 Amerika auswandem, die andere will die Juden in Palästina kolonisieren, um diesen Volks- Stamm' und unser Land zu neuem Leben zu erwecken. Darin liegt nichts Schädliches. Wüßten die Einheimischen von diesem Volke zu lernen, So müßten sie sich Tel-Awiw und die anderen jüdischen Kolonien zum Muster nehmen. Das Gesetz verbietet keineswegs die ‘Niederlassung fremder Untertanen in irgend einem ottom'anisch'en Gebiete. Die Konstantinopeler Zentralregierung ist bestrebt, die Eintracht zwischen den verschiedenen Volksstämmen und Rassen zu fördern und ihnen keine Hindernisse in den Weg 'zu legen. Ich' meinerseits gebe mir alle mögliche Mühe, die Völker dieses Landes einander näher zu bringen und sie auf dem Boden deS ottomanischen Reichsgedankens zu vereinigen. Ich habe zu diesem Zwecke auch Tel-Awiw und andere jüdische Niederlassungen besucht. Ich hoffe zuversichtlich, mit Gottes Hilfe dieses Ziel zum Segen des Vaterlandes erreichen zu können.“ * Eine Palästina-Landkaufsgeselfschaft in England. Der Order of Ancient MaccabeanS, ein der ■zionistischen Organisation angeschlossener Verband, hat eine Bodenenverbsgesellschaft für Palästina mit einem Kapital von 52.000 und 10.000 Dollar Hypotheken ins Leben gerufen. Die Gesellschaft will - durch Ansammlung kleiner Teilzahlungen die Mittel zum Kauf ländlicher Grundstücke in Palästina aufbringen, die entweder von den Aktienbesitzern selbst oder von dazu angestellten Personen bewirtschaftet werden sollen. Man hofft, daß das Aktienkapital (52.000 D.) der Gesellschaft genügen wird, um ein größeres Landgebiet im Distrikt Modin, der Heimat der Makkabäer, anzukaufen und es zu Ansiedlungszwecken bearbeiten zu lassen. Die Obligationen (10.000 D.) sollen Freunden der Gesellschaft, die nicht selbst Land erwerben wollen, die Möglichkeit geben, sich an dem Unternehmen zu beteiligen, und diese Obligationen samt dem' entsprechenden Zinsbetrag sollen am Ende des vereinbarten Termins zurückgezahlt werden. Das zu erwerbende Land soll in Parzellen von je zwei Acre eingeteilt und diese an die Aktionäre vergeben werden. Der Aktienbetrag (50 D.) schließt die Kosten für die Bearbeitung und Bepflanzung der einzelnen Parzellen ein, und im' übrigen sorgt die Gesellschaft für die Verwaltung derjenigen Terrains, deren Besitzer sie nicht selbst zu verwalten beabsichtigen. Man hofft, daß eine große Anzahl von Palästinafreunden — Zionisten und Nichtzionisten — sich für das Unternehmen werktätig interessieren wird. Das Direktorium hat sein Bureau in London, 226-231, Gresham House, Old Broad Street, wo auch nähere Auskünfte erteilt werden. * Jüdfehe Massenauswarderun* aus Rumänien. Die Enttäuschung und Erbitterung der jüdischen Bevölkerung, der die Regierung trotz wiederholter Versprechungen die Möglichkeit zur Erlangung der Bürgerrechte vorenthält, wächst immer mehr an. Namentlich diejenigen jungen Leute, die an dem letzten Feldzug gegen Bulgarien teilgenommen und denen die Naturalisation ungeachtet der feierlichen Zusagen der Regierung verweigert wird, befinden sich1 in verzweifelter Stimmung. Infolgedessen hat eine neue Auswanderungsbewenung unter den Juden, ähnlich der vom Jahre 1900, eingesetzt. Tausende von jüdischen Reservisten haben sich zu militärisch organisierten Trupps vereinigt, die das Land zu Fuß verlassen, um nach Amerika auszuwandern. Die erste Auswandemngsgruppe ist am 1. April von Jassy aus aufgebrochen. Die Bewegung nimmt von Tag zu Tag einen größeren Umfang an. * Die Orangenemte in Palästina. Der Orangenbau hat in diesem- Jahre ein recht günstiges Ergebnis zu verzeichnen. Im Gegensatz zu dem feuchten europäischen Winter herrschte in Palästina trockene, milde Witterung und das Ausbleiben heftiger Stürme war für den Orangenbau vorteilhaft. Auch die Preise auf dem Weltmarkt sind besser, als in den letzten Jahren, so daß bei gutgepftegten Anlagen ein schöner Gewinn sich erzielen läßt. Es hat auch die Ausfuhr der Jaffa-Orangen allmählich einen bedeutenderen Umfang angenommen, indem jährlich über zwei Millionen Kisten mit je 120 bis 150 Stück ausgeführt werden, in erster Linie nach Liverpool, aber auch nach Aegypten, Konstantinonel, Australien und neuerdings auch nach Deutschland. Um nicht mehr wie früher für den Verkauf der Orangen von d-er Willkür einheimischer Händler abhängig zu sein, haben sich zwei jüdische und eine deutsche Gruppe von Pflanzern zu einer Orangen-Exportgesellschaft zusammengetan und ihre Tätigkeit hat sich bewährt. Die deutsche Gesellschaft will in erster Linie den deutschen Markt gewinnen und es ist nicht zu bezweifeln, daß ihr dies auch gelingen wird, da die Jaffaer Orange nicht nur wohlschmeckender, sondern auch haltbarer ist, als die italienische und spanische. Junge Orangenbäume erzeugen außerordentlich große und saftige Orangen; von diesen gehen im Januar viele Kisten an den kaiserlichen Hof in Berlin ab. * Jud<*nfeindlHie Ausschreitungen in Persien. Wie hiesige Blätter berichten ist das jüdische Stadtvier+el in Pazerun IPerrien) dieser Tage vom persischen Mob geplündert worden. Die Exzedenten nahmen fünf angesehene Juden gefangen und verlangen ein hohes Lösegeld für ihre Befreiung. Neue Verkehrsstraßen in Palästina. Zwei wichtige Verkehrsstraßen sollen in diesem Jahre hergestellt werden. Die erste ist die zu den Reichsstraßen gehörige Jaffa—Nablus- Straße, deren nördliche, im Gebirge liegende Hälfte Tulkerim—Nablus zwar von Anfang an gut gemacht war .und sich auch jetzt noch in gutem Zustande befindet, deren südlicher Teil nach Jaffa aber, der in der Ebene verläuft, schon viele Jahre vom Erdboden verschwunden ist. Einzelne kleinere Strecken davon sind noch erkennbar, können aber nicht befahren werden. Da dieserer Teil der Straße auch von den nach Haifa fahrenden Wagen benutzt wird, herrscht hier ein verhätnismäßig starker Wagen- und Lasttierverkehr, der sich im Sommer querfeldein seinen Weg sucht, im Winter aber oft wochenlang lahm gelegt ist. Nunmehr hat die Konstantinopeler Regierung dem Jerusalemer Bureau der öffentlichen Arbeiten mitgeteilt, daß die ganze etwa 30 Kilometer lange Straße in diesem Jahre von Grund aus erneuert werden soll. Die zweite Straße führt in südlicher Richtung nach Gaza, einer Stadt mit ungefähr 40.000 Einwohnern. Diese Straße war bisher nur ein Feldweg, hatte aber eine ganze Anzahl größerer und zum Teil sogar schöner Brücken. Im Winter sah es aber bös aus, und 'der Reisende wußte nicht, ob er überhaupt an seinen Bestimmungsort kommen werde. Die Herstellung dieser nur zu den Provinzstraßen zählenden Strecke ist vom Generalrat der Provinz vergangenen Herbst beschlossen und von der Zentralregierung genehmigt worden. Die ersten 20 Kilometer sind bereits vergeben und sollen demnächst in Angriff genommen werden. Diese erste Teilstrecke führt an den jüdischen Kolonien Rischon te Zion und Wadi Chanin (Neß- Zionah) vorbei und erhält eine Zweigstraße nach Rechoboth. Dafür haben die Bewohner dieser Kolonien sich zu einem Beitrag der Kosten in Höhe von 5800 türkischen Pfund verpflichtet. Die Zahlu"^ erfolgt erst nach Fertigstellung und Abnahme der Straße. * Internationale Bautätigkeit in Jerusalem. Die kriegerischen Ereignisse der letzten zwei Jahre hatten hier einen fühlbaren Stillstand in der Bautätigkeit hervorgerufen. Nunmehr, da wieder ruhigere Zeiten gekommen sind, wird auch in allen Kreisen die Bautätigkeit wieder rege. Für das französische Generalkonsulat soll ein neues Gebäude Imit einem Aufwand von 425.000 Francs errichtet werden. Die Italiener planen den Bau eines großen Spitals mit schöner Kirche. Die Griechen bauen jetzt schon Schulen und erneuern ihr Kloster in der Nähe der Grabeskirche, desgleichen den Palast ihres Patriarchen. Eine Neubelebung erfährt endlich der Bahnbau. An der Verbindungsbahn zwischen der Hedschasbahn und Jerusalem über Nablus (das alte Sichern) wird bereits tüchtig gearbeitet. Man erwartet, daß diese Zweiglinie schon im nächsten Jahre in Betrieb gesetzt wird. * Palästinareise des amerikanischen Botschafters m Konstantinopel. Der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Mr. Henry Morgenthau, ist zu mehrwöchigem Aufenthalt nach Palästina gereist. Mr. Morgenthau, der bekanntlich Jude ist, besuchte vorige Woche in Begleitung des Herrn Dr. Arthur Ruppin, Leiters des zionistischen Palästina-Amtes in Jaffa, das dortige jüdische Stadtviertel Tel-Awiw sowie die jüdische Ackerbaukolonie Pethach-Tikwah. Er äußerte sich1 ungemein befriedigt über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina, dessen eifrige Förderung er versprach. Botschafter Morgenthau, der im Aufträge seiner Regierung eine Studienfahrt durch Palästina und Syrien unternimmt, traf am 3. April mit seiner Frau und Tochter in Jerusalem ein. Die Behörden bereiteten ihm einen festlichen Empfang. Mr. Morgenthau empfing zahlreiche Abordnungen der jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtsanstalten. Von hier wird der amerikanische Botschafter nach Hebron reisen, *