Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 15 (10.4.1914)
- Date
- 1914-04-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 15 Böhmen : Prag: Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler (3. Monatsrate) 20.—; Leitmeritz: Dr. E. Margulies (1. Tale) 30.—; Dux: Jüdischer Volksverein „Zion“ 204.70; zusammen 234.70; ibereits ausgewiesen 6180.30; zusammen K 6435.—. Für das hebräische SchuiWerk: Innerösterreich: Wien: Josef Thorn 5.—; Julius Kurz 2.—; Slg. Ernst Schön für Z.V.G. Jordania 13.80; Ludwig Spira 5.—; Alexander Marmorstein 10.—; akad. Verein „Esperanza“ 198.64; Linz: Reinertrag der Purimfeier des Mäddienbundes „Esther“ und des Vereines Jüdischer Mittelschüler 50.—; Slg. Deutsch 15.—; zusammen 299.44; bereits ausgewiesen 7699.18; zusammen K 7998.62. Böhmen: Aussig: Sammlung 46.—; Gablonz: Sammlung 200.—; Pilsen: Fa. Bnnnmel, Bloch und Waldstein 100.—; J. Hermann 100.—; A. Freund 25.—; O. Massarek 25.—; Fr. Baum 25.—; Kleine Spenden: R. Ehrlich (Jahresbeitrag C. B.) 15.—; Prag: Jüdischer Mädchenlund Frauenklub 127.—; Jüdischer Klub 200.—; Kleine Spenden: Bar-Kochba, Poale Zion, Dr. Ed. Fisch! 35.—; zusammen SOS.—, bereits ausgewiesen 4842.80; zusammen Kronen 5740.80. Mähren-Schlesien: Tesclren: Jüdischer Volksverein 100.—; lg lau: Jüdischer Volksverein „Theodor Herzl“ 70.—; P r e r a u: Slg. der jüdisch-akademischen Ferialverbindung „Massada“ 160.—; Troppau: Zion. Verein „Jeschurun“ 198.64; zusammen 528.64; bereits) ausgewiesen 3275.45; zusammen K 3804.09. Aufgebracht wurden bisher in Innerösterreich 11.177.98; Böhmen 12.175.80; Mähren- Schlesien 8.102.97; Gesamtsumme K 31.456.75. ■* * * Gründung der Sektion Landstraße-Schütte! des Zionistischen Zentralvereines in Wien. Am 7. d. M. fand die gründende Versammlung der vom Zionistischen Zentralverein ins Löben gerufenen Sektion Landstraße- Schütt el statt, die einen überaus gelungenen Verlauf nahm. Der große Saal des Restaurant Littmann war überfüllt, als der Vertreter des Zentralvereines, Gg. Dr. Artur R e i k, die Versammlung eröffnete. Die erste Referentin des - Abends, Gg. Frau Erna P a t a k, schilderte in . beredten Worten die Eindrücke, die sie während ihrer Palästinareise gewonnen hat, berichtete über die Erfolge'der zionistischen Tätigkeit und forderte die Anwesenden^ insbesondere'die Damen, zur regen Mitarbeit-auf. Gg-^Oberingen. Robert Strick er .m?rach über^die .Gegenwm-isiarbelt des Zionismus und kam u. a. .auf. dmUnhaltbaren Zustände in der Verwaltung der Wiener Kultusgemeinde zu sprechen. An die Re-' ferate schloß sich eine rege Diskussion, an der sich die Herren Markus, Dr. Weisengrün, Gewitsch und Ing. Kodiczek (letzterer von gegnerischer. Seite) beteiligten. Nach einer begeisterten Ansprache des Gg. Dr. Emil Stein schritt die Versammlung zur Wahl des Sektionsausschusses. Es wurden gewählt: Isidor Ge witsch (Obmann), Max Markus, Dr. Benno Schallinger, Ludwig Pollaczek, Dr. Egon Zweig, Dr. Otto Abel es, Robert Glogau, Dr. M. Silberknop und Josef Thorn. Protokoll des I. Zionistenkongresses. Als das „Protokoll des I. Zionistenkongresses“ vom Jahre 1897 vollständig vergriffen war, hat die Jüdisch-nationale akademisch-technische Verbindung Barjssia im K. P. J. V. eine Neuauflage veranstaltet, von dem Bewußtsein ausgehend; daß die Kenntnis jener grundlegenden Referate, die damals von begeisterten Männern, den Veteranen unserer Bewegung gehalten wurden, für jeden Zionisten unerläßlich ist. Nun gehen 'auch die Exemplare dieser Neuauflage zur Neige. Für diejenigen also, die sldh in den Besitz des schön ausgestatteten Buches setzen wollen, erscheint es ratsam, die Bestellung rechtzeitig an die Adresse: MUC. Franz Ekstein, Prag, V. Ufergasse 4/IV zu richten. Der Preis eines Exemplares beträgt K 1,50 exklusive Versandporto. Vereinen und Vertrauensmännern werden bei Abnahme einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren die weitgehendsten Rabatte gewährt Die neuesten Erfolge Ses „Bezzlel“. Herr Hugo Eisenstadt, technischer Teppichfabrikdirektor, einer der gewiegtesten Sachverständigen auf dem Gebiete der Teppichknüpferei, bespricht in einem längeren Aufsatze die neuesten Erzeugnisse des Teppichateliers der jüdischen Kunstgewerbeschule „Bezalel“ in Jerusalem, dem wir folgendes entnehmen: Ich habe die Anfänge in der Teppichknüpferei miterlebt und ich muß von vornherein Konstatieren, daß die Fortschritte hinsichtlich der Farbenstellung und Ausführung ganz bedeutend sind. Wir sehen auch hier wieder, daß es nur der angeborenen Fähigkeit des Arbeiters bedarf, um ihn in verhältnismäßig kurzer Zeit zu der erforderlichen Fertigkeit zu bringen. Wenn wir bedenken, daß diese Knüpfer und Knüpferinnen in Jerusalem wieder von der Technik noch von der notwendigen Farbenkenntnis die geringste Vorbildung hatten, rso ist es doppelt anzuerkennen, wie diese jüdischen Knüpfer und Knüpferinnen sich mit augenscheinlich leichter Auffassung der Teppichknüpferei gewidmet haben und erfolgreich tätig sind. Während in den anderen Provinzen des Orients und in den Familien seit Jahrhunderten eine traditionelle Ausübung der Teppichknüpferei vorhanden ist, so mußte in Jerusalem alles dieses in verhältnismäßig kurzer Zeit eingeholt werden und ich muß betonen, daß jetzt nach Verlauf von sieben Jahren eine Anzahl Teppiche vorhanden sind, die den erstklassigen orientalischen Teppichen die Wage halten. Wenn in den ersten Jahren nur die Technik des Knüpfens, welche auch gewisse Schwierigkeiten bietet, erreicht w'orden ist, so haben wir jetzt das Bild in einer formvollendeten Ausführung vor Augen. Ich will hier nicht untersuchen, woran es gelegen hat, daß die ersten Bezalel-Teppiche durch ein wenig schmeichelhaftes Aussehen den Besichtiger in eine traurige Stimmung versetzen mußten, das lag schon zum Teil an dem Bestreben, von vornherein einen jüdischen Stil zu entwickeln, der natürlich nicht in. einigen Jahren zu erringen ist, sondern der sich allmählich und aus sich heraus ergeben muß. Darum war es richtig, an Hand der besten Produkte des Orients die Knüpfarbeit vorzunehmen und ich konstatiere mit Freuden, daß durch diese Vorbilder bereits das Beste erreicht worden ist. Ich will einige Teppiche herausgreifen, die ganz besonders durch Anlage in der Zeichnung und Farbenkolorit auffallen und die ein Schmuckstück in jedem Hause bedeuten. Da ist 'ein Kirtnan-Teppich' (2,70 )zu 2,90), von welchem das Originalvorbild im Londoner Museqm zu sehen .ist, jetzt neu heraüsgekommen. der in der Anlage und Verteilung der Zeichnung durch gefällige Anordnung und Durcharbeitung der einzelnen Teilchen bis aufs penibelste auffällt. Die Farbenstimmung ist über ein persisches Kupfer gehalten und ich muß konstatieren, daß, wie bei den alten Kunstprodukten der Farbenton harmonisch auf alle Farben übergeht, wodurch eine sehr schöne Farbenstimmung hervorgebracht ist. Auch die Anordnungen der einzelnen Farbenkolorits sind mit vielem Geschmack durchdacht und jeder Fachmann wird davon angenehm überrascht sein. Ein zweiter Teppich, dessen Kante eine schöne klare Sine- Zeichnung mit vielen interessanten Einzelheiten besitzt, weist auf die geschickte Hand in der Anlage hin und enthält einen in der Farbe vortrefflich getroffenen persich-roten Unifond, der sich recht ruhig von der reich gezierten Kante abhebt. Ich habe in dieser Weise noch eine Anzahl Teppiche beurteilen können. Besonders; erwähnenswert ist ein in einer Magen-Davidzeichnung gehaltener durchmusterter Teppich, der die eigenen Ideen des Bezalel enthält und auch bereits gute Eigenschaften des antiken persischen Teppichs aufweist. Die Farben sind jedenfalls darin harmonisch zusammengestellt und wenn auch did «Z eichnung nicht den Reichtum' enthält, den man bei guten Exemplaren gewohnt ist, so ist auch hierin bereits der Beginn eines spezifisch jüdischen Stils zu ersehen und es ist sehr wahrscheinlich, daß mit der Zeit sich auch ein eigener Bezalel-Stil entwickeln wird, der das Kostbare der Farbenharmonie des antiken orientalischen Teppichs mit der im Lande eingewurzelten Zeichnung der Natur und der Geschichte vereinigt. Hinsichtlich der Technik konstatiere ich noch, daß sie vollendet ist, die Knüpferei ist exakt, die Weberei sehr sorgfältig gehandhabt worden, so daß die Teppiche eine gute Auflage haben und sich vorteilhaft gegen die sonstigen persischen Produkte bezüglich des Faltensdilagens und krummen Formen abheben. Die Farben selbst (Alizarinfarben) stellen das Echteste dar, was1 geleistet werden kann und sind nicht zu vergleichen [mit den mit Anilinfarbstoffen hergestellten marktfähigen modernen Pro dukten des Orients. Ich kann aus' diesem Grunde nur warm empfehlen, sich die verhältnismäßig kleine Zahl herausgekommener Stücke zu sichern und jeder, der einen derartigen Bezalel-Teppich [erwirbt, wird seine Ständige Freude daran haben, da auch die Preisgestaltung durch die Ausgestaltung des Zwischenhandels eine Sehr vorteilhafte ist. Nur dadurch ist auch die Möglichkeit gegeben, daß immer weitere Volkskreis’e in Palästina Sich mit diesem kunstgewerblichen Haus¬ und Handbetrieb befassen, denn die Beschäftigung der Teppichknüpferei gehört nicht nur zu den Eigenheiten des Orients, sondern wie ich mich hier überzeugt habe, haben die Juden ganz besondere Fähigkeiten, dieses Kunstgewerbe in Massen zu ergreifen. Rus 9er jüdilAen Gemeinöe. Herabsetzung des KuTtuHsteuerminimums. Wie wir in unserer vorletzten Nummer berichtet haben, wurde in der am' 17. v. M. abgehaltenen Sitzung der Kultussteuerschätzungs- Kom'mission der Antrag, der bestehenden Steuerskala zwei Stufen von 15 K und 10 K anzufügen, angenommen,. Dem hierauf bezüglichen Elaborate des Präsidenten der Kommission, Gottlieb' Bettelheim entnehmen wir folgendes: Geht man auf die Prüfung der Frage, ob' niedrige Steuerstufen errichtet werden sollen oder nicht, näher ein, dann zerstreuen sich’ alle Besorgnisse immer mehr und man gewinnt die Ueberzeugung, daß diese Frage im' eminentesten Interesse der Gem'eindewirtschaft bejaht wer-« den tnuß. Beim Vergleiche anderer Großstädte m«A den Verhältnissen der Wiener Kultus'gem'einde müssen alle jene ausgeschieden werden, in denen die Zugehärigkeit zur jüdischen KultuSgemeinde dem Belieben des einzelnen Glaubensgenossen anheim'gestellt ist. Damit entfallen die Beispiele von Paris, London, New-York, Frankfurt a. M. — Von Russischpolen war eine Auskunft nicht zu erlangen, dagegen liegen die Daten von Berlin, München, Hamburg1, Posen und Budapest vor. Es ergibt sich daraus folgendes: Wien mit einer Iniedrigsten S+ufe von 20 K hat bei 180.000 Seelen 25.300 Zensiten, d. i. 24,05 Prozent; Berlin mit einer niedrigsten Stufe von 6 Mark hat bei 140.000 Seelen 37.200 Zensiten d. i. 26,5 Prozent; München mit einer niedrigsten Stufe von 8 Mark hat bei 111.083 Seelen 26.770 Zensiten d. i. 24,1 Prozent; Posen mit 42 Prozent Zuschlag zur Einkommensteuer hat bei 5605 Seelen 1800 Zensiten d. i. 32.2 Prozent; Hamburg, deutsch-israelitische Gemeinde, niedrigste Stufe 5 Mark, hat bei 19.472 Seelen 3.800 Zensiten d. i. 20 Prozent; Pestfir israelitische Religions-Gemeinde, nied-irnde Stufe 10 K, hat bei 180.000 Seelen 38.000 Zensiten d.i. 21 Prozent; Ofen mit einer niedrigsten Stufe von 10 K hat bei 6000 Seelen 1500 Zensiten d. i. 25 Prozent. Befolgt man nicht das Beispiel der Wiener evangelischen Gemeinden, die schon das Existenzminimum von 1200 K mit 4 K besteuern, sondern läßt alle Einkommen bisf zu 2000 K vollkommen frei und nimmt man weiters an, daß unter den mit 20 K besteuerten 15.500 Gemeindemitglieder sich heute schön 5000 befinden, die über weniger als 4000 K Einkommen verfügen, dann bleiben, vorausgesetzt, daß die Einkom'mensverhältnisse der Juden sich' nicht wesentlich von denen ihrer christlichen Mitbürger unterscheiden, gegenüber den bisher besteuerten 25.300 Zensiten noch immer mindestens 20.000 Gemeindemitglieder mit Einkommen von 2000 bis 4000 K, welche zu einer mäßigen Besteuerung herangezogen werden können. Damit stünde dann die Zahl der Kultussteuerträger in Wien zur Seelenzahl im gleichen Verhältnisse wie in Budapest, Berlin usw. Sie bliebe gegenüber der Qenjeinde Posen uijd den Wiener evan-