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Jüdische Zeitung · 1914-04-10 · 15 (10.4.1914) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
15 (10.4.1914)
Date
1914-04-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 2 : t-jfc 15 Steril hat dieser Forderung bisher trotz wiederholter Erinnerungen nicht Rechnung getragen. Er hat es dadurdi zur unabweislidhen Notwendigkeit gemacht, sein gesetz- und pflichtwidriges Vorgehen öffentlich zu verurteilen. Dem Rabbiner Mayersohn werden aber auch — wie aktenmäßig festgestellt ist — schmutzige Geschäfte zum Vorwurfe gemacht. Einen besonders krassen Fall wollen wir hier festlegen. Maversohn vollzog die Ehetrennung der Tochter eines Handwerkers. Er wurde ftiefür natürlich bezahlt. Als später der geschiedene Ehemann für. seine Zustimmung zur staatlichen Ehetrennung der geschiedenen Frau Geld abpressen wollte, hat Rabbiner Maversohn die Vertretung dieser schamlosen Forderungen übernommen. Er ließ Schwiegervater und Schwiegersohn zu sich kommen und verhandelte immer nur mit einer Partei, während die andere im anstoßenden Vorzimmer warten mußte. Jede Partei mußte nach der Weisung Mayersohns schreien und auf den Tisch klopfen, um ihre Unnachgiebigkeit zu beweisen. Schließlich erlegte der Schwiegervater für seinen ehemaligen liebenswürdigen Schwiegersohn bei Mayersohn 501) Kronen, w ovon Mayersohn sofort für sich 200 Kronen einsteckte. Damit war aber die Habsucht des würdigen Rabbiners noch nicht befriedigt. Der Vater der geschiedenen Frau hatte dem Rabbiner Maversohn für 700 Kronen Ziminermalerarbeiten geleistet. Maversohn zahlte aber nicht, sondern ließ sich klagen und klagte seinerseits gegen den Handwerker eine Gegenforderung von 1000 Kronen für seine Intervention bei der Scheidung. Schließlich zog Maversohn seine schamlose Gegenforderung zurück, nachdem er aeii Gerichten -ein erhebendes Bild von der Würde eines Gemeinderabbiners geboten hatte. Auch diese ungeheuerlichen Schmutzgeschichten sind dem Präsidenten schon länger als ein Jahr bekannt und Herr Maversohn wird noch immer vor Untersuchungen geschützt. Dieser Fall ist natürlich nicht vereinzelt Schon vor mehreren Jahren ist dem Rabbiner Maversohn von einem angesehenen Gemeindcmitglied in öffentlicher Versammlung vorgew'orfen worden, daß er gelegentlich einer Ehescheidung einer unbemittelten Frau ohne jede Berechtigung einen ansehnlichen Teil ihrer Er- Erspamisse abgeknöpft habe. Damit ist das Register der unsauberen Maversohnschen Affären durchaus nicht erschöpft. Sie erschöpfend zu behandeln, ist aber nicht unsere Sache, sondern Sache des Kultus-’ Vorstandes als Disziplinarbehörde. Einen schwächlichen und unzulänglichen Versuch einer Maßregelung Mayersohns hat das V e.r - treterkollegium vor etwa zwei Monaten unternommen, indem dort der Antrag gestellt wurde, Mayersohn zur Einreichung des Pensionierungsgesuchs aufzufordern. Herr Dr. Stern wrarf sich aber auch hier in die Bresche und verhinderte selbst diesen schüchternen Versuch. Die Person Mayersohns hat für uns selbstverständlich gar kein Interesse. Und nur weil der Präsident gegen den Willen des ganzen Kultus Vorstandes ihn stützt und weil der größte Teil des Kultusvorstandes mutlos schweigt, sind wir gezwungen, die Oeffentlichkeit anzurufen. Nichts wird uns von der Erfüllung unserer Pflicht iabhalten. Denn nicht derjenige verletzt die Ehre unserer Religion und unseres Volkes, der einen Schädling der Gemeinde beseitigt, w'ohl aber derjenige, der die weitere Tätigkeit eines solchen Seelsorgers .ermöglicht. Auch hier trifft den Hehler schwerere Schulo als den Täter. Sollen wir etwa w-arten, bis man vom Wiener Rabbinat mit J e s a i a wird sagen müssen, „daß alle Tische vollgespieen sind und kein reiner Platz mehr zu sehen ist?“ Eine Reinigungsarbeit ist dringend notwendig, der gegenwärtige Präsident ist aber nicht der Mann, um sie zu vollziehen. Rundschau. Dem Verdienst seine Krone. Sogar eine siebenzackige adelige Krone. — Es war einmal ein Moschkojude, der all ‘ sein Trachten und Sinnen knechtisch darauf richtete, den Polen Gefälligkeitsdienste zu leisten und dem eigenen Volke zu schaden. Einst kam es zu Wahlen in der Stadt dieses Moschkos und da die Juden einem eigenen jüdischen Kandidaten die Stimme zuwenden wollten, rief der Moschko das Militär herbei und ließ auf das eigene Volk schießen. Es wäre ihm schlecht ergangen, hätte er nicht in der Flucht seine Rettung gesucht. Aber siehe da: bereits nach zwei Jahren, anläßlich der Einweihung eines Waisenhauses, nannte ihn!ein anderer (Moschkojude einen „Vater der Waisen“. Nun soll man in der Ehrung dieses braven Mannes mit den bluttriefenden Händen fortfahren: die Regierung trägt sich mit dem Gedanken, seine Verdienste durch Erhebung in den Adelstand zu belohnen. Wie (wir erfahren, liegen die Akten bereits im Ministerium des Innern. Den Adel der Seele soll nun der Adel des Namens ergänzen. Letzten Endes würde er in die Gesellschaft der adeligen derer von Löwenstein und derer von Horowitz gut hineinpassen. Aber nichts könnte die Entrechtung der Juden in Galizien und die Nichtbeachtung der jüdischen öffentlichen Meinung krasser charakterisieren, als diese Auszeichnung Jak o b F euersteins, dieses jüdischen Volksfeindes. Seine Nobilitierung käme einer Verhöhnung des jüdischen Volkes in Oesterreich und der Förderung der polnischen Korruption zu Lasten der jüdischen Ehre gleich. Und die Verletzung der jüdischen Ehre wird selbst der Vater der Waisen nicht wünschen. Nicht wahr, Herr Feuerstein? « * * Die Affaire Sviha. Die Sache ist wohl unseren Lesern aus den Zeitungen bekannt. Der k. k. Bezirksricnter von Senftenberg und Reichsratsabgeordnete Dr. Karl S v i h a, der Führer der national-sozialistin sehen tschechischen Partei im Reichsrat, ist, wie seine politischen Gegner behaupten, seit einer Reihe von Jahren in den Diensten der Geheimpolizei gestanden und hat für fixen Gehalt die Geheimnisse seiner Partei verkauft. Ein abschließendes Urteil zu fällen ist unmöglich, solange die Schuld des Mannes nicht vor einem staatlichen Gericht im öffentlichen Verfahren festgestellt ist. Immerhin scheint sein Ver- ■MEINUS!§emarm§! Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei evon allen künstlichen Zusätzen. Feuilleton. Pessach im Kaukasus*). Von Z’wi Kasdai. Aus dem Hebräischen von Hugo Herr mann. Mit dem Neumond des Nissan beginnt man den Weizen für das Pessachmehl zu mahlen und während des Mahlens steckt man in der Mühle Wachskerzen an. Den Weizen aber bewahrt man im Haus von den Monaten Thammus und Ab her auf, wo in jenen Gegenden die Weizenernte beendigt wird. Denn bei ihnen besteht bis heute der Gebrauch, daß die armen Frauen hinter den Schnittern her auf die Felder sammeln gehen, sogar zu den Nichtjuden; was sie aufgelesen haben, dreschen sie jeden Abend aus und verkaufen es zu Mazzothmehl. Sie backen die Mazzoth in einem geräumigen Backofen, der unten breit und oben schmal ist, wie ein umgekehrter Topf. Wenn er mit Stroh oder Mist ausgeheizt ist, legen die Frauen, die den Teig kneten, die Mazzoth an seine Wände. Jeden Tag stellt man •Wasser für den folgenden Tag zuredit. Dann versammeln sich die jungen Frauen und die Mädchen im Backhause, wo sie in der Arbeit abwechsein. Sie sitzen voll Erregung und *) Wir entnehmen dieses volkskundlich' sehr interessante Stück dem von Hugo Herrmann herausgegebenen Pessadhbuche Cliad Gadja Das etwa 250 Seiten starke Buch ist reich illustriert und kostet in geschmackvoller Ausstattung, steif kartoniert 3 Mark, in Leinenband als Geschenkausgabe 5 Mark. Bestellungen an 'den- Jüdischen Verlag, Berlin W 15, Sächsiche Straße S. Spannung auf dem Boden, kneten den Teig in einem kupfernen Gefäß, walzen ihn aus und lassen ihn „rädeln“. Dann bringen sie ihn schleunigst in den Backofen. Während cer letzten Woche vor dem Fest herrscht große Bewegung. Die Frauen machen sich an ihre große Arbeit, säubern, reiben, putzen, waschen. Das wichtigste ist ihnen, daß sie die Kupfergeräte recht schön und glänzend machen; darauf wird bei den Völkern des Kaukasus, die viel kupfernes Geschirr verwenden, großer Wert gelegt. Aber auch den Sattel und das Saumzeug .putzen sie gründlich und hängen es in den Winkeln ihrer Wohnung auf. Die Männer aber beschäftigen sich eifrig damit, das Chamez zu verbrennen; von der Sitte, das Chamez zu verkaufen, wissen sie dort nichts. Denn sie nehmen alles ernst und streng. Am Erew Pessach fasten alle erstgeborenen Söhne, es gibt für sie keine Befreiung durch Loskaufen oder durch Beendigung eines Studienabschnittes. Vom Mittag an sind sie mit der Vorbereitung des Karpas und des Charoßeth beschäftigt, das sie alle acht Tage als einen richtigen Gang aus einer großen Schüssel essen. Wenn sidh der Tag neigt, ziehen die Männer .„Freiheitsgewänder“ mit weiten buschigen Aermeln an, stecken einen kurzen Speer in ihren Gürtel — manche nehmen auch ihre Pistolen — und gehen in das Beth-Hamidrasch zu! Gesang und Gebet. An diesem Abend singen , nämlich alle das große Loblied Wort für Wort 1 mit dem Vorsänger. Kehren 'sie aber heim, so finden sie ihre Hütte bereits zu Ehren. des Festes mit vielen Kerzen beleuchtet. Die alten Frauen hüllen sich in ihre Tücher, die jungen Frauen aber und die Maddhen' in Linnen- und Webestoffe und flechten Rosen Und, andere Blumen in -ihre Locken- und Zöpfe. Sie holen eilig, was sie vorbereitet haben, gebratene Gänse, gestopfte Truthähne, Mazzoth, Maror, eine Schüssel Charoßeth und bringen es ihren Männern nach dem Hause des Rabbiners. Denn es ist bei ihnen Sitte, daß sich viele Familien im Hause eines „Gelehrten“ versammeln; es kann aber auch bei einem einfachen Familienvater sein, wofern er gut hebräisch kann und die Hagadah in ihre (tatarische) Sprache zu übersetzen versteht. So sitzen sie denn nach ihrer Art auf dem Boden und der Gelehrte übersetzt ihnen mit vieler Innigkeit die Hagadah. Mazzali, eingcwickelt in ein altes Tuch, legt So wie früher der Brauch war, daß sich mehrere Familien zu einem Lämmlein ansagten und in einem Hause zum Seder versammelt waren, so ist es bei ihnen noch heute, daß immer einige Familien Zusammenkommen. Das fördert ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihre innige Brüderlichkeit sehr. Es ist ein schönes Bild, wie sie dasitzen, gekleidet in ihre Festgewänder, so breit und bauschig, den Gürtel um ihre Lenden und den' kurzen Spieß an der Seite; Sie sitzen in einer Reihe, geordnet wie Soldaten, die nach dem' Kampfe ruhen. Zwischen den Reihen sind kostbare persische Teppiche ausgebreitet, für die das Wort der Megilläh gilt: „Weißes Zeug und purpurblaues Tuch, eingefaßt mit Schnüren von Byssus und Pürpur.“ Und auf ihnen stehen prächtige Leuchter mit brennenden Kerzen. Die Frauen, die das ganze Jahr in ihre Zimmer zurückgezogen sind, kommen zum' Seder mit unverschleiertem Gesicht undgeschmückt mit goldenen Ohrgehängen und köstlichen Ringen von Sajiliirstein und Diamanten; um den Hals tragen sie goldene Und silberne' M'ün'zeh auf einen blauen' Faden' gereiht; ürii die Lehden silberne Kettengürtel; - die jüngeiT

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