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Jüdische Zeitung · 1914-04-03 · 14 (3.4.1914) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 14 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 sammenfassung und Sichtung des vorhandenen statistischen Materials, Einigung über eine Reihe von Fragen, betreffend einheitliche Statistik, Diagnose und therapeutisches Vorgehen, Aufklärung der Bevölkerung und so weiter. Die Konferenz dauert drei Tage und findet im Anschluß an das Jewish Health Bureau in dessen Räumen statt. Die klinischen Demonstrationen und Operationen werden in der Augenklinik „Lemaan Zion“ abgehalten werden. Eine Reihe wichtiger Referate und Demonstrationen sind angekündigt und bereits zu einem Programme geordnet. *. Das Los entscheidet. Der russische Bildungsminister beschloß, die in den Mittelschulen und einzelnen höheren Lehranstalten schon längst eingeführte Prozentnorm für jüdische Schüler auf die Weise zu regeln, daß zwischen den Petenten das Los entscheiden möge, wer bis zu dem normierten Prozentsatz in die betreffende Lehranstalt aufgenommen werden soll. Journalisten gegenüber, welche den Justizminister Taube darüber befragten, weshalb die Regierung zu diesem Modus gegriffen habe, erklärte der Herr Vizeminister, daß die Regierung darin einen ganz besonderen Gnadenakt den Juden gegenüber erblicke, weil bisher nur der sehr reiche Jude durch Protektion und ähnliche Mittel sein Kind in die Mittelschule bringen konnte,- während der ärmere Schüler ausgeschlossen blieb. Nun soll das sicherlich unparteiische Los hierin eine gerechte Ausgleichung herbeiführen. In der Tat hat diese Losung sicherlich aber keinen anderen Zweck, als das Durchschnittsniveau der jüdischen Mittelschüler künstlich herabzudrücken. Während nämlich bis nun zumeist Schüler mit Auszeichnung im Rahmen der Prozentnorm aufgenommen wurden und die weniger begabten unberücksichtigt blieben, wodurch der jüdische Schüler in der betreffenden Klasse gewöhnlich über seine russischen Kollegen hervorragte, soll von nun ab diese „unangenehme Erscheinung“ wie die russischen antisemitischen Blätter sich auszudrücken pflegen, verschwinden. Ueberdies rechnet die Regierung auch damit, daß das Los solche arme Schüler treffen könnte, welche nicht in der Lage sein würden, die Kosten des Studiums auf die Dauer zu tragen und dadurch gezwungen wären, das Studium aufzugeben. So sehen in Wirklichkeit die Gnaden der russischen Regierung aus. * Jüdisches Geld für russische Kirchenschulen. Vor einiger Zeit wartete die offiziöse „Roßja“ mit der ganz verblüffenden Mitteilung auf, daß die .yon der griechisch-katholischen Kirche geleiteten geistlichen Schulen namhafte Subventionen aus einem Fonds erhalten, der vom Baron Hirsch seinerzeit zu diesem Zwecke gestiftet wurde. Wie begreiflich', erregte diese Mitteilung großes Staunen und ungläubiges Kopfschütteln in den jüdischen Kreisen. Bei aller innerer Unnatur 'der Verhältnisse in Rußland, schien es doch ganz ungeheuerlich, daß Schulen, die im Geiste von Pranaitis und Konsorten geleitet werden, die Ritualmord-Sachverständige heranziehen, von jüdischem Gelde unterhalten werden. sollten. Die Tatsache steht aber dennoch fest: sie ist offiziell bestätigt worden. Die Frage kann also nur noch sein:, wie der jüdische .Phir, lantrop zu dieser unglücklichen Idee gekommen. ist. Darüber gibt.ein Tibfrnles, .russisches r Blatt folgende Auskunft': . \.T Als in den Neunzigerjahren Baron Hirsch davon träumte, in wenigen —Jahren das Gros der russischen Judenheit;; in »Argentinien anzusiedeln, -um sie dort der' Landwirtschaft zuzti— führen, unternahmen es seine Vertrauensmänner, in Rußland bei der Regierung auf eine' Erleichterung und Ermöglichung der erwarteten Massenauswanderung hinzuwirken. Der Ministerrat verhielt sich sehr sympathisch zu dem Unternehmen des Baron Hirsch und beschloß, die gewünschten Erleichterungen, wie die unentgeltliche Aushändigung von Auslandspässen, die Befreiung von der. Militärpflicht usw. zu genehmigen. Nachdem Baron Hirsch früh genug eingesehen hatte, daß die Quelle des Elends auf diese Weise nicht auszuschöpfen sei, mußte er einen Teil seiner Hilfsarbleit auf Rußland selbst konzentrieren und zwar suchte er die Lage der Juden im Lande durch Errichtung von Landwirtschafts- und Handwerkerschulen zu verbessern. Hier zeigte sich aber das Ministerium dem Baron weniger zu willen. Von Eingeweihten erhielt er dann einen Wink, durch Stiftung eine größere Summe für Zwecke der russischen Kirche seiner Aktion die Bahn zu ebnen. Das tat denn auch Baron Hirsch . und so entstand der „Jüdische Fond für die russischen Kirchenschulen.“ Es wäre ein tnüßiges Unterfangen, sich heute in Betrachtungen darüber einzulassen, ob Baron Hirsch damals recht getan hatte oder nicht. Die Tatsache, daß die Brutstätten des Judenhasses mit jüdischem Gelde erhalten werden, steht aber fest, und ebenso fest steht es, daß die den russischen Juden aus den Hirsch-Schulen fließende wirtschaftliche Hilfe in gar keinem Verhältnis zu dem Nutzen-steht, die die russische Kirche seit Jahren aus dem, Hirschfond zieht. „Blau-Weiß“ in Palästina. Der Wiener Führer JUC. Heinr. Glanz, der seit einigen Monaten in Palästina weilt, hat auch dort dem gesunden Gedanken des Wanderns zum Durchbruch verholfen. Jerusalem besitzt seit einiger Zeit einen Wanderbund, der ein bedeutsames Glied in der Reihe jener Faktoren zu werden berufen ist, die die Regenerierung der eingesessenen chalukagewöhnten Bevölkerung anstreben. In frohen Wanderscharen durchzieht die Jerusalemer Jugend die Kolonien und fröhliche hebräische Lieder wechseln mit munteren Spielen und turnerischen Uebungen. Die palästinensischen Lehrer, welche die Bedeutung der Wanderidee erfaßt haben, werden die Wanderbunde zu einer häufigen Erscheinung in Palästina machen. Die Juden in Rumänien. An dieser Stelle haben wir uns des Oefteren mit der traurigen Lage der Juden in Rumänien befaßt. Trotz der von gewisser Seite verbreiteten Gerüchte müssen wir leider feststellen, daß sie immer hoffnungsloser wird. Bei den nun bereits entschiedenen Parlamentswahlen haben die Antisemiten gesiegt. Mit Hilfe der Regierung, welche sich „liberal“ nennt, sind zwei Führer der nationalistisch-antisemitischen Partei ins Parlament gekommen. Einer von ihnen, Cuza, ist als wildester Hetzer bekannt, der sich nicht scheut, das Volk in blutrünstigen Artikeln zu Pogrom nach russischem Muster aufzufordem. Im übrigen versicherten während des Wahlkampfes die Führer sämtlicher Parteien mit Emphase, daß sie nicht daran denken, den Juden die Gleichberechtigung zu geben. Ob auch die in der Wahlkampagne von den Kandidaten gemachten Versprechungen oftmals nicht erfüllt werden. Aber in diesem Falle ist an der „Redlichkeit“ ihrer Versicherungen leider nicht zu zweifeln. Die vom Komitee der „Vereinigung 'der eingeborenen Juden“ an den Ministerpräsidenten gerichteten Petitionen sind weder von diesem, noch von König Karol beantwortet worden. Dennoch setzt das Komitee in seltsamem Optimismus den hoffnungslosen Kampf um die Gleichberechtigung fort. * . Ein Semester Jüdisch-akademischer Techniker- Verband. Zu Beginn dieses Studienjahres ist es den Bemühungen einiger Techniker aus höheren Jahrgängen gelungen, den J. A. T. V. ins Leben zu rufen. Der größte Teil der jüdischen Techniker, der keiner jüdischen Studentengemeinschaft angehörte, begegnete dem Verbände anfangs mit Mißtrauen, so daß das Gründungskomitee tatkräftige Arbeit zu leisten hatte, die Gesinnungsgenossen über die Ziele des Vereines aufzüklären. Der J. A. T. V.. ist ein Facilverband, der seinen Mitgliedern wichtige Studienbehelfe, wie Bücher, Skripten, Zeichenvorlagen, wissenschaftliche Apparate, unentgeltlich zur Verfügung stellt; er abonniert eine große Anzahl von Fach- und Kunstzeitschriften und schreibt Wettbewerbe aus; er ist ein Unterstützungsverein für jüdische Techniker; er unternimmt allwöchentlich Wanderausflüge. Der J. A. T. V. wird seine Mitglieder aus der peinlichen Lage befreien, einem der Fachverbände an der Technik angehören zu müssen, die notorisch deutschnatfonal sind, teilweise Juden überhaupt nicht aufnehmen oder sie als Eindringlinge -betrachten. —-DerjrAiTTV. vereinigt nach einem Semester 'mehrals 200 Techniker und erwartet Jetzt* den Beitritt von erwa 100 Kollegen. - ■*• Der Ausschuß bemühte sich, so rasch wie möglich die einleitenden Arbeiten zu erledigen, um seine Wirksamkeit zu Gunsten der Mitglieder entfalten zu können. Am 17. Dezember versammelte der J. A. T. V. seine Freunde und Gönner zu einem Eröffnungsabend. Am 12. Dezember fand im Hotel Guth ein Diskussionsabend „Die Zukunft des jüdischen Ingenieurs“ statt, in dessen Verlauf der Herren Ingenieure Strickler, Tobel 1, Kauf den zahlreich erschienenen jungen Kollegen wichtige Fingerzeige für die Zukunft gaben. Ferner fanden statt: Am 4 .Februar eine Exkursion in die Glühlampenfabrik des Herrn Ing. J. Kremenezky, am 22. Februar ‘in die Telephonzentrale 111, am 25. Februar in die Maschinenfabrik Ganzu. Co„ Leobersdorf und in die Austro Daimler Automobilfabrik, Wr.-Neustadt. Bei allen diesen Exkursionen waren die Mitglieder in großer Anzahl erschienen. Am 23. Februar fand im Lokalder Lese- und Redehalle jüdischer Hocbschüler ein Vortrag des Herrn Ing. Tob eil „Aus der Werkstatt eines Ingenieurs. Theorie und Praxis,“ satt. Der Redner hob die Wichtigkeit der einzelnen in der Realschule gelehrten Fächer hervor und zeigte an Beispielen aus seinem arbeitsreichen Leben die Anwendung der fundamentalsten Sätze in der Praxis. Das zweite Semester wird in rascher Folge eine große Anzahl interessanter Exkursionen und Vorträge bringen . Der J. A. T. V. hat bereits in der Nähe der Technik mehrere große Zimmer gemietet, die für die Versammlungen der Mitglieder, als Lesesäle, Arbeitszimmer usw. dienen werden. Nun ist der J.A.T.V. ein junger Verein, hat große Ausgaben und geringe Mittel. Er hat an viele Private und Kultusgemeinden das Ersuchen gerichtet, Förderer des Verbandes zu werden. Nur wenige Privatpersonen und die Kultusge- Mährisch-Östrau haben einen Beitrag gesandt, wofür ihnen an dieser Stelle bestens gedankt seL Jedermann, der an dem J. A. T. V. Interesse nimmt, wird dringend um Unterstützung gebeten. Zu großem Dank ist der Verein Herrn Oberinspektor Ingenieur Löbl verpflichtet, durch dessen großmütiges Geschenk die Vereinsbibliothek um 51 kostbare wissenschaftliche Bände vergrößert wurde . Wir fordern auf diesem Wege unsere befreundeten Ingenieure, Architekten, Chemiker und Geodäten auf, Bücher, Zeitschriften, Zeichnungen und andere Studienbehelfe dem Verein zukommen zu lassen. Zuschriften sind an cand. mech. Paul Fischer, II. Rueppgasse 17, zu .richten. Postsparkasse-Nr. 148.254. * Zionismus in der Türkei. Die „Jüdische Zeitung“ berichtete bereits vor einigen Wochen über die bevorstehende Gründung eines zionistischen Verbandes für die Türkei. Nun erhalten wir aus Konstantinopel die Nachricht, daß die Statuten des ersten zionistischen Vereins in der Türkei von der Regierung bestätigt worden sind. Die Gesellschaft heißt „Histadruth Zionith Ottomanith“ (Ottomanisch-zionistische Organisation) und bezweckt nach den Statuten, die Niederlassung der Juden in der Türkei zu erleichtern, die Entwicklung der' in Palästina einwandernden Juden und der dort ansässigen jüdischen Bevölkerung zu fördern, die Kenntnis der hebräischen Sprache Und der jüdischen Geschichte zu verbreiten und das Gemeinschaftsgefühl der Juden zu stärken. Die Gesellschaft unterstützt auch die jüdische Einwanderung und die jüdischen Schulen imd beschäftigt sich mit allen Fragen, welche das Leben der Juden in der Türkei betreffen. Sie hat das Recht, mit anderen Organisationen, welche die gleichen Bestrebungen verfolgen, in Verbindung zu treten, sowie ‘im ganzen Gebiet der Türkei Zweigvereine zu eröffnen. Dies sind die wichtigsten Bestimmungen des Statuts, und die Gesellschaft wird in -nächster Zeit ihre Tätigkeit beginnen. aus der Fabrik L. T. Piovati QQQQQ Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN I„ Adlergasse 3. I., Franz Josefs-Quai 19. Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. OO HURI JAKOB PIRKAS im Neubau de» ■wp HOTEL NEW YORK TC2 Wien, II., Kleine. Sperlgaasei . bietet, den P. T. Cüsten alten-. Komfort. — Küche und Keller sind, als erstklassig bekannt Elegante un.1 geräumige Lokalitäten. Kochzeits¬ und. Festbankette werden bestens arrangiert. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] Telephon 39247. Chad Gadja, das Pessachbuch, herausgegeben von Hugo Hermann, K 3.60. Schalem Asch, kleine Geschichten aus der Bibel, K 4.80. Antiquariat. Prowinzwersanö. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Vadnsaadiriditeit. Wien. Im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim fand am 28. März ein zweiter vom Herzlklub veranstalteter Abend in Anwesenheit von etwa 120 Personen statt. Gg. Dr. Wilhelm Stein sprach über „Jehuda Halevi“, über die Juden in Spanien, über die hebräische Literatur zurzeit Jehuda Halevis und schloß seinen Vortrag mit wunderbaren, vom zionistischen Ideal getragenen Worten. An den FT-'fT-f: •-.yrUiBvt. y-tf

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