Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Uance-Schulen. Gleich nach Eröffnung dieser Anstalt wurden Unterriditsstunden für Gartenbau eingerichtet, die für die zukünftigen jüdischen Hausfrauen sehr notwendig sind. Jeder, der Gelegenheit hat, die deutschen Siedlungen in Palästina mit den schmücken Blumen- und Gemüsegärten vor den Wohnhäusern zu sehen, die nur von den Frauen angelegt und gepflegt werden, wird verstehen, wie sehr der Unterricht im Gartenbau an unseren Mädchenschulen geeignet ist, das jüdische Kolonisätionswerk zu fördern. 3. Kin derg ärt n e ri n n e nsch u 1 e. Diese Schule hat einstweilen' nur eine einzige Klasse, die von 20 Mädchen aus Jerusalem und den jüdischen Kolonien besucht wird. Nach dem Peßadh-Feste soll eine Zweite Klasse und im Anschluß daran ein hebräischer Kindergarten eröffnet werden. 4. Hebräisches Mädchenwaisen, heim. Dies ist eine Erziehungsanstalt für jüdische Waisenmädchen aus Jerusalem und aus den russischen Städten, in denen vor einigen Jahren Pogrome stattfanden. In dem Mädchen- ’heim sind 20 Waisenmädchen untergebracht, die die hebräische Mädchenschule besuchen. 5. Hebräische Knabenschule. Diese Anstalt umfaßt in 6 Klassen jmehr als 100 Schüler. Nach dem1 PeßaCh-Feste sollen zwei weitere Klassen eröffnet werden. Die Schule ist dem1 hebräischen Lehrerseminar angeschlossen und wird von dem bekannten Pädagogen und Schriftsteller Ch. L. Suta geleitet. 6. Hebräisches Lehrerseminar, Das Seminar umfaßt in 5 Klassen 70 Schüler. In einigen Wochen werden die Abgangsprüfungen für die SChüler der obersten Klassen stattfinden, die zum' größten Teil bereits Stellungen als Volksschullehrer gefunden haben. Das Lehrerseminar ist berufen, Lehrkräfte mit jüdischer und allgemeiner Bildung für alle hebräischen Schulen in den Städten und Kolonien Palästinas, Sowie in den anderen Städten des Orients heranzubilden. Die Leitung des hebräischen Lehrerseminars ruht in den Händen des Herrn David Jellin. Im Anschluß an das Lehrerseminar sind auCh Handelsschulkurse in mehreren Klassen eingerichtet. Das hebräische Lehrerseminar ist die wichtigste unter den neuen hebräischen Erziehungsanstalten Jerusalems und wird zweifellos für die nationale Erziehung der Jerusalemer Jugend von hervorragender Bedeutung Sein. durchleuchtet zu haben vermeinte und dennoch SiCh beugen muß vor der Feier des völlig Unwissenden, der nichts hatte als den Tisch mit den Mazzot und dem Wein und das schlichte Gebet um Freiheit. Inna Perez‘ Erzählung „Der Zauberkünstler“ gehört dem chassidischen Wun- Öerkreise an — sie ist der kürzlich erschienenen Sammlung der „Volkstümlichen Erzählungen“ entnommen. Aus den gemütsreichen Tiefen des Volkslebens schöpft auch die menschlich-rührende Skizze Agnons „Der Seder“, wie da der Zufall zwei einsam Verwitwete, Jechiel MiChal und Sora Leo, zu einem gemeinsamen Seder zusammenführt. Wie Agnon besonders zart die eiben erst aufknospende Beziehung von Mann und Frau zu schildern weiß, so Ben Zion, das noch halb träumende Leben der Kindheit. Seine Erzählung „Mit dem Frühling“, wie gerade die Frühlingsstimmung mit den Verwirrungen des häuslichen Lebens vor der Pessachzeit zusammen in den Schirha-Schirimträumen eines Kinderherzens so eigenartig sich spiegeln — gehört sicherlich zu den besten Stücken der nicht gerade armen neuhebräischen Kinderliteratur. Köstlich in ihrer Art sind der „Tausch“ des noch wenig übersetzten klassischen Humoristen Mendele Mocher Sforim und . Bialiks liebevoll-realistische Halbdichtung „Melameds Hoffnung“. . Auch die heutige Wanderung nach Palästina ist nicht vergessen. Humorvoll deutet der vor wenigen Jahren verstorbene Lewinski, der den Bibelvers, wonach unsere Vorfahren mit reichem Gute Aegypten verließen, auf die nach Palästina strebenden Kapitalisten, die nicht bloß einer Er- PolnisdKF Antisemitismus. (Brief aus Warschau.) Die antisemitische Hetze in Russisch-Polen nimmt immer blutrünstigere Formen an. Insbesondere das vom Klaviervirtuosen Padernewski gegründete und sehr stark verbreitete Blatt „Zwei Groschen“ fordert direkt zu Pogroms auf. Seit geraumer Zeit verzeichnet diese Zeitung sorgfältig jeden Diebstahl in Christlichen Läden und bezeichnet solche Fälle als Folgen des Kampfes „der Juden gegen die christlichen Geschäftsleute“. Vor einigen Tagen wurde ein Konsumvereinsladen in B1 o n i e, bei Warschau, bestohlen. Die Zeitung erzählte, daß schon lange vorher die Juden gesagt hatten, der Konsumverein werde zugrunde gehen und betrachtet dies als schlagenden Beweis, daß die Juden den Diebstahl arrangiert haben. Im Städtchen behauptet man, daß die Geschäftsführer selbst den Diebstahl inszeniert haben, um keine Dividende verteilen zu müssen. Die Zeitung bezeichnet das als Judenlüge und betont, daß in der letzten Zeit immer nur Christen bestohlen werden. Dahinter stecken zweifellos die Juden. Deshalb fordert das Blatt sämtliche Christliche Krämer auf, jeden Vorfall genau bekanntzugeben, um gegen die jüdischen Blutsauger vorgehen zu können. In Zyrardow ereignete sich ein Mord, der die Stimmung des polnischen Pöbels infolge der Hetzereien der polnischen Gesellschaft und Presse Charakterisiert. Im Hause einer Frau Freindreich im Zyrardow wohnte ein Arbeiter Michalski mit seiner Konkubine MatusChewska. Dieses Weib ließ keine jüdischen Wohnparteien passieren, ohne sie zu beschimpfen und schlug jüdische Kinder, die im Hofe spielten. Die Hausbesitzerin beklagte sich bei Michalski und bat, seine Freundin zu zähmen. Diese Klagen scheinen entsprechend gewirkt zu haben, denn die Matuschewska fiel einige Stunden später die Frau Freindreich an und erschlug sie mit einer Axt. Bezeichnend ist es, daß die Matuschewska nach vollbrachter Mordtat ruhig zur Polizei ging und mit cynischem Lachen meldete, daß sie die „Frau B e i 1 i s“ getötet habe. Die Bewegung gegen Juden ist nur Selbstschutz. Das wird seitens der ganzen polnischen Presse beteuert. Merkwürdiger Selbstschutz! Nunmehr haben die Polen auch eine Boykotterklärung gegen jüdische ph i 1 antropische Gesellschaften erlassen. Diese Gesellschaften arrangieren jedes Jahr Konlösung würdig seien, sondern einer solchen auch bedürfen. Schließlich schildert ein Mitteilnehmer der vorjährigen Palästinaturnfahrt das Fest in Rechobot, das nunmehr alljährlich zu einer Art Nationalfest in Palästina geworden ist. Wenn wir den Bericht über dieses Büchlein, das auf kurzem Raume so viel Gutes enthält, in einer gewissen Ordnung gebracht haben, so entspricht diese Art nicht der Anordnung des Buches selbst. Vielmehr sind hier Historisches und Gegenwärtiges, Erzählung und Wirklichkeit, Zeremonielles und Mythisches bunt durcheinandergewirbelt. Eine sachliche Darstellung der Haggodah in ihrem Aufschwung und Niedergang aus der Feder Zlocistis, gibt dem Leser manche Aufklärung über die Historie der Feier, wie diese selbst in bunter Weise die Historie überhaupt, zur Erinnerung brachte. Daß auch die Agoda, die alte Legendenwelt, zum Worte kommt, in Form eingeschalteter kleiner Uebersetzungen aus dem Bialik-Rownitzkischen „Sefu ha Agoda“ ist besonders dankenswert. Dem Buche, das nur in Bezug auf den Einband einiges zu wünschen übrig läßt, ist weite Verbreitung zu wünschen. Kann man es doch als einen kleinen, wohlgelungenen Versuch begrüßen, dem modernen Juden, dem das Konfessionelle ebensowenig genügt als das der bloßen Form nach Nationale, ein Buch zu geben, das noch etwas von den Zaubern der alten Haggoda an sich hat und dabei die Frische eines in sich O O QRflF-Würfel Feinste Rindsuppe An Ausgiebigkeit and Wohlgeschmack ähnlichen Erzengnissen weit überlegen. Graf-Würfel u. Würze Koscher. MaacMe i»e-an auf den Namen „Graf“ zerte, Maskenbälle usw. Gewöhnlich fanden diese Veranstaltungen in Sälen statt, welche Polen oder polnischen Vereinen gehören, auch im polnischen Stadttheater. Es beteiligten sich auch die Künstler der polnischen Theater. Der Boykott befaßt sich' nun auch mit diesem Teil des öffentlichen Lebens und man fängt an, den jüdischen philantropischen Gesellschaften die größten Unannehmlichkeiten zu bereiten. Man refüsierte die Lokale, am Vorabend der Konzerte melden sich die Künstler als „krank“ ab. Die jüdischen Gesellschalten wandten sich infoge des Saalmangels an den Vorstand der Regierungstheater, der ihnen auch die sogenannten Redoutensäle für einige Abende überließ. Eine derartige Entweihung konnten die Polen nicht ruhig ertragen, und in giftigen Artikeln behaupteten sie, daß die Redoutensäle, die sonst den traditionellen polnischen Bällen dienen, jetzt durch eine Gesellschaft mit asiatischer Benennung besudelt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, falls die Redoutensäle in polnischen und nicht in russischen Händen wären, die Boykottritter die Theaterverwaltung veranlaßt hätten, die Säle sogar jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften zu schließen). Die Ealaahas. Vor einigen Jahren begann sich die jüdische Welt für einen jüdischen Stamm in Abessinien, F a1a s ch a genannt, zu interessieren. Sein Vorhandensein war schon seit den sechziger Jahren bekannt, wo Professor Joseph Levy von der Pariser Sorbonne und Phyloxenos Luzzatto, Sohn des berühmten jüdischen Gelehrten Samuel David Luzzatto, die Falaschas besucht und über sie ausführlich berichtet haben. Einen weiteren Fortschritt auf diesem Gebiete bedeutete die Reise des jungen jüdischen Gelehrten Dr. Jacques Faitlowitsch, eines Schülers des Professors Levy, der im Jahre 1905 nach Abessinien ging, um sich dort dem Studium der Falaschas zu widmen. Dr. Faitlowitsch weilt gegenwärtig zum drittenmale unter den. Falaschas und hat in einigen sehr interessanten Aufsätzen, Berichten und in einem Buche „Quer durch Abessinien“ seine Forschungen über das Leben und- Herkunft der Falaschas veröffentlicht. Bezüglich ‘ ihrer Abstammung kann immer noch nichts sicheres gesagt werden. Wahrscheinlic hhandelt es sich um einen nach Abessinien verschlagenen jüdischen Stamm, der infolge Vermengung mit der einheimischen Bevölkerung und unter der Einwirkung der klimatischen und anderen Verhältnisse eine dunkelbraune Gesichtsfarbe erhalten hat. Die hebräische Sprache haben die Falaschas verlernt, allein sie sprechen eine eigene, von der abbessinischen abweichende Sprache, in der auch ihre heiligen Bücher verfaßt sind. Sie beten zu dem „Gotte Israels“, beobachten den Sabbath, die meisten jüdischen Feiertage, hauptsächlich aber den Versöhnungstag. Was sie aber dem Judentum besonders anhänglich macht, ist ihre Ueberlieferung, wonach sie vom jüdischen Volk abstammen, ein Teil dessen bilden. All ihre Hoffnungen setzen sie auf das Erscheinen des Messias und die Rückkehr nach Erez Israel. Die Falaschas bilden die Intelligenz des Landes, sie sind die Handwerker und Gewerbetreibenden, aber gerade wegen ihrer Vorzüge sind sie von Seiten der Abbessinier ständigen Verfolgungen ausgesetzt. In ihrer verzweifelten Lage — sie wußten kaum etwas von den übrigen Juden der Welt — traten die katholischen und protestantischen Missionäre an sie heran und erzählten ihnen, der Messias wäre bereits gekommen und hätte alle Juden, der Welt nach Palästina zurückgeführt, wo sie allesamt zum Christentum übergetreten seien. „Und an uns hat der Messias vergessen?“ fragten bestürzt die' Falaschas. „Auch wir stammen ja aus dem Hause Jakobs.“ Viele ließen sich auf diese Weise von den Missionären .betören und von den 200.000 Falaschas trat ungefähr die Hälfte zum Christentum über. Mit der Forschungsreise Dr. Faitlowitschs hat sich allmählich eine Hilfsaktion entwickelt. Dr. Faitlowitsch bereiste Europa, um überall reecre.-iKWMgggvm* ■—wwfwr^Bar^www»-: