Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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J»g NRTjgNRL -JlDBDCS OSFM JgJg JÜDISCHE ZEITUNG ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden | _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgesteilt. — Abonnementspreise: Für Oester- — ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, ha'.bjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ® ^BjAlk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. ■ Nr. 14. Wien, Freitag, den 3. April 1914 VIII. Jahrgang Der S(M. Das Zionistische Aktionskomitee wendet sich an die Zionisten mit der Bitte, die Zwischenfeiertage des Pessachfestes (vom 13 .bis 17. April 1. J.) zur Einziehung des Schekels für das Jahr 5674 auszunützen. Der Schekel war stets das granitene Fundament, auf dem der ganze Bau des organisierten Zionismus ruht, und ist auch jetzt ,der unverrückbare Pol, der Angelpunkt unserer Bewegung. Je vielseitiger unsere Tätigkeit wird, desto kräftiger muß sich in uns die Ueberzeugung gestalten, daß wir neben ge^ s t i g e r Vertiefung und Verinnerlichung auch das organisatorische Gedeihen mit unermüdlicher Energie fördern müssen. Je mannigfaltiger die Sammlungen für die Erfüllung der jeweiligen Aufgaben Werden, desto dringender erscheint die Notwendigkeit der Zusammenfassung der verseniedenen Einzelbemühüngerr und spezieller Aktionen in einem Mittelpunkt. Wir brauchen den Schekel nicht nur um des Schekels willen; wir brauchen ihn, weil er organisierten Zionismus bedeutet. Alles andere bedeutet Zustimmung und Sympathie für die eine oder die andere Arbeit, die wir leisten. Wohl sind uns diese Beweise des Wohlwollens sehr schätzbar, aber noch Sind sie nicht das Bekenntnis zum Zionismus. Der Schekel allein ist dazu bestimmt, den ganzen Zionismus zu bekunden. Deshalb bedeutet ein Zuwachs ian Schekeln nicht nur eine Erhöhung der Eingänge, sondern eine Ausdehnung der Organisation. Unsere Organisation ist von einer großen Peripherie umgeben. In diesem Umkreise schweben all die guten Geister der Freunde und Gönner unserer Einzelwerke, hier schlagen die nationalen Pulse, hier entwickeln sich die günstigen Stimmungen. All dies muß in organisierten Zionismus umgesetzt {werden. Und das muß durch den Schekel sozusagen zum statistischen Ausdruck gelangen. Die Propaganda mag sich, je nach den Anforderungen der Zeit, dem einen oder dem anderen Teil unserer großen Aufgabe in erhöhtem Maße zuwenden: eines beweibt stets unverrückbar — die Propaganda für den Schekel. Wir müssen immer größere Kreise zionistisch organisieren, und den Schekel zu dem machen, was er in Alt-Israel war: zu einier Volkssteuer. Wie soll man dieses Ziel erreichen? Durch „stilles“ Arbeiten ganz gewiß nicht. Damit macht (man keine öffentliche Meinung. Die Redenden nur hört sie, die Rufenden. Möge man überall Schekeltage veranstalten, überall Bekenner werben. Alles mündet in ©ine Lehre : wir werden allen Gegnern beikommen, alle Hindernisse siegreich überwinden, {wenn. wir treu, -Unverdrossen und opferbereit zu unserem Ideal stehen. Es gibt noch Hunderttausende, die die Schekelsteuer leisten werden, wenn wir wollen, ernstlich wollen . . . Es ergeht daher der Ruf an alle, die an dem Werke der Erlösung unseres Volkes mittun wollen, sich in den Dienst des Schekelsammelns zu stellen! * * * Schekelblocks können im Zionistischen Zentralbüro (Wien, II., Karmeliterplatz 1) behoben werden. Auf schriftliches oder telephonisches Verlangen (Nr. 22.075) werden Schekelblocks zugesendet. Gg. von der Landstraße und vom Schüttei ersdieinet uollzöhlig am 7. ö. 171. bei der gründenden Versammlung der 5ektion „Landstrasse - SchütteP* des Zion. Zentraluereines im Restaurant Llttmann, UL Radetzkystrage. Referenten: Ob.-lngenieur Robert Bfritker Frau Erna Patak. Gäste herzlichst willkommen! •caaecao »caa «caacaaoscaatcaaacaa Sportplatz Hohe Warte Sonntag, 5. April 1914 7,2 Uhr. Leichtathletisches Meeting 4 Uhr. Hattoah-EloriösOorUr II. C. Entree 60 Heller. Kinder 40 Heller. issussiissAsnsnssnsnssnsnsnsnssnausMssiua Rundschau. Aus dem liberalen Lager. — Zerfall. Die Lüge von der Existenz einer liberalen Partei in Wien wird wohl nicht länger aufrecht zu halten ,'sein. Immier klarer tritt es zutage, daß diejenigen, die sich freiheitliche Mandatare nennen, lediglich Nutznießer der Indolenz der Wiener Juden sind. Die Wiener Juden, die leider erst zum geringen Teile im nationaljüdischen Lager organisiert sind, haben gerade noch so viel politisches' Empfinden, daß sie nicht christlichsozial wählen. Weiter reicht aber dieses politische Empfinden nicht und es ist unter solchen Umständen klar, daß ihre Stimmen schließlich und endlich die Beute mehr oder minder geschickter Spekulanten wird. Man braucht nur über einen -ausgedehnteren :Kreis persönlicher Bekannter zu verfügen und Zutritt in die Redaktionen der Tagesblätter zu haben, wenn man dann noch in einigen Zirkularen und Plakaten verspricht, die „christlich-soziale“ Reaktion zu „zerschmettern“, wird .man. gewiß „freiheitlicher“ .Mandatsträger. Es ist fast selbstverständlich, daß in dieser Konkurrenz nicht die besten, sondern die Aufdringlichsten und interessiertesten Wahlwerber siegen. Und demgemäß stellen die freiheitlichen Reichsratsabgeordneten, Gemeinderäte, Bezirksräte usw. in Wien eine, gelinde gesagt, äußerst gemischte Gesellschaft dar. Man: kann es sich ersparen, ein eigenes Urteil zu konstruieren. Die Herren wissen sich selber gegenseitig nach Gebühr einzuschätzen. Nachstehend seien einige Proben dieser Selbstbeurteilung zum besten gegeben. Die reproduzierten Aeußerungen fielen in einer liberalen Versammlung, die vergangene Woche in der Leopoldstadt stattgefunden haite. Der freiheitliche Bezirksvorsteher Blaset bezeichnete den Reichsratsabgeordneten Hofrat Kuranda, der ihn einige Tage früher „Verräter der freiheitlichen Partei“ genannt hatte, aiä „Totengräber des Freisinns“. Blasel erklärte weiter, daß an einen Kampf gegen die Christlichsozialen insolange nicht zu denken sei, als nicht die derzeitigen Führer, insbesondere Kuranda, welche total unfähig sind und vor den Antisemiten kriechen, au; dem freiheitlichen Lager hinaus gejagt w-.-ien. Gemeinderat M o i ß!, einer der wenigen ibtralen Paradechristen, konstatierte, daß der Antisemitismus Berechtigung finde, wenn man das Verhalten der Wiener freiheitlichen Führer betrachte. Letztere bilden (wörtlich!) eine i inpotente und bösartige Klique, die einen Kampf gegen die Christlichsozialen in Wirklichkeit gar nicht wollen. Auch er forderte die Versammelten auf, die Hofräte (gemeint sind Hofrat Kuranda und Baron Hock) hinauszujagen, weil sonst jedem anständigen Politiker die Mitarbeit unmöglich gemacht wird. Gemeinderat S t e i n schloß sich diesem Urteil vollinhaltlich an und bemerkte noch, daß die Hofräte in der liberalen Partei (also wieder Kuranda und Hock) nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch Kriecherei und Katzenbuckeln auf Hintertreppen und in Ministerzimmern erschlichen haben. Daß sie nunmehr die gewohnte Kriecherei im politischen Leben weiter üben und jeden Politiker, der Talent und Charakter hat, bald durch Intriguen aus der fortschrittlichen Partei verdrängen. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. J o 11 e s beschäftigte sich zur Abwechslung mit der Person des Reichsratsabgeordneten Dr. Ofner. Bemerkt sei, dab der Redner bei der letzten Wahl ein eifriger Wahlmacher des Dr. Ofner war. Er erklärte, gleichwie es in der Elektrizität konstante und vagabundierende Ströme gäbe, so gibt es auch im öffentlichen Leben einerseits beständige und ehrliche, andererseits vagabundierende Politiker. Dr. Ofner betreibt Vagabundenpolitik. Wenn es Wahlen gibt, dann ist er im Bezirke zu sehen, kaum hat er aber das Mandat, so verschwindet er und läßt inf Momente der Gefahr seinen Wahlkreis schändlich im Stiche. Dr. Ofner war während der Kämpfe der Freiheitlichen in der Leopotdstadt nicht zu sehen. Er und sein Adjutant Doktor Sch warz-H Hier haben die Partei schmählich verraten una man müsse ihnen die Kunde von diesem Verrate solange gellend in die Ohren rufen, bis beide .endgültig verschwinden.