Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438483-2438494--4067-2443885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 nisten haben alle Ursache uns des im harten Kampfe errungenen Sieges zu freuen, um aber den Sieg völlig genießen zu können, ist es unsere Pflicht, das iin Kampfe begonnene Werk zu yollführen und den Bestand des für die Entwicklung des nationaljüdischen Palästinas so überaus wichtigen hebräischen Schulwerkes zu sichern. Die zionistische Opferfreudigkeit hat sich bisher von ihrer schönsten Seite gezeigt. Bei unserer Berliner Zentrale sind bisher über 250.000 Kronen eingelaufen, hiervon hat W e s tös terreich allein über 27.000 Kronen aufgebracht. Allein eine oberflächliche Durchsicht der Spendenliste genügt, um feststellen zu können, daß bisher verhältnismäßig nur ein kleiner Teil der Gesinnungsgenossen seiner Pflicht nachgekommen ist. An denen, die bisher absei's gestanden sind, liegt es, daß die Schulwerkaktion bald beendet werde, damit unsere Partei ihre Arbeitskraft anderen wichtigen Aufgaben, vornehmlich der Lösung wichtiger wirtschaftlicher,. Fragen in Palästina und der Förderung kolonisatorischer Einrichtungen zuwenden könne. Es gilt daher, die Sammlung je früher zu Ende zu führen. Gebet und werbet! Parfeinadiritiifen. Zentralfondbeiträge aus Westösterreich für 1914. VIII. Ausweis. Innerösterreich: Wien: Ing. Dawid Josef Feldmann 20.—; Dr. Leopold Sofer 50.—; zusammen 70.—; bereits ausgewiesen 3079.36; zusammen K 3149.36. * Für das hebräische Schulwerk. Inneröste-reich: Wien: Ed. C. H. C., W. C. durch Fr. Czeczowiczka 30.—; Damenabteilung des I. Wr. Jüd. Turnvereins 25.—; E. Torczyner a. d. Namen S. verstorbenen Tochter 50.—; durCh Vermittlung des Herrn Geller von einem nicht genannt sein wollenden Spender, ausgezahlt d. Herrn Ob.-Ing. Robert Stricker 2000.—; Vereinigung Bar-Kochba 100.—; Jüd.-akad. Verb. Zephirah 60.—; Zion. Mädchenverein Moriah, II. Raxe 84.10; Sammlung der vier Karte’lvereine der Wiener Mittelschüler durch die Wiener Zion. Vereinigung, II. Rate 50.—; Dr. Israel Biskind (Jerusalem) 25.—; Hermann Gartenberg 1.—; Zion. Verband ehemaliger Hochschüler, Reinertrag einer Purimunterhaltung 20.—; Dr. Weinberger 6.—; Sammlung Mahler 8.70.; Jüd.-akad. Verb. Ivria, II. Ra‘e 50.—; Klingenberger 1.—; Sammlung- Isidor Gewilsch: Dr. Mano Lederer 20.—; Sandor Lede-er 30.—; N. E. 25.—; Dr. H. B. 30.—; N. Rapp 3.60; Triest: pr. Dr. Kleinzeller 5.—; Graz: Frl. ^Hermine Feuerstein 1.20; Meran: Sammlung 70.—; zusammen 2695.60; bereits ausgewiesen 4361.08; zusammen K 7056.68. M.tThrcn-Scffesien: Brünn: Samm’ung Julius Schüller 78.90; Proßnitz: Sammlung Leo Beer 69.90; M äh r.-Os t ra u: Mähr.-sch'es. Fe-ialverbindung: Jüd.-akad. Ferialverbindung „Hessiana“ I. Rate 60.—; Julius M. Läufer: Sammlung während einer Abendun*erhaltung in der Pension Groß in Abbazia 27.20; mähr.-sChles. Ferialverbindung „Massada“: Sammlung der Aktivitas, I. Rate 80.—; B i e 1 i t z: Dr. Robinsohn 40.—; Sammlung in Bielitz 115.—; Teschen: Jüdischer Volksverein 105.—; Troppau: Mähr.-schles. Distriktskomitee, III. Rate 500.—; Olmütz: Sammlung II. Rate: Ungenannt 500.—; Dolli Markus 30.—; Ed. Schwarzbart anl. Ablebens s. Frau 50.—; Hochzeit Spitzer- Winter 51.—; Kleine Spenden 235.—; zusammen 1943.—; bereits ausgewiesen 1286.45; zusammen K 3229.45. Böhlmen: Prag: Sammlung (Spezifikation folgt) 365.79; Reinerträgnis des Palästinafestes der vereinigten jüd.-nat. Organis. Prags, vorläufige Abrechnung 1500.—; Karl Resek 100.—; Ing. W. Hermann 10.—; Dr. B. Schallinger 20.—; Trautenau: Volksverein I. Rate 500.—; Teplitz: Sammlung 190.—; Horazdiowitz: Sammlung 200.—; Gablonz: Mädchenklub 27.—; K o m o t a u: Sammlung des zion. Volksvereins „Theodor Herzl“, I. Rate 750.—; R.e i ch e nb e r g: Sammlung 60.—; Teschen a. E.: Otto Schwarz 9 Kupons von 25 J. C. T.-Aktien; Kleine Spenden 28.—; Strakonitz: Jakob Kraus 3.—; zusammen 3753.79; bereits äusgewiesen 1089.01; zusammen K 4842.80. . * Aufgebracht wurden bisher in Innerösterreich K10.20‘\04, Mähren-Sch'esien K 7438.33, Böhmen K 11.023.10. Gesamtsumme K 28.667.47. * Literarischer Vortragszyklus im Jüdischen Mädchenhefen. Ein. großes Verdienst hat sich der ,,.H e r z 1 - K1 u b“ durch seine am Sonntag, den 8.. März d. J. begonnene' Arbeit im Vereine „Kaiserin : Elisabeth Lehrmädchen und Arbeiterinnenheim“ erworben. Diese Institution bezweckt], armen jüdischen Mädchen, speziell Waisen und Halbweisen insolange vollständige Verpflegung!, Unterkunft und Kleidung zu gewähren, bis sie sich nicht selbst durch einen entsprechenden Verdienst ernähren können. Die Mädchen, die gewöhnlich schon im zartesten Jugendalter die Aulnahme ins Heim erlangen, werden dort unterrichtet und nachher in eine Lehre gegeben. In diesem Kreise hält nun der „Herzl-Klub“ einen literarischen Vortragszyklus ab, der am 8. cf. M. mit einem Vortrage über „Althebräische Poesie“ begann. Der große Saal des Heims war von ungefähr 70 Zöglingen desselben und zirka 50 Mitgliedern und Freunden des „Herzl- Klub“ gefü'lt. Als erster betrat Herr Kais. Rat Dr. Krüger das Podium, begrüßte den „Herzl-Klub“ und dankte ihm für die von ihm in diesem Heime geplanten Veranstaltungen. Der Präsident des „Herzl-Klub“ - Herr Josef Stein dankte namens des „Herzl-Klub“ für die freundlichen Worte. Hernach eröffnete der Vize-Präsident des „Herzl-Klub“, Herr Israel Advokat die Veranstaltung mit einer hebräischen Ansprache und erteilte Herrn Professor Dr. Wilhelm Stein das Wort zu seinem Vortrage über „Althebräische Poesie“. Herr Dr. Stein behandelte die so schwierige Materie in meisterhafte'-, leichtverständlicher Weise. Proben aus althebräischer Poesie, die die Herren Simon Advokat, cand. jur. Viktor Saß und Maximilian Weinberger vorzüglich brachten, fanden lebhaften Beifall. Nach den Vorträgen ergriff nochmals ein Vorstandsmitglied des Heims, Frau Dr. Weiß das Wort, dankte wieder namens des Vorstandes und der Zuhörer für die ihnen verschaffen schönen Stunden, und lud den „Herzl-Klub“ ein. recht bald ‘wieder einen Vortrag abhalten zu lassen. Wie wir hören wird in nächster Zeit wieder ein Vortrag des „Herzl-Klub“ in diesem Vorum stattfinden. Hus der Kulfusgemeinde. Herabsetzung des KuItussteuermäninTums. Der Bezirkskommission für den XVIII. und XIX. Bezirk unter Leitung .unseres Gg. Dr. Jakob Kohn ist es gelungen, in der Sitzung der Schätzungskommission vom 17. d. M. den Antrag auf Herabsetzung des Kultussteuerminimums von 20 Kronen auf 10 Kronen durdrzubringen. Trotzdem das ausführliche Referat des Vorsitzenden Herrn Gottlieb Bettel heim das Beispiel a'ler anderen Großgemeinden heranzog und eine bedeutende Mehreinnahme als sicher erscheinen ließ, sprach sich der Vizepräsident Herr Dr. Gustav Kohn gegen die Herabse'zung aus. Sie wurde jedoch mit erdrückender Mehrheit von der Korporation beschlossen, welche die größte Erfahrung besitzt und daher die größte Autorität in Steuersachen genießt. Es ist daher zu hoffen, daß sich nunmehr auch der Kultusvorstand dieser Entscheidung beugen und somit einer Forderung zustimmen wird, welche an der Spitze unseres demokratischen Kultusprogrammes sich seit vielen Jahren befand. •* Resolution des Zionistischen Zentralvereines. Bei der am 16. d. M. stattgefundenen Generalversammlung des Zion. Zentralvereines gelangte über Antrag Dr. Friedmanns einstimmig folgende Resolution zur Annahme: „Indem die Generalversammlung des Zionistischen Zentralvereines ihre tiefste Entrüstung über das persönliche; und autokratische Regime des Präsidenten Dr. Stern .ausdrückt und seine Beschimpfungen der zionistischen Mandatare im Kultusvorstande auf das entschiedenste zurückweist, dankt sie den zionistischen Vertretern im Kultusvorstande für ihre bisherige Haltung und Tätigkeit,, erklärt sich mit ihnen vollkommen solidarisch und verspricht ihnen die tatkräftigste Unterstützung.“ Der jüöifdie fianflwephmlanö in Galizien. Von Architekt Josef Laszkowitz -Wien. II. Die jüdischen Handwerker in Galizien sind durch die Entwicklung der modernen Industrie und Technik viel mehr betroffen worden, als die nicht jüdischen, da ihnen nicht die Stütze seitens der Behörden zu teil wurde, wie den anderen. Auch haben die dortigen Zünfte ihre Existenz- . berechtigung gänzlich verloren. Um die wirt- | schaftliche und kulturelle Betätigung ihrer Mitglieder kümmert sie sich überhaupt nicht mehr. „Ein Chaoi von Gleichgültigkeit.“ Bei der jüdischen Intelligenz erfreut sich der jüdische Handwerker auch keines besonderen Ansehens, was folgendes jüdische Sprichwort chrarakteri-, siert: „Ein Baal-Meluche is a Fleck in der Mischpuche!“ Ich habe am Anfang meines Artikels hervorgehoben, daß die Handwerkerfrage IGRflf-Wüifell Feinste Rindsuppe An Atisglt bigkeit und Wohlgeschmack ähnlic en Erzeugnissen w. it üb rlegen. Graf-Würfel u. Würze Koscher. H Ma*s»c‘ #e <*e an a f do- _P»*af ein Teil der Judennot in Galizien ist. Die Emigration in den letzten Jahrzehnten aus Galizien zeigt genau, daß das Gros der jüdischen Auswanderer sich aus Handwerkern rekru.iert. Es waren meistens Schneider, Schuster, Tischler und Glaser, die infolge schlechter materieller Verhältnisse und Arbeitslosigkeit gezwungen waren auszuwandern. Diejenigen Handwerker, die infolge ihrer zahlreichen Familie oder aus anderen Gründen hier bleiben müssen, haben einen sehr schweren Kampf auszufechlen. Sie leben von der Hand in den Mund und wissen am Morgen noch nicht, ob sie mittags essen werden. Alax Nordau hat diese Existenzen vollkommen zutreffend als „Luftmenschen“ charakterisiert. Ein jüdischer Handwerker, der in der Woche 25 bis 30 Kronen verdient, gilt als wohlhabend und wird von der großen Masse derer, die sich und ihre zahlreichen Familien mit einem Maximalverdienst von 20 Kronen wöchentlich durchschlagen müssen, beneidet. Sie wohnen in den engen und finsteren Gassen des Ghettos dicht nebeneinander. Ihre Wohnungen widersprechen den primitivsten Anforderungen der Hygiene, da sie mit ihrer sechs- bis achtköpfigen Familie einen, höchstens zwei Räume bewohnen, die auch als Werkstatt dienen müssen. Sie arbeiten ohne Unterbrechung von 6 Uhr früh bis 12 Uhr nachts die ganze Woche hindurch, uifi sich mit schwerer Mühe den wöchentlichen Lebensunterhalt zu verdienen. Der jüdische Handwerker hat weder Zeit noch Geduld, um sich für sein oder das seiner zahlreichen Familie leibliche Wohl zu kümmern; nur der Sabbath oder Feiertag bringt ihnen das bißchen Ruhe. Es genügt nicht, die Kenntnis vom jüdischen Handwerker aus Statistiken und allgemeinen Zei‘ungs- und Fachartikeln zu schöpfen, man muß ihn in seiner Werkstätte bei der Arbeit betrachten, um seine Leiden zu erkennen. Der heutige jüdische Handwerkerstand in Galizien i st nicht entwicklungsfähig, da er nicht mit den entsprechenden Kenntnissen des modernen Handwerkes und der Maschinentechnik ausgerüstet ist, was zur weiteren Folge hat, daß er nicht imstande ist, den Konkurrenzkampf mit dem polnischen aufzunehmen, dem alle Wege zur Entwicklung offen stehen . Der jüdische Handwerker arbeitet heute noch nach denselben Methoden, derer sich sein Urgroßmater vor 25 bis 30 Jahren bedient hat. Es haben sich vor vielen Jahren einige große jüdische Wohltätigkeitsinstitu'ionen für die Handwerkerfrage interessiert, so die Ica-und die Baron-Hirsch-Stiftung. Ihre Notstandsaktionen waren aber ■ nicht von besonders günstigen Erfolgen begleitet; im Gegenteil, sic förderten teilweise noch mehr die Not unter den Handwerkern. Die Baron-Hirsch-Stiftung hatte in Galizien über 40 Volksschulen gegründet, um ihre Schüler dem Handwerk zuzuführen. Aber sie hatte nicht gewußt, daß man in Volksschulen noch keine Handwerker erzieht, denn außer diesen sind auch niedere Gewerbeschulen und Fortbildungskurse notwendig, um einen tüchtigen und lebensfähigen Handwerkerstand zu erziehen. Sie schickten auch einige ihrer Zöglinge ins Ausland, damit sie ein Gewerbe erlernen und dann in Galizien als selbständige und tüchtige Handwerker auftreten können . Die Zöglinge aber gingen nach Erlernung ihres Gewerbes in die weite Welt, nur nicht nach Galizien. Diese Erziehungsmethode war aber ganz falsch, was die Leiter der Baron-Hirsch-Schulen frühzeitig einsahen und den Plan, die Zöglinge auch fernerhin ins Ausland behufs Erlernung eines Gewerbes zu schicken, aufgaben. Sie richteten dann in ihren Schulen S1 e j d k u rse (Handfertigkeitskurse) ein, die sich aber mangels irgendeines Programmes nicht halten konnten. Die Folge dieser schlechten Erfahrungen war, daß sie ihr? Tätigkeit nur auf das Volksschulwesen konzentrierten. Mit diesem Schritte aber haben sie dem Handwerkerstand nur geschadet, da er immer einen kleinen Nachwuchs hatte, was aber seit einigen Jahren nicht mehr der Fall ist, da die Absolventen der Baron-Hirsch-Schulen ins Gymnasium oder die Realschule geschickt wurden, was die ohnehin genug starke Ueberproduktion an jüdischen Intelligenzlern in Galizien noch verstärkt . Die Aufgabe der Baron-Hirsch Stiftung wäre, die Volksschulen in Galizien allmählich aufzulösen, da ohnehin nach dem Reichsvolksschulgesetze jeder verpflichtet ist, die Volksschule zu besuchen, und die Haupttätigkeit auf das gewerbliche Schulwesen zu konzentrieren, womit dem jüdischen Handwerner mehr gedient sein und die Judennot in Galizien teilweise abr.ehmen würde.