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Jüdische Zeitung · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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aeite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 12 abscheuen, nicht gerne auf seine Dienste verzichten. Ist doch Moschko bereit,, durch die Einberufung von Scheinenqueten die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung und der Regierung abzulenken und alle Welt über das Elend der jüdischen Massen in Galizien zu täuschen. Er hat der Schlachta so manches mit Geschick abgeguckt und ist nicht wählerisch in seinen Mitteln. Er raubt Mandate, indem er die Stimmzettel1 stiehlt und die Wählerliste fälscht, er geht auch über jüdische Leiber, wie in Drohobicz, wenn es die Interessen des polnischen Volkes erfordern. "Diese Moschkos mit den bluttriefenden Händen, mögen sie auch Nathan v. Löwenstein, Jakob Feuerstein, Schmelke v. Horovitz oder wie immer heißen, sind die heftigsten Feinde des jüdischnationalen Gedankens, dessen Fortschreiten ihre unsauberen Geschäfte unmöglich' und ihre Dienste bei den Polen unverwendbar macht. Das Wirken dieser Moschkos wird stets ein trauriges Kapitel der jüdischen Geschichte in Polen bilden, umso trauriger, als sie eine Zeit umfaßt, wo die Polen unser Volk mit Stumpf und Stiel ausrotten wollten. Das erwachte jüdische Volk wird sich aber mit Abscheu von ihnen abwenden. L. B. Halb dem Siege 9er hebräisdien Spradie. Die da geglaubt haben, daß nach dem jüngsten denkwürdigen Beschlüsse des Kuratoriums des Haitaer Technikums, der einen glänzenden Sieg der Zionisten und eine unerwartete, daher um so krassere Niederlage der Feinde unserer nationalen Sprache bedeutet, Friede und Eintracht ins jüdische Leben einziehen werden, haben sich gründlich geirrt Herr Paul Nathan läßt nicht locker. Psydiologisdi ist dies bei einem Besiegten leicht zu erklären, es wirkt jedoch urkomisch bei einem Manne, der immer. vom Frieden faselt und dessen Ohr nur Friedensschalmeien genehm sind'. Er muß sich doch sagen, daß all seine gehässigen und sonstigen Aeußerungen, die der Wahrheit stets in weitem Bogen ausweidien, auf die Gegenseite provozierend wirken müssen, und daher nicht unbeantwortet bleiben dürfen. Oder meint er etwa, daß die Zionisten kampfesmüde seien? Und dabei sagt Herr Dr. Paul Nathan gar nichts Neues. Er läßt sich von allen Blättern, die ihm in die Quere kommen, interwiewen, und gibt all die Darstellungen und Schilderungen zum besten, die von uns an Hand von Beweisen hundertmal widerlegt wurden. Wir haben ihm daher nichts mehr zu erwidern. Auch die jüdische Welt erwartet von uns auf all die Gehässigkeiten und Unwahrheiten Nathans keine Antwort, da sie sich über deren Wert bereits im klaren ist. Selbst der offiziellen jüdischen Presse scheint das Licht aufgegangen zu sein. So schreibt die Breslauer „Jüdische Volkszeitung“ nach einem Lobe des Hilfsvereines der deutschen Juden folgendes: „Man muß dies vorausschicken, um nicht Mißdeu.ungen ausgesetzt zu sein, wenn man beim besten Willen feststellen muß, daß man durch den Abschluß, den einstweiligen Abschluß der Sprachenfrage fast vor einem Rätsel steht. Herr Dr. Paul Nathan hat in einem anderen jüdischen Bla;te den Versuch unternommen, durch eine Erläuterung der Beschlüsse. des Kuratoriums diese dem Verständnis derjenigen, die über diesen Ausgang des . Streites mehr als überrascht waren, näher zu bringen. Man hatte erwartet, daß Friedensliebe und Kampfesmüdigkeit, daß praktische Erwägungen .und die Abneigung, der nichtjüdischen Oeffentlichkeit das Schauspiel, eines so heftigen, innerjüdischen Zwistes länger zu bieten, als die Gründe für den Ausgang des Kampfes angeführt werden würden . Auch w’er daran nicht völlig geglaubt hätte, würde diese Motivierung verstanden und gewürdigt haben. Allein statt dessen werden einzig pädagogische und sachliche Erwägungen als die ausschlaggebenden Faktoren der Beschlüsse angeführt und dabei — so leid es uns tut, müssen wir es aussprechen — Auffassungen kundgegeben, die bei nährere Betrachtung kaum haltbar sein dürften. Und zum Schlüsse resümiert sich Herr Dr. Nathan dahin: „Wenn die sachlichen Entscheidungen des Kuratoriums nunmehr als ein Sieg der zionistischen Ideen ausfegeben werden, so ist das in dem gleichen inne ein Sieg, wie die Beschlüsse vom 26. Oktober als Niederlage betrachtet worden sind. Wieder war das eine eine Niederlage, noch das andere ein Sieg. Diese Schlagworte können uns nicht abhalten, bei dem Widerstreit der verschiedenen Interessen immer nur aus sachlichen Motiven heraus, denjenigen Weg zu wühlen, der für die Schüler, die sich dem Technikum anvertrauen, der vorteilhaftere ist.“ Man muß sich nach diesen Ausführungen zunächst sagen: Also waren die Beschlüsse des . 26. Oktober nicht sachlichen Motiven entsprungen? Was hat sich denn zwischen dem 26. Oktober und dem 22. Februar für eine sachliche Umwälzung vollzogen, was ist geschehen, daß sachliche Erwägungen am 26. Oktober etw'as verhinderten, was sie am 22. Februar geboten? Die Antwort kann doch nur in den Ereignissen liegen, in den äußeren Ereignissen, die wir leider in der Zeit vom 26. Oktober bis 22. Februar erlebten und die Herrn Dr. Nathan Anlaß gaben, eine sehr lesenswerte Broschüre zu schreiben, die überzeugend dartat, was für die Beschlüsse des 26. Oktober gleichfalls nur sachliche Erwägungen maßgebend gewesen sind. Die Mittelschule, die als Vorbereitungsanstalt, für das Technikum, an dem „zunächst“ in Mathematik und Physik hebräisch unterrichtet werden soll, deren Lehrkräfte sich aber zugleich verpflichten müssen, in vier Jahren perfekt hebräisch sprechen zu lernen, gedacht war, ist fallen gelassen worden, weil man sich innerhalb des Kuratoriums nicht über die zionistischen Vorschläge, (die also die Grundlage der Verhandlungen bildeten), einigen konnte. Herr Dr. Nathan wendet sich dagegen, daß die hebräische Realschule, die der zionistische Lehrerverband oder richtiger gesagt, die zionistische Organisation, errichtet, an die Stelle der gefallenen Realschule des Hilfsvereins treten werde. Sie sei dem Technikum gegenüber keineswegs bevorzugt Und in einem offiziellen Kommuniquee wird noch hinzugefügt, daß die Zöglinge aller Schulen, die den Anforderungen des Technikums entsprechend ihren Lehrplan einrichten, im Technikum gleicherweise Aufnahme finden werden. Man beachte wohl: „sofern sie ihren Lehrplan den Anforderungen _des Technikums entsprechend einrichten.“ Halt man .hierzu die Zugeständnisse an die "Zukunft d^TiebräisclieiT-Unterrichtssprache am Technikum und die Einführung dieser “-Unterrichtssprache in -den beiden Fächern Mathematik . und Physik . zusammen, dann eigibt sich ohne Weiteres, -daß, “trotz des Dementis, "aus rein sachlichen Erwägungen, die Schulanstalten und Mittelschulen -mit hebräischer Unterrichtssprache tatsächlich eine Vorzugsstellung einnehmen werden. Denn mag man es wünschen oder nicht, es ist nicht anzunehmen, daß in den anderen Schulen, sei es der Alliance oder anderen Organisationen, das Hebräische in gleicher Weise die allererste Stellung erhalten wird, wie in der zionistischen. Seien wir ehrlich: Es wird niemand bestreiten können, daß in den Beschlüssen des Hilfsvereins vom 22. Februar ein bis an die Grenze des Verlangten gehendes Entgegenkommen gegen die zionistischen Sprachenforderungen liegt Warum soll sich in der jüdischen Oeffentlichkeit nicht ein Organ wenigstens finden, das den wahren und innerejn Empfindungen der großen Mehrheit der deutschen Juden über die Bedeutung der Beschlüsse vom 22. Februar Ausdruck leiht.“ In den weiteren Ausführungen erklärt das Blatt, daß der Hilfsverein „den Rückzug angetreten“ und indem es dessen Glanzperiode gedenkt, schließt es in sehr resigniertem Tone. Wie in den früheren Erklärungen, hat es Herr Nathan auch in seinen letzten Aueßerungen für notwendig befunden, als Schützer der Religion gegen die Zionisten aufzutreten und berief siech hierbei stets auf die ihm von seiten . des Jerusalemer Rabbinerkollegiums Beth-Din) geleistete Mithilfe. Nun verwahrt sich das Zentralorgan der radikalen deutschen Orthodoxen, der F ra'n kf u r t e r „1 s rä e 1 i t“, auf das entschiedenste gegen die Zumutung einer solchen ■Waffenbrüderschaft, und indem er die Lücken-' haftigkeit der Nathansdhen Darstellung nachweist, schreibt er: „Die Bothe-Dinim in Jerusalem haben in Angelegenheit der Hilfsvereinsschulen keine Beratung abgehalten, keinen Beschluß gefaßt, geschweige denn für eine Bevorzugung dieser Schulen in irgend einer Form plädiert. Das Beth Din der Aschkenasimgemeinde hat selbst nach der „Moria“ — die dieses Begrüßungsschreiben, wie eingangs erwähnt, nachdrücklich abgedruckt hat — weder Herrn Paul Nathan noch den Hilfsverein „für ihr standhaftes Eintreten für das überlieferte Judentum“ gedankt. Auch in der „Uebersetzung“ aus dem' Hebräischen hat man sich schwerwiegende Abweichungen erlaubt. Und wenn ein Vorsitzende^?) des Zentralkomitees der vereinigten Aschkenasimgemeinden(?) von Jerusalem, Hebron, Saffed und Tiberias, wie‘es so klangvoll in der Broschüre des Herrn Dr. P. Nathan lautet, von Dankbarkeit und vollstem Vertrauen erfüllt ist für die großen Männer in. Jsrael, welche an der Spitze des Hilfsvereins stehen und die Kundgebung als Huldigung für das Erziehungswerk des Hilfsvereins bewertet" wird, so ist dies wieder nur ein von dem Jerusalemer Hauptarrangeur höchst geschickt und. stilgerecht eingestelltes Filmschaustück ersten Ranges. Die dem Begrüßungsschreiben bedingungsweise treugebliebenen Bothe-Dinim dachten im übrigen nicht daran, daß man sich des ominösen Dokumentes für eine Begünstigung der Schulen' bedienen ‘ werde ürid'’'haben J,gegen'; dieses unbefugte Vorhaben wiederholt energisch protestiert. Und wenn wir auch bei aller pflichtschuldigen Hochachtung, die wir für die Bothe-Dinim hegen, den leisen Vorwurf nicht unterdrücken können, daß sie einmal im Sinne der alten Mahnung: „Ihr Weisen, seid vorsichtig in Euren Worten", mehr Vorsicht hätten walten lassen sollen, so sind wir in diesem Falle doch doppelt verpflichtet, auch den ehrwürdigen Bothe-Dinim gegenüber den Väterspruch zu beherzigen: „Beurteile nicht deinen Nächsten, bist du nicht an seine Stelle gelangst“. Und bei näherer Kenntnis der wahren Sachlage wird dem greisen Männern kein Unbefangener mildernde Momente und selbst Nachsicht und Entschuldigung versagen. Man sieht es dem ganzen Schriftstück an, daß es nicht von den. Rabbinen verfaßt wurde ,und daß geschäftige Hände außerordentlich viel beschäftigt waren, bis man den im Forschen der heiligen Lehre ergrauten und gebeugten frommen aber weltfremden Thoragelehrten ihre Unterschriften abgerungen. Daß dieses Verfahren von dem Vertrauensmanne einer großen westeuropäischen Organisation inszeniert wurde, der die Unbeholfenheit und fromme Einfalt der. gottesfürchtigen Männer für eigene politische Zwecke ausnützen wollte, bleibt eine Tatsache, die festgestellt zu werden verdient. Und sie steht nun fest. Es war auch nicht fäir, den greisen Rabbonim, denen der ganze Konflikt mit den dabei interessierten Persönlichkeiten ..zusammen total unbekannte Begriffe waren, ein Dokument . zur Unterschrift -zu überreichen, inwelchem expfesis verbis erklärt wird, daß.Dr.‘Paul Nathan die Zionistenpartei;bekämpft, weil diese von der schriftlichen und mündlichen Lehre abgewichen und die Gebote der Thora und der guten Sitten übertreten 1“ Es war auch nifcht fair, die frommen Rabbinen so hinzustellen, als ob sie in der Bekämpfung der antireligiösen jüdisch nationalen Hebräerpartei Hand in Hand mit Dr. Paul Nathan gehen wollte! Das sind, gelinde gesagt, tendenziöse Unterstellungen, die einem Charakter, wie Paul Nathan gewiß jm höchsten Grade unsympathisch erscheinen müssen.“ Die Stellungnahme der beiden reichsdeutschen jüdischen Blätter kennzeichnet getreu die Stimmung der Antizionisten, die sich nunmehr — an der Nase herumführen lienen — nach der ernachdem sie sich monatelang von Herrn Nathan littenen Niederlage gegen ihn wenden. Wir Zio- <£§S$ ffki .Meinus. MARMELADE Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei von allen künstlichen Zusätzen.

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