Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 11 Diese später dementierten Worte enthüllen die russischen Pläne. Die diesbezügliche russische Propaganda in Galizien, Bukowina und Nordostungarn arbeitet auch mit der antisemitischen Hetze und die russische Propaganda scheut auch nicht vor Pogromdrohungen und anderen brutalen Mitteln zurück. In Marmaros - Sziget wurden von mnbekannten Tätern sogar die Thorarollen zerrissen. Also allüberall — die russische Hand! Einer der wenigen Männer, welcher die Mission Oesterreichs und die Aufgaben der Juden im Donaureiche, Isowie die Gefahren für dasselbe von russischer Seite, rechtzeitig erfaßte, war Dr. Adolf Fischhof. Schon im Jahre 1880, während des russisch-türkischen Krieges, wies er darauf hin, daß jede germanisierende sowie magyarisierende Politik die Slaven des Donaureiches ins Lager des — Panrussismus treibe. Er wollte bereits damals den deutsch-tschechischen Ausgleich, damit Oesterreich nach innen konsolidiert sei, wenn der Tag der Abrechnung mit Rußland und die Neuordnung am’Bälkan gekommen sei. Heute sind wir bereits im' Jahre 1914, die russische Gefahr ist vor den Toren und die „Neue'Freie Presse“, die bereits seinerzeit den deutsch-tschechischen Ausgleich vereiteln half, besorgt Arm in Arm mit Herrn Abg. Dr. Bachmann und den alldeutschen Antisemiten die Geschäfte — Ru’ß lands. Erst vor kurzem hat der ruthenische „Dilo“ in einem1 „Rußland und Oesterreich“ betitelten Leitartikel auf die russische Gefahr hingewiesen, die man in Galizien durch den polnisch-ruthenischen Ausgleich zu paralysieren versuchte. Dieser Ausgleich ist aber nur ein Stückwerk;, wenn er sich nicht zu einem Generalausgleich aller Völker der Monarchie — die Juden eingeschlossen — erweitert. Damit aber die Juden bei einem solchen nicht ganz übergangen werden, muß im jetzigen Momente für die nati;onaI-jüdischen Forderungen in Gesamtösterreich die intensivste Agitation beginnen. Diese muB um so mehr raschestens einsetzen, als 'die — Wahrscheinlichkeit der Auflösung des österreichischen Abgeordnetenhauses immer näher rückt. Es müß jetzt bereits unsere Devise lauten: Juden Oesterreichs, rüstet für die Neuwahlen i n s A b g eordnetenhaus! K. Rundschau. David YelGn über den Sprachehkampf. David Yellin, der Nestor der hebräischen Lehrerschaft Palästinas ,und der Vorsitzende des Schulkomitees, weilt gegenwärtig in London, wo er einem Berichterstatter des „Jewish ChroJ nide“ ein Interview gewährte. Wir entnehmen demselben einige besonders interessante Stellen. Er sagte u. a.: „Die Wiederbelebung des Hebräischen als einer lebenden Sprache, ist das Ideal, für daS wir schon lange Jahre kämpfen. Wenn wir in Palästina zwar nichts als quantite negligeable leben wollen, aber auch nicht als eine heterogene MaSsd, müssen wir etwas besitzen, das uns einigt und das uns von der übrigen Bevölkerung unterscheidet Es ist traurig genug, daß wir noch immer in Gruppen (Aschkenasim, Sephardim, Peruchim etc.) geteilt sind. Wir brauchen ein einigendes Band. Unsere Arbeit in dieser Richtung war nicht vergebens. Das Hebräische wurde tatsächlich wiederbelebt. Dies ist eine Tatsache, welche von Kasuisten, nicht geleugnet und nicht abgestritten werden kann. Natürlich halfen uns am meisten die Schulen in unserer Arbeit. Wir begannen zuerst die rein jüdischen Fächer in hebräisch zu unterrichten, dann folgten ein paar allgemeine und wissenschaftliche Fächer in den Elementarschulen, bis wir sahen, daß es möglich sei, alle Gegenstände an einer Mittelschule in dieser Sprache zu unterrichten.“ David Yellin sagte sodann, die Hoffnung der Palästinenser war darauf gerichtet, im Technikum eine hebräische Hochschule zu erlangen. Er schilderte die Enttäuschung, die der bekannte Beschluß des Kuratoriums verursachte. Von der palästinensischen Leitung der HilfsL vereinsschulen war schon lange das Hebräische zurückgedrängt worden. Er weist die Angaben in Dr. Nathans Broschüre als „Fabeln“ zurück. Ueber die neuen Schulen sagte Yellin: „Wir waren nie gegen den Un+erricht in einer europäischen Sprache, wir schätzen den Wert, eine solche zu kennen. Aber wir wissen, wie weit wir zu gehen haben. — Wir sind sicher, daß durch unsere Schulen eine gesunde Wiederbelebung und Erhaltung des Hebräischen als Sprache des Unterrichts1 sowie als solche des täglichen Umgangs sidhenres+e'lt werden wird. Und noch mehr: Wir arbeiten damit der Hebräischen Universität in Jerusalem vor, wo das! Wort verwirklicht we-den wird: Miu Zion Teze ha Thora — Von Zion wird die Lehre ausgehen!“ * * * Baron Edmund Rothschild über den1 Sprachenkampf. Ein Vertreter der ..leune Tme“ hatte mit Baron Edmund Rothschild eine lange Unterredung in Jaffa-Tel Awiw. Dieser sagte: „Die Juden haben immter in der Türkei die Freiheit gefunden, an der es ihnen in anderen Ländern fehlte. Sie können daher nichts anders, als dankbar gegen sie sein und sollen keine Gelegenheit versäumen, ihr diese Dankbarkeit bei jeder Prüfung durch Patriotismus und Anhänglichkeit zu bezeigen. Außerdem sind die Juden mit den Arabern durch1 Rassen, Sprachen- und InteresSenverwandschaft verbunden. Die arabische Sn rache hat denselben Ursprung, wie die hebräische und sie sind gegenwärtig nicht sehr verschieden. Diese und noCh’ andere Beziehungen zwingen die Juden, mit den Arabern als Brüder zu leben und mit ihnen zusammen an dem Fortschritt ihres gemeinsamen Vaterlandes zu arbeiten. Ich1 glaube weiters, daß eine Nation niemals ihre Sora Che überlebt, daß daher die Erhaltung des Hebräischen notwendig und unerläßlich für die Zukunft unserer Nation ist, sowie für die Bewahrung unserer Sitten, welche unsere Verbindung mit den Arabern erleichtern. Die Juden Palästinas hatten vollkommen recht, das Hebräische für ihre Schulen der deutschen Sprache vorzuziehen und die Sprache ihrer Vorfahren in einem Lande zu sprechen, in dem die Zeit nicht die Spuren ihrer Größe verwischen konnte. Es ist überflüssig, zu sagen, daß der Unterricht in der arabischen Sprache in den Programtnen der jüdischen Schulen nicht vergessen werden darf, denn das ist das einzige Mittelj die Sympathien dieser edlen Nation zu gewinnen, deren Gastfreundschaft wir genießen. Ver gessen Sie niCht, bitte, den Juden zu sagen, daß sie der gegenwärtigen Entwicklung der Araber eine starke Stütze sei und mit ihnen zusammen für den Fortschritt und die Zivilisation arbeiten sollen. Vergessen Sie aber auch1 nicht, den Arabern zu sagen, daß die Juden nicht ihre Feinde, sondern ihre Rassenbrüder sind, welche nur außergewöhnliche Umstände gezwungen haben, für einige Zeit auszuwandern. Sie kommen jetzt zu ihnen zurück, nach einer Entfernung von einigen Jahrhunderten, mit der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß die Gemeinsamkeit von Rasse, Interesse und Sitte die arabischen Brüder dazu führen wird, sie anzuerkennen und ihre Vereinigung mit ihnen, weiche für ihr gemeinsames Glück und für den Fortschritt des Reiches so unerläßlich nötig ist.“ * * * Vom Judenboykott in Poieni. In Lublin ereignete sich folgender interessanter Fall. Im vorigen Jahre wurde eine „reinpolnische“ Hefefabrik gegründet Die Geschäfte der Fabrik, die auf den Judenboykott berechnet war, gingen nicht gut und als Ende 1913 ein Hefesyndikat in Moskau zusamhi’entrat, wollen die Fabrikbesitzer ihre schlechtgehende Fabrik an das Syndikat verkaufen. Aber die „Natiorialstirnmung“ ist jetzt in Polen so stark, daß sich eine Gruppe von Gutsbesitzern in Mittel legte und die Fabrikbesitzer veranlaßte1. den Vorschlag des Syndikats, an welchen auch’ Juden beteiligt sind, abzulehnen. Die Gruppe gründete eine Gesellschaft, welche die Fabrik 'von den derzeitigen Besitzern übernahm'. Die letzteren beteiligen sich ebenfalls an dieser Gesellschaft. Die vom Virtuosen Paderawski begründete antisemitische Zeitung „Zwei Groschen“ pries ganz überschwenglich den Patriotismus1 der Gutsbesitzer, die dea Uebergang der Fabrik in jüdische Hände verhindert hatten, und auch die früheren Eigentümer, obwohl die Zeitung bemerkte, diese beim' Verkaufe einen ansehnlichen Betrag verdienten. In der Nr. 27 des „Kurier Lubelski“ ist der Vorfall in einem1 ganz anderen Lichte dargestellt. Es stellt sich1 heraus, daß die Gesellschaft die Fabrik für zirka 160.000 Rubel erstanden, während der Syndikat das Doppelte angeboten hat. Außerdem übernahm1 die Gesellschaft die Fabrikspassiven nicht. Infolgedessen sind die früheren Fabrikbesitzer ruiniert. Sie müssen aber die Rolle „beglückter Patrioten“ spielen. Für geschickte Leute ist die polnische „national-wirtschaftliche Auferstehung“ keine schlechte Einnahmsquelle. ■MEINUS!&emabm§! Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei.ivon allen künstlichen “Zusätzen. MARMELADE Dauerhafter als heöer PALMA KAUTSCHUKABSATZ Palma-Kautsdiuh-Gesellsöiaft m. b. H. WIEN i. Elegant und hygienisch