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Jüdische Zeitung · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jgg, NRTJDNnL -JjDBDJES DREFH Jgg JÜDISCHE ZEITUNG b fcrscnemt wöchentlich. — Redaktion, Administration und inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ H täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ " reich-UngarnGanzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. S.—, Vierteljahr. ™ ■ .Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. H Nr. 11. Wien, Freitag, den 13. März 1914 VIII. Jahrgang Zionistischer Zentralverein, Wien II. Karmeliterplatz 1. Oie diesjährige General=Versammlung findet Montag, den 16. d. M., 8 Uhr abends, im Cafe Adler, I. Schottenring 12, statt. TAGESORDNUNG: 1. Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. 2. Neuwahlen. 3. Eventualia. Im Anschlüsse daran wird Hr. Ob.-Ing. Robert Stricker einen Bericht über die letzte Sitzung des großen Aktionskomitees in Berlin erstatten. SCHAUTURNEN des Jüdischen Turnvereines Favoriten 14. März 1914, 9 Uhr abends, im Festsaale des Ai beiterheimes, X. Laxenburgerstraße Nr. 8—10 Karte: K 2.02 Rerservierter Tischsitz: K 2.52 Estradensitz: K 3.02 Anschließend Tanz. Aufruf. Im Kampf um die Unterrichtssprache in den Schulen Palästinas haben unsere Brüder in Palästina, mit der Zionistischen Organisation in unzerreißbarem Bunde zusammengeschlossen, die Anerkennung unserer berechtigten Forderungen im „Jüdischen Institut für technische Erziehung in Haifa“ durchgesetzt. Das jüdische Technikum am Fuß des Karmel wird sich der Entwickelung der hebräischen Sprache, der hebräischen Kultur in Palästina nicht entziehen. Die Anerkennung der Wünsche und Bedürfnisse des jüdischen Palästina und des Willens des ganzen jüdischen Volkes, die uns in friedlicher Auseinandersetzung verweigert worden war, haben wir in einem monatelangen,' schweren, aber von allen unseren Freunden mit heiliger Begeisterung und unerhörtem Opfermut geführten Kampf durchgesetzt. Der feste Wille des jüdischen Volkes mußte geachtet werden. ' Der Kampf hat uns aber zugleich die Verantwortung für das Schicksal des ganzen hebräischen Schulwerks in Palästina auferlegt. Um die hebräische Sprache und Kultur zu sichern, mußte Palästinas jüdische Bevölkerung neue hebräische Schulen in Jerusalem, in Jaffa und in Haifa ins Leben rufen. Es sind hebräische Schulen gegründet worden, die mit den schon bestehenden zusammen ein großes, einheitliches hebräisches Schulwerk bilden, das zum1 Bollwerk des hebräischen Geistes geworden ist. Nicht mehr können Tendenzen, die der Erneuerung unseres Volkstums in Palästina feindlich gegenüberstehen, die freie Entwickelung der hebräischen Sprache und des hebräischen Geistes in den Schulen stören oder gefährden. Der Kampf hat Palästina selbständig gemacht und das selbständige hebräische Schulwerk wird blühen, unserem ganzen Volk zur Ehre und zum Heile! Wir aber, die Zionistische Organisation und ihre Freunde, haben die heilige Pflicht und die große Verantwortung aut uns genommen, das hebräische Schulwerk Palästinas finanziell zu sichern. In ernster Beratung mit den Vertretern Palästinas haben wir die einheitliche und zweckdienliche Organisierung des Schulwesens Palästinas ins "Werk gesetzt und wir haben es übernommen, das Judentum der ganzen Welt zu seiner finanziellen Sicherung aufzurufen. Mit dieser Mahnung treten wir nun hervor. -Noch ist die unbedingt notwendige Sicherung des neuen hebräischen Schulwerks nicht erreicht. Noch braucht es großer, sehr großer Mittel. Das Werk, das errichtet worden ist, ist von unschätzbarer Bedeutung für die Zukunft des nationalen Judentums in Palästina, für die Zukunft des Gesamtjudentums. Um! dieses Werk gegen alle Gefährdungen sicher zu stellen, müssen alle Kräfte angespannt werden. Den bisher erzielten Erfolg danken wir der Kraft Palästinas selbst und der Opferwilligkeit jener Zionisten und Freunde unserer Arbeit in aller Welt, die bereits ihre Pflicht getan haben. Ihre Zahl aber entspricht erst einem Bruchteil unserer Organisation, und kein Zionist, niemand, dem die Erneuerung unseres Volkstums in Palästina teuer ist, darf sich der Erfüllung dieser Pflicht entziehen. An alle ergeht der Ruf: Wir fordern zur Unterst.ützung des hebräischen Schulwerks in Palästina auf! Die Kinder unserer Brüder in Palästina, von denen wir die Durchführung des begonnenen Erneuerungswerkes erwarten, haben ein Recht auf 'die Liebe und Fürsorge des Gesaratjudentums. Schwer ist die Arbeit, die es noch zu leisten gilt, schwerer als der Kämpf, mit dem sie begonnen hat. Wir wissen, daß die Zionisten1 unserem Rufe folgen werden. Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation: Warburg TscMenow Hantke Jacobson Levin Sokotow. Die russifdie 6efahr uni die Joden Wir leben in einer sehr ernsten Zeitepoche, am Vorabende großer bedeutsamer Ereignisse, bedeutsam für die gesamte Kulturmenschheit und speziell auch für unser jüdisches Volk. Man braucht kein Pessimist und kein Schwarzseher zu sein und muß doch pflichtgemäß auf die Europa, besonders Oesterreich immer mehr bedrohende und stets näher heranschleichende russische Gefahr vor bereiten. Hier gibt es keine Vogelstraußpolitik weiter, es heißt die Dinge beim wahren Namen nennen : Rußland trifft alle Vorbereitungen zum Kriege gegen die Türkei, Oesterreich und Deutschland; es wird losschlagen, wenn es den Zeitpunkt für geeignet hält. Die allrussische Presse macht daraus kein Geheimnis mehr, daß es einen neuen Raubzug gegen die Türkei gilt, mit dem Ziele, Armenien in Rußland und Syrien sowie Palästina in Frankreich einzuverleiben. Das will natürlich Deutschland unter gar keinen Umständen gestatten und der Kampf, den die allrussische Presse gegen Deutschland daher führt, hat seinen tatsächlichen Grund im russisch-deutschen Antagonismus in — Asien, wo auch Deutschland seine Aspirationen hat. Es war daher für alle Fälle nötig, schon bei Zeiten durch die zionistische Aktion für dieWahrung des hebräischen Charakters der jüdischen Schulen in Palästina den Anspruch der Juden auf dieses Land geltend zu machen; der bisher erzielte Erfolg muß ein Ansporn sein, an der kulturellen sowie wirtschaftlichen Eroberung Palästinas durch die Juden rüstig weiterzuarbeiten, damit keinerlei „Ueberraschungen“ uns unvorbereitet finden. — — Aber die österreichischen Juden müssen mit Rücksicht auf die Entwicklung der äußeren und inneren Politik unserer Monarchie besonders auf der Hut sein in einem Momente, wo von allrussischer Seite ganz offen verkündet wird, Rußland dürfe nicht ruhen und rasten, solange es nicht in „den Besitz Galiziens, der Bukowina und Nordostungarns gelangt, solange nicht die russische Fahne auf den Karpathen aufgepflänzt sei.“ Herr von Hartwig, der russische Gesandte in Belgrad, der allrussisch-antisemitische Kandidat für das russische auswärtige Amt, äußerte sich ja zu einem bulgarischen Politiker (wie ich persönlich von diesem vor mehreren Wochen hörte) folgendermaßen: „Nach der Türkei kommt Oesterreich daran. Wenn dieses besiegt ist, erhält Serbien — Bosnien-Herzegowina, Dalmatien und Kroatien und in diesem Falle Bulgarien — Mazedonien.“

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