Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 10 vergessen. Nie das kleine Mädchen in Jerusalem, als es in Beth-Am vor einem großen Auditorium mein Gedicht „Ha Mesdiiadh“ vorlas. Mir selbst schien es, als <>b idh mein eigenes Gedicht bei diesem Vorlesen zum’ erstenmale verstehen und empfinden würde. Beinahe kamen mir die Tränen, als ich die Worte hörte. Dieses Mädchen, das wie mir schien, außer Französisch, keine Sprache beherrschte^ wurde durch das Hebräische ergriffen. Und. niemals werde ich die fröhliche Mädchenschar in Rischon Le Zion, die ich traf, als wir in der Palmenallee des dortigen Parkes spazieren gingen, und unser Geplauder vergessen. Sogar an dem Strauß von einfachen Feldblumen, welchen mir eines der Mädchen gab, fand idh Gefallen; die Blumen waren einfach, wie ihre hebräische Rede. In all diesen Fällen, die ich hier erwähnte, bedeutete das Hebräisdisprechen keine Aufopferung mehr, sondern war ein Teil des Lebens. Während außerhalb Palästinas das Hebräischsprechen längst den Schlußstein für die kulturelle Ausbildung der Redenden bildet, ist es hier ihr Anfang — hier spricht das Kind hebräisch. Wenn idh in Bezug hierauf etwas einzuwenden habe, so betrifft es die Sprache selbst Es wäre sehr wünschenswert, wenn das Hebräische in Palästina ein wenig mehr vervollkommnet und nicht so nachlässig behandelt werden würde. Es scheint mir, daß es gar nicht schaden könnte, wenn man auch dem Geist der Sprache etwas Aufmerksamkeit zuwendete, damit er nicht so vergewaltigt werde. Schließlich gibt's ein Ding auf der Welt, das man „Syntax“ nennt und was in einer Sprache schön ist ist's nicht in einer anderen. Ihr werdet sagen: Das Sprechen bringt das mit sich. Und dennoch), meine Herren, dennoch! Auch für die gesprochene Sprache gibt es eine Regel und eine Schranke. Ich schäme mich nicht zu sagen: „Wenn ich der Herr und Gesetzgeber Palästinas wäre, so würde ich einen energischen Erlaß .herausgeben, daß nicht jeden Tag irgend wer, der etwas neues machen will, dies tun dürfe.“ Sagt was Ihr wollt; diese Sucht nach neuen Worten, welche jedermann in Palästina ergreift und diese Fabrikation von Worten, bloß, um zu fabrizieren, dies läßt mich manchmal besorgen, daß unsere hebräische Sprache mit Gottes Hilfe schließlich in Palästina vergessen werden und' von ihr bloß eine Art Jargon Zurückbleiben wird. Und auch dieser Jargon wird schließlich der Vergessenheit anheim fallen, wie der Jargon des Oz-Kozez*) und all unsere anderen Jargone. Wäre es nicht besser, wenn einen Art Akademie die Ueberwachung der Beschaffung neuer Worte und das alleinige Recht zustehen würde, Wortbildungen anzunehmen oder abzulehnen? Schließlich müssen wir zur Einsicht! gelangen, daß die Sprache nicht nur eine Sprache der Gasse sein darf. Diese ist die tiefste Stufe, eine höhere ist die Sprache der Journale, aber darüber und höher steht die Sprache der Literatur. Wünscht Ihr vielleicht nichts anderes; als daß auch diese zu einer Sprache der Gasse werde r Und wenn ich in dieser Beziehung noch etwas auszusetzen habe, so betrifft es die unbedingte Bestimmtheit, mit der man in Palästina ausschließlich die sefardische Aussprache gewühlt hat Ich habe nichts gegen die sefardische Aussprache, ebenso wenig wie gegen die aschkenasische. Die Aussprache ist etwas, das durch die Natur des Ortes gegeben ist : Es ist möglich, daß die Natur Palästinas (das heißt Judäas, denn vielleicht finden sich in Galiläa andere Bedingungen) die sefardische Aussprache bedingt so daß das „Kamaz“ in ein „Pathach“ verwandelt und das _,,Milel“ durch' das „Milra“**) ersetzt wird, doch auch dad Gegenteil ist möglich. Aber da kommen Leute und w'ählen irgend eine Aussprache, suchen sie im Vorhinein wegen ihrer Schönheit oder ihres Klanges aus, ein Beginnen, das — sagt, was Ihr wollt — ein wenig naiv ist Denn' wie, wenn die Natur des Ortes das Gegenteil ver- *) Verdorbenes Hebräisch. **) Ausdrücke aus der hebräischen Grammatik, Kamaz, Pathach Vokalzeichen, Milel, Milra Akzentbezeichnungen. langte? Und wenn tausend andere Bedingungen Euch zwingen werden, Eure Aussprache zu ändern? Schließlich ist eine Aussprache kein Handschuh, den sich der Mensch nach Belieben wählen kann. Auch durch hundert Unterschriften erwählt ein Volk nicht eine Aussprache. Es ist möglich, daß Ihr erst nach einem Jahrhundert irgend eine Aussprache als die Eure erkennen werdet Oder denkt irgend jemand, daß etwa das deutsche Wort „das“ nur so im Handumdrehen zu einem „dos“ in Littauen und gleichzeitig zu einem „dus“ in Polen gebracht wurde? .... 1 Aber all das kann nicht einmal ein1 bißchen meine große Freude trüben, die ich über das Hebräisch in Palästina empfand. Ich versichere Euch: Ihr hattet keine Kanonen nötig', um mich zu besiegen. Der Prozeß, durch den ich aus einem „Feind“ in einen „Freund“ des Hebräischsprechens verwandelt wurde, war kein schwieriger. (Aus dem Hebräischen übersetzt von A. Bin.) Parfeinaiirictitcn. Zentralfondbeiträge aus Westösterreich für 1914. VII. Ausweis^ Mähren-Schlesien: Troppau: „Jeschurun“ 300.—; Proßnitz: Leo Beer, Sammlung 133.—; Mähr.-Ostrau: Sammlung II. Rate 1000.—; zus. 1444.—; bereits ausgewiesen 2764.88; zusammen K 4208.88. •» Für das hebräische Schulwerk in Palästina. Innerösterreidh: Wien: S. Friedmann 100.—; Jüd.-akad. Verbindung „Unitas“ II. Rate 100.—; Dr. Emil Stein 100.—; Jüd.-akad. Verbindung „Ivriah“ 50.—; „Hatchijah“ agudah akademith iasafah welatarbuth haibrith, Winah, Taszlum riszon 50.—; S. Picker 5.—; zusammen 405.—; bereits ausgew. 3956.08; zusammen K 4361.08. Mähren-Schlesien: Bielitz: Jüd.-akad. Ferialverbindung „Emunah“ (aufgebracht durch die Aktivitas und zwei Verkehrsgäste II. Rate 50.—; Ung.-Brod: Erwin Schön, Sammlung 50.—; Brünn: Sammlung 220.—; Holleschau: Slg. der jüd.-akad. Verialverb. „Zephirah“: Josef Beer Jahresbeitrag 25.—; kleine Spenden 156.—; M,- Ostrau: Israelitische Kultusgemeinde 50.—; kl. Spenden 19.65; zusammen 570.65; bereits ausgewiesen 715.80; zusammen K 1286.45. Aufgebracht wurden bisher in Innerösterreich 7440.44, Mähren-Schlesien 5495.33, Böhmen 7269.31, Gesamtsumme K 20.205.08. Richtigstellung: In der letzten Nummer sollte unter Atzgersdorf der Sammler richtig I. Lager und nicht Lappen heißen. “IttO Restaurant zum König Davit) Besitzer Siegmund Bondi langjähriger Restaurateur am Kai und bei den 3 Raben II., Untere Augartenstraße 8. Orig. Pilsner Urquell, Biere aus der I. Brünner Aktienbrauerei direkt vom Faß. — Naturbelassene österr. und ung. Weine. — Den P. T. Vereinen, für Versammlungen, sowie für Hochzeiten empfehle ich meinen neu erbauten, bestventilierten Glassalon, Erstklassige Kfiche. Hochzeltsdiners von K 4.— per Kuvert aufwärts. Im Kampf um die hebräische Sprache. (Herausgegeben vom Zionistischen Aktions-Komitee, Berlin W. 15, Sächsischestraße 8.) Der Konflikt, der durch die Oktoberbeschlüsse des Kuratoriums des Jüdischen Technikums in Haifa wegen der hebräischen Unterrichtssprache in Palästina entständen-ist, hat Inder ganzen jüdischen Welt ein lebhaftes Echo efunden. Im Verlaufe des Kampfes wurden in alästina neue hebräische Schulen ■ gegründet, über deren Lehrer- und Schülerzahl die neuerschienene Broschüre genaue Zahlen bringt Sie enthält reiches Tatsachenmaterial, daß die genaue Prüfung des Kampfverlaufes gestattet und wohl auf niemanden ohne tiefen Eindruck bleiben wird. Sehr eingehend ist die Broschüre Paul Nathans „Palästina und palästinensischer Zionismus“ behandelt Die in ihr enthaltenen Angriffe auf die Führer der hebräischen Bewegung in Palästina und auf die Zionistische Organisation haben eine, wiewohl auch die Gegner der zionistischen Bestrebungen zugeben werden, überzeugende und vornehme Widerlegung gefunden. Die Broschüre ist sicherlich ein wertvoller Beitrag zur Geschichte des modernen Judentums. Die Zionistische Organisation hat von ihr schon 25.000 Exemplare verbreitet und erhält, wie sie in ihren Veröffentlichungen mitteilt, noch Bestellungen für viele tausend Exemplare. Der Kampf um die hebräische Sprache in Palästina hat jedenfalls das Interesse für| die hebräische Sprache sehr gesteigert und dem hebräischen Schulwerk in Palästina, das allerdings noch des Ausbaues sehr bedarf, unzählige neue Freunde geworben. Am 2. d. M. fand die zweite Sitzung des; D. K .statt, an der auch Dr. Karl P o 11 a k, Präsident des westösterreichischen Z. K. teilnahm. Bezüglich der Bezirksagication wurde insoferne eine Aenderung vorgenommen, als die „I v r i a“ für die Agitation auf der Landstraße und die „U n i t a s“ für die Propaganda in Döbling bestimmt wurde. Es wurde ferner in Ausführung eines Beschlusses des D. T. die Schaffung eines Distriktsfonds in Aussicht genommen. Es gelangten ferner folgende Gegenstände zur. Besprechung: Pal es t in a film, Budget, Zionistischer Zentralverein, Wiener jüdischer Volksrat und hebräisches Schulwerk in Palästina. Zur erfolgreichen Durchführung der Sammlung für letzteren Zweck hat das D. K. ein eigenes Bureau eingerichtet. Jüiisdier Msverein für Sie beopolOstadl. Unsere politische Organisation scheint sich einiger Zeit der Stagnation wieder neu zu beleben. Einige in den letzten Monaten stattgehabte .Versammlungen haben erwiesen, daß wir in immer weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung dringen, und daß es nur einer systematischen und energischen Agitationsarbeit bedarf, um unseren Verein zur stärksten politischen Organisation des Bezirkes zu erheben. In der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung erstattete Gg. Ober-Ingenieur Stricker den Rechenschaftsbericht und teilte mit, daß er infolge Ueberbürdung mit Parteiarbeiten von der Leitung des Volksvereines zurüdktreten müsse. Gg. Dr. Plaschkes sprach über aktuelle jüdische Fragen und erörterte die nächsten Aufgaben unserer Organisation. Der neugewählte Ausschuß hat sich wie folgt konstituiert: Dr. Plaschkes, Obmann; Oberingenieur Stricker, 1. Vizeobmann, H. Apsler, 2. Vizeobmann; J. L ö w, Schriftführer; Dr. W o 1 f m a n, Schriftführerstellvertreter; O. Seinfeld, Kassier; J. David, M. Feldstein, J. Halpern, O. Weinberg, Chf Weiß, Beisitzer. ln der Ausschußsitzung erschien eine Deputation der jüdischen Hausierer, welche den Schutz ihrer Interessen durch den Volksverein; erbaten. Eine am, Samstag, den 14. d. M., halb 3 Uhr nachmittags, in den Saal des Hotels „Arco“ (II., Rotenstemgasse) einberufene Versammlung der Hausierer wird über deren Einreihung in unsere Organisation beraten und Beschluß fassen: : Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Volksvereines werden zweifellos zwei Institutionen werden, deren Gründung sohin beschlossen wurden, ein R e c h t s c h u t z bübureau, dessen Leitung Gg. Plaschkes übernommen hat, sowie ein Darlehensfond für jüdische Hausierer, Handwerker, Kleingewerbetreibende usw., an dessen Spitze Gg. Oberingenieur Stricker berufen wurde. Gg. Stricker konnte dem Ausschuß die erfreuliche Mitteilung machen, daß er in den nächsten Tagen diesem Fonde die Spende eines ungenannt sein wollenden im Betrage von 2000 K zuführen werde.. Der Ausschuß wird sich weiterhin in der (nächsten Zeit in erster Linie mit der inneren Rekonstruktion des Vereines befassen und die bereits seinerzeit dem Vereine angehörenden Mitglieder neuerlich zu sammeln suchen. Einen erfreulichen Kontakt zwischen der Organisation und unseren Mitgliedern werden zweifellos die an jedem Mittwoch abends stattfindenden Vereins vor träge über verschiedene jüdische und allgemeine Fragen herstellen. Ein zu Beginn eines jeden Monates an die Mitglieder zu versendendes Zirkular wird dieselben über die Vorträge des kommenden Monates sowie über die sonst geplanten Veranstaltungen ■orientieren und gewiß jauch zur inneren Festigung des Volksvereins beitragen. Es wäre dringendst zu wünschen, daß unsere Parteigenossen den Ausschuß bei' der Durchführung der geplanten Aktionen auf das Tatkräftigste unterstützen. Nur’ so wird es möglich sein, daß der jüdische Volksverein sein Ziel erreiche, ein Sammel- und Stützpunkt aller jüdischen Kräfte der Leopoldstadt zu sein. . * Sprechstunden des Ausschusses. Wir bringen hiemit unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Ausschuß seine Sprechstunden an jedem Mittwoch von halb 8 bis halb 9 Uhi; abends, sowie am Sonntag von 11 bis 12 Uhr vormittags im Vereinslokal, II. Karmeliter-