Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 ist ein schönes Feist, cwonner teinen Tftg lajig -dauert. Alter;das i ganze i Leben hindurch, jeden; Tag: Purim, fldas -isft zu viel - des < Guten.... iiidisyhje,Kultur: in Ungarn. j Dasigahört so.ieciblihu.cüe Buutnwodhe. iJDie: „Ungarische Israelitische Literarische •Gesell-! sChaft“ trat dieser Tage zusammen, um an Stelle! <:des «verstorbenen! Bar-on ‘Hatvany einen neuen! Präsidenten zu erküren.!.Die'Wahl 'hat den1 Her-j . ren,iw.e%jg- Kopf zerbrechen bereitet, „Man wählte I '.Ohne iweiteres;den höch&tgestellten jüdischen! Staatsbeamten, ■ Dr.1 Leopold V a d a s z, der von j Tiszas -iOnnden ■ Staatssekretär im 'Justizministe-j ,/jum ist, ahne -sieh .datftn ,zu kehren, ..daß sich j Dr. vYadasz inie,, aber: auch. nie uuros Judentum, j geschweige -.idenn ium die -jüdische -Kultur -be- 'kütnmert hat. 'Ja, was ist.denn eigentlich jü-j i.disChe Kulter und „was ^bezweckt eine jüdische; :litecarischeGesellschaft? :Dies-, erfahren.wir.ganzi{ deutlich aus - der! Rede - (des Herrn -Staatssekre-1 tärs, '5fler da nach ider ' Wahl;der staunendenj Mitwelt folgendes Mitteilte: j „Die wahrhaft edlen Ziele, meine Herren.! sind i.immeri universell, i .Universell sind ..auch die- Aufgabe und das Wirken dieser Gesellschaft!, dient sie doch -den großen ..und edlen Inter-- - essen, .unserer Konfession, des. Ungartums,.und der Jüäeratur:zugleich.?Sie .dient,jenen zu gleicher -Zeit in ungleichem Maße, -ist doch-kein. Gegen-, satz zwischen .jenen; sind sie 'doch1, nur einzelne Stimmen Ln je.ner gtoßeii ,ung;ari- S.c h e.n;.Sinion ie, . die in - .d er S. eelejed-esg e*biMe t en .ungarischen .'Juden tönt. (Eljenrufe.)-.Und-wenn-nnsere süß.e, uns allen teuere, ungarische ßpracJiC .«ns! ein kräftiges,-aber.auChbibisgsnnies,.ein .machtvolles ,und zugleich zärtliches i .Instrument: liefert, .anit ..dem .wir zum ‘Ausdruck folringen können, was! in -der . Seele^des.Juden so tragen Wir a,uch stolz .UiOid glücklich ..alle Schätze un s e r e r i j-ü d is eh ern S e e le, :dies(er. durdf eine jährtausendälte! Kulturdifferenzierten,-durch1 lefie Kämpfe einer leidvollen Yergaiigenheitr für .alles;menschliche^Elend empfindlich; gewordenen -Seele in den großen Fluß,, der-.die ^ungarische Kultur - vorwärts trägst. . fEl jenrufe.iund Applaus.). Diese Ungarische Kultur i-pflegen .wir. in. unseier Uugarischen. israelitischen '■ -literarischen Gesellschaft!; Und . wenn, -dieser . Ge- : dankenkreis etwas enthielte,-‘das zur Pflegeder ..besonderen, jüdistehen..Interessen mahnte, so: hg- -.ben .wirdiesesbesondere Interesse. wieder 4uur in .der Universalität zu .-suchen. Denn:-k an n der ungarische J ude ein größeres lnteresse.uhd-einen heLBeren Wunsch haben .alsi den,. daß..ihier Ln uunserem '-V-a t erfand e<*-die ißi 1 d.ung,;d ietd e.n gnoß enmenschlichen -Ziefen-mitdenen der.Nation gleichzeitig dient, das ^Wissen itn-d* als. Blüte .all-dessen? die - Literatur,; die ungarische .Literatur :sich:entwickein und-ihre Wirkungen .erstarken.jmögen? Schön und edel ist die ■Arbeit,.‘.die ,wir.zu, yerriChten; Haben! ich. daflke Ihnen, meine H erren, daß \- Sie i.michgerufen; halben--und:; an? der Arbeit der Führung teilnehmen .lassen.“ ■;.Wir glauben ..nicht fehlzugehen, i.weun ,-wir annehmen, -1 daß - diese '-Rede, die den1 Höhepunkt .assimilatorischer ..Bestrebyjtig.en.jdarstellt, selbst in . Uflgjarn, wo „myiuam starken Tabak .gewöhnt .ist, . -so .manchem Juden, die-Augen öffnen.‘Wird. * ,* * -Die ..zionistische Organisation Eh -die -Türkei. -Zufolge 'der-eigenartigen -politischen' 'Verhältnisse in" Konstaritinopel und trotz des Wohlv^wollens.vdas.idie $ükische ,-Regieru.ng -unserem) '-'Wirk eni i in: 'Pälästinai eretgegenhringt, wart es; b is- \her-nicht-möglich,- tm ottomanischen- Rekheeine . Zionistische 'Organisation zu (Schaffen. ‘ Es ist ^bekannt,"weiche..Mittel .unsere. Feinde,.am Goldenen Horn, gegenuuns angewendet haben.;Wir verweisen nur an die'.Angebereien, in denen sich vor '-vier -Jahren die . Alliance i lsraelite gegen; uns . gefiel. All .'.dies* isdhüdete . aber j.unseren -nationalen Organisationen, wie z.: B. dem großen - Turnverein. Ätakkahi-in, Kon§taotintopiel .nidvt ,im «Geringsten.. Zu.der.OrÜnidung oipes:zionistischen Verhand.es konnte es aber zufolge des Mißtrauens der, Regierung allen nichttürkischen Na- . tionalitäten gegenüber nicht kommen. Nun haben . sich > die Dinge gründlich geändert und die zionistische Sache kann wieder einmal einen großen Erfok verzeichnen: In einigen Tagen findet die offizielle Gründung der „H i s t ad r u t h Zio- .nith.Qtt.Qm.auit.h“ (Ottomanische ZionistenorganisatiQo) statt. .Dem Vorstande gehören in: ..der ..Hauptsache . eingeborene sefardische Juden .an, ucg die Generalversammlung selbst wird im Hause.eines angesehenen Sefardi, .der auch der Konstantinopler Stadtverwaltung . angehört, stat- . finden. In allernächster Zeit werden auCh in ..anderen türkischen Städten, vor allem in Adria- . nopel, Zionistenvereine gegründet werden. Die offizielle Anerkennung der zionistischen Organisation vqn Seiten der türkischen Regierung bedeutet, zweifelsohne einen großen Fortschritt unserer Bewegung, der nicht genug hoch eingeschätzt werden kann. Polen uni Juden. Die polnische : Nationaldemokratie suchte schon lange nach einer Gelegenheit, den Antisemitismus in Galizien mit ähnlich starker Ten- ■denz, wie in Polen, zum 'Ausdruck zu bringen. Diese Gelegenheit bot sich neuerlich dar. Der :-bekannte -zionistische Führer Nachum Soko- 1 o.w. unternehm in letzter. Zeit eine Reise nach -verschiedenen Städten Galiziens, um im Kreise der dortigen Judenschaft in der Frage des Kampfes gegen den Hilfsverein der Deutschen Juden und dessen germanisa torische Schulpolitik aufklärend zu.wirken. Wider sein und aller Juden Erwarten stieß er auf der Seite der Polen auf .die.größte Feindseligkeit, so daß es zwischen den Polen iund den Juden oft zum Streite kamt Mit .den Polen traten gegen Sokolow auch die Mitglieder des assimilatorischen jüdischen akade- . nusChen.Verbandes „Zjednoczenie“ auf. Um den Pöbel gegen Sokolow und die Zionisten aufzuüetzen, ‘bediente man. sich einer aus den, Revo- •-lutionsjahren stammenden Legende. Es soll nämlich einmal jemand irgendwo gesagt haben, daß Polen ein fauler Kadaver sei, der bei einem. Fußstoß auseinanderfalle. Eine zeitlang erzählte - man, 'dieser Ausspruch rühre von einem1 Meeting . der Sozialdemokraten her. Da jedoch' die Na- - tionaldemokraten und überhaupt die polnische bürgerliche Presse die Sozialdemokraten mit dem Judentum stets identifizieren, so ließ man aus- ■ sprengen, daß - diese Worte in einer Versammlung sozialistischer Littauer in Warschau gebraucht wurden. Jetzt schrieb man sie jedoch Ohne weiteres Sokolow zu, und zwar behauptete 'die . gatizisChe Presse, Sokolow habe sie auf -einem '.Meeting m Warschau gesagt, während die Warschauer Blätter die Sache so darstellten, als hätte sich Sokolow dieses Ausspruches in faliziseben Versammlungen bedient. Für alle alle genügte dieses Gerücht, um' den Pöbel gegen Sokolow aufzuhetzen. Die Versicherungen Sokolows, er habe sich niemals in diesem Sinne .über Polen geäußert, und daß er im Gegenteil^;als .-'Zionist, stets Achtung entgegengebracht habe, 'der Hinweis auf Beine 'Rede auf Idem letzten Wiener Zionistehkongreß blieben ohne Wirkung, und e9 wurden, wohin auch Sokolow kam, feindliche Demonstrationen veranstaltet. Man verlang.te, .daß - die ..Behörden seine Vorträge verbieten, -und wo - die. Behörden sieh nicht genug willig. zeigten, wurden die Versammlungen, in denen Sokolow sprach, gesprengt. In Neu-Soncz kam e9 so. weit,, daß während des Vortrages auf Sokolow Schüsse abgefeuert wurden, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Selbstverständlich kam all dies anfänglich ■ inder polnischen Presse bloß in kurzen - Notizen -und Drahtmeldungen zum1 Ausdruck. Erst .nachträglich veröffentlichte sie Pogramartikel, in denen sie das 'Verhältnis der Pofen zuden. Juden und.-Zionisten als eines zu F&nden - -der, polnischen, Nation b.ezeiChnete. . Besonders stürmisch gebärdete sich die pol- .inische Presse nach d.en Vorfällen in Lemberg. Als Sokolow nach Lernberg kam, hieß es, Sokolow werde trotz des Verbotes einen Vortrag •halten. Da drang die polnische Jugend, geführt . durch die .Mitglieder des erwähnten Stuaentenverein.es „Zjednoczenie“, durch verschiedene Nehengassen des, „Judenyiertets i nüas Lokal der jüdischen . Gesellschaften -und demolierte das .Volkshaus. ’ Hierauf veranstaltete die zionisti- . stische akademische; Jugend eine Gegendemonstration, . wohei manche Mitglieder des „Zjed- -.noCzenie“. durchgeprügelt wurden, um die Demolierung des Volkshauses zu. rächen, wurde die Goldiuan-Bibliothek, .wo sich das „Zjednocze- ,nie“ befindet, zerschlagen. Da klagte die polnische.-Presse .über jüdischen Vandalismus, versChwieg .aher die vorigen Vejherungen seitens der polnischen Jugend. Andreas Niemojewski führte: in einem Artikel: „Der jüdische Provokateur“ seiner Zeitong?,„Mysl Niepodlegla“, auf . Grund .^historischer“ Daten. aus, daß die Juden bei jedem passenden Falle die Faust gebrauchen und daß die Reise Sokolows in Verbindung mit den „Zionistenanfällen“ als einfache Herausforderung anzusehen sei und daß die Juden, welche von den Polen angeblich geschlagen werden, selbst die Polen angreifen. Er schließt mit einer Pogromdrohung: „Angesichts dieser Sachlage werden wir nahe der Wahrheit sein, wenn wir sagen, daß die Juden mit dem. Feuer spielen, una daß die polnische Geduld an einem „Damokleshaar“ hängt. Wir, natürlich, werden dieses Haar nicht dicker machen.“ Inzwischen kam Sokolow nach' Warschau ■und sandte an die polnischen Blätter ein Schreiben, in dem die Vorfälle in Galizien und seine Stellung zu den Polen .aufklärte. Dieses Schreiben nahm mit Ausnahme der polnisch-jüdischen Organe, bloß der „Dziennik Polski“ auf. Die anderen Blätter verweigerten die Aufnahme der Erklärung, hingegen führen sie in . d^r Verhetzung gegen Sokolow fort. In dieser Wühlarbeit kamen diepqlnischen. Blätter einstimmig zu einem neuen Postulate: „Den Zionisten wie den Nationaljuden und überhaupt den Juden, die mit den polnischen Parteien in den jüdischen Angelegenheiten nicht übereinstimmen, müsse die Redefreiheit entzogen werden.“ Daß diese Parteien in der letzten Zeit ebenso scharf gegen die Assimilation und die Assimilanten auftreten, gehört natürlich nicht zur Sache. Durch diesen Kampf entsteht der polnischen Jugend eine Aufgabe: die Parole der Presse in die Tat umzusetzen. Hebräisch in fatäslina. Von Dawid F risch man n.*) Bevor ich nach Palästina. ging bemerkte ich oft. Es ist möglich; daß in Erez-Israel das Hebräisch-Sprechen natürlich und selbstverständlich sei. Und das sage ich auch jetzt, nur daß sich mir dieses „möglich“ in ein „gewiß“ verwandelt hat. Jn Palästina fand ich das Hebräische im Gebrauch und dort ist es die denkbar natürlichste Sache. Die Magd spricht mit mir hebräisch, der Barbier spricht mit mir hebräisch; klein und groß spricht hebräisch, das Kind spricht hebräisch, und nicht allein das, sondern ich bin sicher, daß das Kind in seinen Träumen, hebräisch träumt. Und Ihr wollt, daß so etwas mir nicht gefallen soll ,und ich es bekämpfe! Und Ihr glaubt, daß Ihr unter solchen Umständen Kanonen nötig habt, um mich zu besiegen?**) Und wenn noch eine Kanone nötig gewesen wäre, seht, da kam eine Nichtjüdin, eine Araberin und gab den Ausschlag. Die Sache trug sich in Haiffa, gleich bei meiner Ankunft zu, — ich ging durch eine Gasse, der Stadt und kam zur deutschen Kolonie, wo ich die Wohnung eines Mannes suchte, den ich besuchen wollte. Ich gelangte bis zu dieser Wohnung, wußte aber nicht recht, ob ich wirklich am Ziel sei oder nicht. Neben dem Tore, das sich vor deml Hause befand, stand eine arabische Magd. Ich versuchte mit ihr zu sprechen und sie nach der Wohnung, die ich suchte, zu fragen. Ich probierte es mit Deutsch — sie verstand nicht, mit Russisch, sie verstand nicht, mit französisch — sie verstand nicht. Kurz, ich versuchte es mit allen Sprachen, die ich kenne. Schließlich packte mich die Lust, einen Spaß mit ihr zu machen und ich frug in hebräischer Sprache. Wenn mir in diesem- Momente passiort wäre, was dem Bileam mit seiner Eselin begegnete, hätte ich nicht erstaunter sein können! Die Araberin antwortete mir hebräisch: „Hier zur rechten Hand, die erste Tür.“ Das ist‘s, was ich natürlich nenne, das Leben erzeugte hier das Hebräischsprechen. Unter solchen Bedingungen wurde auch mein Sprechen, der ich mir sonst bei jedem hebräischen Satz die Zunge auskegeite, natürlich. Ich fühlte gar nicht, daß ich spreche. Niemals werde ich die schlichten Arbeiter in Haiffa vergessen, wie ich bei ihnen in ihrem Klub saß, und wir miteinander sprachen, sie mit geläufiger Zunge, und ich, wie ein fauler Schuldner, der seinem Gläubiger das Geld hellerweise zurückzahlt. Niemals werde ich die Kinder in den Straßen von Jaffa und ihr Geplapper *) Aus der soeben erschienenen Reiseschilderung: „Im Lande“ (Baretz). **) Der Autor hatte sich im Eingang des Artikels als Gegner des Hebräischsprechens in der Diaspora erklärt