Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 10 Januar. Mit Genugtuung konstatiert das EAC., daß beide Gruppen sich seinen sachlichen-, Forderungen angeschlossen und die Bedeutung der Hinwirkung der Zionistischen Organisation öffentlich anerkannt haben. Mit besonderem Dank erwähnt die Parteileitung ferner hier die Festigkeit und Treue), uns in unserer schweren Position, besonders mit der die Vertreter des Hauses Wissotzky in diesen Tagen unterstützt haben. Nicht alles konnte durchgesetzt w-erden, dennoch darf behauptet werden, daß die heuen Beschlüsse, zusammen mit dem festen Willen Palästinas und der beständigen Kontrolle der zionistischen Vertreter, die jetzt zum ersten Male offiziell als solche ins Kuratorium cintreten die Hebräisierung des Technikums sichern werden. Die neue Zusammensetzung des geschäftsführenden Ausschusses wird auch gewiß das ihrige dazu beitragen. Damit dürfte dieser wichtige und komplizierte Streitpunkt glücklich. (beseitigt sein. Palästina-Arbeit. Dr. R u p p i n hat, nach der letzten Sitzung des Großen Aktionskomitees, noch einige Städte Rußlands besucht, wo es ihm gelungen ist, weitere Pflanzungsgesellschaften zu gründen. Diese Idee findet immer mehr Anhänger in Rußland und Amerika. Das Palästinaamt ist daher ersucht worden, eine spezielle Broschüre hierfür auszuarbeiten. Allmählich verwirklicht sich die schon voriges Mal betonte Notwendigkeit den Beamtenstab des Palästina-Amtes zu vergrößern. Außer zwei jüngeren Kräften aus Deutschland ist insbesondere Herr Agronom Oettinger neu gewonnen worden, der eine schätzenswerte, in kolonisatorischen Dingen erfahrene Kraft darstellt. Er wird die Aufgaben eines landwirtschaftlichen Inspektors der Siedlungen und Besitzungen, wie auch eines Beraters bei Käufen und Unternehmungen zu erfüllen haben. Ueber die Fortschritte des jüdischen Kolonisationswerkes' hat sich Baron Rothschild, wie das Palästina-Amt mitteilt, wiederholt sehr befriedigend ausgesprochen. An die Reise des Baron Rothschild knüpft die Bewegung freudige Erwartungen für die weitere Entwicklung des palästinischen Siedlungsweikes. Dr. Tschlenow geht dann auf die Fragen der zionistischen Politik ein und behandelt einige schwebende Angelegenheiten. , Un iversität. Gemäß den Wünschen und Ansichten, die in der letzten Sitzung des AC. .entwickelt wurden, haben inzwischen in erster Linie Sondierungsversuche bei einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten stattgefunden, die auf ein starkesi Interesse gestoßen sind, und.überdies den Erfolg hatten, bisher abseits stehende Persönlichkeiten für das Universitätsprojekt überaus günstig zu ■Stimmen. Nach der jetzigen Sitzung des vorbereitenden Komitees werden die Geldsammlungen nunmehr mit der nötigen Energie aufgenommen werden können. — Es wird ferner beabsichtigt in nächster Zeit auch mit der Sammlung von Büchern tür die zukünftige Universitätsbibliothek zu beginnen. Hierbei ist die Organisation in der günstigen Lage, diese schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe einem Fachmann, wie Dr. Heinrich Loewe, Berlin, anvertrauen zu können. Bei der Technikumsfrage hat sich gezeigt -wie notwendig es ist, rechtzeitig an die Schaffung des nötigen Unterrichtsmateriales zu denken. Wir haben bereits über die Gründung des Verlages „M a d o“ in Moskau, der sich mit der Herstellung von hebräischen Lehrbüchern befassen wird, eine Notiz gebracht. Der jüdische Kulturfonds „Kedem“. Die Eingänge des „Kedem“ erreichten in den wenigen Monaten seiner Tätigkeit die Höhe von zirka 15.000 Francs. Der „Kedem“ entwickelt sich1 allmählich. Er hat für das laufende Jahr bereits einige Subventionen für kulturelle Zwecke in Palästina bewilligt, darunter 8000 Francs für den Waad Halasdhon und 2000 Frcs. für die Haifaer Schule. Der Vorsitzende des) Direktoriums, Herr Feldstein, hat, besonders in Warschau, eine energische Tätigkeit zu Gunsten unseres neuen Schulwerks entwickelt. Für die Zukunft hat der „Kedem“ verschiedene Pläne, unter denen wir das Projekt der Sicherung unserer Nationalbibliothek in Jerusalem hier erwähnen wollen. Organisation und Propaganda. Seit der Sitzung des AC. haben eine Reihe von Delegiertentagen stattgefunden. Auf ' den meisten von ihnen war das EAC. persönlich vertreten, auf einigen durch Mitglieder des Großen AC. Die Herren Sokolow und Dr. Levin haben ausgedehnte Propagandareisen durch Oester re ich-Ungarn und Deutschland gemacht, Herr Sokolow besuchte Warschau. Hervorzuheben ist ferner die agitatorische Leistung der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“, die gegen den bekannten Annoncenangriff des „Antizionistischen Komitees“ im Zeitraum von 14 Tagen über 80 Protestversammlungen in « fast ebenso vielen Städten veranstalten konnte. Die Sonderverbände „M i s r a clr i“ und „P o a 1 e - Z-äp n“-machen Anstrengungen, ihre Propagandatätigkeit auszudehnen. * Mit Vertretern der „Pöale-Zion“ fand vor kurzem in Berlin eine Besprechung in dieser Sache statt; der „Misradii“ hat seinen Sekretär, Herrn Berlin, nach Amerika geschickt, der gute Ergebnisse seiner dortigen Tätigkeit berichtet. Befriedigende Nachrichten sind auch von Herrn Kretschmar, der in Südafrika für den Zentralfonds, und die P. L. D. C. arbeitet, eingetröffen. Der Sekretär des EAC., Herr Dr. M. Geyer, derin denletzten Wochen in Galizien tätig war, hat sich jetzt für eine längere Tournee nach R ü m inien begeben. Sodann sprach der Referent über die Frage des Bodenkredits und über das Budget des EAC. Im Anschluß an das mit großem Beifall' aufgenommene Referat berichteten die palästinensischen Vertreter, Dr. L u r i e, Jaffa; David Y eil in, Jerusalem und Pewsner, Haifa über den Schulkampf in Palästina. Sie berichteten nicht nur jüber den Verlauf des Kampfes in diesen drei wichtigsten Punkten des Landes, sondern legten c’ien Schwerpunkt ihrer Darstellung auf die inneren Gründe, die mit Notwendigkeit die Ereignisse der letzten Monate 'herbeigeführt haben. Die Reden klangen darin aus, daß das ganze nationale Judentum Palästinas mit unerhörter Einheitlichkeit und Entschlossenheit zu-, sammenstehe und alles daran setzen wolle, um den Sieg der hebräischen Sprache zu erkämpfen. In der sich an die Berichte anschließenden Diskussion sprachen fast sämtliche Mitgliedes des Aktionskomitees. Alle Redner erklärtensich mit der Politik des EAC. einverstanden. Die Diskussion schloß -mit der Annahme folgender einstimmig angenommenen Resolution: „Nach Anhörung der Berichte des EAC. und der Vertreter der palästinensischen Lehrer¬ und Bürgerschaft, gibt das Große AC. seiner lebhaften Genugtuung Und Freude darüber Ausdruck über die würdige und erfolgreiche Verteidigung der hebräischen Sprache in Palästina. Das Große AC. beglückwünscht die palästinensische Judenheit zu ihrer begeisterten und zielbewußten Haltung; es billigt alle vom EAC. bisher getroffenen Maßnahmen zur Sicherstellung und Entwicklung unseres nationalen Schulwerks in Palästina und fordert die zionistische Organisation zu weiterer energischer Förderung dieser Tätigkeit auf.“ Die Sitzung des Aktionskomitees wurde am 28. Februar abends fortgesetzt. Auf der Tagesordnung stand die Frage des Boderierwerbs und Agrarkredits in Palästina. Dr. Tschlenow legte ein umfassendes Exposee vor. In der Debatte, die Herren Dr. Heymann, Ingenieur Kaplanslcy, Idelsohn, Fischer, Dr. Levin, Ussisdikin, Sokolow, Dr. Jacobson, ChasanowitSCh, Justizrat Bodenheimer, Podlischewski, Oberingeriieur Stricker, Professor Warburg, Motzkin, Simon, Rosoff. Die sehr eingehende, bis 1 Uhr nachts währende Diskussion führte zu dem Ergebnis, daß die Hauptarbeit der zionistischen Organisation in der nächsten Zeit der „Palestina Land Developern ent Company“ (Palästina-Land-Entwicklungs-Gesellschaft) zugewendet werden müsse. Die Palestina Land Development Company befindet sich in sehr erfreulichem Aufschwung und hat besonders in letzter Zeit mit ihrem1 kleinen Kapital gute Erfolge gehabt. DieZionistische Organisation erblickt in dieser Gesellschaft da'S geeignete Instrument für die Organisation und Durchführung des Bodenerwerbs in Palästina. Das Große Aktionskomitee verlangt eine großzügige und planmäßige Werbeaktion zwecks wesentlicher Erhöhung des Kapitals dieser Gen sellschaft. Es wurde nahezu einstimmig fol-J gender Beschluß gefaßt: „Das Große Aktionskomitee beauftragt das Engere Aktionskomitee, eine großzügige und planmäßige Aktion zur Vergrößerung des Kapitals der Palestina Land Development Company einzuleiten und den geeigneten Zeitpunkt für diese Aktion zu bestimmen.“ Am Sonntag, den 1. März, tagte das Aktionskomitee von morgens 10 Uhr bis 1 Uhr nachts! mit einer kurzen Mittagspause. Den ersten Punkt der Beratungen bildete der Plan der Gründung der hebräischen Universität in Jerusalem. Die Herren Doktor Schmarja Levin und Dr. Ch. Weizmann erstatteten Referate über d ie bisherige Tätigkeit des! Arbeitsausschusses. Es wurde unter anderem' beschlossen, schon in nächster Zeit mit den Arbeiten für die Gründung der Universitätsbibliothek Zu beginnen. Den Schluß der Tagung bildeten die Beratungen über die Ausgestaltung des li e b-, r ä i sehen Sc hui Werks. Zur Leitung und Verwaltung des hebräischen Schulvverks' in Palästina soll ein provisorisches Schulkomitee eingesetzt werden, dem zwei Vertreter des Zionistischen Aktionskomitees, Zwei Vertreter der Odessaer Palästinagesellschaft und zwei Ver-) treter der palästinensischen Judenheit angehören sollen. Das Budget der hebräischen Schulen soll vom Aktionskomitee zu zwei Dritteln und dem Odessaer1 Komitee Zu einem Drittel gedeckt werden. Im Anschluß an die Sitzung des Aktionskomitees tagte am Montag, den 2: März, das , Direktorium des jüdischen Natiönalfonds, der zionistischen BodenerwerbsgesellscTiaft. Rundschau. Purint;; Nächste WoChe feiert das jüdische Volk dasuralte Purimfest. Wir wollen diesmal nicht Untersuchen, ob das Fest bloß eine religiöse oder auch eine nationale Bedeutung hat. Wie dem auch sei, es ist ein altes jüdisches Fest, das Jahrhunderte hindurch in das Alltagsgrau und in die Not des Ghetto ein Fünkchen Freude gebracht hat. Und dies ist ein Vorzug, den wir auch heute nicht gut entbehren können. Aber auch sonst hat dieses Fest ein Merkmal, das es von anderen unterscheidet. Die übrigen jüdischen Feste stehen nur in losem,, meistens aber in gar keinem Zusammenhänge mit dem alltäglichen Leben. Das Gebet üm Regen im Spätherbst,-die Freude eines unterjochten Volkes über die erfolgte Befreiung am PessaCh, der „Neujahrstag der Bäume“ an einem1 vereisteni, strengen Wintertage, all dies wurzelt in palästinischen Boden und steht in größtem Wider- I Spruche mit der Umgebung und den Verhält- I nissen. Es sind Feste und Bräuche palästinischen Ursprungs. Allein der Purim ist ein Fest des Galuth, der in unser Leben hineinpaßt, ein Fest, dessen Gestalten wir auf Schritt und Tritt begegnen. Seine bekannteste Figur ist wohl Ham an. Wer kennt ihn nicht? In weldhem1 Lande du auch wohnen magst, Jude, du kennst ihn. Er ist unser treuer Begleiter auf der zweitausendjährigen Wanderschaft. Er haftet an unseren Fersen wie ein Schatten. E r hat das jüdische Land zerstört und nach so vielen Jahrhunderten schafft e r nun in Rußland neue Gesetze gegen unser Volk und verbreitet die Pest der Ritualmordlüge. Aber auch andere Gestalten des Purimfestes sind allbekannt. Es sind die Masken, die durch Mummenschanz und lustiges Treiben das Lachen aller erregen. Man verkleidet oder man „verstellt“ sich, wie man in der jüdischen Gasse sagt. Wer kennt nicht die verkleideten Juden in fremden Gewändern und unter fremden Masken? Sie sind zumindest so bekannt wie Haman. Da läuft dir auf der Straße eine Maske entgegen. Es ist ein Herr mit einem Wotansbart. Du Sprichst mit ihm und entdeckst bald sein treudeuts'ches Herz!, seine deutschfreiheitliche Gesinnung, doch reißt du ihm die Maske vom Gesicht, entdeckst du seine verzweifelte Aehnlichkeit mit Seinem' Vater, der in irgend einem kleinen mährischen oder ungarischen Neste Rabbiner oder Schocket war- .... Und so geht es das ganze liebe Jahr. Auf Schritt ,und Tritt ‘begegnet man Häman und den Masken. Seien wir aufrichtig: Purim >IEINÜ&. mm MARMEIÄDE Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei von allen künstlichen Zusätzen.- 1