Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2438141-2438483-2438492--4039-2443855- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. ■ Nr. 10. Wien, Freitag, den 6. März 1914 VIII. Jahrgang SCHAUTURNEN des Jüdischen Turnvereines Favoriten 14. März 1914, 9 Uhr abends, im Festsaale des Arbeiterheimes, X. Laxenburgerstraße Nr. 8—10 Karte: K 2.02 Rerservierter Tischsitz: K 2.52 Estradensitz: K 3.02 Anschließend Tanz. Der Sieg Oes nationalen Gedankens. Als unsere Altvordern aus der babylonischen Gefangenschaft nach Erez Jisrael zurückkehrten und daran gingen, das nationale Heiligtum in Jerusalem von neuem aufzurichten, fielen die Feinde ihnen' heimtückisch in den Rücken. Und so waren die Juden gezwungen, mit der Kelle in der einen Hand und mit dem Schwerte in der anderen den Bau weiterzuführen. Mit der einen Hand arbeiteten sie, mit der anderen wehrten sie die Angriffe der Widersacher ab. Der Kampf, den wir um unser Heiligtum, die hebräische Sprache, geführt haben, ist nunmehr beendet. Die Beharrlichkeit, mit der wir für die gute Sache gekämpft haben, hat reichlich ihre Früchte getragen. Was jahrelange ruhige, vernunftmäßige Arbeit nicht vermochte, haben in wenigen Wochen die im Kampfe errungene Erkenntnis der hohen Bedeutung und der unbedingten Notwendigkeit der hebräischen Schule, die in der Zeit der Not neuerwachte Liebe zur hebräischen Sprache und das junge Palästina bewirkt. Es ist nicht nur der Besitz des von vielen bereits auf gegebenen Jüdischen Technikums für das jüdische Volk gesichert, wir haben auch den Beweis erbracht, daß sich die künftige Entwicklung des jüdischen Palästina nur national gestalten kann und so haben wir dieser Erkenntnis die Grundlagen für ein das ganze Land umfassendes nationales Schulwerk geschaffen. Der Kampf ist nun zu Ende und wir legen das Sch wert aus der Hand. Die Zeit der Ruhe ist aber noch nicht angebrochen. Es heißt vielmehr, mit der Kelle weiter schaffen an dem1 großen Bau und mit der freigewordenen Hand mithelfen. Es gilt vor allem das Bestehen des im heißen Kampfe errungenen Schul Werkes zu sichern. Der Beschluß des Kuratoriums, die zionistischen Forderungen zu erfüllen, hat nur insoferne eine Aenderung in unserer weiteren Arbeit herbeigeführt, als wir nunmehr auch die Kräfte, die wir bisher für. .den Kampf gegen den volksfeindlichen Hilfsverein der deutschen Juden verwendet haben, dem nationalen Schulwerke zuwenden müssen. Diese Arbeit kann mit dem Abbruch des Kampfes nicht aufhören, denn unsere Schulen finden ihre Existenzberechtigung in der Sache selbst und nicht im Streite. Die Erhaltung der geschaffenen Schulen ist eine Bedingung für unsere weitere Tätigkeit im Lande, ein Gebot der Notwendigkeit, ein Unterpfand der kolonisatorischen Entwicklung. Ganz Palästina wendet erwartungsvoll seine Blicke auf uns. Wir müssen zur Tat schreiten. Dies können wir aber nur tun, wenn alle Zionisten, alle nationalgesinnte Juden, ihrer Pflicht gegen das hebräische Schulwerk gerecht werden. Nach der Schlacht bei Königgrätz sagte man, daß die preußischen Schulmeister den Sieg errungen hätten. Wir müssen auch unseren wackeren hebräischen Schulmeistern in Palästina, die sich in dem verflossenen Kampfe so glänzend bewährt haben, die Möglichkeit bieten, durch Heranziehung eines kräftigen jüdischen Geschlechtes in den uns noch bevorstehenden entscheidenden Kämpfen Siege zu feiern. * Der Sieg, welchen die Zionisten so schnell, wenn auch nicht leicht, errungen haben, ist umso Iwertvoller, als er die Kraft des neuen jüdischnationalen Gedankens herrlich manifestiert. Die allerersten Führer des offiziellen Judentums waren die Kämpfer gegen uns. Nathan und Simon. In diesen beiden Namen ist alles vereinigt, was die Assimilationsjuden an Kapital, politischem Einfluß und weitreichenden Beziehungen aufzuweisen haben. Hinter ihnen standen im Kampfe die deutsche Regierung in Berlin mit all ihren Organen und die gesamte Tagespresse. Und alles wurde im Kampfe aufgewendet. Man scheute nicht davor zurück, die Zionisten als Hochverräter zu denunzieren. Selbst die Sozialdemokratie half mit. Noch in der letzten Nummer der ,,Neuen Zeit“ zog der Sozialistenführer Eduard Bernstein gegen uns ins Feld. Alles vereinigt sich gegen den national-jüdischen Gedanken und seine Verfechter. Für den Fernestehenden sah die Sache schlimm aus. Nun ist der Kampf entschieden, die anscheinend so mächtigen Gegner haben die Waffen gestreckt. Das Technikum in Haifa wird hebräisch, die Realschule wird hebräisch, die zionistische Partei wird offiziell anerkannt und sendet drei Vertreter in den geschäftsführenden Ausschuß. Nathan und Simon, welche den Kampf heraufbeschworen haben, demissionieren. Die Kraftprobe, welche unsere Organisation abgelegt hat, war groß und gründlich. Sitzung des zionistischen Mdion» homitees. Am 27. und 28. Februar und am 1. März d. Js. fand in den Räumen des zionistischen Zentraibureaus in Berlin eine Sitzung des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation statt. An den Beratungen nahmen 26 Herren aus Deutschland, Oesterreich, Rußland, England und Belgien teil (darunter Oberingenieur Robert Stricker aus Westösterreich), ferner als Gäste drei Vertreter der palästinensischen Judenheit, die Herren David Jellin (Jerusalem), Dr. J. Lurie (Jaffa) und S. Pewsner (Haifa). Um 10 Uhr eröffnet Professor- Warburg die Sitzung und gibt nach einer kürzen Begrüßung Dr. Tschlenow das Wort zum Bericht des EAC. Aus dem sehr eingehenden Bericht sei folgendes hervorgehoben: Die Arbeit des EAC. stand in den letzten drei Monaten im Zeichen für die hebräische Sprache. Nachdem das Große AC. in seiner letzten Sitzung die allgemeine Taktik des EAC. gebilligt hatte und sich für eine finanzielle Beteiligung an der Gründung einer Mittelschule ausesproehen hatte, hat das EAC. die Höhe dieser . eteiligung auf Frcs. 8000.— festgesetzt. Dazu kamen Frcs. 2000.—, die der „Kedem“ bewilligte. Das EAC. sah sich bald darauf veranlaßt, weitere Schritte zu tun, da die Ereignisse in Palästina' sich mit elementarer Wucht und Schnelligkeit entwickelten. Infolge der bekannten Vorgänge in in Palästina, beschloß das EAC., sich mit der hebräischen Bewegung in Palästina solidarisch zur erklären, die Organisation zur Beteiligung am neuen Schulwerke aufzufordern, die jüdische Oeffentlichkeit über die Bedeutung des Kampfes aüfzuklären und Sammlungen zu eröffnen. Das nationale Judentum Palästinas hatte aber schon vorher aus eigener Initiative alles aufgeboten), um den Kampf frei von Ausschreitungen zu halten. Seit dem Erscheinen des Aufrufes in der „Welt“ am 19. Dezember hat das EAC eine vielseitige und energische Agitation für das Schulwerk entwickelt. Gedruckte Informationen wurden in 75.000 Exemplaren Hebräisch, Deutsch und Englisch verbreitet. Ferner 20.000 Separatdrucke von Nr. 5 der „Welt“, 44.000 Zeichnungslisten und Karten, 10 Zirkulare an 9000 Adressen und schließlich die neue Erwiderungsbroschüre in einer Auflage von 25.000 Exemplaren. Ir» «unserer Agitation herrschte das stetige Bemühen a uf sachlichem Boden zu bleiben. Jetzt kann das AC. mit Genugtuung auf die geleistete Arbeit und ihre Erfolge zurücksehen. 'er moralische Erfolg ist ganz außerordentlich. In wenigen Momenten der Bewegung herrschte eine solche Bgeisterung in den Reihen mit einem solchen Widerklang im Volke, wie in dieser Zeit. Die drohende Gefahr hat die schlummernde Liebe des Volkes zu seinen nationalen Gütern geweckt und uns, als Kämpfer und Schützer der Volksheiligtümer in den Augen der jüdischen Massen gehoben. Auch mit den materiellen Ergebnissen können wjr zufrieden sein. Die Eingänge steigen von Woche zu Woche. Ein Teil der Zeichnungen sind jährliche Beiträge für eine Reihe von Jahren. Wir erwarten zuversichtlich, daß uns die finanzielle Sicherung gelingen wird. Das wichtigste Resultat aber ist die prinzipielle Entscheidung der Sprachenfrage an den Schulen Palästinas für immer, die Befreiung der Schulen von dem Einfluß der europäischen Bevormundschaft und die Schaffung eines selbständigen hebräischen Schulwerks. T echnikum. Diesen Teil unseres Kampfes haben wir gerade in diesen Tagen beigelegt. Die günstige Stellungnahme der russischen Kuratoren wurde schon im Dezember, während der Anwesenheit Dr. Tschlenows in Moskau festgestellt und dem Kuratorium mitgeteilt; die der Amerikaner im EL ' *Y