Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SeUe6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 8 500 Kronen wenn mein Wurzelvertilger „Ria-Balsam11 Ihre Hühneraugen, Warzen, Hornhaut nicht in drei Tagen schmerzlos entfernt.. .-— ■ Preis eines Tiegels samt Garantiebrief 1 Krone, 3 Tiegel K 2.50.; . Keraeny, Kaschau fKassa.) I. Postfach..12/1207, Ungarn. Ein Antrag von Dr. Schönhof und Jul. Neumann nachstehenden Inhalts wurde mit großem Beifall aufgenommen. „Dem neugewählten D.-K. wird der Auftrag erteilt, eine Konferenz der zionistischen Kultusgemeindeausschüsse zusammenznbernfen, welche das bestehende Kultuswahlprogramm einer Revision unterziehen solle. Diese Konferenz soll sich auch mit der Frage der politischen Judengemeinden befassen.“ Der Antrag aut rascheste Reglung der Pressefrage (Jul. Neumann). wurde einstimmig angenommen und vom , Distriktstag auch dem neugewählten D.-Kdie Vollmacht für die Unterhandlungen gegeben.. Nach Anhörung 'des N.-F.-Benchtes drückt der Distriktstag schon jetzt einstimmig und unter Akklamation dem D.-K. seinen Dank und seine vollste Zufriedenheit aus. Auch das hierauf von Dr. Leschner verlesene neue Organisationsstatut wird angenommen. Dem D.-Kwird das Recht eingeräumt, sich durch Kooptation von 4 auf 6 zu ergänzen. Dem Kreisobmanh steht jederzeit das Reiht zn, eine Sitzung eines jeden ihm unterstehenden Vereins einzuberufen, in welchem er Sitz nnd Stimme hat Dann schließt die Vormittagssitzung. Am Nachmittag wird unter großem Applaus das alte D.-Kwiedergewählt und .als 5.. Mitglied wird Dr. Friedmann als Kulturreferent kooptiert. Mit bewegten Worten dankt Finzi für das der Leitung bewiesene Vertrauen und dankt den Delegierten für die ihm erwiesene Ehre. Es folgten nun die Referate. Das Referat des altbewährten Gg. Dr. Werner über Jugenderziehung im Galutb versetzte durch seinen tiefen Inhalt und schöne Form alle Anwesenden in eine gehobene Stimmung und löste eine innere, eine echte Begeisterung aus. ln diesem Bericht seien bloß die Thesen angeführt, da 'das Referat in Druck erscheinen wird und jeder Zionist soll es lesen. Denn in diesem Referat ist unser Kulturprogramm entwickelt und ein wirklicher bleibender Wert geschaffen. Thesen zum Referat über Jugenderziehung. Wenngleich wir überzeugt sind, daß eine vollkommene, bewußt jüdische Erziehung unserer Jugend nur in Palästina möglich ist, in dem Hebräisch als Matter- und Verkehrssprache herrscht, so zwingt uns doch die Lage des jüdischen Volkes, dem in der Diaspora nicht einmal die Möglichkeit gegeben ist/ seine Kinder jüdisch zu erziehen, auch hier für eine annähernd vollkommene jüdische Erziehung zu sorgen. Eine solche Erziehung ist erreichbar durch: 1. Errichtung jüdischer Kindergärten. 2. Errichtung jüdischer Volks- und Bürgerschulen, sowie einer jüdischen Mittelschule in Wien oder Prag, in denen die jüdischen Kinder zu bewußten Juden und treuen Staatsbürgern erzogen werden sollen. 3. Jüdische Internate (Konvikte), welche, wenn möglich, an diesen Schulen angegliedert werden sollen. 4. Gründung eines allgemein jüdischen Schulvereines (nach dem Muster des deutschen Schulvereines) behufs Errichtung und Erhaltung der genannten jüdischen Schulen. 5. Gründung von jüdischen Elternvereinigungen, die sich aus den organisierten Zionisten des betreffenden Ortes unter Beziehung geeigneter jüdischer Fachleute zum Zwecke der Durchführung der oben genannten Institutionen zu konstituieren haben. 6. Gewinnung der Kultusgemeinden zur Pflege jüdisch-geistiger Interessen durch Hebräisch, Geschichte und Literaturkurse. 7- Gründung von Turn-, Sport- und Wandervereinen, die jeder organisierte Zionist aktiv und finanziell zu unterstützen verpflichtet ist. Dann sprach Dr. Friedmann über die Kulturarbeit in Palästina; seine warmen Worte fanden den verdienten Beifall. Thesen zum Referat über jüdische Kulturarbeit in Palästina. Die Hebraisierung des gesamten jüdischen Schulwesens in Palästina ist Lebensbedingung für den Zionismus, der Z. F. daher das jetzt wichtigste Instrument unserer Bewegung. Die Zionisten müssen demzufolge einen Teil ihres Einkommens gleich den notwendigsten Lebensbedürfnissen auch dem Z. F. — als Jahresbeitrag — widmen und sollen alljährlich für das hebräische Schulwesen in Palästina Sammlungen veranstalten. Hierauf dankte Dr. Werner dem Bureau und den Delegierten für ihre würdige Haltung und erklärte den D.-T. für geschlossen. Der Distriktstag bewegte sich auf einem hohen Niveau dank der glänzenden Referate und der ernsten und durchaus würdigen Haltung der Delegierten. Wie uns der XI. Kongreu das Bewußtsein gegeben hat, daß wir sorgenlos unserer obersten Leitung unsere Organisation anvertrauen dürfen, so haben wir Mährer vom D.-T. die Erkenntnis mitgenommen, daß unser D.-Kunser vollstes Vertrauen verdient und wir unseren Distrikt mit Freude und Zuversicht in seine Hände legen können. Es gibt für uns Zionisten Momente, wo unsere Seele in so mächtige Schwingungen kommt) daß all die Opfer, die wir bringen, klein und nichtig werden. Keiner, der in Iglau beim D.-T. war, wird jene wahrlich erhabenen Stunden vergessen, da nach einer warmen und tief gefühlten Rede Dr. Friedmanns, Dr. Levin in hinreißenderWeise über unser Schulwerk , sprach. Walter Pollak. Zentralfondheiträge ans Westösterreich für 1914. Y. Ausweis. Innerösterreich. Wien. Dr. S. Bohm 50.—; Sammlung in Vö'slau des Ing. Köppl 130.—; zusammen 180.—; bereits ausgewiesen 2899.36. Zusammen K 3079.36 Mähren-Schlesien. Prossnitz. Sammlung.-Leo.Beer 43.—; bereits ausgewiesen 668.88. Zusammen K 711.88 Für das hebräische Schalwerk in Palästina. r Innerösterreich. Wien. Jüd.-akad. Verb. „Emunah“ 50.—; M. H. 24.—; Sammlnng der 4 Kartellvereine der Wiener Mittelschüler durch die Wiener £ion. Vereinigung 1. Rate 50.—; Ben Jausef Zwi 100.—; Sammlung Paul Roth 3 40; Dr. M. Scherlag 50.—; Akad. Verein jüd. Mediziner 70.—; Sandor Wolf 200.—; Lese- und Redehalle 50.—; zusammen 597.40; bereits ausgewiesen 3132.68. Zusammen K 3730.08 Böhmen. Prag. Verein Bar-Kochba 2. Rate 104.—; Klub jüd. Frauen u. Mädchen 233.—; Verein jüd. Beamten 100.—; Leseu. Redehalle jüd. Hochschüler I. Monatsrate 23.40, Moritz Schreiber 100.—. — Leitmeritz. Friedrich Neuburg 50.—. — Sodska. Abraham Strausky 50.—. — Teplltz-Sehönau. Elisabeth Perutz anl. Jahrzeit 25.—; zusammen 685.40; bereits ausgewiesen 183.81. Zusammen K 869.21 Mähren-Schlesien. Iglau. Sammlung V. V. „Theodor Herzl“ 1. Monatsrate 279.—. — Oderberg. Sammlung Safier u. Kamlos, nach dem Vortrag der Herren Zänker u. Reich 62.—. — Prossnitz. Sammlung Leo Beer 91.90; Kleine Spenden 36.27; zusammen 464.17; bereits ausgewiesen 251.63. . . Zusammen K 715.80 ~ Aufgebracht wurden bisher-in Innerösterreich 6809 44 Böhmen 7024.59 Mähren-Schlesien 1427.68 Gesamtsumme K 15261.71 Prof. Idelsohn über den jüdischen Gesang. Im Rahmen des Vortragszyklus, den die akadem. Vereinigung für hebräische Sprache und Kultur „Hatchijah“ in Wien an der Universität veranstaltet, folgte dem Vortrage des E. A. C. Mitgliedes Dr. Schemarjahn Lewin am 11. d. M. ein Vortrag des korresp. Mitgliedes der Wiener kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Prof. Abraham Lewi Idelsohn aus Jerusalem über den jüdisch-traditionellen Gesang im Orient und Okzident. Nach den Begrüssungsworten des Vereinspräses, med. Samuel Schweig, ergriff Prof. Idelsohn das Wort und führte in seinem streng sachlichen über anderthalb Stunden dauernden Vortrage folgendes aus: Geleitet vom Gedanken, daß analog vielen anderen Eigentümlichkeiten, auch der Gesang der Juden mit dem der anderen semitischen Stämme manches gemeinsam haben müsse, habe er sich der Mühe unterzogen, in dieser Richtung Forschungen änzusteiien, und seine Arbeit sei durchweg von Erfolg gekrönt worden. Um die Ergebnisse seiner Studien weiteren Kreisen zugänglich zu machen, habe er sich eines Mittels bedient, das heutzutage auf diesem Wissenschaftsgebiete allgemein in Gebrauch ist, nämlich der phonographischen Aufnahmen. An Hand dieser beweist der Redner, daß man in allen semitischen, auch den jüdischen, Gesängen zwei Momente unterscheiden muß: das rezitative und das melodische. Das erstere hat sich im jüdischen Gesänge bis auf den heutigen Tag erhalten, hingegen ist das letztere Moment im neuen jüdischen Synagogal- und Volksgesange nicht rein semitisch, sondern anderen Nationen entlehnt. Zum Schluß gab der Redner seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß sich jetzt in Palästina gewiß ein rein - jüdischer Gesang entwickeln wird und wünschte, das Judentum in der Diaspora möge auch diesem Gebiete jüdischer Renaissance Interesse entgegenbringen. Brief ans Rumänien. Vor einigen Monaten ging die Nachricht durch die Presse des In- und des Auslands, Herr Hermann Loeb, ein reicher Jude aus Philadelphia beabsichtige die rumänischen Juden nach Texas (Nordamerika) zu transportieren und daselbst anzusiedein. Nun wurde in der Nummer vom 14. Januar der „Dimineatza“ („Der Morgen“) zu Bukarest von diesem Herrn ein Brief veröffentlicht, in dem derselbe' eingangs mitteilt, es haben sich, infolge des Bekanntwerdens jener Nachricht, zehntausend jüdische Familien aus Rumänien an ihn brieflich gewandt, ihm ihren Wunsch, sofort auszuwandern, kundgegeben und ihn zu diesem Behufe um Rat und Hilfe gebeten. Angesichts dieser Massengesuche, die noch lange nicht abgeschlossen sind, setzt Herr Loeb die derzeitige Sachlage der von ihm unternommenen Hilfsaktion wie folgt auseinander: Zweck des Unternehmens ist, eine möglichst große Zahl rumänischer Juden nach Texas zu transportieren und dort anzusiedein,- aber nur in Texas und nur als Ackerbauer. Größere Ländereien; in hinreichender Menge stehen daselbst zur Verfügung. Herr Loeb hat denn auch bereits zahlreiche Angebote von Grundbesitzern erhalten, die ihre noch unbebauten Ländereien verkaufen wollen. Er bekam auch Angebote von verschiedenen Handelskammern, die sich bereit erklärten, den neuen Ansiedlern allerlei Erleichterungen und Erlässe zu gewähren, um die noch unbewohnten Gegenden zu bevölkern. Die Eisenbahn- und Baugesellschaften, wie auch die Maschinenfabriken etc. boten gleichfalls bedeutende Erleichterungen und Konzessionen aller Art. Indessen gilt es zunächst, ein Grundkapital von zehn Millionen aufzubringen, damit das Unternehmen, wenn es einmal seine Tätigkeit aufnimmt, allen Schwierigkeiten gewachsen sei. Diese Aktion ist nun in die Wege geleitet. Herr Loeb ist eben daran, eine Gesellschaft mit einem Kapitale von einer Million Dollar zu gründen. Sobald die Gesellschaft gegründet ist, wird sie in Texas ein Grundstück erwerben, worauf eine Kolonie von 1000, eigens aus Rumänien gebrachten Juden auf Kosten der Gesellschaft gegründet werden soll. Die Kolonisten werden dort Wohnungen, Gerätschaften und häusliche Einrichtungen vorfinden. In dem Maße, wie das Unternehmen fortkommen ' wird, sollen neue Kolonisten befördert werden und zwar nur aus Rumänien und nur solche, die sich auf Ackerbau verstehen oder sich anheischig machen, ihn zu erlernen und zu üben. Die Kolonisten werden zunächst von der Gesellschaft unterhalten. Beginnt die Erde Früchte zu tragen, dann werden sie den Preis des Bodens und die sonstigen Vorschüsse in Teilzahlungen rückerstatten. Die Aktion hat Aussicht auf Erfolg. Mehrere hervorragende Persönlichkeiten Amerikas sind derselben bereits beigetreten. Da es sich jedoch um eine Organisation von großer Wichtigkeit handelt und in Anbetracht der festen Grundlage, die Herr Loeb dem Unternehmen sichern will, ist jeder übereilte Schritt zu vermeiden und die Juden Rumäniens, die zur endlichen Ausgestaltung des Hilfswerkes mit nichts beitragen können, möchten sich noch ein wenig gedulden. Es ist daher unnütz, daß die Auswanderungslustigen schon jetzt an Herrn Loeb persönlich schreiben. Sobald die Gesellschaft begründet ist, wird sie alle nötigen Schritte tun. Soweit der im wesentlichen wiedergegebene Inhalt des offenen Briefes des Herrn Loeb. Bezeichnend ist die erschreckend große Anzahl der Anmeldungen für die Texaskolonisation, welche gerade mit der fieberhaftesten Tätigkeit der „Uniunea Evreilor Pämänteni“ (Vereinigung der eingeborenen Juden) für die Erlangung der Gleichberechtigung zusämmenfallen, eine Tätigkeit, die die zionistische Arbeit in Rumänien seit 2 bis 3 Jahren lahmgelegt, den „normalen“ Judenhaß der Rumänen in eine Tollwut umgewandelt und namentlich in der Moldau bis zum Siedepunkt gesteigert, und die seit 1848 von den Juden dieses Landes erlebten Enttäuschungen um eine weitere vermehrt hat. Angesichts des Texasunternehmens, das nun greifbare Form annehmen und das jüdische Galuth nach Raum und Zeit um ein Stück weiter befördern soll, drängt sich da einem unwillkürlich die Frage auf: wird es unter den jüdischen Großen auf der Erdenrunde nicht einen geben, der eine solche Emigrations- und Kolonisationsgesellschaft mit der Bestimmung „nur für Palästina“, das uns ja in mehr als einem Sinne näher als Texas liegt, ins Leben rufen möchte? Die Zahl der Anmeldungen aus Rumänien würde in diesem Falle sicherlich mitder jüdischen Bevölkerung dieses Landes zusammenfallen! M. B. ins dem jüdischen Lehen. Beilis in Palästina. Mendel Beilis, der am 6. Februar auf einem Dampfer des Oesterreichischen Lloyd Triest verlassen hat, traf in Jaffa am 12. Februar ein und wurde am Hafen von einer großen Menschenmenge erwartet, die ihm einen herzlichen Empfang bereitete. Entgegen anders lautenden Meldungen bestätigt es sich, daß Baron Edmund Rothschild in Paris die Familie Beilis in einer jüdischen Kolonie Palästinas ansiedeln wird. Baron Rothschild selbst wird hier — wie wir bereits gemeldet haben — in nächster Zeit erwartet. Er wird die vorbereitenden Schritte zur Errichtung eines archäologischen Instituts