Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438483-2438490--4017-2443831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 8 , .JÖDISCHE ZEITUNG Seite 5 erkennung dieser ungesetzlichen Maßnahme stimmen zu - müssen, weil Dr. Stern mit der Demission-gedroht:; habe. Es sei auch_:nicht verschwiegen,;daß seitens einiger Herren vor der Sitzung mit dem Argument’: agitiert würde, daß eine Aufregung der Gesund-- heit des greisen Präsidenten schaden könne. Ganz charakteristisch brachte Dr. Engel die „Demut“ der Kultusräte zum Ausdruck. Dieser Herr hatte lange und begeistert für den zionistischen Antrag gesprochen, als nämlich Dr. Stern abwesend war. Er hätte natürlich auch dafür gestimmt. Nunmehr erklärte er, esbleibe ihm keine Wahl, er müsse sich der Autorität des Präsidenten beugen.. Ist das Barrierestockpolitik oder nicht? ■-'Nur ein Herr ging in der „Demut“ noch weiter und nahm es auf sich, das Vorgehen Dr. Sterns sachlich zu verteidigen. Professor Dr. Ehr mann erklärte, ■ der Präsident habe recht, denn es sei verhängnisvoll ,' jä geradezu ein Unglück, wenn eine jüdische Gemeinde sich mit palästinensischen Siedlungsangelegenheiteri befasse. Dr. Ehrmann läßt sich sonst sehr gerne von: zionistischen Studenten als gesinnungsfreundlicher Beschützer feiern und prunkt mit seiner Palästinaliebe. Als ihm vorgehalten wurde, daß ja die Kultusgemeinde das Jaffaer Gymnasium und den Bezalel bereits unterstütze, erklärte er, die Schulen haben mit der Siedlung nichts zu tun. Auf den Einwand, daß man doch in Palästina nicht Schulen errichte, damit die Zöglinge auswandern und in Paris und Wien mit Zahnbürsten hausieren, wußte der große Akademiker keine Antwort. Hingegen erklärte er, .er freue sich, gerade bei dieser Gelegenheit seine A nhänglich.keit an den Präsidenten beweisen .zu können, nachdem in Dr. . Landaus „Nationälzeitung“ vor kurzem behauptet worden war, er und seine Freunde von der B. B. wollten den Präsidenten stürzen. Zur Erbringung dieses appetitlichen Beweises war ihm die schlechteste Gelegenheit gerade gut genug. Akademischer Mannesstolz vor ’ dem Präsidentensessel! ln das ‘ Kapitel von den Barrierestöcken gehört auch noch das Verhalten des Vizepräsidenten Dr. Kohn. Unter seinem ’• Vorsitze wurde die Errichtung der Palästinakommission beschlossen. Er hat die Debatte und -die Abstimmung geleitet. Und er selbst brachte eine Woche später den Antrag fein, die Sistierung' 'zu genehmigen! Das heißt, er bat selbst darum, man möge seine Handlungsweise für ungesetzlich und staatsfeindlich erklären, weil Dr. Stern es so wolle. Noch eine Episode. Dr. Stern, der sich als Zionsfreund gebärdet, hatte in der Warschauer „Hazefirah“ ein Interview veröffentlichen lassen, worin er sich für die Palästinakommission erklärt und darüber klagt, daß die meisten Wiener Kultusvorstände gar kein Verständnis für Palästina und die hebräische Sprache aufweisen. Als Gg. Stricker darauf zu sprechen kam, erklärte Dr. Stern den Bericht für unwahr und sagte, der Schreiber habe offenbar gelogen. Auf die Frage Strickers, weshalb er denn nicht berichtigt habe, erklärte Dr. Stern weiter, er habe den Bericht nie gesehen. Aber keine fünf Minuten später verriet er sich und mußte zugeben, daß er bereits einige Tage im Besitze fraglichen Artikels sei. Eine erhebende Szene! Mit solchen Mitteln arbeiteten die Herren. -Wir Zionisten bedauern die Verhinderung der Errichtung der Palästina-Kommission, aber wir begrüßen es, daß sich wieder einmal die grenzenlose Ränkesucht und Gewalttätigkeit des Kultuspräsidenten und die totale •Unfähigkeit seiner Umgebung dem blödesten Auge offenbart hat. Noch einige solche „Siege“ des Dr. Stern und seine Herrlichkeit hat ein Ende. ‘ Partelnacbricbten. Innerösterreichischer zionistischer Distriktstag. Am 15. d. M. fand in Wien die diesjährige Tagung des Zionistischen Distriktsverbandes für Innerösterl/.i r MARMELADE Igg-MAPMS! Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei von allen künstlichen Zusätzen. reich statt. Nach der Eröffnungsansprache des abtreten den Leiters des D.-K. ,Gg. Ludwig Batö, der auf die durch den Kampf um die hebräische Sprache geschaffene Lage hinwies, wurde an die Wahl des Bureaus und des Legitimationsausschusses geschritten. Es wurden gewählt: zum Vorsitzenden Dr. Isidor Margulies, zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Otto Abel es, zum hebräischen Schriftführer med. Samuel Schweig, zu deutschen Schriftführern phil. Richard Ornstein und jur. Glanz. Die eigentliche Verhandlung begann mit dem Berichte des D.-K., der vom Ing. Rudolf Köppl erstattet wurde. Dem Berichte, der in der Hauptsache die Zeitperiode seit dem a. o. Distriktstage behandelt, entnehmen wir folgende Daten: Im Berichtsjahre erhöhte sich die Zahl der im Distrikte vertretenen Vereine von 31 auf 34. Was die Agitationstätigkeit betrifft, wurden sowohl in Wien, als auch in der Provinz die-jeweils aktuellen zionistischen und allgemeinjüdischen Fragen in Versammlungen durch Vorträge sowie durch Versendung von Broschüren erörtert Bisher sind für den Schul- und Zentralfond im Distrikte 6000 Kronen eingezahlt worden, wobei die Sammlung sich noch in ihren Anfängen befindet. Die gesamten Einnahmen außer Schekel und Zentralfond betrugen im abgelaufenen Jahre 2118.90 K, es wurden ferner 2550 Schekel im Gesamtbeträge von 3061.— K verkauft. An das Referat Ing. Köppls schloß sich ein kurzer NF-Bericht Dr. Weiners. An der darauf folgenden Debatte beteiligten sich Frl. Rudolfine Waltuch, ferner die Gg. Gg. Gewitsch, Glanz, Landau, Gersuny, Dr. Weisengrün, Dr. Zweig, Schweig, Brüll, Ober-lng. Stricker und Isr. Advokat. Das Schlußwort sprach im Namen des D.-K. Gg. Batö. Nach Schluß der Debatte wurde dem D.-Kdas Absolutorium erteilt und das Veröffentlichungsverbot bezüglich der Oesterr. Wochenschrift und der Nationalzeitung in Erinnerung gebracht. (Antrag Waltuch- Zweig.) Ferner wurde das D.-K-verpflichtet, hebräisch schreibenden Vereinen hebräisch zu antworten. Die Nachmittagssitzung begann mit der Verhandlung über die Anträge des D.-K. auf teilweise Abänderung der Statuten, die in ihrer in der letzten Nummer der Jüdischen Zeitung veröffentlichten Fassung angenommen wurden. Es wurde auch ein Ehrengericht, bestehend aus den Herren Dr. Leopold Meise), Isidor Gewitsch und Dr. Alfred Czapek, ferner aus den Ersatzmitgliedem Dr. Leo Goldhammer und Ing. Rudolf Köppl gewählt. Auf Antrag des D.-Kwurde jede im Distrikte organisierte Korporation verpflichtet, einen größeren Betrag, jedoch nicht unter 150 K für das hebräische Schülwerk zu zeichnen - und für den Eingang des Be- . träges bis 1. März d. J. zu sorgen. Es wurde ferner beschlossen, zur Durchführung dieses Beschlusses ein permanentes Bureau einzurichten. Die Zeichnungen haben 5000 K ergeben. Hierauf folgte das sehr interessante und sorgsam ausgearbeitete Referat des Gg. Dr. Egon Zweig über die Mischehe, in dem er die Anwesenden die Gefährlichkeit der Mischehe vor Augen führte und seine Angaben mit statistischen Daten belegte. Zum Schlüsse der Debatte wurde eine vom Dr. Georg Weiner eingebrachte Resolution gegen die Mischehe angenommen. Ueber Kulturarbeit und Jugenderziehung referierte Gg. Dr. Willy Stein. Auf dieses Referat und dessen Thesen, die durchweg angenommen wurden, werden wir in der nächsten Nummer unseres' Blattes zurückkommen. An der Debatte beteiligten sich Gg. Landau, Schweig, Glanz und Dr. Abeies. Die Wahlen ergaben folgendes Ergebnis: Ludwig Batö, Dr.-Lepold Friedmann, Dr. Georg Weiner, Ing. Rudolf Köppl, Red. Julius Löwy, Fri. Gisela Kohn, 1. H. Waltuch, Dr. Samuel Menasze, David Nebenzahl, Dr. Artur Reik, Leo Popper und Dr. Willy Stein. Mährisch-schlesischer Distriktstag in iglaa. Am 31. Jänner fand zu Ehren der Delegierten ein von der jüdisch-akademischen Ferialverbindung Hasmonaea veranstalteter Begrüßungsabend statt Am 1. Februar, 10 Uhr morgens, eröffnete der Präsident des M.-Sch. D.-K-, H. rinzi. den Distriktstag. Ins Bureau wurden gewählt als Präsident Dr. Werner, als Vizepräsidenten Dr. Schönhof (Brünn) und-H. F. Süßmandel (Mähr.-Ostrau), zu Schriftführern Hing Heim und Lang. Gg. Finzi erstattete den Bericht. Nach den einleitenden Worten über die Rückwirkung des Kongresses auf den Zionismus in unserem Distrikte und dem Hinweis auf den Kampf um die hebräische Sprache in Palästina wendet sich H. Finzi Organisationsfragen zu. Im wesentlichen sei nur hervorgehoben, daß der Kreis Proßnitz geteilt, indem Olmütz als selbständiger Kreis abgegliedert wurde. In Znaim und Trebitsch sind durch die eifrigen Bemühungen des Dr. Werner Volksvereine entstanden und auch in Brünn ist endlich, dank der unermüdlichen Tätigkeit der Gg. Dr. Schönhof und Sonnenfeld, ein Voiksverein ins Leben gerufen worden. In Bielitz fehle es noch an einer geeigneten leitenden Persönlichkeit, da nur in den Ferien die jüdisch-akadem. Ferialverbindung Emunah eine anerkennenswerte Tätigkeit entwickelt. Bezüglich der Propaganda habe sich das D.-Kbemüht, durch Broschüren, nach Möglichkeit auch durch mündliche Propaganda, seiner Pflicht gerecht, zu werden, doch mache sich leider ein Rednermangel nur allzusehr bemerkbar und wäre es Aufgabe des Z.-K-, durch Einführung einer Rednerschule und einer Rednervermittlung diesem Uebelstande abzuhelfen. Eine- Vorführung des Palästinafilms ist ebenfalls in Aussicht genommen, die Propaganda mit dem Palästinalichtbildervortrage ist bis zur Beistellung eines brauchbaren Vortrages seitens der Jüdischen Zeitung unterbrochen worden. Um dem dringenden Bedürfnis nach einem Parteiorgan zu genügen, hat das D.-Kmit den Besitzern der'Jüdischen Zeitung in Wien Unterhandlungen gepflogen, die am Distriktstag fortgesetzt werden sollen und hoffentlich zum Abschluß führen werden. Die „Zidooske listy“ wurden vom D.-K. wärmstens unterstützt. Was den Zentralfonds anbelangt, haben nur wenige Orte wie Olmütz, Proßnitz, Ostrau und Troppau ihre Pflicht erfüllt und müsse noch weit mehr geschehen, ln kulturellen Fragen ist leider wenig geschehen. Nur die Gründung von Ortsgruppen des Wanderbundes Blau-weiß, von Turn- und Sportvereinen seien zu verzeichnen. Doch soll ein Referent für Kulturfragen bestellt werden und steht das D.-K. auch mit der vom Parteitag eingesetzten Kulturkommission durch führende Persönlichkeiten des Distriktes in Verbindung. In die Kultusgemeinden haben einige Städte bereits zionistische Vertreter entsandt, andere Orte seien noch im Kampfstadium, doch regt das D.-K* die Schaffung eines Gemeindebundes an zwecks Vornahme gemeinsamer Aktionen. In der nun folgenden Debatte wurden folgende Anträge angenommen: Die Neueinrichtung von Vereinen bezw. die Neuerrichtung von Kreisen stehe dem D.-Kim Einverständnis mit den Ortsorganisationen zu. Dr. Schönhof fordert vom D.-Kzur Unterstützung der Gödinger Gg. eine energische Aktion daselbst Der Distriktstag beschließt (Antrag Süßmandel), daß es Pflicht aller Vereine und Korporationen ist, die Turn- und Sportvereine auf das eifrigste zu fördern und auf Antrag des Vertreters des Kreises II der west-österr. Turnerschaft die Palästinareisen von Turnern und Studenten nach Tunlichkeit seitens des D.-Kunterstützt werden sollen. Die Mitteilung des Ing. Pollak, daß die mähr.-schlesischen Ferialverbindungen auch einen Palästinareisefonds schaffen, wird i freudig zur Kenntnis genommen. •oooot Dauerhafter als :: Leder :: RAIMA KAUTSCHUK-ABSATZ Palma-Kauffdiufi-GefellldiaU m WIEN 1. Elegant und hygienisch