Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8: JÜDISCHE ZEITUNG \ Seite 7 «.Jerusalem, .treffen!und die jüdischen Kolonien des Lahdes bereisen.- - t Eine nette Ritualmordbetze in Russland. : Vor einigen Wochen wurde in Pastow (Gouvernement Kiew) die Leiche eines ermordeten Knaben aufgefunden, die 13 Stichwunden aufwies. Die Leiche wurde als die des jüdischen Knaben Jossel Paschkow rekognosziert und auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Der Mordtat verdächtig war ein verkommener Bauer namens Gontscbaruk, ■ der von ’den lokalen Behörden verhaftet wurde. Inzwischen hatten .aber die Antisemiten in Kiew das Gerücht verbreitet, daß der Ermordete gar kein jüdischer Knabe gewesen sei und daß es sich um einen Ritualmord handle. Obwohl nun auch die Polizeibeamten in Pastow und der dortige Kreisarzt die Leiche als die des jüdischen Knaben Paschkow bestimmt erkannt hatten, ordnete, die Kiewer Staatsanwaltschaft die Exhumierung der Leiche an und verhaftete den Vater des Ermordeten und dessen jüdischen Kommis unter dem Verdachte des Ritualmordes; Der Chef der Kiewer Detektivpolizei Dubjago, der die Untersuchung leitet, beschuldigt den alten Paschkow, er habe einen christlichen Knaben zum Zwecke des „Ritualmordes“ an Kindesstatt angenommen und das Verbrechen jetzt vollbracht. Eine Frau Sokolowskaja aus Schitomir will nach einer Photographie in dem Ermordeten ihren seit dem Herbst vorigen Jahres verschwundenen Neffen erkennen. Der Leichnam wurde zur genauen Obduktion nach Kiew gebracht. Die Fastower Polizeibehörden, die beschuldigt werden, von den Juden bestochen zu sein, sind aus der Voruntersuchung ausgeschaltet worden. Die Untersuchung wird zum Teil von denselben Kiewer Beamten geführt wie beim Beilisprozeß. Unter der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung von Kiew herrscht ungeheure Erregung. Die neue judenfeindliche Zeitung „Kiew“, die von behördlichen Kreisen protegiert wird, hetzt in blutrünstigen Artikeln gegen die Juden. * Letzter Wochenausweis des Jüdischen Nationalfonds. Für den Jüdischen Nationalfonds sind vom 9. bis 16. Februar d. Js. Mk. 9728.41 eingegangen. Hiervon entfallen auf: Russland Mk. 5484.45, Nordamerika Mk. 2765.04, Deutschland Mk. 640.88, Ungarn Mk, 551.42, Australien Mk. 217.26, diverse Eingänge Mk. 69.63. Jüdische Gemeinden in Russland. In Rußland gibt es nach einer soeben erschienenen Aufstellung, ungerechnet Kronpolen, 821 jüdische Gemeinden mit einer Seelenzahl von über 500, die meisten in Wolhynien (125), Podolien (121) und Gouv. Kiew (106), in Lithauen: Kowno 88, Wilna 63, Grodno 69, Minsk 84, in Bessarabien 65, Mohilew 65, Witebsk 35. Jüdisches Sportnnd Torowesen. Hakoah. Hakoah—-Rudolfshügel 2 : 2. Am letzten Sonntag hatten die Unserigen einen bedeutenden Erfolg aufzuweisen. Gelang es doch der erstklassigen „Rudolfshügel“ erst nach schwerem Kampfe ein unentschiedenes Resultat zu erzwingen. Die Hakoahner spielten mit seltener Aufopferung und hätte dieser Spieleifer sicherlich einen Sieg verdient Nachstehend der Spielverlauf. Die Hakoah setzte sofort mit einem wuchtigen Angriff ein, der ihr bereits in der dritten Minute einen Erfolg gebracht hätfej wäre nicht Kolisch II, der dem Tormann ganz allein gegenüberstand, auf dem rutschigen Boden zu Fall gekommen. In der Folge zeigte es sich, daß der am rechten Flügel spielende Gansl II bald zu einer der ersten Stützen der Mannschaft werden wird. Fast alle Angriffe wurden durch ihn eingeleitet, aber es fehlt ihm noch an Routine, um sie erfolgreich zum Abschluß zu bringen. Eine feine Kombination Horwitz-Burian endete mit einem Goalschuß Horwitz’. Dem Tore wurde aber vom Schiedsrichter wegen of side Stellung die Anerkennung versagt, Die Hakoahstürmer lieferten nun ein prächtiges Kombinationsspiel, während sich die Erstklassigen nur schwer zusammenfinden konnten. Einige Durchbrüche wies die gutspielende Verteidigung zurück. Endlich gelang es Kolisch I, der als rechter Half ein bedeutend besseres Spiel wie am letzten "Sonntag lieferte, einen guten Ball zur Mitte abzugeben, den Burian zu einem prächtigen Goal verwandelte. Dies rüttelte die Erstklassigen mächtig auf, sie inszenierten mehrere schöne Angriffe, wobei nalpern mehrere Male Gelegenheit hatte, sich auszuzeichnen. Als einmal aber beide Hakoahverteidiger zu Falle kamen, mußte Halpern einen unhaltbaren Schuß des gegnerischen Mittelstürmers passieren lassen. Beim Stande 1 : 1 wurden die Tore gewechselt. Nach Wiederbeginn waren zuerst wieder die Hakoahner in der Offensive. Mehrere schwere Bälle wurden vom Rudolfshügel-Tormann unschädlich gemacht. Allmählich gewannen die Favoritner die Oberhand und die Hakoahverteidigung bekam schwere Arbeit. Doch bald gelang es ihr wieder den Ufr— iE3C3i€D|PI - ^ESlgj] Aufruf! Der Verein „Jüdisches Asyl für Obdachlose“ hat sich konstituiert. Die Unterzeichneten appellieren nun an alle Menschenfreunde, welche die Verwirklichung der Idee der Schaffung eines Jüdischen Asyls für Obdachlose Interesse entgegenbringen, sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Der strenge Winter, die wirtschaftliche Stagnation, die unerschwinglichen Mietzinse selbst für die kleinsten Wohnungen, drängen mit unwiderstehlicher Gewalt, das so verheißungsvoll begonnene Werk der Vollendung zuzuführen. Die Zahl der Arbeitslosen wächst täglich in geradezu unheimlicher Weise, naturgemäß findet auch die Zahl der Obdachlosen eine ungeheuere Vermehrung. Frierend und hungernd durchstreifen die Aermsten die Gassen und wissen nicht, wo sie und ihre wimmernden Kleinen Schutz vor Külte und Hunger finden können. Mitbürger und Menschenfreunde, verschließt euch nicht der Notwendigkeit, euer Scherflein zur Linderung dieser Not beizutragen! Wir bitten um Anmeldungen als ordentliche oder unterstützende Mitglieder. (Ordentliche Mitglieder zahlen pro 1914 K 3.—, unterstützende mindestens K 10.—, Gründer K 1000.—) Sollen wir unseren in Elend befindlichen, ohne schützendes Dach von Tag zu Tag sich immer steigender Not ausgesetzten Mitmenschen helfen, müssen wir auch über die erforderlichen Mittel verfügen. Wer schnell hilft, hilft doppelt! Anmeldungen und Geldspenden nimmt entgegen der Kassierer des Vereins: Bezirksrat Josef Haslinger, II., Stefaniestraße 11. Für die Vereinsleitung: Bezirksrat Alexander Pollak m. p., Obmann, Bernhard Hofbauer m. p., I. Obmann-Stellvertreter, Ober-Ingenieur Robert Stricker m. p., II. Obmann-Stellvertreter. HF=iF==iQlG3»ai " "ilBl Kundmachung. Die neunundvierzigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der k. k. priv. allgemeinen Verkehrsbank findet Freitag, den 13. März 1914, vormittags 10 Uhr, im Sitzungssaale des Anstaltsgebäudes, Wien, I. Wipplingerstraße 28, statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Vortrag des Rechenschaftsberichtes. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschusses. 3. Beschlußfassung über die Bilanz pro 1913 sowie über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Antrag auf Abänderung der Statuten (§§ 6 und 7) betreffend Kapitalserhöhung. 5. Wahl von Verwaltungsräten. 6. Wahl des Revisions-Ausschusses zur Prüfung der Bilanz für das Geschäftsjahr 1914. Jene Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiermit eingeladen, ihre Aktien samt Kupons, in Gemäßheit der §§ 45, 46 und 47 der Statuten, bei der Hauptkasse der Gesellschaft, Wien, I. Bezirk, Wipplingerstrasse Nr. 28, spätestens am 27. Februar 1. J., als dem statutenmäßigen Endtermine, zu erlegen. Das Eigentum von je 25 Aktien gibt das Recht auf eine Stimme. Kein Aktionär, ohne Unterschied, ob im eigenen oderVollmachtsnamen, und kein Bevollmächtigter eines oder mehrerer Aktionäre kann mehr als 50 Stimmen führen. Das Stimmrecht in der Generalversammlung kann durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Aktionärs ausgeübt werden, doch sind Vollmachtsurkunden spätestens einen Tag vor der Generalversammlung der Direktion vorzulegen. Wien, am 10. Februar 1914. Kk. priv. allgemeine Verkehrsbank. eigenen Angriff :ins Feuer zu schicken. Scheuer, der als Rechtsverbindungsstürmer eine glänzende Leistung bot, überspielte mehrere Gegner und schoß scharf aufs Tor, der vom Tormann nur mit Mühe abgewehrte Ball gelangte zu Horwitz, der unhaltbar einsandte. Da auch in der Folge die Unserigen im Angriff blieben, glaubte man schon allgemein an ihren Sieg. Da hatte einer der beiden Verteidiger das Malheur, den Ball im Strafraum mit der Hand zu berühren, der dafür diktierte Elfmeterstoß wurde unhaltbar eingeschossen. Trotz verzweifelter Anstrengung beider Mannschaften blieb es bei diesem Resultate. — Die Unsrigen spielten in folgender Aufstellung: Halpern, Rosenthal, Sträußler, Mehler, Glasel, Kolisch I, Horwitz, Burian, Kolisch II, Scheuer, Gansl II. — Alle gaben ihr Bestes^ Glasel war der beste Mann im Felde überhaupt. — Im Spiel der Reserven fiel besonders Gansl III auf. Er' ist ein sehr tüchtiger Mittelstürmer und dürfte bald in die erste Mannschaft aufrücken. Am 22. d. Mts spielt die Hakoah in Prag gegen den „Deutschen Fußball-Club“. Die Hakoahner werden sicherlich alles daran setzen, ehrenvoll abzuscbneiden. Die Prager Gesinnungsgenossen werden es sicherlich an der nötigen Propaganda nicht fehlen lassen, so daß das Auftreten der Hakoahner in Prag von nachhaltendem Erfolge begleitet bleibt Wintersport. Die Sektion weist derzeit einen Stand von über 40 Mitgliedern auf und unternimmt jeden Sonntag mehrere Touren unter sachkundiger Leitung. Am letzten Sonntag weilten die Anfänger in Mürzzuschlag, während die Vorgeschrittenen eine Raxtour unternahmen. Leichtathletik. Die Leichtathleten haben auch den Winter über nicht gerastet. Ein Teil beschäftigte sich in den Turnvereinen, die anderen in der Wintersport- und Schwimmsektion. Am Samstag findet eine Vollversammlung dieser Sektion statt. Mit dem Training auf der Hohen Warte wird am Mittwoch, den 25. d. Mts. begonnen. SchwimmeB. Diese Sektion ist bereits zu einer der stärksten der Hakoah geworden, wohl ein Hauptverdienst des jetzigen Schwimmleiters ing. Fritz Engel, der es verstanden hat, den Schwimmern tüchtige Amateurtrainer zu verschaffen. In allernächster Zeit wird diese aufblühende Sektion ein größeres Bad mieten und wöchentlich zwei Schwimmabende abhalten. — Bis auf weiteres findet das Training jeden Samstag, ab 7 Uhr abends, im Beatrixbade statt Hockey. Am letzten Sonntag fand auf dem Florißdorfer Platze ein Trainingspiel der ersten gegen die zweite Mannschaft statt. Es ist sehr gutes und bildungsfähiges Material vorhanden, so daß uns vor der Zukunft nicht bange sein braucht. Ringes. Auch diese Sektion macht bedeutende Fortschritte. Die Trainingsabende sind sehr stark besucht, und wird man bald Gelegenheit haben, die Hakoahner im öffentlichen Wettbewerb auftreten zu sehen. A. B. Gründung eines jüdischen Gesangvereins in Wien. Wer heutzutage einer jüdischen Feier und hierbei dem Absingen eines Liedes anwohnt, muß mit Bedauern feststellen, daß die jüdische Gesangskunst und das Verständnis für sie im Abnehmen begriffen ist, was um so mehr auffällt, als unser Volk dem Gesänge seit undenklichen Zeiten weitestgehende Pflege angedeihen ließ. Wir müssen es daher mit Freude begrüßen, daß jetzt in Wien einige junge Juden am Werke sind, einen jüdischen Gesangverein zu bilden. Die künstlerische Leitung liegt Herrn Gesangsprofessor Arthur Wolf ob, dessen Name ein sicheres Gelingen verbürgt. Wir verweisen aui die große nationale Bedeutung eines jüdischen Gesangvereins und geben der Hoffnung Ausdruck, daß viele stimmbegabte junge Juden dem jüdischen Gesangvereine beitreten und hierdurch die Sache der jüdischen Gesangskunst in großem Maße fördern werden. Anmeldungen werden jeden Dienstag zwischen 8 und 9 Uhr abends im Industriellencaie (I, Konkordiaplatz) entgegengenommen. Tereinsnaehriehtei. Wien. (Vortrag Dr. Schemarjahn Levin.) Am ll. d. Mts. sprach Herr Dr. Sch. Levin als Gast der akadem. Verbindung „Kadimah“ im K- Z. V. im Hotel Palace (Mariahilferstraße) in einer großen Versammlung, der meistens nichtorganisierte Bürger der westlichen Bezirke Wiens beiwohnten. Dr. Sch. Levin schilderte in einer hinreißenden und bilderreichen Sprache das Leben der Juden im Golus. In seiner, mit geistreichen Vergleichen durchsetzten Rede betonte’ „BLUMENSCHNEE" die neuartige, wissenschaftlich gearbeitete HAND-n.GESlCHTSCREME. Das hygienisch beste Toi/ettemitte/ MeSOli Jer teS*™**- , Dose KW. Überall erhältlich!