Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 3 Nr. 8 'TYPISCHE "ZEITUNG sich das Gefühl für den Adel ihrer Gemeinschaft bewahrt haben. Auf die Angriffe gegen den Zionismus werden wir in Versammlungen antworten, die in diesen Tagen überall in Deutschland stattfinden und in denen wir die zionistische Idee zur öffentlichen Diskussion stellen. Berlin, im Februar 1914. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Dem. Inserat folgt ein Verzeichnis von 84 zionistischen Versammlungen, die dieser Tage in 82 Städten Deutschlands stattfinden, ferner eine kurze Angabe der wichtigsten Werke, die über den Zionismus Aufschluß erteilen. Fürwahr, unsere Erwiderung, deren vornehmer Charakter überall, ..selbst in gerecht denkenden gegnerischen Kreisen, nur Gefühle der [Sympathie hervorrufen kann, ist jene Antwort, die uns unsere menschliche und jüdische Würde gegen die haßerfüllte Anrempelung im Inseratenteile vorschreibt. Der Kampf um die hebräische Sprache ist zu einem Kampfe um den Zionismus geworden. Die Ereignisse haben es sonnenklar bewiesen, daß die Gegner der hebräischen Sprache auch Feinde der Wiedergeburt unserer Nation sind. Es gilt daher nicht nur um die hebräische Sprache zu kämpfen, vielmehr auch den Kampf gegen die Assimilation zu führen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, wie der Kampf ausgehen wird. Dies zeigt uns auch die Kampfesweise der Gegner, die ein Beweis höchster Not und Verzweiflung ist. Gar manche meinten, allerdings ganz kleinlaut angesichts der großen Begeisterung in Palästina und in der Diaspora, man hätte nach Mitteln und Wegen fahnden sollen, sich mit dem Hilfsverein auch weiterhin zu vertragen. Nun fragen wir, war es möglich, mit den Herren, die von einem solchen Hasse gegen uns erfüllt sind, die uns jahrelang gewähren ließen, um dann mit einem Gewaltstreich die Früchte unserer Arbeit einzuheimsen, auch fernerhin an einem Tische zu sitzen? Die Kluft ist unüberbrückbar. Die Lage ist durch die Stellungnahme der „Notabein“ durchaus geklärt Hie Assimilation, hie Zionismus! Hie Untergang, hie Wiedergeburt des jüdischen Volkes! ihn mit den hunderttausenden Büchern der nachfolgenden Zeit, ob es auch nur eines mit diesem Kunstwerke aufnehmen kann. Gehen Sie noch heute nach den südöstlichen Teilen von Europa und sehen Sie sich die letzten Ausläufer orientalischer Kunst an, es ist noch ein letzter vergoldender Schimmer auf sie gefallen und die Agja-Sofia ist noch immer das großartigste bestehende Kunstdenkmal. Doch gehen Sie nach London ins Britisch- und South-Kensington-Museum, nach Paris in den Louvre und lassen Sie in diesen großen Sammlungen voll der erlesendsten altsemitischen Werke diese Kunst auf sich wirken und Sie werden, ohne Fachleute zu sein, empfinden, daß alles andere gegen sie verblaßt. Es ist reine und große Kunst, die naturgemäß entstanden und sich zur höchsten Blüte entfaltet hat. Wir graben da eine versunkene Welt voll größter Schönheit aus. Die deutsche Orient-Gesellschaft hat in den letzten Tagen die Ergebnisse ihrer Ausgrabungen: „Das wiedererstehende Babylon“ in einem trefflichen Werke gebracht. Dem Architekten Robert Koldewey gebührt für diese hervorragende Arbeit die größe Anerkennung. Der Künstler der altsemitischen Zeit beherrschte das Naturobjekt vollkommen, das geht aus den Funden klar uqddeutlich hervor. Es ist eine ganz irrige Auffassung, daß erst nach und nach die Griechen zu der vollkommensten Kenntnis des menschlichen Körpers gelangten. Ich kenne naturalistische Studien aus dieser Zeit, welche denen zurzeit Phidias und unserer Zeit nicht nur nicht nachstehen, sondern sie womöglich übertreffen. Aus dem Chaos des unendlichen Ausdruckes der Naturform wählte der Semite das Besondere, Bedeutsame und brachte es in eine übersichtliche, faßbare, deutlich sprechende Form nach den Gesichtspunkten des Charakteristischen, des Schönen, Hohen und Erhabenen im künstlerischen Erlebnis. Das Bildwerk ist in seiner Linienhaltung und plastischen Erscheinung an sich wertvoll und spricht durch jede einzelne Linie und Form knapp und erschöpfend. Es ist jede Aeußerung notwendig, ein nicht zu viel und ein nicht zu wenig, vollkommen befriedigend. Zeigen Sie mir ein Werk der griechischen Kunst, der sogenannten Blüte, das die unbedingten Eigenschaften eines Kunstwerkes hat Die Figuren des Phidias sind in ihrer generellen Erscheinung nicht charakteristisch, es ist wohl schönste Natur, je- , Die bisher bei unserer Leitung.für das palästinische Schnlwerk eingelaufenen 150000 Kronen, die ja .nur den Anfang einer großen, alle Teile des jüdischen Volkes umfassenden Sammeltätigkeit bedeuten und die sich allenthalben bekundende Opferwilligkeit unserer Volksgenossen haben. bereits entschieden. * * * Unsere Schulwerkbroschfire. Unter dem Titel „Im Kampf um die hebräische Sprache“ gibt das zionistische Aktions- Komitee soeben eine neue Broschüre heraus, die geeignet ist überall, wo man die Entwickelung des Sprachenkampfes in Palästina verfolgt hat, das größte Interesse zu finden. Die zirka 100 Seiten starke Schrift betont die Bedeutung der Wiedergeburt der hebräischen Sprache für das Gesamtjudentum, stellt das Schulwesen Palästinas und die Rolle der Schulen des Hilfsvereins dar und orientiert dann an der Hand von Tatsachenmaterial über den Verlauf des ganzen Kampfes. Der Broschüre von Paul Nathan wird eine ebenso sachliche und vornehme, als gründliche Abwehr zuteil. Die Broschüre ist vom Zionistischen Zentralbureau (Berlin W. 15, Sächsische Straße 8) in jeder gewünschten Zahl kostenlos zu beziehen. Die galiziscbe Wahlreform und die Joden. Ohne und gegen die Juden ist das große Ausgleichswerk zwischen Polen und Ruthenen in Galizien zustande gekommen. Gründe der äußeren Politik bewogen die Zentralregierung zu energischem Druck auf die polnischen beati possidentes, und die Ruthenen ergriffen gern die Gelegenheit, in die Reihe derjenigen österreichischen Völker aufzurücken, welche zufolge ihrer Zahl und Bedeutung als Träger des österreichischen Staatsgedankens auftraten. In diesem grandiosen Widerspiel und Zusammenklang politischer Absichten und Aspirationen fanden die Interessen der galizischen Juden keine Berücksichtigung. Die Ruthenen gingen in kurzsichtigem Egoismus über die Juden hinweg, indem sie die „Wahrnehmung“ der jüdischen Interessen vollständig den Polen überließen. Und die Polen, welche in ihrer Totalität aus konfessionellen und wirtschaftlichen Gründen Judenhasser sind, ließen nicht einmal ein Mindestmaß von Gerechtigkeit walten, umsomehr als die wenigen assimilatorischen israelitischen Abgeordneten, in bleicher doch in einer Ausführlichkeit, die so wie das Naturobjekt verwirrend wirkt Nicht sind die Formen wirklich sprechend, noch irgend ein besonderer Ausdruck wirklich fix, eindeutig durch die einzelnen Linien und Formen gegeben. Kurz, es ist wohl schöne Natur, aber die Natur ist ja kein Kunstwerk. Vor der Natur stehen wir in seinen Miriaden von Details unbefriedigt, wir wollen ein Menschenwerk, das dem Göttlichen nachgebildet ist, das wir verstehen und dessen Gesamtwirkung zu einem Eindruck zielt, aber nicht zu Millionen Möglichkeiten. Wir wollen am Kunstwerk einen Halt, eine Befriedigung haben, das gibt uns das griechische Werk nicht, aber das semitische. Denken Sie z. B. an den sterbenden Löwen von Kujnutschik und suchen Sie nach einem Werke der nachfolgenden Zeiten, ob eines so stark auf Sie wirken wird und zugleich mit dieser Ruhe erfüllen wird. Wir lesen, lesen — am griechischen Kunstwerke 'was wir wollen und wie lange wir wollen — wie vor der Natur. Dies Kunstwerk läßt uns nur das lesen, was der Künstler mit seinem Meißel lapidar hineingeschrieben hat, ich habe ihnen den Unterschied zwischen Natur, naturalistischer Studie und Kunstwerk gegeben. Ich glaube, ich kann mich für das Beispiel der Malerei kürzer fassen, da -das Wesen dasselbe ist Vor einigen Wochen war in dem Prachtsaale der Wiener Hofbibliothek ein ägyptisches Porträt in Guasch auf Holz gemalt ausgestellt. Es war ein großes Kunstwerk. Man hatte die Persönlichkeit des braven Familienvaters in künstlerischer Gestaltung vor sich, keine Naturkopie, aber ein Kunstwerk, ein Erlebnis von diesem Manne in einer wunderbaren Fassung. Jede' Linie, jede Form, jeder Farbenton ein Wort, eine Zeile, ein Vers, ein herrlicher Zusammenklang, vollkommen verständlich, knapp und erschöpfend. Sehen Sie sich das Werk nach diesen Gesichtspunkten an und Sie werden finden, welche hohe künstlerische Stufe in der Arbeit erreicht ist. Alle darauffolgenden Perioden der Bildniskunst sind damit nicht zu vergleichen. Sie sind, selbst alle ihre Idole mitgerechnet, mehr oder weniger Abklatsch der Natur oder zumindest geschwätzig. Nun zu sogenannten Architekturformen. Keinem Semiten ist es eingefallen, eine Wand durch eine Stützenarchitektur zu verpappen. Wand blieb Wand und wurde organisch belebt Ich verweise auf Angst vor möglichen zionistischen Erfolgen, die Sicherung jüdischer Mandate mit allen Mitteln hintertrieben. So kam es, daß die Juden Galiziens, welche fast 11 Prozent der Bevölkerung ausmachen, die größten Steuerträger sind, und an Intelligenz und Gewerbefleiß Ruthenen und Polen zusammen um das Vielfache überragen, von 245 Mandaten kaum sechs zugesichert erhielten. Optimisten wollen zwar herausgefunden haben, daß die Juden 15 Mandate — drei Handelskammermandate inbegriffen — erlangen können. Doch ist eine derartige Schätzung nur bei großer Vertrauensseligkeit in die galizischen Wahlen möglich! Sichere Mandate sind nur diejenigen, wo zufolge des Proporzes — und das gilt für drei Städte — oder in Anbetracht erdrückender jüdischer Mehrheit, die Wahl eines Juden gesichert erscheint. Das ist jedoch nur in sechs Wahlkreisen der Fall. Aber selbst den günstigsten Fall, die Juden erobern 10 Mandate, angenommen: so ist das Jüdischer Volksverein fOr die Leopoldstadt. Mlttwoeh, den 25. Februar d. J., Uhr abends, findet im Sitzungssaale des zionistischen Bureaus, II. Karmeliterplatz 1, die diesjährige Generalversammlung statt. t. . Tagesordnung. 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahlen. 3. Eventualia. Anschließend: Vortrag Dr. Leopold Plasebkes über: „Aktuelle jüdische Fragen“ Die p. t. Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen! die Pylonenwände der ägyptischen Tempel mit eingegrabener Reliefplastik, die so wunderlich aussieht, solange wir den Sinn nicht verstehen. Zu verwundern ist, wie die nachfolgenden Zeiten die eingegrabene Reliefplastik gegen die erhabene Reliefplastik vertauschen konnten, die ist ja unorganisch aufgeklebt. Außen gab es überhaupt keine Säulen, denn Säulen sind Deckenstützen. Natürlich eine spätere Periode wandte diese Formen sinnlos an. Die Säulen selbst sind Stützen, denen der Steinmetz eine künstlerische Form gab. Woher hatte er die Anregung? Nicht aus dem Palladio oderVignola. Auch heute würde der Architekt etwas Organisches zusammenbringen, wenn er nicht diese zum Gesetze erhobenen Hemmungen hätte. Er hielt sich an die Natur, er gestaltete die Säule zu einer schönen Blume oder zu einem Blumenbüschel, wie es auch der gotische Steinmetz machte, der nicht wußte, daß die Säule ein Verhältnis von 1:10, die Höhe des Kapitäls 2 Moduli, der Abakus 1:7, der oberste Abschluß des Schaftes 1:12, die Basis 1 Modul, die einzelnen Teile je 1:3, die Schwellung 1:18 haben müßte. Er hielt sich an die Natur und sein Werk ist danach nicht doktrinär, dafür aber erhebend; er ließ seiner Leidenschaft, seinem Fühlen freien Lauf, hat sich nur darauf verlassen und das ist gut. Ich sprach von der Gotik, obwohl ich sie nicht gar hoch einschätze, aber seit der altsemitischen Kunst ist sie die Insel auf dem Gebiete des Kunstschaffens der nachfolgenden Perioden. Kehren wir wieder zu den Semiten zurück. Der semitische Steinmetz nahm das Tier, den Menschen für seine Säule zur Nachschaffung. Oft natürlich ist sein Werk in abreviertester Fassung, seine Form jedoch niemals willkürlich erfunden, vom Himmel geholt. Ich kenne keine einzige, so lapidar sie sein mag, die nicht eine Neuschöpfung der Natur wäre. So kann man alle einzelnen Details dieser Kunst im selben Sinne durchgehen und denselben Vorgang mit demselben Erfolge am Kunstgewerbe befolgen. Sehen wir uns nun die griechische Kunst an, die der semitischen am nächsten liegt, wie da die Formen zur Unverständlichkeit erstarrt geübt werden. Das hat alles ein gefälliges Aeußere der Hyperkultur, der Dekadenz, aber es fehlt der innere Gehalt! (Schluß folgt.)