Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 3× ep/1047930
- Tunis 2× ep/1048155
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Säte 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 7 Hie Folien der Jadenhetze in Russisch-Polen. (Warschauer Bericht.) Die .Zeitung „Kurjer Zagigbia“ veröffentlicht eine eigenartige Bilanz fiber die Wiiicung des Boykotts der Juden im Fabriksbezirk „Zagt$bie“ (Kreis Sosnovitz, Ciouv. Petrikan). Diese ziemlich lakonische'Bilanz, die bloß die Zahlen der polnischen und jüdischen Laden -an gibt, hat den Zweck zu beweisen, daß der Boykott einen völligen Umsturz verursacht hat. Der Verfasser führt auf Grund glaubwürdiger Mitteilungen, wie er behauptet, Zahlen an, die wirklich den Ruin des jüdischen und den Aufschwung des polnischen Handels beweisen. Beim Vergleich der Zahlen der polnischen und jüdischen Lüden, bei Beginn des Boykotts und jetzt, das heißt nach einem Jahre, kommt man zu folgenden Zahlen: bei Beg inn des nach einem Ort Boykotts Jahre polnische jüdische polnische jüdische Sosnowitz . . . 103 343 306 230 Alt-Sosnowitz . 71 115 190 76 Pogon und Wigwisdov ... 64 146 190 92 Sielec. 34 73 130 40 Dombrowa . . 50 120 143 80 Kolinje -Reden . 14 30 60 18 Alt-Dombrowa . 12 8 18 8 Zusammen: 348 735 1037 544 Nach der Ansicht des „Kurjer Zagi$bia“ beweist diese Bilanz deutlich, daß der Judenboykott vollständig sein Ziel erreicht hat, daß die Juden beinahe gänzlich aus dem Handel verdrängt worden sind. Hätte sich aber der Verfasser der Mühe unterzogen, die allgemeine Zahl der jüdischen und polnischen Läden zu vergleichen, die im vorigen Jahre existierten und die heute bestehen, so würde er nachstehendes charakteristisches Bild bekommen. Es waren im allgemeinen: Ort zu Beginn des Boykotts nach einem Jahre Sosnovitz 446 556 Alt-Sosnovitz 186 266 Pogon und Wigwisdov 208 282 Sielec 107 170 Dombrowa 170 222 Kolinje-Reden 44 78 Ält-Dombrowa 20 * 26 Zusammen 1181 1580 Selbstredend ist eine so plötzliche Zunahme der Zahl der Läden (bis 33 Proz.) aus bloß politischen Gründen als schädlich und' abnormal anzusehen. Wenn man in Betracht zieht, daß die Zahl der polnischen Geschäfte sich 3 bis 4 mal vergrößert hat und die Zahl der jüdischen sich nur um 20 bis 45 Proz. verkleinert hat, so erhellt daraus, daß dies kein Sieg, sondern eher ein Unglück für das ganze Land ist ln diesem Sinne berichtet im „Gonie Zaglfbia“ der polnische Journalist Kwiatek. Der Verfasser kommt zu folgenden Schlüssen: 1. In erster Reihe erlitten nach den jüdischen Kaufleuten die Hausbesitzer schweren Schaden. Als die Stagnation -im Handel merkbar wurde, verlangten die Kaufleute eine Mietzinsredulction. Seit dem 1. Juli d. J. ist der Mietzins um 30. bis 50 Proz. gefallen. Daraufhin sank auch der Preis für Privatwohnungen, was eine Baustagnation zur Folge hatte. 2. Der Baustillstand verminderte den Verkehr der Bauern nach der Stadt und reduzierte .auch den Lohn infolge Mangel an Aiheit Die niedrigen Löhne beförderten die Auswanderung übers Weltmeer. Kwiatek behauptet, daß noch niemals soviel Auswanderer aus der Arbeiterklasse in Myslowitz (an der-Grenze) zu sehen waren wie jetzt Zu bemerken ist, daß die Boykottpresse immer betont, daß die Juden sämtliche Posten im Handel einnehmen, daß die polnischen Bauern und Arbeiter daher auswandern müssen. Gäbe es keine Juden, dann gingen alle Auswanderer in die Städte, um sich dem Handel zu widmen. Wie zu ersehen, ist gerade das Gegenteil der Fall. 3. Die große Anzahl von Protestwechseln veranlaßte die Banken, sämtlichen Kaufleuten die Kredite zu beschränken. Infolgedessen ist eine starke Geldteuerung eingetreten. 4. Das Schwächen der Erwerbskraft einiger zehntausend der jüdischen Bevölkerung hatte zurTolge, daß sämtlichen Kaufleuten, ohne Unterschied der Nationalität, der Warenkredit ganz oder teilweise entzogen wurde. ins dem jüdischen Leben. Das hebrusche Schalwerk In Palästina. Der Sprachenkampf, der in Palästina zwischen dem Hilfsverein der deutschen Juden und der jüdischen Bevölkerung ausgebrochen ist, hat zur Folge gehabt, daß die meisten Lehrer und Schüler der Hilfsvereinsschulen diese Anstalten verlassen und neue Schulen mH ausschließlich hebräischer Unterrichtssprache ins Leben gerufen haben. Ueber den gegenwärtigen Stand dieses neuen hebräischen Schulwerks berichtet der Hebräische Lehrerverband in Palästina in einem von Ende Januar d. J. datierten Bericht: „Die Schüler in unseren neuen Schulen und in den Schulen des Hilfsvereins verteilen sich jetzt folgendermaßen: Unser Seminar und unsere Handelskurse werden von 70 Schülern besucht, in den entsprechenden Anstalten des Hilfsvereins sind bloß 25 Schüler geblieben, darunter nur drei Zöglinge des Seminars. In der hebräischen Knabenschule haben wir 101 Schüler, in der Knabenschule des Hilfsvereins befinden sich 210 Schüler. An die Eröffnung einer Knabenschule hatten wir vorher gar nicht gedacht; wir sind dazu erst gezwungen worden, nachdem ein großer Teil der Schüler die Hilfsvereinsschule zum Zeichen des Protestes gegen die Leitung, welche mit Polizei in die Schule gekommen war, verfassen hatte. Die hebräische Mädchenschule wird jetzt von 203 Schülerinnen besucht, während die Mädchenschule des Hilfsvereins 200 Schülerinnen zählt, (ln dieser Anstalt hat die Leiterin samt dem ganzen Lehrerkollegium mit alleiniger Ausnahme der Turnlehrerin demissioniert.) Die hebräische Knabenschule in Jaffa zählt 125 Schüler, in der entsprechenden Hilfsvereinsschule sind 50—60 Schüler geblieben. In Haifa zählte die Hilfsvereinsschule 83 Schüler, die jetzt alle zu der hebräischen Schule übergegangen sind. Außer diesen Schulen sind von uns noch in Jerusalem Kurse für Kindergärtnerinnen eingerichtet worden, die von 21 Schülerinnen — von den 25, die früher in der Kindergärtnerinnenschule des Hilfsvereins waren — besucht werden. Die Zahl der Lehrer, die in den Anstalten des Hilfsverejps tätig waren, betrug 56. Davon sind 41 zu unseren Schulen übergegangen. In Jerusalem hatte der Hilfsverein 41 Lehrer, davon haben 28 demissioniert. In Jaffa hatte der Hilfsverein 10 Lehrer, von denen 9 demissionierten. In Haifa hatte der Hilfsverein 5 Lehrer, von denen nur einer blieb: der Lehrer für Deutsch.“ Für die Erhaltung des neuen hebräischen Schulwerks hat die zionistische Weltorganisation eine Aktion eingeleitet, die schon jetzt glänzende Erfolge aufweisen kann. Im Laufe einiger Wochen ist es gelungen, für die neuen hebräischen Schulen an bar eingezahlten. Jahresbeiträgen und einmaligen Spenden den Betrag von 120000 Mk. aufzubringen, darunter aus Deutschland 38000, aus Rußland 56000, aus Oesterreich 12000 und aus Amerika 6000 Mk. Die Sammlung wird in allen Ländern mit großem Eifer fortgesetzt. Die Juden in der künftigen türkischen Kammer. Das jungtürkische Komitee ist zurzeit eifrig mit der Wahlkampagne für die neue Kammer beschäftigt, die binnen kurzem zusammentreten soll. Die jüdische Bevölkerung hofft, wiederum vier Abgeordnete zu erhalten, obwohl die Zahl der jüdischen Wähler durch den Fortfall der mazedonischen Provinzen, insbesondere durch den Fortfall Salonikis, erheblich vermindert worden ist Die Regierung und das Komitee sind geneigt, den Juden entgegenzukommen, die sich -in den schweren Zeiten des Krieges und der permanenten Krise des Reiches als treue Freunde der Türkei bewährt haben. Man ist, also gewillt, den Juden wiederum vier Abgeordnete zuzubilligen, doch läßt sich über die Personen noch nichts bestimmtes sagen. Ursprünglich wünschte das Komitee die Wiederwahl der vier früheren Abgeordneten — Faraggi, Mazliach, Carasso und Sasson —, doch neuerdings hat sich eine Aenderung der Kandidatenliste als notwendig erwiesen. Es ist ziemlich sicher, daß Faraggi nicht wieder kandidieren wird, obwohl gerade er . als eine der besten Arbeitskräfte der Kammer galt, der die tönenden Reden verschmähte, -dafür aber in jden Kommissionen mit Ernst und-Eifer tätig, war. Auch Sasson dürfte nicht wieder kandidieren, da er vor einiger Zeit Unterstaatssekretär im Landwirtschaftsministerium geworden ist und als solcher nicht der Kammer angehören kann. Mazliach und Carasso dagegen werden mit größter Wahrscheinlichkeit ausersehen sein, wiederum die türkischen Juden im Parlament zu repräsentieren. Carasso hat ausdrücklich : erklärt, er wünsche diesmal nicht nur als Anhänger der Partei llnion et Progrfcs, sondern auch als offizieller Vertreter der Judenheit gewählt zu werden. Die beiden anderen jüdischen Kandidaten sind noch unbekannt. Es besteht die -Möglichkeit, daß Jerusalem zum ersten Male einen jüdischen Abgeordneten erhält Die Regierung sympathisiert mit diesem Plan, dessen Verwirklichung von der gesamten, jüdischen Bevölkerung des Reiches mit Genugtuung -begrüßt würde. Zionismus in Tunis. Die Association Sioniste Tunisienne hielt am 10. Januar ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Dr. Alfred Valensi erstattete Bericht über die Tätigkeit des Vereins und die Fortschritte des Zionismus in Tunesien. Außer dem zionistischen Verein in der Hauptstadt Tunis bestehen ansehnliche zionistische Ortsgruppen in allen größeren jüdischen Gemeinden des Land es, so in Sfax, B 6ja, Büjärat und im Wäd Hulita. Alle diese Vereine sind von den französischen Behörden genehmigt und entfalten eine rege Propagandatätigkeit unter der' jüdischen Bevölkerung Tunesiens. Für den Jüdischen Nationalfonds und sonstige zionistische Zwecke wird eifrig gesammelt, auch das Studium der hebräischen Sprache und Literatur findet hingebende Pflege. Die jungen Zionisten von Tunis geben eine Monatsschrift in jüdisch-arabischer Mundart unter dem Titel „Die Stimme Zions“ heraus, die viel zur Popularisierung des zionistischen Gedankens beiträgt. ln der Generalversammlung der Association Sioniste Tunisienne kam auch der Schulstreit in Palästina zur Sprache, und es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Association Sioniste Tunisienne* protestiert mit größter Entschiedenheit gegen den Beschluß, am Technikum in Haifa statt der hebräischen, die deutsche Unterrichtssprache einzuführen. Wir erblicken in diesem Beschluß einen Treubruch gegen unsere nationale Sprache, die ihrer Wiedergeburt entgegengeht und sich als Unterrichtssprache für alle wissenschaftlichen Fächer sehr wohl eignet. Wir sehen ferner in diesem Beschluß eine' drohende Gefahr für das gesamte jüdische Kolonisationswerk in Palästina, das die Besten unseres Volkes mit so großen Opfern an Gut und Blut aufgerichtet haben. Die Versammelten sprechen dem Hilfsverein der deutschen Juden ihre Entrüstung über sein schändliches Vorgehen in Palästina aus und beglückwünschen die palästinensischen Brüder, insbesondere die wackeren hebräischen Lehrer, zu ihrem mutigen Kampfe für die Rechte unserer geheiligten hebräischen Sprache.“ Hierauf wurde eine Sammlung für das hebräische Schulwerk in Palästina eingeleitet, die ein recht ansehnliches Ergebnis hatte. Auch in den anderen Städten Tunesiens sind Sammlungen in die Wege geleitet worden, die einen guten Erfolg versprechen. * Eine moderne Bewässerungsanlage bei Pethach-Tikwah. Einen ganz bedeutenden Anteil an der Orangen- Eroduktion Palästinas besitzt bekanntlich das jüdische -lement des Landes, das unter zionistischer Propaganda : immer mehr zu einem wertvollen Faktor im Wirtschaftsleben Palästinas erstarkt. An der Spitze der Orangenbau treibenden jüdischen Kolonien steht das Dorf Pethach-Tikwah, das vor 35 Jahren gegründet wurde und heute etwa 3600 Einwohner zählt, ln einer 2‘/2stündigen Entfernung nordöstlich von Jaffa hat sich diese Kolonie sozusagen aus einem Nichts entwickelt. An der Stelle, an der sich vor einem Menschenalter noch wüstes Land dehnte, steht heute ein reiches, ausgedehntes Dorf inmitten fruchtbarer Felder und Orangengärten. Harte, zielbewußte Arbeit ist hier von den jüdischen Einwanderern im Laufe der Jahre geleistet wirden, und unentwegt wird heute an dem Kolonisationswerk weitergearbeitet, indem sich die Ansiedler alle Errungenschaften moderner Technik zunutze machen. Einen Beweis hierfür bildet die vor kurzem errichtete Bewässerungsanlage eine halbe Stunde nordöstlich von Pethach-Tikwah, an dem hier dicht an die Orangengärten der Kolonie herantretenden Nähr el Audsche. Diesen das ganze Jahr hindurch Wasserführenden Fluß, von dem bisher nicht ein Tropfen dem wasserbedürftigen Lande zugute kam, hat ein jüdisches Syndikat, die in Charlottenburg eingetragene, mit einem Kapital von 100000 M. arbeitende Bewässerungsgesellschaft Palästina m. b. H., nutzbar gemacht. Mittels Motorkraft wird das Wasser aus dem Fluß gesogen und auf die Felder der Kolonie und in deren Orangengärten, Soweit diese nicht mit eigenen Brunnenanlagen versehen sind, weitergeleitet. Die Anlage, die das erste derartige Bewässerungswerk Palästinas darstellt, ist überaus interessant und sehenswert. Sie besteht aus einem einstöckigen, mit flachem Dach versehenen Gebäude, dessen Erdgeschoß in Eisenbeton hergestellt ist, während die obere Etage und das Dach aus Zementziegeln errichtet wurde. Das Wasser des Flusses wird zunächst aus einen im unteren Stockwerke des Gebäudes aufgestellten 70pferdigen Deutzer Sauggasmotor aufgesaugt und alsdann mittels einer „BLUMENSCHNEE" die neuartige, wissenschaftlich gearbeitete HAND-.«.GESICHTSCREME. Das hygienisch beste Toilettemittel TubeSOh. Jer . Dose K 1.60. Überall erhältlich!