Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG „ Nr. 6 den 14: Februar landen dürfte. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß Baron 'Rothschild diese Reise nicht bloß zum Vergnügen unternommen hat, sie ist vielmehr von dem großen Interesse geleitet, das der munifizente Baron dem Lande entgegenbringt. Ein neues Auswanderungsgesetz in Russland. Das russische Handelsministerium wird demnächst in der Reichsduma einen Gesetzentwurf zur Regelung der Auswanderung einbringen. Die Vorlage enthält große Erleichterungen für diejenigen Auswanderer, die sich in: russischen Häfen (Libau usw.) einschiffen.- Unter anderem sollen solche Emigranten-ihre Auslandspässe kostenlos erhalten. Die Tendenz des neuen Auswanderergesetzes ist überhaupt die, der russischen Auswanderung über ausländische, namentlich deutsche Häfen ein Ende zu machen. An sich wäre die Vorlage auch für die jüdischen Emigranten, die die Reise nach Amerika gegenwärtig, größtenteils: über' Hamburg und Bremen GRflF-Würfel Rindsuppe Namen ..Gral“ achte antreten und vofi gewissenlosen Agenten ausgcbeutet," überdies in den Kontrollstationen an der deutschen Grenze vielfach von übelwollenden Beamten schikaniert werden, von großem Vorteil. Andererseits enthält der Gesetzentwurf jedoch engherzige Bestimmungen aller Art, die die Vorteile illusorisch machen. So sollen den jüdischen Auswanderern, deren Verwandte — und zwar nicht etwa nur nahe Angehörige — sich der Militärpflicht durch Auswanderung entzogen haben, keine Pässe verabfolgt werden, wenn sie nicht vorher die für diesen Fall vorgesehene Geldstrafe im Betrage von 300 Rubel entrichtet haben. Auch sollen die verschiedenen Vergünstigungen nur denjenigen Auswanderern gewährt werden, diemit den unmodernen, langsamen und schlecht eingerichteten russischen Ozeandampfern direkt bis zum Hafen des Bestimmungslandes, also z. B. bis New York reisen . und nicht etwa, eine Zwischenlandung in England vornehmen. In jüdischen Kreisen glaubt man darum, daß die Vorlage, selbst wenn sie durchgehen sollte, an der gegenwärtigen Richtung des Auswandererverkehrs, soweit die jüdische Emigration in Frage kommt, nicht viel ändern wird. Otto Hugo ttelnbers, und Antiquariat, Wien, IL, TaborstraBe'17. Telefon 39 247. SI^I, Eislauf, Rodeln. Antiquariat. Provinzversand. w-nl" aus der Fabrik L. T. Piovati Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN L, Adlergasse 3. I.. Franz J uefs-Qnai 19. Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. Verein für Statistik der Juden. Kürzlich fand in Berlin die. Hauptversammlung des Vereins für Statistik der Juden statt.; Nach dem vom Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr .Bruno‘Blau erstatteten Geschäftsbericht ist beabsichtigt,., demnächst, auch die Kenntnisse der statistisch erforschten Verhältnisse der luden in weiteren Kreisen zu verbreiten, sobald dem . Verein die nötigen Mittel zur Verfügung stehen werden. Die bisher aufgebrachten Mittel reichen nur zur Durchführung, ,der wissenschaftlichen Arbeiten - aus: -Das Bureau,- das . im. .^nä^ist^n-,Ja^re Tätigkeit zurückblickeri kann, hat nach wie vor die Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden herausfegeben. ln erster Reihe ist ferner au dem großen abellenwerk gearbeitet worden, da sich das Material andauernd häufte. Das Werk liegt jetzt im Manuskript fertig vor; mit der .Drucklegung ist.begonnen worden. Darin sind sämtliche in den amtlichen Tabellen aller Länder der Erde enthaltenen statistischen Angaben bezüglich der einzelnen Konfessionen-zusammengestellt und einheitlich bearbeitet .worden: ' Ferner ist eine zweite Arbeit ihrem Abschluß nahe und wird am Ende dieses Jahres vollständig rorliegen- Es ist dies eine Statistik der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland während der letzten 25 Jahre. Diese Arbeit ist von Geh. Justizrat Timendoner 'angeregt und von der Großloge für Deutschland materiell unterstützt worden. Nach Fertigstellung dieser Untersuchung wird an die Bearbeitung der Statistik der Berliner Juden gegangen werden. Nach der Wahl der Mitglieder des Kuratoriums und. des Vorstandes sprachen Dr. J. Segall über „Die Juden und das deutsche Wirtschaftsleben“ und Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wassermann (München) über „Die Kriminalität der deutschen Juden“. * Anerkennung des Jaffaer hebräischen Gymnasiums. Im Hinblick auf den Sprachenstreit in Palästina, der dnrch den Hilfsverein der deutschen Juden hervorgerufen worden ist, dürfte es von Interesse sein, daß eine Hochschule vom Range der Universität New- York das Reifezeugnis eines Absolventen des hebräischen 'Gymnasiums in 'Jaffa als vollgültig anerkannt und den betreffenden Abiturienten, namens Moses Mennchin, anstandslos an der technischen Fakultät immatrikuliert hat Auch die Berliner Universität und andere angesehene westeuropäische Hochschulen erkennen das Abiturientenexamen am Jaffaer hebräischen Gymnasium als ausreichender Bildungsnachweis für die Immatrikulation an. Bekanntlich ist die Unterrichtssprache an der Jaffaer Anstalt in allen Fächern das Hebräische. RESTA1IRAHT lAtiOB PUMAS ipi Neubau des "*as HOTEL NEW-YORK n=a Wien, II., Kleine Sperlgasse 5 bietet den' P- T. Gästen allen Komfort — ' Küche und Keller sind als erstklassig bekannt. Eleganten geräumige Lokalitäten Hochzeits- : und Festbankett^ werden bestens arrangiert. . .. Frühling in Palästina. (Zum 15. Schewat) Am 15. Schewat feiert man in Palästina den „Neujahrstag der Bäume“: Rosch-ha-schana la alinoth. Wie wir unter dem Einfluß des nationalen Gedankens unser Schicksal immer enger mit Erez-Israel verknüpfen, so bringen wir auch, während , in den Galuthländem der Lenz noch fern ist, diesem palästinensischen Feste des Knospens und Blühens neuerwachtes, lebendiges Interesse entgegen. Wir begleiten im Geiste die palästinische Schuljugend hinaus in die freie Natur, wo man unter Jubel mit der Anpflanzung der Bäumchen' beginnt, die dereinst dem Lande Schatten spenden und Früchte bringen sollen. Wir jedoch, denen es nicht vergönnt ist, an der Neubelebung des alten, heimatlichen Bodens unmittelbaren, werktätigen Anteil zu nehmen, sollten wenigstens von der Feme aus das Tun unserer palästinischen Pioniere tatkräftig, unterstützen. Alle Freunde der palästinischen Kolonisation sollten sich am 15. Schewat der „Baumspende“, erinnern, die das für Pflanzungen besonders geeignete Land aufforstet. Der Nationalfonds hat hierbei eine Kulturaufgabe übernommen, die “jn vorgeschrittenen Ländern "der Staat erfüllt Die mit der „Baumspende“ in Zusammenhang stehenden Pflanzungsbetriebe geben insbesondere degi jüdischen Arbeiter Gelegenheit, sich in allen Zweigen der £flanzungswirtschaft aaszubilden. . Möge die Zahl derer, die am „Neujahrstag der Bäume“ ihr Scherflein an die „Baumspende“ abführen, immer mehr .zunehmen. Niemand, dem die Förderung der jüdischen Kolonisation Palästinas am Herzen liegt, darf sich dieser Pflicht entziehen. Die Palästina-Fahrt im Frühjahr. Für die am 3. April stattfindende Palästina- Gesellschaftsfahrt hat sich bereits eine große Zahl , von Teilnehmern aus allen Ländern gemeldet Bekanntlich ist die günstigste Zeit für den Besuch Palästinas; das Frühjahr, in welchem sich das Land in seiner größten Schönheit- und Frische zeigt. Durch diese Palästinafahrt bietet sich die beste Gelegenheit, unser Land ans eigener Anschauung kennen zu lernen. Die Fahrt ist eine allgemein jüdische und nicht auf die Teilnehmer eines Landes'beschränkt. Die Fahrpreise sind besonders ermäßigt (40 °/0) und zwar: Schnelldampfer Triest—Palästina und retour I. Kl. 551.62, II. Kl- 387.26, III. RI. (ab Alexandrien II. Kl.) 217.16 K. Das vom Reisebüro Sachs entworfene Palästina- Programm wird in 19 Tagen ausgeführt, während welcher Zeit alle Stätten von historischer Bedeutung und alle Schöpfungen des neuen Jischuw . besichtigt werden.' Auf der Rückfahrt wird ein 3-tägig;er,Ausflug nach Egypten -^unternommen'.-' - Kosten1 des’Aufenthaltes in Palästina 400.—, in Egypten 65.— K.' Infolge der vorgerückten Zeit ist ehebaldige Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung zur Fahrt erfolgt durch die Ueberweisung der Hälfte des Fahrpreises an den „Jüd. Nationalfond. Konto Palästina- Informationsbüro Wien 11, Karmeliterplatz 1“. Die Teilnahme an der Reise in Palästina und Egypten ist durch Anzahlung von K- 100.— als Angabe bei der , Unionbank" Wien, Konto Anglo Palestine Co. Jaffa für Sachs,, anzumelden. Die restlichen Beträge müssen bis spätestens 10. März 1914 eingezahlt werden. Auskünfte und ausführliche Prospekte beim Palästina-Informationsbüro des Zion. Aktionskomitees, Wien II, Karmeliterplatz I. Hakoah. Der stolze Name, der an der Spitze dieser Zeilen prangt, bedarf keiner Einführung mehr. Der Name des siegreichen Wiener jüdischen Sportklubs ist weit und breit bekannt Gar viele jüdische Knaben träumen von ihrer Aufnahme in die Reihe der wackeren „Hakoahner“, viele mutige, kraftstrotzende, tüchtige jüdische Jünglinge üben sich in der Hakoah in allen Zweigen des Sports, und wenn die Montagblätter mit einer stereotypen Regelmäßigkeit von einem neuen Sieg der Hakoahner berichten, dann schlägt auch manches uns. . sonst fernstehende Herz höher. Man freut sich, als hätte man ^.übjimaant Hnt,xSlte ‘das Gefühl: „Es sind unsere Jungen!“ In modernen jüdischen Kreisen ist es wohl überflüssig, auf die große Bedeutung der Leibesübungen und auf deren besonders in den letzten Jahren bevorzugten Art: auf den Sport zu verweisen! Die sportliche Betätigung der Jugend hängt mit der gesunden Entwicklung jedes Volkes zusammen. Bei uns, die wii der großen Mehrzahl nach die Städte bevölkern und immer noch an den Folgen eines zweitausendjährigen qualvollen Galeot leiden, ist dies noch in gesteigertem Maße der Fall. Wir alle begrüßen daher mit aufrichtiger Freude die vor etwa vier Jahren erfolgte Gründung des Wiener jüdischen Sportklubs „Hakoah“. Der Name bedeutet wohl Stärke, allein die Anfänge waren klein und dürftig, der Klub hat sich jedoch mit eiserner jüdischer Energie durchgesetzt. Es galt nach zwei Richtungen zu kämpfen: gegen den Antisemitismus, der auch in Sportkreisen seine Blüten treibt und der mit allen Kräften bemüht war, die Hakoah niederzuhalten, und gegen die jüdische Gleichgültigkeit, diese Pflanze der Assimilation. Die Hakoah ist eine jüdisch-nationale Gründung und sie ist ihren Grundsätzen immer treu geblieben. Sie ist nicht ins Leben gerufen worden, um nach Assimilantenart den Nachweis zu erbringen, daß sich die Juden auch auf dem Gebiete des Sports bewähren. Zweck der Hakoah war und ist: werktätige Teilnahme an der ‘körperlichen Regeneration des alten Judenvolkes, Erziehung einer kräftigen Jugend zum jüdischen Selbstbewußtsein. Gar manche mochten im Anfang gefragt ' haben: „Wozu die Absonderung auch im Sport?“ und sprachen dem jungen Klub jegliche Daseinsberechtigung ab. Heute sagt dies wohl niemand mehr. Die nationale Idee hat auch dem Turn- und Sportwesen ihr Gepräge verliehen. Es gibt — bis auf einige mit Juden sehr stark durchsetzte Vereine — nur mehr nationale Turn- und Sportvereine in Oesterreich. Und wie wir im politischen, wirtschaftlichen und geistigen Leben Gesinnungsgenossen, verlanget in allen jüdischen Restaurants etc. Kellnerzettel des ]. N. F. . ~