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Jüdische Zeitung · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 6 tober gefaßten Beschlüsse prinzipiell und taktisch unrichtig waren und daß sie schon am 21. Dezember v. J. in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Kuratoriums die Forderung gestellt haben, zur Revision jener Beschlüsse unverzüglich eine Sitzung einzuherufen. Nun ist es aus mit der Mehrheit der Herren Nathan und Simon. Die Zionisten haben die überwältigende- Majorität des Kuratoriums auf ihrer Seite und mithin ist auch die Frage des Haifaer Technikums in ein neues Stadium getreten. Wie das nachstehend veröffentlichte Telegramm meldet, haben die Herren James Simon und Paul Nathan .aus den letzten Vorgängen die Konsequenz gezogen und als Vorsitzende des Kuratoriums ihre Demission gegeben. Damit ist eigentlich der Kampf entschieden. Er hat die jüdischen Größen, die aus politischer Liebedienerei eines unserer heiligsten nationalen Güter, unsere Sprache, verkaufen und selbst in Palästina ein assimilatorisches Milieu schaffen wollten, weggefegt Das Werk des Technikums wird auch ohne Nathan und Simon zustande kommen. Bald wird die Entscheidung da sein und es kann heute kein Zweifel mehr bestehen, daß die Entscheidung im günstigen Sinne, im Sinne der palästinensisch-hebräischen Forderungen ausfallen und uns einen' glänzenden Sieg bringen wird. Einen Sieg des neuen nationalen Judentums über die morsche Assimilation, einen Makkabäersieg. Wie einst die Priestersöhne aus Modln, wollen auch "wir zu der Weihe des Heiligtums schreiten, nachdem wir es von den Ueberresten-fremden Götzendienstes gereinigt haben. - 4t 4t Rücktritt der Herren James Simon und Dr. 'Paul Nathan vom Kuratorium des jüdischen Technikums in Heifa. Vergangene Woche brachten die „Hazephira“ (Warschau) und der „Jewish Chronicle“ (London) Meldungen von dem Austritt der Herren James Simon und Dr. Paul Nathan aus dem Kuratorium des jüdischen Technikums in Haifa. Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle, daß diese Nachrichten zutreffen. Einstellung der Arbeiten am jüdischen Technikum in Haifa. - Auf telegraphische Anordnung des geschäftsführenden Ausschusses aus Berlin wurden die Arbeiten am jüdischen Technikum in Heifa eingestellt Bisher sind bereits 65 jüdische Arbeiter entlassen worden. Zn dsn Kammerwahlen in der Türkei. Von Julius Löwy. Die europäische Diplomatie hat nach einer durch den Balkankrieg verursachten Pause ihr Ballspiel in Konstantinopel wieder begonnen. Deutsche Militärmission, Protest der Tripelentente, Zustimmung der Tripelallianz, Aufteilung der Inseln, Reformen in Armenien, Reformen in Anatolien, Reformen in Syrien und schließlich Konzessionen, Konzessionen und wieder Konzessionen. Das alte Spiel in nicht einmal neuen Formen. Die Notwendigkeit für Reformen läge den europäischen Staaten näher. Die vielen Streiks, von denen täglich der Draht meldet, erweisen deutlich die soziale Rückständigkeit allerorten. In Oesterreich hat die Obstruktion eines gewesenen Ministers die Verfassung außer Kraft gesetzt, müht sich Regierung und Volksvertretung in gleicher Unfähigkeit um die ächzende Staatsmaschine; Ungarn beherrscht das tiszasche Gewaltregime 'mit Bajonetten und Korruption; in Deutschland ist der schärfste Kampf zwischen dem preußischen Königstum und der Demokratie ausgebrochen; in England geht der Home Rule-Streit weiter; Rußland steht vor einer neuen Periode politischer und sozialer Erschütterungen; Italien sieht sich nach dem tripolitanisehen Raubzug vor leeren Staats- ALLGEMEINE DEPOSITEN-BANK. Der Verwaltungsrat beehrt sich hiermit die stimmberechtigten Aktionäre der Allgemeinen Depositen-Bank zur zweiundvierzigsten ordentlichen General-Versammlung, welche Dienstag, den 24. Februar 1914, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale des Anstaltsgebäudes (1., Schottengasse 1) stattfinden wird, einzuladen. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1913, 2. Bericht der Revisoren, 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes, 4. Wahl von vier Mitgliedern des Verwaltungsrates, 5. Wahl des Revisions-Ausschusses, bestehend aus drei Mitgliedern und einem Ersatz- .;! . .mattqe,;! v~ . ■ ■ 6: Statutenänderung. ~ Die Herren Aktionäre; welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden eingeladen nach § 18*) der Gesellschaftsstatuten ihre Aktien wenigstens acht Tage früher, d. i. bis spätestens inkl. 16. Februar 1914 bei der Allgemeinen Depositen-Bank in Wien (I., Schottengasse 1) zu hinterlegen. Der Rechnungs-Abschluß, pro 1913 wird den zur Generalversammlung legitimierten Herren rechtzeitig zugesendet werden. x Wien, 30. Jänner 1914. Der Verwaltungsrat. *) § 18. Jeder Aktionär ist in der General-Versammlung zu so vielen-Stimmen berechtigt, so vielmal er 10 Aktien besitzt. Aktien, auf Grund deren in einer General-Versammlung ein Stimmrecht ausgeübt werden soll, müssen samt den noch nicht fälligen Kupons wenigstens 8 Tage vor dem Tage. der Versammlung an einem vom Verwaltungsrate kundgemachten Orte deponiert werden. kassen; Frankreich brennt im Fieber der Rüstungen; die Balkanstaaten sind amämisch geworden. Das ist das Bild, das Europa bietet, dasselbe Europa, das der Türkei Reformen aufzwingen will, um den ruhebedürftigen Staat durch neuen Völkerstreit von Neuen zu sprengen. Jeden Tag hört der Großwesier neue Ratschläge seiner Freunde, muß .die Türkei neue fremde Räte anstellen: Deutsche im Heer, Engländer in der Marine, Russen in der Finanzverwaltung, Franzosen' in der Staatsschuldenkontrolle oder in der Gendarmerie. Man denkt da an den spanischen Wucherer, der ein luxuriöses Armenhaus stiftete, nachdem er dafür gesorgt hatte, daß es. in der Stadt recht viele Arme gab. > In den zwei Jahren seit dem Ausbruch des Balkankrieges hatten sich recht viele Gelegenheiten für die türkischen Staatsmänner ergeben, ihre Freunde zu erkennen. Mitten in einer schweren inneren Krise wurde ihr Land überfallen, ihre Armee zerschmettert, ihre Flotte aufgelöst, ihre Kasse geleert Niemand, der ihnen auch nur Trost spendete. Das absolute Desinteressement, das unser glorreiches Außenministerium anregte, verbreitete sich über die christlichen Staaten, die eben noch über den libyschen Feldzug schmunzelten. Aber die von Parteiungen zerrüttete Türkei hatte keine Kraft, ihre Situation zu erkennen. Politische Attentate und Konspirationen, hinter denen natürlich immer irgend ein christlicher Staat stand, vermehrten noch den Jammer, und heute sehen wir die Türkei wieder in ihrer Not, wieder von ihren Freunden überlaufen. Die Türkei steht in den Wahlen zur Kammer. Mehr als in anderen Staaten müssen dort für die Zusammensetzung der Reichsvertreiung die Anforderungen des Staatsganzen maßgebend sein. Die Einheitlichkeit des Staates, die Notwendigkeit seiner Sicherung müssen mehr Ueberzeugungskraft auf den Bürger üben als Parteischlagworte. Die Türkei wird leben, wenn ihre Völker leben, d. h., wenn sie ihnen den Raum zur innerlichen Entwicklung gibt und sie lehrt, daß sie nur im Rahmen des wohlverstandenen Völkerstaates gedeihen können. Das Beispiel der in Thrazien, Mazedonien ijnd Albanien zerrissenen Balkanvölker muß eine heilsame Lehre sein. Zu den Völkern, die unter dem Szepter des Sultans leben und zu seinen treuesten Elementen zählen, gehören die Juden Palästinas. Sie sind die einzige Nation, die ihr eigenes Leben leben will, ohne sich in Europa Helfer zu suchen. Politik vollzieht sich, nicht nach ethischen Prinzipien, sondern ist die Ausgleichung des Kräfteverhältnisses verschiedener realer Machtfaktoren. Nun wissen wir Juden aus langjähriger Erfahrung den Wert der Freundschaftsversicherungen der europäischen Regierungen abzuschätzen. Wir wissen, daß die Türkei weniger reformbedürftig ist wie etwa Rußland. Und daraus leitet sich unser Wunsch’ ab, der Türkei unsere kulturelle Arbeit zu widmen, zu unserem und der Türkei Wohl. Diese Erwägungen bleiben immer und unverändert, solange wir Juden, wie oben gesagt, unser eigenes Leben leben wollen. Sie verwandeln sich aber sofort in ihr Gegenteil in dem Augenblick, in dem in die Entwicklung des jüdischen Volksdaseins ein fremdes Motiv eingeschaltet wird. Wenn wir Juden in Palästina auch die Pflichten vergessen, die wir gegen unsere Sprache als den wesentlichsten Ausdruck nationalen Fühlens besitzen, dann verliert der neue Jischub jeglichen politischen Wert für das Judentum außerhalb Palästinas. Ein deutsch oder englisch oder-Tranzösisch gerichtetes Judentum ist uns nicht nur wertlos, sondern sogar gefährlich. Im Orient ist Sprache dem Begriffe der Interessensphäre kongruent. Und deshalb entstehen dann im Judentum des Gealut neue giftige Reime der Zwietracht, öffnen sich neue tiefe Abgründe-zwischen den Volksteilen in den verschiedenen Ländern, zwischen denen der Zionismus mit wahrhaft heroischer Anstrengung eine Brücke geschlagen hat. Aus diesem Grunde ist der Kampf, den wir gegenwärtig um das hebräische Schulwerk in Palästina führen, so notr wendig. Er richtet sich momentan gegen den würgenden Einfluß des Hilfsvereins der deutschen Juden. Wenn wir diesen Kampf aber nicht jetzt und restlos auskämpfen, dann kann er jederzeit wieder gegep irgend eine englische oder russische oder französische Judentruppe ausbrechen, die unvermeintlichen oder wirklichen Auftrag der Regierung ihres Wohnlandes auf Vorposten geben will. Unser Kampf geht um die Einheit des Judentums, um seine ungestörte Verbindung mit Erez Jisrael, um die Sicherung der hebräischen Sprache und damit um unser Leben und unsere Zukunft Wenn wir uns vom Mutterboden losreißen lassen, so ersticken wir und haben als Nation jede Existenzberechtigung verloren. Diesen Kampf. aber können wir ohne die werktätige Sympathie der Türkei nicht führen. Die Türkei kann keine andere Ueberzeugung gewinnen, daß jede nicht von jüdisch-nationalen Motiven ausgehende Schulgründung bei der jüdischen Bevölkerung Palästinas, selbst und bei dem gesamten Nationaljudentum des Exils den schärfsten Widerstand findet. Das jüdische Volk, das in Palästina für sich arbeitet, arbeitet auch für die Türkei und wird ihr zu einem kräftigeren Hilfsfaktor erwachsen als das je irgend eine europäische Mission ihr werden könnte. Wir Vta.LDn i&DMiDnnii IwUi—t ImmMi La]M*otM 1t. Untersuchung der Augen und Verordnung passender Augengläser täglich von 9 Uhr bis 7 Uhr abends kostenlos unter Leitung des Augenarztes Herrn Dr. Poborskl. Brillen ü. Zwicker von K 3.— an. Telephon Nr. 8630. 3 ’ Maplmi

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