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Jüdische Zeitung · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 zu lassen. Schon vorher hatte er sich mit Dr. Bechowski, dem Vertrauensmann des Beilis in Verbindung gesetzt. Es ging auch alles ganz gut, bis die Polizei von Kiew aufmerksam wurde durch eine kleine Mitteilung in einer Provinzzeitung, wonach zwei englische Korrespondenten in Kiew weilten, um die Memoiren. des Beilis niederzuschreiberi. Die Polizei wandte sich zunächst vergeblich um Auskunft an Dr. Bechowski, sie kam aber bald dahinter, daß jeden Tag um 11 Uhr ein blaues Automobil, dem zwei Herren entstiegen, vor der Wohnung des Beilis hielt. Berlians und Wray, die bald merkten, daß die Polizei hinter ihnen her sei, arbeiteten die ganze Nacht an der Uebertragung ihrer stenographischen Aufzeichnungen. - Mit einem Teil der Memoiren fuhr dann Wray schleunigst ab, während Berlians den andern Teil unter einer Badewanne in seinem Hotel verbarg. Bereits beim Morgengrauen-des anderen Tages erhielt er den Besuch dreier Polizisten, die ihn mit den Worten anfuhren: „Sie sind englischer Korrespondent!“ und alsbald nachdrücklich dieBeilis-Aufzeichnungen verlangten. Berlians erwiderte, diese seien im Besitz seines Kollegen Wray, der in einem arideren Hotel wohne. Alsbald begaben sich die Polizisten dorthin; aber Wray war schön einige Stunden zuvor abgereist, angeblich, wie Berlians den Polizisten erklärte, nach Wien, in Wirklichkeit hätte er einen anderen Weg eingeschlagen. Nun begann hei Berlians eine gründliche Haussuchung, aber man fand nur ein kleines (verbotenes) Buch: „Die Wahrheit, über den Kiewer Mord“, dessen Verfasser der Kiewer Journalist Brasul Bruschkowski ist. Berlians wurde trotz aller Einsprüche für verhaftet erklärt und sofort abgeführt. Doch schon am nächsten Tage kam der Befehl, ihn frei zu lassen. Die Polizei, die ihrem Aerger darüber, daß ihr die Beilis-Memoiren entgangen waren, nicht verhehlte, forderte Berlians auf, Kiew unverzüglich zu verlassen, wollte ihm aber keinen Paß ausstellen, damit er nicht aus Rußland hinauskommen konnte. Endlich war auch diese Schwierigkeit beseitigt, und der der russischen Polizei so unbequeme Journalist konnte mit seinen Aufzeichnungen die Grenze des Zarenreichs passieren. Die-Veröffentlichung der Aufzeichnungen, die demriächst erfolgen wird, dürfte der russischen Regierung sehr unangenehm sein, da Beilis darin ganz genaue Angaben über die mutmaßlichen Mörder des Knaben Juschtschinski macht. Diese Hinweise sind den Justizbeamten des Zarenreichs ganz genau bekannt, aber man hütet sich — auf höhere Weisung —, diese Spuren aufzunehmen. Während Beilis bis auf kleine Anrempeleien der Presse der „echt russischen Männer“ unbehelligt blieb, haben es die, die in seinem Prozeß irgendwie entlastend für ihn ausgesagt haben, nicht so gut. Berlians erzählt von den Drangsalierungen verschiedener Entlastungszeugen durch die Behörden. Jeder Vorwand ist dafür recht. Ein Polizeileutnant, Otto Hu$o GMr$, Wien, II., TaborstraBe 17. Telefon 39247. Wintersport-Literatur, Ski, Eislauf, Rodeln. Antiquariat, Provinzversand. aus der Fabrik L, T. Piovati Zentral-Verkauf: MAX LUSTIG, WIEN L, Adlergasse 3. L. Franz J uefs-Qual 19. Versand nach dem In- und Auslande. Solideste Bedienung. Preiskurante gratis u. franko. BESTAUBAII JABBB PIHHAS im Neubau des -m» HOTEL NEW-YQRK ns» Wien, II., Kleine Sperlgasse 5 bietet den. P. T. Gästen allen Komfort Küche and Keiler sind als erstklassig bekannt Ele. anteu geräumige Lokalitäten Hochzeitsand Festbankette werden bestens arrangiert der dem Beilis ein gutes Leumundszeugnis ausstellte, verlor seinen Posten. Der Verteidiger Margulin wurde aus der Liste der Anwälte gestrichen, weil er mit einer so verworfenen Person wie die Vera Tscheberiak eiri Protokoll aufgenommen habe; das sei unmoralisch. Aber dieselbe Tscheberiak, die dreimal wegen Diebstahls rechtskräftig verurteilt worden ist, wandelt frei und unbehelligt umher. Znm Sprachenkampf in Palästina. Die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder für die Hebraisieruhg des Technikums in Haifa. Der Kampf um die hebräische Sprache in Palästina tritt durch die _ Stellungnahme der amerikanischen Kuratoriumsmitglieder in ein neues Stadium ein. Die Mittel für das Technikum in Haifa sind größtenteils in Amerika aufgebracht worden und die Stellungnahme der amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums des Technikums erhält dadurch besonderes Gewicht Ein Kabeltelegramm vom 18. Januar meldet von einer Sitzung in New-York, ap der sämtliche amerikanischen Mitglieder des. Kuratoriums, lauter führende jüdische Persönlichkeiten, unter ihnen die Herren Straus, Jacob H. Schiff, Kraus, Marshall, teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, daß Hebräisch die offizielle Sprache am Technikum sein solle. Für den Verkehr der Schule mit der Türkei soll neben Hebräisch Arabisch und Türkisch in Betracht kommen, für den Verkehr mit fremden Ländern eine der europäischen Hauptsprachen. Die Unterrichtssprache am Technikum soll prinzipiell Hebräisch sein. Hebräisch als ausschließliche Unterrichtssprache soll spätestens in sieben Jahren eingeführt sein; nur wenn für ein Fach nach Ablauf dieser Frist der Nachweis erbracht werden kann, daß die Lehrmittel in hebräischer Sprache nicht genügend entwickelt sind, soll eine Ausnahme gestattet werden. Es wurde beschlossen, die zionistische Organisation um moralische und materielle Unterstützung zu ersuchen und an die Vertreter der zionistischen Bewegung, die Herren Ginsberg. Dr. Levin und Dr. Tschlenow wegen ihres Wiedereintritts in das Kuratorium, aus dem sie ausgeschieden waren, heranzutreten. Die Beschlüsse stehen in allen wichtigen Punkten in deutlichem Gegensatz zu dem bekannten Beschluß der Kuratoriumssitzung in Berlin am 26. Oktober vorigen Jahres, an der die amerikanischen Mitglieder nicht teilgenommen haben. ♦ Die Kampfesweise des Hilfsvereins. Die Erregung unter den Juden Palästinas gegen die Erklärungen Dr Paul Nathan’s nimmt immer heftigere Formen an. Wie sehr der von Dr. Nathan erstattete Bericht die Gemüter aufgeregt hat, zeigt folgendes, an das Zionistische Zentralbüro gerichtete Telegramm des im Dienste des Hilfsvereins ergrauten früheren Prorektors des Jerusalemer Lehrerseminars des Hilfsvereins, David Yellin: Jerusalem, den 18. Januar. „Ehrabschneiderische Verleumdung in Nathanberichten, daß ich Schüler Lämmelschule vier Tage nach Ueberreichung Memorandums oder sonstwie aufgefordert hätte, in damals nicht einmal geplante neue Knabenschule überzutreten, weise ich voller Entrüstung als bodenlose Lüge zurück. Benachrichtigt Zeitungen.“ David Yellin. Haifa. Der Direktor des Technikums, Finkeistein, stationiert seit einigen Tagen Gendarmen vor dem Gebäude des Technikums. Die Juden Haifas sind in furchtbarer Erregung über diese gänzlich unbegründeten provokatorischen Maßnahmen. Waad Hachinuch. Komitee für das hebräische Erziehungswesen. Die antisemitische Hetze ra Polen. Trotz der vielen beschwichtigenden Meldungen, die in letzter Zeit eingelangt sind, nimmt die systematische Judenhetze in Polen immer erschreckendere Formen an. Jetzt wird systematisch daran gearbeitet, den Juden den Kredit zu entziehen. In der polnischen Presse werden Berechnungen angestellt, wieviel polnische Kapitalien in Form von Hypotheken jüdische Häuser belasten. Der Betrag belänft sich angeblich auf 25000000 Rubel. Die Zeitung „Dwa Grosche“ widmet der Frage eine spezielle ständige Rubrik, betitelt „Blindes Kapital“, in welcher eine genaue Liste der christlichen Gelder, weiche jüdische Häuser belasten, gebracht wird. Die Zeitung droht, die christlichen Hypothekengläubiger namhaft ztv machen, wenn sie ihre Gelder nicht bald den Juden kündigen. Dieser Tage fand in der Wohnung des Grafen Lubienski eine diesbezügliche Sitzung statt. In der Sitzung wurde festgestellt, daß die Juden im ganzen den Warschauer Kreditgesellschaften 68500000 Rubel und Privatleuten ca. 75000000 Rubel schulden. Das Resultat der Beratung wird geheimgehalten und. die Zeitungen beobachten Stillschweigen. * * Die national-demokratische Presse verzeichnet voll Zorn die Tatsache, daß der Marktfleck Dabrowa aller Wahrscheinlichkeit zum Städtchen gemacht werden wird, wodurch die Juden dort das Wohnrecht erlangen. Die „Gazeta Warschawska“ zitiert mit großer Unzufriedenheit das Dekret des Gemeindege- IS! miMi mm [(feilt)' CenteJeurKÄ/feoiebd: ^4en.VHi6r iahÜJ&rßr 4£ Unsere rio&elle ^sndfierwciKc V^Kauföhaufer MRainerptat». 3 K Alfer strofjeö LFSotenfurmiIi'12 X Keplerpl&fic 15 \AMariahälferflr4J KNußdorferiJr.14 wm ^609 827706

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