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Jüdische Zeitung · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Formulierung von Abänderungs-, Zusatz- und Beitragsanträgen auf die Stellung dieses rein formalen Antrages vergessen hatte; Hofrat Kuranda freute sich über diesen Erfolg unbändig .... Aber Scherz bei Seite! Wollen wir Juden endlich aufhören, bloß Steuerobjekte zu sein, dann müssen wir trachten, jüdische Vertreter in die öffentlichen Vertretungskörper hineinzubekommen. J. Sch. Partemachrichten. Sitzung des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich. Das auf dem Prager Parteitage neugewählte Zionistische Zentralkomitee für Westösterreich hält seine erste Sitzung am Sonntag, den 1. Februar, in Iglau im Grand-Hotel Schulz ab. Beginn der Sitzung: 2 Uhr nachmittags. * Zionistischer Distriktstag ffirlnnerösierreich. Wir berufen für Sonntag, den 15. Februar 1914, pünktlich 10 Uhr vormittags, den diesjährigen Distriktstag nach Wien ein. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Wahl des Bureaus und des Legitimationsausschusses, 2. Bericht des Distriktskomitees, 3. Antrag des Distriktskomitees auf Abänderung der Statuten, 4. Referat' des “ Gg. Dr. Egon Zweig über die Mischehe, 5. Referat über Jugenderziehung, 6. Referat über das hebräische Schulwerk, 7. Wahl des neuen Distriktskomitees, 8. Budget, 9. Eventualia. Nach den Bestimmungen unseres Statutes entsenden Vereine, mit 15—25 Mitgliedern 1 Delegierten, mit -26—50 Mitgliedern 2 Delegierte, mit 51—100 Mitgliedern 3 Delegierte und für jedes weitere angefangene hundert Mitglieder einen Delegierten mehr. Außer den Delegierten nehmen auf dem Distriktstage mit Sitz und Stimme teil: 3 Mitglieder des D.-K-, der Präsident des Z.-Kfür Westösterreich oder dessen Stellvertreter, die westösterreichischen A.-C.-Mitglieder und die Mitglieder des E.-A.-C. Wir machen ausdrücklich aufmerksam, daß im Sinne des § 8 des Statutes nur die Delegierten jener Vereine zum Distriktstage zugelassen werden, die die Parteisteuer für das laufende Distriktsjahr voll entrichtet haben. ‘ Meines GLAS 1KR. sÜGEMARMEj Bestes Obst in der bekömmlichsten Form Frei von allen künstlichen Zusätzen. MARMELADE Das Ergebnis der vorgenommenen Delegiertenwahlen ist spätestens bis Dienstag, 10. Februar 1914, dem D.-K* mitzuteilen. Der Ort der Tagung wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Zionistisches Distriktskomitee für Innerösterreich. * N Mähr.-schles. zion. Distriktstag. Sonntag, den i. Februar 1914, findet im Bräuhaussaale zu Iglau der mähr.-schles. zion. D.-T. statt Die Tagung beginnt um 9 Uhr früh mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl des Büros, 2. Rechenschaftsberichte, .3. Organisation (Referent Dr. Leopold Leschner- Troppau), 4. Budget, 5. Neuwahlen, 6. Jugenderziehung im Goluth (Referent Dr. Sig. Werner. Iglau), 7. Der Schulkampf in Erez Israel (Referent Dr. S. Friedmann, Troppau). Wegen Wohnungsbestellungen wolle man sich an den Verein „Theodor Herzl“' in Iglau wenden. — Am 1. Februar, abends, findet im Bräuhaussaale eine große jüdische Volksversammlung statt, in welcherdie Herren Dr. Levin (Berlin), Dr. Emil Margulies (Leitmeritz), Oberingenieur Robert Stricker (Wien) und Dr. S. Fried mann (Troppau) sprechen werden. * Generalversammlung des Zionistischen Zentralvereins Wien. Laut § 11 der Vereinsstatuten berufen wir für Donnerstag, den 12. Februar 1914, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Zionistischen Zentralvereins ein. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, 2. Neuwahlen, 3. Wahlen zum Distriktstag, 4. Budget, 5. Eventualia. Stimmberechtigt sind lediglich die ordentlichen Mitglieder des Vereins. Für den Vereinsvorstand: Ludwig Batö, dzt. Obmannstellvertreter. * * * Letzter Wocheuausweis des Jüdischen Nationalfonds. Für den Jüdischen Nationalfonds sind vom 16. bis 23. Januar d. J. 10901.25 Mk. eingegangen. Hiervon entfallen auf: Deutschland 2858.80 Mk., England 2670.60 Mk., Nordamerika 2521.48 Mk., Rumänien 1307.50 Mk., Schweiz 535.40 Mk., Palästina 525.— Mk., Frankreich 412.60 Mk-, diverse Eingänge 69.87 Mk. Kultur oder Fetisch.'1 (Eine Entgegnung.) In Nr. 9 der unlängst ins Leben gerufenen Zeitschrift „Die Freistatt“, Alljüdische Revue, erschien ein Artikel von einem jungen Juristen A. S. Juris betitelt „Kultur oder Fetisch“. Dieser Artikel, von einem der Wenigen selbständig denkenden der jüdischen Studentenschaft, könnte einerseits richtunggebend für viele junge Studenten werden, anderseits in der Oeffentlichkeit die Meinung hervorrufen, daß darin die *) Anmerkung der Redaktion: Wir bringen diesen interessanten Artikel, ohne in allen Einzelheiten dem Verfasser beizupflichten. Zivilehen bei Juden Auf 1000 Juden 1880 47 0,56 1890 41 041 1900 83 0.57 Durchschnitt L901—1905 100 0.67 „ 1906—1910 132 0.86 1911 166 1,08 Es wird aber immer wieder, auch vom Verfasser übersehen, daß eine große Anzahl von sog. Mischehen in Wahrheit keine sind, d. h. daß ein konfessionsloser Jude eine Jüdin ehelicht, natürlich muß eine Ziviltrauung stattfinden, Interessant sind daher vor allem die Daten, wie die Kinder, aufgezogen werden und da zeigt sich folgendes Bild: Von 232 Kindern aus Mischehen: die der Verfasser anfährt; wurden erzogen: konfessionslos 83 christlich 102 jüdisch 47 es bleibt also nur ein Fünftel der Kinder jüdisch. Alles in allem zeigt die Wiener Judenschaft ein besonders ungünstiges Bild der Bevölkerungsstatistik. Die letzten Zedern des Libanon. Was ist von den gewaltigen Zedernforsten des Libanons noch geblieben, aus denen einst König Salomo das Holz Tür seine großen Bauten schlagen ließ? Wir finden Exemplare und kleine Wälder dieses schönen Baumes, der zu so viel Legenden Veranlassung gegeben hat, fast in allen Teilen Europas, aber in seiner Heimat, an den Abhängen der syrischen Berge, ist die Libanonzeder heute fast ausgestorben. Nur an einer Stelle noch, an den Abhängen des Djebal-el-arz, des „Zedernberges“, der etwa einen Tagesmarsch von dem Dorfe Bscnerreh entfernt ist, gibt es noch einen kleinen Hain von Libanonzedern: ca. 400 Bäume, die sich 3105 m über dem Meeresspiegel auf einer Hügelkuppe, angesichts des ewigen Schnees des Dahr-el-Hodib, erheben. Die Baumgruppe ist heute durch eine Steinmauer geschützt, die von den Maroniten errichtet wurde; die Bergziegen können daher keine Verwüstungen anrichten. Inmitten des Haines erhebt sich eine kleine Kapelle, zu der oft die christlichen Eingeborenen pilgern; und in den Sommermonaten kommen aus Beirut und der weiteren Umgebung einige Familien, um hier im Parke, unter Zelten, eine Art Sommerfrische zu genießen. Die ältesten Bäume dieses letzten Zedernhaines erreichten eine Höhe von 27 m; der größte Baum hat am Stamme einen Umfang von über 15 m. Es ist unmöglich, das Alter dieser Riesen zu bestimmen, sicherlich aber sind viele von ihnen mehr als 1000 Jahre alt. Von der Urbevölkerung Palästinas. In der Deutschen Orientgesellschaft sprach Geheimrat Prof. Dr.Eduard Meyer über das Thema: „Kleinasien und die Chettiter“. Der Vortragende entwickelte ein Bild von dem bunten und chaotischen Völkergewirr, das über die kleinasiatische Halbinsel im Laufe der Jahrtausende dahingegangen ist und dort seine Spuren hinterlassen hat. War seit Alexanders Zügen bis zum Einbruch der Seldschucken alles Leben dort hellenisiert worden, so tilgten später die Kurden und die Tscherkessen, dann die osmanischen Türken auch diese Spuren. Aber schon lange Jahrhunderte vor der Invasion der Thraker, der Griechen,' der Perser, der Phryger und der Armenier, letzterer aus den Quellgebieten des Euphrat und des Tigris, lebte in Kleinasien ein in viele Einzelstämme sich gliederndes, aber doch in physischer und religiöser Hinsicht, wie auch in Kunstübung als einheitlich sich charakterisierendes Volk mit eigener Sprache, das Volk der Cheta, wie es die ägyptischen Urkunden, der Chatti, wie es die assyrisch - babylonischen Tontafelarchive bezeichnen, das auch im Pentateuch genannt wird, und dem wir heute allgemeinden Namen Chattiter oder Hettiter beilegen. Professor v. Luschan, der 1888 89 bei seinen Ausgrabungen in Sendschirli eine hettitische Burganlage aufdecken konnte, hat mit Hilfe der aufgefundenen Reliefdarstellungen die Chettiter als die Urbevölkerung Kleinasiens bezeichnet und sie physisch als’ völlig verschieden von den Semiten, als kurzköpfig mit fleischigen Gesichtern und gekrümmter Nase und auch als völlig anders als die Aegypter beschrieben. Weniger deutlich als in anthropologischer Hinsicht sind uns dagegen die Chettiter in historischer Beziehung, und der Vortragende suchte nach dem heutigen Stande unserer Kenntnisse ein Bild ihrer Kultur und ihrer Kämpfe mit Assyrien einerseits nnd mit Aegypten andererseits zn bieten; ' denn die Urkunden zeigen, daß zwischen diesen beiden alten Großmächten die Chettiter Jahrhunderte hindurch sich behaupten und daß sie ein Gebiet von Euphrat bis an die Küsten der Aegäis und bis an den Südrand Kleinasiens beherrscht haben. Zuerst gab Hamilton Kunde von solchem Kulturvolk, aber erst die Ausgrabungen in Boghasköj östlich vom Halys im alten Kappadokien und in Uejük zeigten uns eine chettitische Stadtanlage mit gewaltigem Mauerringe, der durch Türme bewehrt war und an dem steinerne Löwen als Wächter vor den Toren angebracht waren, daneben fanden sich Reliefs von Götterbildern und Bilderinschriften, deren Deutung bisher noch nicht gelungen ist. In der Stadt selbst stieß man auf Paläste. Ferner tauchte ein Götzenbild in Reliefdarstellung auf, das schon Herodot einst im Taurusgebiet gesehen und fälschlich als Sesostris gedeutet hatte, denn es trägt keine Spur ägyptischer Kunstdarstellung, vielmehr erinnert es an spezifisch chettitische Götterbilder. Es stellt eine gedrungene Gestalt ohne Bart dar, den König offenbar, bewehrt mit Lanze. Boden und Dolch, den Kopf bedeckt mit der für die Chettiter charakteristischen Kegelmütze, die Füße mit Schnabelschuhen bekleidet. Die Grabungen in Jerobis, dem berühmten Karkemisch am Euphrat, zeigten dann diese Hauptstadt der Chettiter, deren Gebiet dort 717 vor der übl. Zeitrechnung assyrische Provinz wurde. Die Stadt Chat bei Boghasköi hatte etwa den Umfang Athens zur Zeit des Themistokles, und hier lernen wir namentlich die charakteristischen Motive chettischer Kunst kennen, die Löwen, die Sphinxe, von den Chattitern ins Weibliche verwandelt, den „Gewittergötzen“ mit Hammer und Blitz darstellt Dort fand sich auch neben Ideogrammen in babylonischer und chettitischer Schrift ein sogenanntes dreisprachiges Lexikon aus Assur in dem „Reichsarchiv“. Es enthält Worte in sumerischer, das heißt altheiliger assyrischer Sprache, in akadischer Sprache und chettitischer Sprache und diente wohl der Praxis der Diplomaten; denn die Sprache der Diplomatie Vorderasiens ist Jahrhunderte hindurch das Babylonische gewesen. Mit Hilfe dieses Glossars, das Prof. Fr. Delitzsch gegenwärtig bearbeitet, dürfte wohl Licht auf die chettitische Sprache und von hier aus auch auf die bisher noch nicht lesbaren Bilderschriften fallen. Das Wappen des hettitischen Reichs ist der Doppeladler.

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